Eine Studie der Technischen Universität Dresden, der Universität Zürich sowie des Max-Planck-Instituts für die Physik des Lichts und des Max-Planck-Zentrums für Physik und Medizin Erlangen stellt erstmals einen Zusammenhang zwischen depressiven Störungen und mechanischen Veränderungen aller wichtigen Blutzelltypen her [1].

Dafür führten die Forschenden eine Querschnitt-Fall-Kontroll-Studie durch, bei der eine bildbasierte morpho-rheologische Charakterisierung von unmanipulierten Blutproben erfolgte, die eine Verformbarkeitszytometrie in Echtzeit (RT-DC) ermöglichte. 69 Personen mit einem hohen Risiko für depressive Störungen und 70 gesunde Kontrollpersonen wurden in die Studie aufgenommen und mit dem Composite International Diagnostic Interview untersucht, einem klinischen Interview für psychiatrische Störungen. Mithilfe der KI-Methode Deep Learning, angewendet auf über 16 Mio. Blutzellbilder, wurden die wichtigsten Blutzelltypen klassifiziert und Parameter wie Zellgröße und Zellverformbarkeit jeder einzelnen Zelle quantifiziert.

Dabei fanden die WissenschaftlerInnen heraus, dass periphere Blutzellen bei PatientInnen mit depressiven Störungen im Vergleich zu Kontrollpersonen verformbarer waren, während die Zellgröße nicht beeinflusst wurde. Personen, die über den Lebensverlauf an einer persistierenden depressiven Störung litten, weisen eine erhöhte Zellverformbarkeit bei Monozyten und Neutrophilen auf, während sich bei einer gegenwärtigen persistierenden depressiven Störung Erythrozyten und Lymphozyten stärker verformten.

Damit zeigt die Studie, dass depressive Störungen und insbesondere persistierende depressive Störungen, welche über einen Zeitraum von über zwei Jahren anhalten, mit einer erhöhten Deformierbarkeit der Blutzellen einhergehen. Während alle großen Blutzellen zu einer erhöhten Verformbarkeit neigen, sind Lymphozyten, Monozyten und Neutrophile am stärksten betroffen. Dies deutet darauf hin, dass bei depressiven Störungen mechanische Veränderungen der Immunzellen auftreten, was auf eine verschlechterte Zellfunktion hinweisen könnte und die generelle Erschöpfung bei vielen DepressionspatientInnen weiter erklären könnte. Mit der Identifizierung dieses Pathomechanismus könnten zukünftig neue Möglichkeiten zur Therapie einhergehen, welche die dysfunktionale Zellfunktion über die Verbesserung zellmechanischer Prozesse wiederherstellen könnte.

Literatur


1. Walther A, et al: Depressive disorders are associated with increased peripheral blood cell deformability: a cross-sectional case-control study (Mood-Morph). Translational Psychiatry; DOI: https://doi.org/10.1038/s41398-022-01911-3.

Quelle: Technische Universität Dresden, Pressemeldung vom 08.04.2022




Diesen Artikel finden Sie auch in ERNÄHRUNGS UMSCHAU 6/2022 auf Seite M292.


© PhonlamaiPhoto/iStock/Getty Images Plus
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Eine Studie der Technischen Universität Dresden, der Universität Zürich sowie des Max-Planck-Instituts für die Physik des Lichts und des Max-Planck-Zentrums für Physik und Medizin Erlangen stellt erstmals einen Zusammenhang zwischen depressiven Störungen und mechanischen Veränderungen aller wichtigen Blutzelltypen her [1].

Dafür führten die Forschenden eine Querschnitt-Fall-Kontroll-Studie durch, bei der eine bildbasierte morpho-rheologische Charakterisierung von unmanipulierten Blutproben erfolgte, die eine Verformbarkeitszytometrie in Echtzeit (RT-DC) ermöglichte. 69 Personen mit einem hohen Risiko für depressive Störungen und 70 gesunde Kontrollpersonen wurden in die Studie aufgenommen und mit dem Composite International Diagnostic Interview untersucht, einem klinischen Interview für psychiatrische Störungen. Mithilfe der KI-Methode Deep Learning, angewendet auf über 16 Mio. Blutzellbilder, wurden die wichtigsten Blutzelltypen klassifiziert und Parameter wie Zellgröße und Zellverformbarkeit jeder einzelnen Zelle quantifiziert.

Dabei fanden die WissenschaftlerInnen heraus, dass periphere Blutzellen bei PatientInnen mit depressiven Störungen im Vergleich zu Kontrollpersonen verformbarer waren, während die Zellgröße nicht beeinflusst wurde. Personen, die über den Lebensverlauf an einer persistierenden depressiven Störung litten, weisen eine erhöhte Zellverformbarkeit bei Monozyten und Neutrophilen auf, während sich bei einer gegenwärtigen persistierenden depressiven Störung Erythrozyten und Lymphozyten stärker verformten.

