Wie lange stillen Mütter in Deutschland und welche Faktoren beeinflussen das Stillverhalten? Wie sind die Stillbedingungen in deutschen Geburtskliniken? Fragen wie diese stehen im Vordergrund der aktuellen Studie Suse II. Sie wurde jetzt von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) als Teil des kommenden 14. DGE-Ernährungsberichts vorab veröffentlicht.
In der vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft geförderten Querschnittserhebung wurden Daten zum Stillmanagement aus 109 Geburtskliniken erhoben. Anschließend wurden 966 dort rekrutierte Mütter an fünf Zeitpunkten im Verlauf des ersten Lebensjahres zum Stillen und zur Säuglingsernährung befragt.
Studienleiterin Professor Kersting resümiert: „Unsere Ergebnisse erlauben vertiefte Einblicke in Kernelemente des Stillens und der Säuglingsernährung in Deutschland und geben neue wertvolle Ansatzpunkte zur weiteren Stärkung der Stillförderung.“
Gute Stillbetreuung in den Geburtskliniken
Die Auswertung der Daten in den Geburtskliniken zeigte ein erfreuliches Ergebnis. „Wir haben festgestellt, dass die aktuellen Empfehlungen zur Stillförderung im Krankenhaus zum großen Teil umgesetzt wurden“, so Professorin Mathilde Kersting. „Insbesondere waren wir mit den strukturellen Rahmenbedingungen für das Stillen sehr zufrieden“. Auch die Mütter bewerteten die Stillbetreuung im Krankenhaus und die Informations- und Beratungsangebote meist positiv.
Hohe Stillquoten in den ersten vier Monaten trotz anfänglicher Stillprobleme
56 Prozent der Säuglinge wurden in den ersten vier Monaten ausschließlich gestillt, weitere 25 Prozent zumindest teilweise. „Es ist erfreulich, dass die Quoten der Mütter, die in den ersten Monaten voll oder teilweise stillen, so hoch sind. Und das trotz relativ weitverbreiteter anfänglicher Stillprobleme,“ so die Studienleiterin.
Diese hatten etwa die Hälfte der Mütter. Sie empfanden eine unzureichende Milchmenge als Hauptgrund für eine Stilldauer kürzer als vier Monate. Statistisch belegbar waren dagegen Faktoren wie fehlende oder geringe Stillabsicht der Mutter, keine Stillerfahrungen, Schnullerverwendung sowie Gabe zusätzlicher Flüssigkeit in den ersten zwei Wochen, fehlende positive Einstellung des Partners zum Stillen, Kaiserschnittentbindung und Schulabschluss niedriger als (Fach )Abitur.
Im Alter von sechs Monaten sank die Quote ausschließlich gestillter Säuglinge deutlich auf acht Prozent. Zwei Drittel der Kinder erhielten neben Muttermilch noch Säuglingsmilchnahrung sowie Beikost. Rund ein Viertel erhielten keine Muttermilch mehr.
Nutricia Wissenschaftspreis zur Erforschung der Muttermilch und des Stillens
Für eine effektive Stillförderung sind systematisch erhobene, aktuelle und umfassende Daten zur Stillhäufigkeit und zum Stillverhalten entscheidend. Daher hat das Nutricia Forum für Muttermilchforschung – eine Initiative von Nutricia Milupa – diese Forschungsarbeit mit dem Nutricia Wissenschaftspreis ausgezeichnet. Das Preiskomitee vergab den Preis bereits im achten Jahr. Bis zum 15. Oktober können sich erneut Forscher aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz bewerben.
Parallel verlieh das Nutricia Forum für Muttermilchforschung zudem den ebenfalls mit 10.000 Euro dotierten Nutricia Praxispreis zur Förderung des Stillens. Er ging an die Hebammenstudentin Yvonne Gruber-Traxler aus Österreich, die eine Informationsbroschüre zur Unterstützung von Schwangeren mit Gestationsdiabetes entwickelte.





