„Gesundheit gemeinsam verantworten“
Der enge Zusammenhang zwischen Gesundheit und sozio-ökonomischem Status ist mittlerweile durch zahlreiche Studien dokumentiert worden. Ein niedriger sozio-ökonomischer Status (SES; erfasst über Informationen zu Bildung, Beruf, Einkommen [1]) ist dabei mit einem schlechteren Gesundheitsstatus und -verhalten, im Vergleich zu einem mittleren und hohen SES, assoziiert. Diese wird als „gesundheitliche Ungleichheit“ beschrieben. Gemeint sind damit soziale Unterschiede sowohl im Gesundheitszustand und -verhalten als auch in der Gesundheitsversorgung [2].
Die Ergebnisse aus Studien zum Gesundheitsmonitoring des Robert Koch-Instituts in Deutschland untermauern diesen Zusammenhang: Die „Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland“ (KiGGS) ergab, dass bereits bei Kindern und Jugendlichen ein Gradient zwischen den Statusgruppen zu erkennen ist. Neben dem höheren Aufkommen von Überwicht, Bewegungsmangel sowie weiteren Risikofaktoren (u. a. [Passiv-] Rauchen), werden Präventions- und Vorsorgeprogramme von Kindern und Jugendlichen aus Familien mit einem niedrigen SES seltener in Anspruch genommen [3]. Auch im Erwachsenenalter bleibt die soziale Lage eine bedeutende Determinante der Gesundheitschancen; darauf weisen Ergebnisse der „Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland“ (DEGS1) hin. So bewerten Personen mit einem niedrigen SES ihren allgemeinen Gesundheitsstatus, im Vergleich zu denen mit mittlerem und hohem SES, schlechter und haben ein erhöhtes Risiko für gesundheitliche Beeinträchtigungen (u. a. sportliche Inaktivität, Adipositas, Diabetes mellitus, depressive Symptomatik) [4].
Gesundheitliche Ungleichheit bleibt beständig
Die Erkenntnisse der Zusammenhänge sind zwar nicht neu – aber beständig. Daher stellt die Reduzierung der gesundheitlichen Ungleichheit nach wie vor eine umfassende Herausforderung in zahlreichen Handlungsfeldern, insbesondere in den Bereichen Public Health und Public Health Nutrition, dar.
Kongress „Armut und Gesundheit“ – Leitthema „Gesundheit gemeinsam verantworten“
Vor diesem Hintergrund stellte der diesjährige Public Health- Kongress „Armut und Gesundheit“ die gesamtgesellschaftliche Verantwortung für Gesundheit in den Fokus und beging damit sein 20-jähriges Jubiläum. Auf dem zweitägigen Kongress (5. und 6. März 2015) wurde den über 2 000 Teilnehmern mit über 100 Fachforen, Workshops und Podiumsdiskussionen ein breites Themenspektrum geboten:
– von den Frühen Hilfen über Menschen in Arbeitslosigkeit hin zu Seniorinnen und Senioren,
– von der Gesundheitsberichterstattung über salutogenetische Konzepte hin zu Inklusion,
– von Gesundheitspolitik über kommunale Gesundheitsförderung hin zum Berufsfeld Gesundheit.
Wie auch in den Vorjahren zeichnete sich der Kongress dabei vor allem durch seine Nähe zur Praxis aus. Umrahmt wurde das Programm vom „Markt der Möglichkeiten“ (Vorstellung von Projekten und Initiativen im Public Health-Bereich) und der Fotoausstellung „Auf gepackten Koffern – Leben in der Abschiebehaft“.
Das Fazit des Kongresses war: Der Abbau von sozialdeterminierten Ungleichheiten sowie die breite Förderung von Gesundheitsförderung und Prävention können nur gelingen, wenn möglichst viele Disziplinen gemeinsam hieran arbeiten. Der Kongress fi ndet jährlich an der Technischen Universität in Berlin statt. Die Ausrichtung in diesem Jahr wurde von Gesundheit Berlin-Brandenburg in Kooperation mit der Deutschen Gesellschaft für Public Health (DGPH) und der Technischen Universität Berlin (Gesundheitsökonomisches Zentrum Berlin und Zentrum Technik und Gesellschaft) übernommen.
Helena Walz, Fulda
Literatur: 1. Lampert T, Kroll L, Müters S, Stolzenberg H (2013) Messung des sozioökonomischen Status in der Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS1). Bundesgesundheitsblatt – Gesundheitsforschung – Gesundheitsschutz 56: 631–636
2. Richter M, Hurrelmann K. Gesundheitliche Ungleichheit: Grundlagen, Probleme, Perspektiven. Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden (2009)
3. Lampert T, Kuntz B, KiGGS Study Group (2015) Gesund aufwachsen – Welche Bedeutung kommt dem sozialen Status zu? Robert Koch-Institut (Hg), Berlin. GBE kompakt 6(1)
4. Lampert T, Kroll L, Lippe E, Müters S, Stolzenberg H (2013) Sozioökonomischer Status und Gesundheit: Ergebnisse der Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS1). Bundesgesundheitsblatt – Gesundheitsforschung – Gesundheitsschutz 56: 814–821
