Das Proteinparadox: Viel oder wenig Nahrungsprotein – was ist besser für die Gesundheit?
Susanne Klaus, Andreas F. H. Pfeiffer, Heiner Boeing, Thomas Laeger, Tilman Grune
In Deutschland liegt der durchschnittliche Verzehr von Nahrungsprotein deutlich über der empfohlenen täglichen Mindestverzehrmenge, sodass wir uns über eine ausreichende Proteinversorgung eigentlich keine Gedanken machen müssten. Der Proteinverzehr wird allerdings in den letzten Jahren sehr kontrovers diskutiert. Einerseits wird eine Erhöhung der Proteinaufnahme im Rahmen von Restriktionsdiäten zum Abnehmen und ganz generell für Ältere empfohlen, andererseits geht der Trend zum vegetarischen und veganen Essen, das im Allgemeinen weniger proteinreich ist. Zudem legen epidemiologische Studien ein erhöhtes Krankheitsrisiko bei proteinreicher Ernährung nahe. Dieses „Proteinparadox“ wurde im Rahmen einer Klausurtagung von leitenden Wissenschaftlern des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung (DIfE) thematisiert.
Protein als Lieferant unentbehrlicher Aminosäuren
Protein (Eiweiß) ist ein wichtiger Makronährstoff, da wir einen Teil der Aminosäuren, aus denen das Protein besteht, nicht selbst synthetisieren können. Protein macht (nach Wasser) mit etwa 10 kg bei Erwachsenen den größten Anteil der menschlichen Körpermasse aus. Das Trockengewicht vieler Körperzellen besteht zu über 50 % aus Protein.
Obwohl Protein neben Fetten und Kohlenhydraten zu den energieliefernden Makronährstoffen zählt, nimmt es eine Sonderstellung ein, da es nie primär als Energiespeicher im Körper eingelagert wird. Anders als Fette, die im Fettgewebe und Kohlenhydrate, die als Glykogen in der Leber und im Muskel gespeichert werden, haben körpereigene Proteine immer eine spezifische Funktion, sei es als Strukturelement wie im Muskel, als Katalysator für biochemische Reaktionen in Form von Enzymen oder als Rezeptor und Botenstoff für die Signalübertragung und Kommunikation von Organen und Zellen.
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