Damit zeigt die Studie, dass depressive Störungen und insbesondere persistierende depressive Störungen, welche über einen Zeitraum von über zwei Jahren anhalten, mit einer erhöhten Deformierbarkeit der Blutzellen einhergehen. Während alle großen Blutzellen zu einer erhöhten Verformbarkeit neigen, sind Lymphozyten, Monozyten und Neutrophile am stärksten betroffen. Dies deutet darauf hin, dass bei depressiven Störungen mechanische Veränderungen der Immunzellen auftreten, was auf eine verschlechterte Zellfunktion hinweisen könnte und die generelle Erschöpfung bei vielen DepressionspatientInnen weiter erklären könnte. Mit der Identifizierung dieses Pathomechanismus könnten zukünftig neue Möglichkeiten zur Therapie einhergehen, welche die dysfunktionale Zellfunktion über die Verbesserung zellmechanischer Prozesse wiederherstellen könnte.

Literatur


1. Walther A, et al: Depressive disorders are associated with increased peripheral blood cell deformability: a cross-sectional case-control study (Mood-Morph). Translational Psychiatry; DOI: https://doi.org/10.1038/s41398-022-01911-3.

Quelle: Technische Universität Dresden, Pressemeldung vom 08.04.2022




Diesen Artikel finden Sie auch in ERNÄHRUNGS UMSCHAU 6/2022 auf Seite M292.


Immunsystem: Depressive Störungen können zu Veränderungen der Immunzellen führen

Eine Studie der Technischen Universität Dresden, der Universität Zürich sowie des Max-Planck-Instituts für die Physik des Lichts und des Max-Planck-Zentrums für Physik und Medizin Erlangen stellt erstmals einen Zusammenhang zwischen depressiven Störungen und mechanischen Veränderungen aller wichtigen Blutzelltypen her [1].

Dafür führten die Forschenden eine Querschnitt-Fall-Kontroll-Studie durch, bei der eine bildbasierte morpho-rheologische Charakterisierung von unmanipulierten Blutproben erfolgte, die eine Verformbarkeitszytometrie in Echtzeit (RT-DC) ermöglichte. 69 Personen mit einem hohen Risiko für depressive Störungen und 70 gesunde Kontrollpersonen wurden in die Studie aufgenommen und mit dem Composite International Diagnostic Interview untersucht, einem klinischen Interview für psychiatrische Störungen. Mithilfe der KI-Methode Deep Learning, angewendet auf über 16 Mio. Blutzellbilder, wurden die wichtigsten Blutzelltypen klassifiziert und Parameter wie Zellgröße und Zellverformbarkeit jeder einzelnen Zelle quantifiziert.

Dabei fanden die WissenschaftlerInnen heraus, dass periphere Blutzellen bei PatientInnen mit depressiven Störungen im Vergleich zu Kontrollpersonen verformbarer waren, während die Zellgröße nicht beeinflusst wurde. Personen, die über den Lebensverlauf an einer persistierenden depressiven Störung litten, weisen eine erhöhte Zellverformbarkeit bei Monozyten und Neutrophilen auf, während sich bei einer gegenwärtigen persistierenden depressiven Störung Erythrozyten und Lymphozyten stärker verformten.

Damit zeigt die Studie, dass depressive Störungen und insbesondere persistierende depressive Störungen, welche über einen Zeitraum von über zwei Jahren anhalten, mit einer erhöhten Deformierbarkeit der Blutzellen einhergehen. Während alle großen Blutzellen zu einer erhöhten Verformbarkeit neigen, sind Lymphozyten, Monozyten und Neutrophile am stärksten betroffen. Dies deutet darauf hin, dass bei depressiven Störungen mechanische Veränderungen der Immunzellen auftreten, was auf eine verschlechterte Zellfunktion hinweisen könnte und die generelle Erschöpfung bei vielen DepressionspatientInnen weiter erklären könnte. Mit der Identifizierung dieses Pathomechanismus könnten zukünftig neue Möglichkeiten zur Therapie einhergehen, welche die dysfunktionale Zellfunktion über die Verbesserung zellmechanischer Prozesse wiederherstellen könnte.

Literatur

1. Walther A, et al: Depressive disorders are associated with increased peripheral blood cell deformability: a cross-sectional case-control study (Mood-Morph). Translational Psychiatry; DOI: https://doi.org/10.1038/s41398-022-01911-3.

Quelle: Technische Universität Dresden, Pressemeldung vom 08.04.2022


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Veröffentlicht: 15.06.2022

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