Der milliardenschweren Nahrungsergänzungsmittel (NEM)-Industrie sind die vielen Verbraucher*innen auf ihrer Suche nach Abhilfe solcher Symptome nicht verborgen geblieben. Man/frau stößt daher für jede Lebenslage und jede Befindlichkeitsstörung auf ein riesiges Angebot zielgruppenspezifischer NEM mit einer bunten Mischung unterschiedlich dosierter Nährstoffe und anderen Zutaten, beworben mit Health Claims aus dem Register on nutrition and health claims der Europäischen Kommission: mit Melatonin als Ein- und Durchschlafhilfe, mit Vitamin B6 und B12, Folsäure sowie Eisen gegen Müdigkeit, mit B-Vitaminen und Magnesium gegen Nervosität/Stress, Vitamin E, Selen und Zink für einen normalen Testosteronspiegel, Vitamin C, Eisen und Zink für eine normale Funktion des Immunsystems oder DHA für eine normale kognitive Entwicklung.

Die Zusammensetzung der NEM und mögliche Werbeaussagen orientieren sich stark an den Wunschvorstellungen der jeweiligen Zielgruppe und ihren Befindlichkeiten. Schließlich stehen für die verschiedenen Nährstoffe inzwischen über 200 genehmigte Health Claims zur Verfügung, aus denen sich quasi im Baukastenprinzip lukrative, phantasievolle Produkte kreieren lassen.

Bei dem einen oder anderen Nährstoffmangel treten die verbreiteten Beschwerden als unspezifische Mangelsymptome tatsächlich auf. Allerdings ist die Nährstoffversorgung hierzulande als durchweg gut zu bezeichnen, sodass Nährstoffmangel als Ursache dafür eher selten die Ursache sein dürfte. Zudem kommt es bei einer bereits bedarfsgerechten Zufuhr durch ein zusätzliches NEM nicht zur Verbesserung derjenigen Symptome, die nur unter Mangelbedingungen auftreten (z. B. Immunsystem, Leistungsfähigkeit etc.).

In Wirklichkeit können verbreitete Befindlichkeitsstörungen viele Ursachen haben, die fast nie einfach mit „einer Kapsel täglich“ zu lösen sind. Das Bundesinstitut für Risikobewertung, Verbraucherzentralen, Ökotest und Stiftung Warentest kommen seit Jahren zu dem gleichen Urteil: Bis auf wenige Ausnahmen (z. B. Folsäure vor und zu Beginn der Schwangerschaft, Vitamin B12 für vegan Essende) sind NEM überflüssig und manchmal nicht ohne Risiken für die eigene Gesundheit.

Ihr Helmut Heseker




Diesen Artikel finden Sie wie auch die Vorschau auf das nächste Heft in ERNÄHRUNGS UMSCHAU 6/2025 auf Seite M392.


Gibt es eigentlich Menschen, die völlig gesund sind? Wir alle kennen verbreitete Beschwerden, z. B. nicht gut (ein-)schlafen zu können, sich müde/erschöpft zu fühlen, an Nervosität/Stress zu leiden, Schmerzen in Muskel oder Gelenk zu entdecken oder sich gefühlt zu oft Infekte einzufangen. Alle diese Befindlichkeitsstörungen nagen an der gewünschten Leistungsfähigkeit, an Lebens- und/oder Liebeslust. Dabei bewegen sie sich in der Grauzone zwischen Gesundheit und Krankheit und sind schwer zu greifen: Manch eigener Therapieversuch scheitert und auch der Besuch in der Arztpraxis hilft bei unklaren Symptomen oft nicht weiter.


Der milliardenschweren Nahrungsergänzungsmittel (NEM)-Industrie sind die vielen Verbraucher*innen auf ihrer Suche nach Abhilfe solcher Symptome nicht verborgen geblieben. Man/frau stößt daher für jede Lebenslage und jede Befindlichkeitsstörung auf ein riesiges Angebot zielgruppenspezifischer NEM mit einer bunten Mischung unterschiedlich dosierter Nährstoffe und anderen Zutaten, beworben mit Health Claims aus dem Register on nutrition and health claims der Europäischen Kommission: mit Melatonin als Ein- und Durchschlafhilfe, mit Vitamin B6 und B12, Folsäure sowie Eisen gegen Müdigkeit, mit B-Vitaminen und Magnesium gegen Nervosität/Stress, Vitamin E, Selen und Zink für einen normalen Testosteronspiegel, Vitamin C, Eisen und Zink für eine normale Funktion des Immunsystems oder DHA für eine normale kognitive Entwicklung.

