Das internationale Forschungsteam unter Leitung von Prof. Dr. Nicola Gagliani, Forschungsgruppenleiter in der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Thoraxchirurgie des UKE, führte eine Studie durch, bei der die Proband*innen fünf Tage lang eine ballaststoffreiche Diät erhielten; anschließend ernährten sie sich für weitere fünf Tage fettreich und ballaststoffarm. Die fett- und energiereiche Ernährung mit einem geringen Ballaststoffgehalt führte zu einer Verringerung der mikrobiellen Stoffwechselprodukte, sog. kurzkettiger Fettsäuren. Hierdurch wird die Funktion der CD4+T-Zellen, ein wichtiger Zelltyp des adaptiven Immunsystems, gedrosselt. Diese Auswirkungen sind zwar nur vorübergehend, da die Wiederaufnahme einer ausgewogenen Ernährung mit ausreichend Ballaststoffen die Körperimmunität wiederherstellt, aber der Wechsel zu einer Ernährung, die reich an Fett und arm an Ballaststoffen ist, geht mit einer höheren Anfälligkeit für Infektionen einher, sorgt also für eine Immunschwäche.

„In unserer Studie konnten wir zeigen, wie synchronisiert unser Ernährungsverhalten und unsere Immunreaktionen sind und wie selbst eine kurzfristige Umstellung zu einer raschen Beeinträchtigung des Immunsystems führt“, erläutert Prof. Gagliani. Die Daten würden verdeutlichen, wie schnell und tiefgreifend sich unsere täglichen Essensentscheidungen auf unsere Gesundheit auswirken können, so Gagliani. „Positiv ausgedrückt heißt dies, dass mithilfe einer regelmäßigen ausgewogenen Ernährung etwa die Wirksamkeit von Impfstoffen und Immuntherapien maximiert werden könnte“, ergänzt Erstautor Dr. Francesco Siracusa, Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Thoraxchirurgie des UKE.

Literatur


1. Siracusa F, Schaltenberg N, Yogehs K, et al.: Short-term dietary changes can result in mucosal and systemic immune depression. Nat Immunol 2023; 24:1473–86.

Quelle: Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Pressemeldung vom 14.08.2023




Diesen Artikel finden Sie auch in ERNÄHRUNGS UMSCHAU 11/2023 auf Seite M664.


Forschende des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) haben in einer Studie gezeigt, dass bereits wiederholte kurzfristige Abweichungen von regelmäßiger und ausgewogener Ernährung hin zu einer fettreichen und ballaststoffarmen Kost Folgen für das Immunsystem haben können [1].


Das internationale Forschungsteam unter Leitung von Prof. Dr. Nicola Gagliani, Forschungsgruppenleiter in der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Thoraxchirurgie des UKE, führte eine Studie durch, bei der die Proband*innen fünf Tage lang eine ballaststoffreiche Diät erhielten; anschließend ernährten sie sich für weitere fünf Tage fettreich und ballaststoffarm. Die fett- und energiereiche Ernährung mit einem geringen Ballaststoffgehalt führte zu einer Verringerung der mikrobiellen Stoffwechselprodukte, sog. kurzkettiger Fettsäuren. Hierdurch wird die Funktion der CD4+T-Zellen, ein wichtiger Zelltyp des adaptiven Immunsystems, gedrosselt. Diese Auswirkungen sind zwar nur vorübergehend, da die Wiederaufnahme einer ausgewogenen Ernährung mit ausreichend Ballaststoffen die Körperimmunität wiederherstellt, aber der Wechsel zu einer Ernährung, die reich an Fett und arm an Ballaststoffen ist, geht mit einer höheren Anfälligkeit für Infektionen einher, sorgt also für eine Immunschwäche.

„In unserer Studie konnten wir zeigen, wie synchronisiert unser Ernährungsverhalten und unsere Immunreaktionen sind und wie selbst eine kurzfristige Umstellung zu einer raschen Beeinträchtigung des Immunsystems führt“, erläutert Prof. Gagliani. Die Daten würden verdeutlichen, wie schnell und tiefgreifend sich unsere täglichen Essensentscheidungen auf unsere Gesundheit auswirken können, so Gagliani. „Positiv ausgedrückt heißt dies, dass mithilfe einer regelmäßigen ausgewogenen Ernährung etwa die Wirksamkeit von Impfstoffen und Immuntherapien maximiert werden könnte“, ergänzt Erstautor Dr. Francesco Siracusa, Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Thoraxchirurgie des UKE.

Literatur


1. Siracusa F, Schaltenberg N, Yogehs K, et al.: Short-term dietary changes can result in mucosal and systemic immune depression. Nat Immunol 2023; 24:1473–86.

Quelle: Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Pressemeldung vom 14.08.2023




Diesen Artikel finden Sie auch in ERNÄHRUNGS UMSCHAU 11/2023 auf Seite M664.


Immunsystem: Ballaststoffarme, fettreiche Nahrung beeinträchtigt das Immunsystem

Das internationale Forschungsteam unter Leitung von Prof. Dr. Nicola Gagliani, Forschungsgruppenleiter in der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Thoraxchirurgie des UKE, führte eine Studie durch, bei der die Proband*innen fünf Tage lang eine ballaststoffreiche Diät erhielten; anschließend ernährten sie sich für weitere fünf Tage fettreich und ballaststoffarm. Die fett- und energiereiche Ernährung mit einem geringen Ballaststoffgehalt führte zu einer Verringerung der mikrobiellen Stoffwechselprodukte, sog. kurzkettiger Fettsäuren. Hierdurch wird die Funktion der CD4+T-Zellen, ein wichtiger Zelltyp des adaptiven Immunsystems, gedrosselt. Diese Auswirkungen sind zwar nur vorübergehend, da die Wiederaufnahme einer ausgewogenen Ernährung mit ausreichend Ballaststoffen die Körperimmunität wiederherstellt, aber der Wechsel zu einer Ernährung, die reich an Fett und arm an Ballaststoffen ist, geht mit einer höheren Anfälligkeit für Infektionen einher, sorgt also für eine Immunschwäche.

„In unserer Studie konnten wir zeigen, wie synchronisiert unser Ernährungsverhalten und unsere Immunreaktionen sind und wie selbst eine kurzfristige Umstellung zu einer raschen Beeinträchtigung des Immunsystems führt“, erläutert Prof. Gagliani. Die Daten würden verdeutlichen, wie schnell und tiefgreifend sich unsere täglichen Essensentscheidungen auf unsere Gesundheit auswirken können, so Gagliani. „Positiv ausgedrückt heißt dies, dass mithilfe einer regelmäßigen ausgewogenen Ernährung etwa die Wirksamkeit von Impfstoffen und Immuntherapien maximiert werden könnte“, ergänzt Erstautor Dr. Francesco Siracusa, Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Thoraxchirurgie des UKE.

Literatur

1. Siracusa F, Schaltenberg N, Yogehs K, et al.: Short-term dietary changes can result in mucosal and systemic immune depression. Nat Immunol 2023; 24:1473–86.

Quelle: Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Pressemeldung vom 14.08.2023


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Verschlagwortet mit: ausgewogene Ernährung

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Veröffentlicht: 15.11.2023

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