„Sich Ziele setzen ist nichts für uns, die erreichen wir eh nicht!“


Unsere Einstellungen zum Essen und die Art, wie wir essen, sind immer Teil der eigenen Persönlichkeit. Sie sind eng verbunden mit unserer Sicht auf uns und die Welt auch in anderen Bereichen. Gemeinsam mit dieser haben sie sich im Laufe unseres Lebens entwickelt, sind biografisch „geworden, wie sie sind“. Soll in der Ernährungsberatung Verhalten „umgestellt“ werden, kann dies – wie der Beitrag verdeutlicht – nur gelingen, wenn der Blick auf größere Zusammenhänge individuellen Verhaltens erweitert und die Klientin/der Klient als zentraler Gestalter seines komplexen Lebens verstanden wird.


Einleitung


Anna B. ist 8 Jahre alt und übergewichtig – im adipösen Bereich. Sie kommt zusammen mit ihrer Mutter Carola B. in die Ernährungsberatung. Carola – auch sie seit der Geburt ihres zweiten Kindes übergewichtig – sagt im Rahmen der Ernährungsberatung einen Glaubenssatz, mit dem sie groß geworden ist und der auch in ihrer heutigen Familie seinen Platz zu haben scheint: „Sich Ziele setzen ist nichts für uns, die erreichen wir eh nicht!“

Angenommen es wäre sinnvoll, eine Verbindung zwischen dem aktuellen Essverhalten und dem biografischen Gewordensein herzustellen, wie es viele namhafte Kolleginnen und Kollegen in den Ernährungswissenschaften beschreiben, wie z. B. Ines HEINDL, Barbara METHFESSEL und Christine BROMBACH, wäre es dann nicht folgerichtig, dieser biografischen Dimension des Essens und sich Ernährens eine Rolle in der Ernährungsberatung zukommen zu lassen?

Dieser Beitrag soll einige Aspekte der biografischen Arbeit in der Ernährungsberatung aus erziehungswissenschaftlicher Perspektive beleuchten. Dabei liegt in erster Linie ein pädagogisches Bildungsverständnis und keine psychologisch-therapeutische Herangehensweise zugrunde – Biografiearbeit stellt ein Stück Selbstbildung dar. Anna und ihre Familie werden uns als Beispielfall bei den Erläuterungen zur Biografiearbeit im Ernährungskontext im zweiten Teil des Artikels begleiten.1

1 Es handelt sich um einen echten Fall aus der Beratungspraxis einer Kollegin; die Namen – auch der Kollegin – wurden geändert.




Den vollständigen Artikel finden Sie auch in Ernährungs Umschau 6/17 von Seite M340 bis M351. Den Fortbildungsfragebogen finden Sie diesmal auf Seite M339.


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„Sich Ziele setzen ist nichts für uns, die erreichen wir eh nicht!“


Unsere Einstellungen zum Essen und die Art, wie wir essen, sind immer Teil der eigenen Persönlichkeit. Sie sind eng verbunden mit unserer Sicht auf uns und die Welt auch in anderen Bereichen. Gemeinsam mit dieser haben sie sich im Laufe unseres Lebens entwickelt, sind biografisch „geworden, wie sie sind“. Soll in der Ernährungsberatung Verhalten „umgestellt“ werden, kann dies – wie der Beitrag verdeutlicht – nur gelingen, wenn der Blick auf größere Zusammenhänge individuellen Verhaltens erweitert und die Klientin/der Klient als zentraler Gestalter seines komplexen Lebens verstanden wird.