Die Zusammensetzung der NEM und mögliche Werbeaussagen orientieren sich stark an den Wunschvorstellungen der jeweiligen Zielgruppe und ihren Befindlichkeiten. Schließlich stehen für die verschiedenen Nährstoffe inzwischen über 200 genehmigte Health Claims zur Verfügung, aus denen sich quasi im Baukastenprinzip lukrative, phantasievolle Produkte kreieren lassen.

Bei dem einen oder anderen Nährstoffmangel treten die verbreiteten Beschwerden als unspezifische Mangelsymptome tatsächlich auf. Allerdings ist die Nährstoffversorgung hierzulande als durchweg gut zu bezeichnen, sodass Nährstoffmangel als Ursache dafür eher selten die Ursache sein dürfte. Zudem kommt es bei einer bereits bedarfsgerechten Zufuhr durch ein zusätzliches NEM nicht zur Verbesserung derjenigen Symptome, die nur unter Mangelbedingungen auftreten (z. B. Immunsystem, Leistungsfähigkeit etc.).

In Wirklichkeit können verbreitete Befindlichkeitsstörungen viele Ursachen haben, die fast nie einfach mit „einer Kapsel täglich“ zu lösen sind. Das Bundesinstitut für Risikobewertung, Verbraucherzentralen, Ökotest und Stiftung Warentest kommen seit Jahren zu dem gleichen Urteil: Bis auf wenige Ausnahmen (z. B. Folsäure vor und zu Beginn der Schwangerschaft, Vitamin B12 für vegan Essende) sind NEM überflüssig und manchmal nicht ohne Risiken für die eigene Gesundheit.

Ihr Helmut Heseker




Diesen Artikel finden Sie wie auch die Vorschau auf das nächste Heft in ERNÄHRUNGS UMSCHAU 6/2025 auf Seite M392.


Befindlichkeitsstörungen

Der milliardenschweren Nahrungsergänzungsmittel (NEM)-Industrie sind die vielen Verbraucher*innen auf ihrer Suche nach Abhilfe solcher Symptome nicht verborgen geblieben. Man/frau stößt daher für jede Lebenslage und jede Befindlichkeitsstörung auf ein riesiges Angebot zielgruppenspezifischer NEM mit einer bunten Mischung unterschiedlich dosierter Nährstoffe und anderen Zutaten, beworben mit Health Claims aus dem Register on nutrition and health claims der Europäischen Kommission: mit Melatonin als Ein- und Durchschlafhilfe, mit Vitamin B6 und B12, Folsäure sowie Eisen gegen Müdigkeit, mit B-Vitaminen und Magnesium gegen Nervosität/Stress, Vitamin E, Selen und Zink für einen normalen Testosteronspiegel, Vitamin C, Eisen und Zink für eine normale Funktion des Immunsystems oder DHA für eine normale kognitive Entwicklung.

Die Zusammensetzung der NEM und mögliche Werbeaussagen orientieren sich stark an den Wunschvorstellungen der jeweiligen Zielgruppe und ihren Befindlichkeiten. Schließlich stehen für die verschiedenen Nährstoffe inzwischen über 200 genehmigte Health Claims zur Verfügung, aus denen sich quasi im Baukastenprinzip lukrative, phantasievolle Produkte kreieren lassen.

Bei dem einen oder anderen Nährstoffmangel treten die verbreiteten Beschwerden als unspezifische Mangelsymptome tatsächlich auf. Allerdings ist die Nährstoffversorgung hierzulande als durchweg gut zu bezeichnen, sodass Nährstoffmangel als Ursache dafür eher selten die Ursache sein dürfte. Zudem kommt es bei einer bereits bedarfsgerechten Zufuhr durch ein zusätzliches NEM nicht zur Verbesserung derjenigen Symptome, die nur unter Mangelbedingungen auftreten (z. B. Immunsystem, Leistungsfähigkeit etc.).

In Wirklichkeit können verbreitete Befindlichkeitsstörungen viele Ursachen haben, die fast nie einfach mit „einer Kapsel täglich“ zu lösen sind. Das Bundesinstitut für Risikobewertung, Verbraucherzentralen, Ökotest und Stiftung Warentest kommen seit Jahren zu dem gleichen Urteil: Bis auf wenige Ausnahmen (z. B. Folsäure vor und zu Beginn der Schwangerschaft, Vitamin B12 für vegan Essende) sind NEM überflüssig und manchmal nicht ohne Risiken für die eigene Gesundheit.

Ihr Helmut Heseker


Diesen Artikel finden Sie wie auch die Vorschau auf das nächste Heft in ERNÄHRUNGS UMSCHAU 6/2025 auf Seite M392.

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Artikelfakten

Rubrik: Service
Veröffentlicht: 11.06.2025

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