Kinder, die in einer bäuerlichen Umgebung aufgewachsen sind, bekommen weniger Allergien, Heuschnupfen und Asthma als Stadtkinder. Dieser sog. „Bauernhof-Effekt“ wurde in mehreren Beobachtungsstudien weltweit ermittelt. Höchstwahrscheinlich ist er darauf zurückzuführen, dass diverse Bakterien aus der Stallluft überschießende Entzündungsreaktionen des Immunsystems verhindern, wie sie für Allergien, Heuschnupfen und Asthma kennzeichnend sind. Ein internationales Forscher*innenteam unter Leitung von Prof. Dr. Markus Ege vom Dr. von Haunerschen Kinderspital des Ludwig-Maximilians-Universitäts (LMU) Klinikums und dem Institut für Asthma- und Allergieprävention am Helmholtz Munich haben erstmals gezeigt, „welche Bakterien in der Stallluft den Bauernhof-Effekt auslösen, welche Stoffe der Bakterien ihn vermitteln und an welchen Rezeptoren im Körper sie andocken, um ihre potenzielle schützende Wirkung zu entfalten“ [1]. Für die Studie analysierten die Forschenden Proben und Gesundheitsdaten von mehr als 1000 Kindern aus europäischen Studien in ländlichen Regionen. Untersucht wurden u. a. Nasenabstriche und Staubproben aus der Matratze der Kinder. Zusätzlich wurden bei 47 Bauernhofkindern Staubproben aus Kuhställen genommen. Die Forscher*innen untersuchten, welche Bakterien und Pilze in diesen Proben vorkommen, wie diese Mikroorganismen zusammenhängen und ob bestimmte Mikroben-Gruppen die Kinder vor Asthma schützen. Mithilfe moderner Gen- und Stoffwechselanalysen konnten die Forschenden bestimmte Bakterien identifizieren, die besonders eng mit dem Schutz vor Asthma und allergischen Erkrankungen verbunden sind. Dazu gehören bspw. Romboutsia timonensis und Glutamicibacter arilaitensis. Die Ergebnisse wurden anschließend anhand von Daten aus Frankreich und Finnland überprüft. Diese gram-positiven Bakterien vermitteln zusammen zwei Drittel des Bauernhof-Effekts auf Asthma und zur Hälfte auf Heuschnupfen und Neurodermitis. Die Bakterien stammen aus dem Verdauungstrakt der Kuh, wo sie Stoffe wie Kynurenin, Xanthin, Alpha-Linolensäure und Stearidonsäure produzieren oder verstoffwechseln, die leicht eingeatmet und von den beiden Rezeptoren AhR und PPARγ auf den menschlichen Atemwegszellen erkannt werden können. Diese Rezeptoren sind u. a. an der Regulation des Immunsystems beteiligt und könnten dazu beitragen, überschießende Entzündungsreaktionen zu verhindern. Die neuen Erkenntnisse können jetzt von Laborforscher*innen genutzt werden, um die molekularen und zellulären Mechanismen des Bauernhof-Effekts zu entschlüsseln. Das eröffnet die Perspektive, ein Medikament zu entwickeln, das den Bauernhof-Effekt nachahmt – ohne dass sich Kinder dafür im Kuhstall aufhalten müssen. Literatur 1. Pagani G, Loss G, Pechlivanis S, Depner M, et al.: Gram-positive bacteria and the inverse association between farm exposure and childhood asthma. NEJM Evid 2026; 5(8): EVIDoa2500271..1016/j.xcrm.2026.102796. Quelle: LMU Klinikum, Pressemeldung vom 28.07.2026
Diesen Artikel finden Sie auch in ERNÄHRUNGS UMSCHAU 9/2026 auf Seite M508.
Kinder, die in einer bäuerlichen Umgebung aufgewachsen sind, bekommen weniger Allergien, Heuschnupfen und Asthma als Stadtkinder. Dieser sog. „Bauernhof-Effekt“ wurde in mehreren Beobachtungsstudien weltweit ermittelt. Höchstwahrscheinlich ist er darauf zurückzuführen, dass diverse Bakterien aus der Stallluft überschießende Entzündungsreaktionen des Immunsystems verhindern, wie sie für Allergien, Heuschnupfen und Asthma kennzeichnend sind.