Einleitung


Anna B. ist 8 Jahre alt und übergewichtig – im adipösen Bereich. Sie kommt zusammen mit ihrer Mutter Carola B. in die Ernährungsberatung. Carola – auch sie seit der Geburt ihres zweiten Kindes übergewichtig – sagt im Rahmen der Ernährungsberatung einen Glaubenssatz, mit dem sie groß geworden ist und der auch in ihrer heutigen Familie seinen Platz zu haben scheint: „Sich Ziele setzen ist nichts für uns, die erreichen wir eh nicht!“

Angenommen es wäre sinnvoll, eine Verbindung zwischen dem aktuellen Essverhalten und dem biografischen Gewordensein herzustellen, wie es viele namhafte Kolleginnen und Kollegen in den Ernährungswissenschaften beschreiben, wie z. B. Ines HEINDL, Barbara METHFESSEL und Christine BROMBACH, wäre es dann nicht folgerichtig, dieser biografischen Dimension des Essens und sich Ernährens eine Rolle in der Ernährungsberatung zukommen zu lassen?

Dieser Beitrag soll einige Aspekte der biografischen Arbeit in der Ernährungsberatung aus erziehungswissenschaftlicher Perspektive beleuchten. Dabei liegt in erster Linie ein pädagogisches Bildungsverständnis und keine psychologisch-therapeutische Herangehensweise zugrunde – Biografiearbeit stellt ein Stück Selbstbildung dar. Anna und ihre Familie werden uns als Beispielfall bei den Erläuterungen zur Biografiearbeit im Ernährungskontext im zweiten Teil des Artikels begleiten.1

1 Es handelt sich um einen echten Fall aus der Beratungspraxis einer Kollegin; die Namen – auch der Kollegin – wurden geändert.




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Biografische Arbeit und Umgang mit subjektiven Theorien in der Ernährungsberatung

„Sich Ziele setzen ist nichts für uns, die erreichen wir eh nicht!“
Unsere Einstellungen zum Essen und die Art, wie wir essen, sind immer Teil der eigenen Persönlichkeit. Sie sind eng verbunden mit unserer Sicht auf uns und die Welt auch in anderen Bereichen. Gemeinsam mit dieser haben sie sich im Laufe unseres Lebens entwickelt, sind biografisch „geworden, wie sie sind“. Soll in der Ernährungsberatung Verhalten „umgestellt“ werden, kann dies – wie der Beitrag verdeutlicht – nur gelingen, wenn der Blick auf größere Zusammenhänge individuellen Verhaltens erweitert und die Klientin/der Klient als zentraler Gestalter seines komplexen Lebens verstanden wird.
Einleitung

Anna B. ist 8 Jahre alt und übergewichtig – im adipösen Bereich. Sie kommt zusammen mit ihrer Mutter Carola B. in die Ernährungsberatung. Carola – auch sie seit der Geburt ihres zweiten Kindes übergewichtig – sagt im Rahmen der Ernährungsberatung einen Glaubenssatz, mit dem sie groß geworden ist und der auch in ihrer heutigen Familie seinen Platz zu haben scheint: „Sich Ziele setzen ist nichts für uns, die erreichen wir eh nicht!“

Angenommen es wäre sinnvoll, eine Verbindung zwischen dem aktuellen Essverhalten und dem biografischen Gewordensein herzustellen, wie es viele namhafte Kolleginnen und Kollegen in den Ernährungswissenschaften beschreiben, wie z. B. Ines HEINDL, Barbara METHFESSEL und Christine BROMBACH, wäre es dann nicht folgerichtig, dieser biografischen Dimension des Essens und sich Ernährens eine Rolle in der Ernährungsberatung zukommen zu lassen?

Dieser Beitrag soll einige Aspekte der biografischen Arbeit in der Ernährungsberatung aus erziehungswissenschaftlicher Perspektive beleuchten. Dabei liegt in erster Linie ein pädagogisches Bildungsverständnis und keine psychologisch-therapeutische Herangehensweise zugrunde – Biografiearbeit stellt ein Stück Selbstbildung dar. Anna und ihre Familie werden uns als Beispielfall bei den Erläuterungen zur Biografiearbeit im Ernährungskontext im zweiten Teil des Artikels begleiten.1

1 Es handelt sich um einen echten Fall aus der Beratungspraxis einer Kollegin; die Namen – auch der Kollegin – wurden geändert.


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Artikelfakten

Veröffentlicht: 14.06.2017

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