Peer-Review-Verfahren / Manuskript (Original) eingereicht: 26.09.2019 / Überarbeitung angenommen: 13.01.2020

Eine Public Health Nutrition-Perspektive


Hintergrund Basierend auf Erkenntnissen zum biologischen Mechanismus der perinatalen Programmierung (PP) (•Kasten 1) ist heute davon auszugehen, dass das Risiko für nichtübertragbare Krankheiten (non-communicable diseases, NCD) im späteren Leben bereits in sehr frühen Entwicklungsphasen des menschlichen Organismus mitgeprägt wird [1]. Ausschlaggebend waren hierfür die Ergebnisse der Forschungsgruppe um Hales und Barker, die fetale und frühkindliche Entwicklungsmuster im Zusammenhang mit späteren NCD sahen. Sie postulierten, dass insbesondere Einflüsse auf den Fetus durch die Ernährungs- und Verhaltensweisen der Mutter zu einer Festschreibung von Stoffwechseleinstellungen führen [3–6].

Weitere grundlegende Studien zeigten auf, dass sowohl Mangelernährung bzw. Hunger (z. B. niederländischer Hungerwinter [7, 8]) als auch Überernährung, Adipositas und Gestationsdiabetes [9–11] während der Schwangerschaft mit (ähnlich) ungünstigen gesundheitlichen Konsequenzen für Nachkommen einhergehen können.

Abstract


Sozialbedingte Faktoren stellen bedeutende – allerdings in Public Health Nutrition bislang begrenzt berücksichtigte – Determinanten im Rahmen des perinatalen Programmierungsprozesses dar. Über Ernährung und Stressbelastung während der perinatalen Phase nehmen sie nachhaltigen Einfluss auf die gesundheitliche Entwicklung der Nachkommen und bedürfen einer stärkeren Beachtung in Wissenschaft und Praxis. Neben dem Ausbau der Erreichbarkeit von (werdenden) Müttern bzw. Familien in suboptimalen Lebenslagen über etablierte Zugangswege sollten stärker als bislang die Verhältnisse in den Blick genommen und die Umsetzung eines umfassenden Ansatzes auch auf politischer Ebene verfolgt werden. Der Beitrag gibt eine Übersicht der derzeitigen Erkenntnisse zur Relevanz sozialbedingter Einflussfaktoren im Rahmen der perinatalen Programmierung. Hieran schließt sich eine diskursive Betrachtung und Ableitung von Implikationen sowohl für AkteurInnen in Public Health Nutrition als auch für die Politikgestaltung ab.

Schlüsselwörter: Public Health Nutrition, perinatale Programmierung, Ernährung, Sozialstatus, Stress




Diesen Artikel finden Sie auch in ERNÄHRUNGS UMSCHAU 7/2020 von Seite M390 bis M398.




Peer-Review-Verfahren / Manuskript (Original) eingereicht: 26.09.2019 / Überarbeitung angenommen: 13.01.2020

Eine Public Health Nutrition-Perspektive


Hintergrund Basierend auf Erkenntnissen zum biologischen Mechanismus der perinatalen Programmierung (PP) (•Kasten 1) ist heute davon auszugehen, dass das Risiko für nichtübertragbare Krankheiten (non-communicable diseases, NCD) im späteren Leben bereits in sehr frühen Entwicklungsphasen des menschlichen Organismus mitgeprägt wird [1]. Ausschlaggebend waren hierfür die Ergebnisse der Forschungsgruppe um Hales und Barker, die fetale und frühkindliche Entwicklungsmuster im Zusammenhang mit späteren NCD sahen. Sie postulierten, dass insbesondere Einflüsse auf den Fetus durch die Ernährungs- und Verhaltensweisen der Mutter zu einer Festschreibung von Stoffwechseleinstellungen führen [3–6].

Weitere grundlegende Studien zeigten auf, dass sowohl Mangelernährung bzw. Hunger (z. B. niederländischer Hungerwinter [7, 8]) als auch Überernährung, Adipositas und Gestationsdiabetes [9–11] während der Schwangerschaft mit (ähnlich) ungünstigen gesundheitlichen Konsequenzen für Nachkommen einhergehen können.