Kinder, die in einer bäuerlichen Umgebung aufgewachsen sind, bekommen weniger Allergien, Heuschnupfen und Asthma als Stadtkinder. Dieser sog. „Bauernhof-Effekt“ wurde in mehreren Beobachtungsstudien weltweit ermittelt. Höchstwahrscheinlich ist er darauf zurückzuführen, dass diverse Bakterien aus der Stallluft überschießende Entzündungsreaktionen des Immunsystems verhindern, wie sie für Allergien, Heuschnupfen und Asthma kennzeichnend sind. Ein internationales Forscher*innenteam unter Leitung von Prof. Dr. Markus Ege vom Dr. von Haunerschen Kinderspital des Ludwig-Maximilians-Universitäts (LMU) Klinikums und dem Institut für Asthma- und Allergieprävention am Helmholtz Munich haben erstmals gezeigt, „welche Bakterien in der Stallluft den Bauernhof-Effekt auslösen, welche Stoffe der Bakterien ihn vermitteln und an welchen Rezeptoren im Körper sie andocken, um ihre potenzielle schützende Wirkung zu entfalten“ [1]. Für die Studie analysierten die Forschenden Proben und Gesundheitsdaten von mehr als 1000 Kindern aus europäischen Studien in ländlichen Regionen. Untersucht wurden u. a. Nasenabstriche und Staubproben aus der Matratze der Kinder. Zusätzlich wurden bei 47 Bauernhofkindern Staubproben aus Kuhställen genommen. Die Forscher*innen untersuchten, welche Bakterien und Pilze in diesen Proben vorkommen, wie diese Mikroorganismen zusammenhängen und ob bestimmte Mikroben-Gruppen die Kinder vor Asthma schützen. Mithilfe moderner Gen- und Stoffwechselanalysen konnten die Forschenden bestimmte Bakterien identifizieren, die besonders eng mit dem Schutz vor Asthma und allergischen Erkrankungen verbunden sind. Dazu gehören bspw. Romboutsia timonensis und Glutamicibacter arilaitensis. Die Ergebnisse wurden anschließend anhand von Daten aus Frankreich und Finnland überprüft. Diese gram-positiven Bakterien vermitteln zusammen zwei Drittel des Bauernhof-Effekts auf Asthma und zur Hälfte auf Heuschnupfen und Neurodermitis. Die Bakterien stammen aus dem Verdauungstrakt der Kuh, wo sie Stoffe wie Kynurenin, Xanthin, Alpha-Linolensäure und Stearidonsäure produzieren oder verstoffwechseln, die leicht eingeatmet und von den beiden Rezeptoren AhR und PPARγ auf den menschlichen Atemwegszellen erkannt werden können. Diese Rezeptoren sind u. a. an der Regulation des Immunsystems beteiligt und könnten dazu beitragen, überschießende Entzündungsreaktionen zu verhindern. Die neuen Erkenntnisse können jetzt von Laborforscher*innen genutzt werden, um die molekularen und zellulären Mechanismen des Bauernhof-Effekts zu entschlüsseln. Das eröffnet die Perspektive, ein Medikament zu entwickeln, das den Bauernhof-Effekt nachahmt – ohne dass sich Kinder dafür im Kuhstall aufhalten müssen. Literatur 1. Pagani G, Loss G, Pechlivanis S, Depner M, et al.: Gram-positive bacteria and the inverse association between farm exposure and childhood asthma. NEJM Evid 2026; 5(8): EVIDoa2500271..1016/j.xcrm.2026.102796. Quelle: LMU Klinikum, Pressemeldung vom 28.07.2026
Diesen Artikel finden Sie auch in ERNÄHRUNGS UMSCHAU 9/2026 auf Seite M508.

