Die Zahl der Menschen, die an Parkinson erkranken, steigt schneller, als es der demografische Wandel allein erklären kann. Neben Umweltfaktoren wie Luftverschmutzung und der Exposition ggü. Pflanzenschutzmitteln rückt zunehmend auch die Ernährung in den Fokus der Forschung. Studien deuten darauf hin, dass fehlgefaltetes alpha-Synuclein, ein zentrales Protein in der Parkinson-Pathologie, im Darm entsteht und sich über den Vagusnerv ins Gehirn ausbreitet (Darm-Hirn-Achse). Veränderungen des Darmmikrobioms sowie chronische Verstopfung gelten zudem als mögliche Frühzeichen, oft lange vor dem Auftreten motorischer Symptome.
Vor diesem Hintergrund richten sich neue wissenschaftliche Ansätze verstärkt auf die Rolle der Darmflora und den Effekt der Ernährung bei der Parkinson-Entstehung. Zahlreiche Studien zeigen, dass eine mediterrane Ernährung mit einem geringeren Risiko für Parkinson sowie einer niedrigeren Symptomlast bei bereits Erkrankten einhergeht [1, 2].
Außerdem schützt die mediterrane Diät auch vor der Entstehung von Diabetes mellitus, was wiederum das Parkinson-Risiko beeinflusst. Wie Studien zeigen, haben Menschen mit Diabetes mellitus ein höheres Risiko, an Parkinson zu erkranken. Eine Metaanalyse [3] von 15 Kohortenstudien mit insg. 29,9 Mio. Personen kam zu dem Ergebnis, dass Diabetes mellitus mit einem etwa 27 % höheren relativen Risiko für Parkinson assoziiert ist, und selbst für Prädiabetes zeigte sich ein kleiner, aber messbarer
Risikoanstieg. „Auch eine retrospektive Kohortenstudie aus Spanien [4] kam zu dem Ergebnis, dass das Parkinson-Risiko bereits bei Prädiabetes erhöht ist“, erklärte PD Dr. Eva Schäffer vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) in Kiel, Sprecherin der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN)-Taskforce Prävention.
Nach Angaben der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) [5] erkranken in Deutschland jährlich rund 450 000 Menschen neu an Diabetes mellitus, etwa 9,3 Mio. leben derzeit mit der Erkrankung. Bis 2040 könnte die Zahl der Betroffenen auf 12,3 Mio. steigen. „Angesichts dieser Entwicklung müssen wir auch das damit einhergehende erhöhte Parkinson-Risiko in den Blick nehmen und stärker für eine gesunde Ernährung sensibilisieren“, erklärt DGN-Präsidentin Prof. Dr. Daniela Berg, UKSH Kiel.
Literatur
- Seelarbokus BA, Menozzi E, Schapira AHV, et al.: Mediterranean diet adherence, gut microbiota and parkinson’s disease: A systematic review. Nutrients 2024; 16(14): 2181.
- Solch RJ, Aigbogun JO, Voyiadjis AG, et al.: Mediterranean diet adherence, gut microbiota, and alzheimer’s or parkinson’s disease risk: A systematic review. J Neurol Sci 2022; 434: 120166.
- Aune D, Schlesinger S, Mahamat-Saleh Y, et al.: Diabetes mellitus, prediabetes and the risk of Parkinson’s disease: A systematic review and meta-analysis of 15 cohort studies with 29.9 million participants and 86,345 cases. Eur J Epidemiol 2023; 38(6): 591–604.
- Sánchez-Gómez A, Díaz Y, Duarte-Salles T, et al.: Prediabetes, type 2 diabetes mellitus and risk of Parkinson’s disease: A population-based cohort study. Parkinsonism Relat Disord 2021; 89: 22–7.
- Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG): DDG Factsheet. www.ddg.info/ddg-factsheet (last accessed on 15 April 2026).
Quelle: Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten, Pressemeldung vom 08.04.2026
Diesen Artikel finden Sie auch in ERNÄHRUNGS UMSCHAU 5/2026 auf Seite M261.