Abstract


Sozialbedingte Faktoren stellen bedeutende – allerdings in Public Health Nutrition bislang begrenzt berücksichtigte – Determinanten im Rahmen des perinatalen Programmierungsprozesses dar. Über Ernährung und Stressbelastung während der perinatalen Phase nehmen sie nachhaltigen Einfluss auf die gesundheitliche Entwicklung der Nachkommen und bedürfen einer stärkeren Beachtung in Wissenschaft und Praxis. Neben dem Ausbau der Erreichbarkeit von (werdenden) Müttern bzw. Familien in suboptimalen Lebenslagen über etablierte Zugangswege sollten stärker als bislang die Verhältnisse in den Blick genommen und die Umsetzung eines umfassenden Ansatzes auch auf politischer Ebene verfolgt werden. Der Beitrag gibt eine Übersicht der derzeitigen Erkenntnisse zur Relevanz sozialbedingter Einflussfaktoren im Rahmen der perinatalen Programmierung. Hieran schließt sich eine diskursive Betrachtung und Ableitung von Implikationen sowohl für AkteurInnen in Public Health Nutrition als auch für die Politikgestaltung ab.

Schlüsselwörter: Public Health Nutrition, perinatale Programmierung, Ernährung, Sozialstatus, Stress




Diesen Artikel finden Sie auch in ERNÄHRUNGS UMSCHAU 7/2020 von Seite M390 bis M398.


Bedeutung sozialer Faktoren im Rahmen der perinatalen Programmierung

Peer-Review-Verfahren / Manuskript (Original) eingereicht: 26.09.2019 / Überarbeitung angenommen: 13.01.2020

Eine Public Health Nutrition-Perspektive

Hintergrund Basierend auf Erkenntnissen zum biologischen Mechanismus der perinatalen Programmierung (PP) (•Kasten 1) ist heute davon auszugehen, dass das Risiko für nichtübertragbare Krankheiten (non-communicable diseases, NCD) im späteren Leben bereits in sehr frühen Entwicklungsphasen des menschlichen Organismus mitgeprägt wird [1]. Ausschlaggebend waren hierfür die Ergebnisse der Forschungsgruppe um Hales und Barker, die fetale und frühkindliche Entwicklungsmuster im Zusammenhang mit späteren NCD sahen. Sie postulierten, dass insbesondere Einflüsse auf den Fetus durch die Ernährungs- und Verhaltensweisen der Mutter zu einer Festschreibung von Stoffwechseleinstellungen führen [3–6].

Weitere grundlegende Studien zeigten auf, dass sowohl Mangelernährung bzw. Hunger (z. B. niederländischer Hungerwinter [7, 8]) als auch Überernährung, Adipositas und Gestationsdiabetes [9–11] während der Schwangerschaft mit (ähnlich) ungünstigen gesundheitlichen Konsequenzen für Nachkommen einhergehen können.

Abstract

Sozialbedingte Faktoren stellen bedeutende – allerdings in Public Health Nutrition bislang begrenzt berücksichtigte – Determinanten im Rahmen des perinatalen Programmierungsprozesses dar. Über Ernährung und Stressbelastung während der perinatalen Phase nehmen sie nachhaltigen Einfluss auf die gesundheitliche Entwicklung der Nachkommen und bedürfen einer stärkeren Beachtung in Wissenschaft und Praxis. Neben dem Ausbau der Erreichbarkeit von (werdenden) Müttern bzw. Familien in suboptimalen Lebenslagen über etablierte Zugangswege sollten stärker als bislang die Verhältnisse in den Blick genommen und die Umsetzung eines umfassenden Ansatzes auch auf politischer Ebene verfolgt werden. Der Beitrag gibt eine Übersicht der derzeitigen Erkenntnisse zur Relevanz sozialbedingter Einflussfaktoren im Rahmen der perinatalen Programmierung. Hieran schließt sich eine diskursive Betrachtung und Ableitung von Implikationen sowohl für AkteurInnen in Public Health Nutrition als auch für die Politikgestaltung ab.

Schlüsselwörter: Public Health Nutrition, perinatale Programmierung, Ernährung, Sozialstatus, Stress


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Artikelfakten

Rubrik: Peer Review
Veröffentlicht: 14.07.2020

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