Asthma- und Allergieprävention: Der Bauernhof-Effekt

Kinder, die in einer bäuerlichen Umgebung aufgewachsen sind, bekommen weniger Allergien, Heuschnupfen und Asthma als Stadtkinder. Dieser sog. „Bauernhof-Effekt“ wurde in mehreren Beobachtungsstudien weltweit ermittelt. Höchstwahrscheinlich ist er darauf zurückzuführen, dass diverse Bakterien aus der Stallluft überschießende Entzündungsreaktionen des Immunsystems verhindern, wie sie für Allergien, Heuschnupfen und Asthma kennzeichnend sind.

Ein internationales Forscher*innenteam unter Leitung von Prof. Dr. Markus Ege vom Dr. von Haunerschen Kinderspital des Ludwig-Maximilians-Universitäts (LMU) Klinikums und dem Institut für Asthma- und Allergieprävention am Helmholtz Munich haben erstmals gezeigt, „welche Bakterien in der Stallluft den Bauernhof-Effekt auslösen, welche Stoffe der Bakterien ihn vermitteln und an welchen Rezeptoren im Körper sie andocken, um ihre potenzielle schützende Wirkung zu entfalten“ [1].
Für die Studie analysierten die Forschenden Proben und Gesundheitsdaten von mehr als 1000 Kindern aus europäischen Studien in ländlichen Regionen. Untersucht wurden u. a. Nasenabstriche und Staubproben aus der Matratze der Kinder. Zusätzlich wurden bei 47 Bauernhofkindern Staubproben aus Kuhställen genommen. Die Forscher*innen untersuchten, welche Bakterien und Pilze in diesen Proben vorkommen, wie diese Mikroorganismen zusammenhängen und ob bestimmte Mikroben-Gruppen die Kinder vor Asthma schützen.
Mithilfe moderner Gen- und Stoffwechselanalysen konnten die Forschenden bestimmte Bakterien identifizieren, die besonders eng mit dem Schutz vor Asthma und allergischen Erkrankungen verbunden sind. Dazu gehören bspw. Romboutsia timonensis und Glutamicibacter arilaitensis. Die Ergebnisse wurden anschließend anhand von Daten aus Frankreich und Finnland überprüft.
Diese gram-positiven Bakterien vermitteln zusammen zwei Drittel des Bauernhof-Effekts auf Asthma und zur Hälfte auf Heuschnupfen und Neurodermitis. Die Bakterien stammen aus dem Verdauungstrakt der Kuh, wo sie Stoffe wie Kynurenin, Xanthin, Alpha-Linolensäure und Stearidonsäure produzieren oder verstoffwechseln, die leicht eingeatmet und von den beiden Rezeptoren AhR und PPARγ auf den menschlichen Atemwegszellen erkannt werden können. Diese Rezeptoren sind u. a. an der Regulation des Immunsystems beteiligt und könnten dazu beitragen, überschießende Entzündungsreaktionen zu verhindern.
Die neuen Erkenntnisse können jetzt von Laborforscher*innen genutzt werden, um die molekularen und zellulären Mechanismen des Bauernhof-Effekts zu entschlüsseln. Das eröffnet die Perspektive, ein Medikament zu entwickeln, das den Bauernhof-Effekt nachahmt – ohne dass sich Kinder dafür im Kuhstall aufhalten müssen.

Literatur
1. Pagani G, Loss G, Pechlivanis S, Depner M, et al.: Gram-positive bacteria and the inverse association between farm exposure and childhood asthma. NEJM Evid 2026; 5(8): EVIDoa2500271..1016/j.xcrm.2026.102796.

Quelle: LMU Klinikum, Pressemeldung vom 28.07.2026



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Veröffentlicht: 15.09.2026

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