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Peer-Review-Verfahren | Eingereicht: 13.06.2017 | Angenommen: 25.04.2018

Einleitung und Zielsetzung


Das Interesse an veganer Ernährung hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen, ebenso steigt die Zahl wissenschaftlicher Veröffentlichungen zum Thema vegane Ernährung stetig an (PubMed-Abfrage, title „vegan“ [title/abstract] bis einschließlich 2010: 338 Einträge, bis 2015: 501, bis Juli 2018: 662) [1, 2]. Belastbare Daten zum Anteil von Veganern an der deutschen Bevölkerung liegen jedoch bisher kaum vor, die Schätzungen liegen zwischen 0,1 und 1,6 % [3–7]. Doch auch hier ist eine steigende Tendenz anzunehmen.

Die derzeitige Studienlage zeigt, dass Veganer viele Ernährungsempfehlungen der Fachgesellschaften besser umsetzen als die Allgemeinbevölkerung. Das gilt insbesondere für den Verzehr von Gemüse, Obst und (Vollkorn-)Getreide [8]. Veganer liegen im Durchschnitt meist am nächsten an den Referenzwerten für die Zufuhr der energieliefernden Nährstoffe Protein, Fett und Kohlenhydrate, sowohl relativ (Energieprozent [En%]) als auch absolut (g/Tag), während Mischköstler im Mittel die Empfehlungen zur Fett- und Proteinzufuhr über- und die für Kohlenhydrate unterschreiten. Die Zufuhr von Beta-Carotin, Vitamin C und E, Thiamin, Folat, Biotin, Pantothensäure, Kalium, Magnesium, Ballaststoffen und sekundären Pflanzenstoffen ist meist höher oder ähnlich hoch wie bei Mischköstlern der Vergleichsgruppen [9].

Abstract


Auch wenn genaue Daten nicht vorliegen, dürfte die Zahl der Veganer in Deutschland in den letzten Jahren angestiegen sein. Für die Umsetzung einer bedarfsdeckenden veganen Ernährung sind wissenschaftlich fundierte Ernährungsempfehlungen notwendig. Vor diesem Hintergrund wurde die Gießener vegane Lebensmittelpyramide entwickelt. Grundlage war die berechnete Nährstoffzufuhr über einen 14-tägigen veganen Speiseplan. Dabei lag ein besonderer Fokus darauf, die Referenzwerte der potenziell kritischen Nährstoffe einer veganen Ernährung (Protein, langkettige n-3-Fettsäuren, Vitamin D, Riboflavin, Vitamin B12, Kalzium, Eisen, Zink, Jod, Selen) zu erreichen. Aus den berechneten durchschnittlichen Verzehrmengen der Speisepläne wurden die verschiedenen Lebensmittelgruppen der veganen Lebensmittelpyramide sowie entsprechende Mengenempfehlungen abgeleitet. Bei fast allen Nährstoffen, inklusive der kritischen, wurden die Referenzwerte erreicht bzw. überschritten. Lediglich für Vitamin B12 und Vitamin D konnten die Referenzwerte über Lebensmittel erwartungsgemäß nicht erreicht werden. Der Einsatz der Gießener veganen Lebensmittelpyramide sollte in der Praxis untersucht und evaluiert werden.

Schlüsselwörter: vegane Ernährung, Nährstoffzufuhr, Ernährungsberatung, Gießener vegane Lebensmittelpyramide




Peer-reviewed | Manuscript received: 13.06.2017 | Revision accepted: 25.04.2018

The Gießen Vegan Food Pyramid


Abstract


The number of vegans has probably increased in the last few years. For a well-balanced vegan diet with an adequate nutrient intake, scientific based dietary recommendations are necessary. With this background in mind, the Giessen Vegan Food Pyramid has been developed. It is based on the calculated nutrient intake of a 14-day vegan meal plan. Particular focus was on meeting the German Dietary Reference Values (DRV) for potential critical nutrients of a vegan diet, e. g. protein, long-chain n-3-fatty acids, vitamin D, vitamin B2, vitamin B12, calcium, iron, zinc, iodine, and selenium. Based on the calculated mean intake quantities of the meal plans, food groups and the daily intake recommendations were derived. For almost all nutrients, the DRVs were reached or exceeded, except for vitamin B12 and vitamin D, as expected. As a next step the Giessen Vegan Food Pyramid should be tested and evaluated in practice.

Keywords: vegan diet, nutrient intake, nutrition counseling, Giessen Vegan Food Pyramid

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Den vollständigen Artikel finden Sie auch in Ernährungs Umschau 8/2018 von Seite M422 bis M431.




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Peer-Review-Verfahren | Eingereicht: 13.06.2017 | Angenommen: 25.04.2018

Einleitung und Zielsetzung


Das Interesse an veganer Ernährung hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen, ebenso steigt die Zahl wissenschaftlicher Veröffentlichungen zum Thema vegane Ernährung stetig an (PubMed-Abfrage, title „vegan“ [title/abstract] bis einschließlich 2010: 338 Einträge, bis 2015: 501, bis Juli 2018: 662) [1, 2]. Belastbare Daten zum Anteil von Veganern an der deutschen Bevölkerung liegen jedoch bisher kaum vor, die Schätzungen liegen zwischen 0,1 und 1,6 % [3–7]. Doch auch hier ist eine steigende Tendenz anzunehmen.

Die derzeitige Studienlage zeigt, dass Veganer viele Ernährungsempfehlungen der Fachgesellschaften besser umsetzen als die Allgemeinbevölkerung. Das gilt insbesondere für den Verzehr von Gemüse, Obst und (Vollkorn-)Getreide [8]. Veganer liegen im Durchschnitt meist am nächsten an den Referenzwerten für die Zufuhr der energieliefernden Nährstoffe Protein, Fett und Kohlenhydrate, sowohl relativ (Energieprozent [En%]) als auch absolut (g/Tag), während Mischköstler im Mittel die Empfehlungen zur Fett- und Proteinzufuhr über- und die für Kohlenhydrate unterschreiten. Die Zufuhr von Beta-Carotin, Vitamin C und E, Thiamin, Folat, Biotin, Pantothensäure, Kalium, Magnesium, Ballaststoffen und sekundären Pflanzenstoffen ist meist höher oder ähnlich hoch wie bei Mischköstlern der Vergleichsgruppen [9].

Abstract


Auch wenn genaue Daten nicht vorliegen, dürfte die Zahl der Veganer in Deutschland in den letzten Jahren angestiegen sein. Für die Umsetzung einer bedarfsdeckenden veganen Ernährung sind wissenschaftlich fundierte Ernährungsempfehlungen notwendig. Vor diesem Hintergrund wurde die Gießener vegane Lebensmittelpyramide entwickelt. Grundlage war die berechnete Nährstoffzufuhr über einen 14-tägigen veganen Speiseplan. Dabei lag ein besonderer Fokus darauf, die Referenzwerte der potenziell kritischen Nährstoffe einer veganen Ernährung (Protein, langkettige n-3-Fettsäuren, Vitamin D, Riboflavin, Vitamin B12, Kalzium, Eisen, Zink, Jod, Selen) zu erreichen. Aus den berechneten durchschnittlichen Verzehrmengen der Speisepläne wurden die verschiedenen Lebensmittelgruppen der veganen Lebensmittelpyramide sowie entsprechende Mengenempfehlungen abgeleitet. Bei fast allen Nährstoffen, inklusive der kritischen, wurden die Referenzwerte erreicht bzw. überschritten. Lediglich für Vitamin B12 und Vitamin D konnten die Referenzwerte über Lebensmittel erwartungsgemäß nicht erreicht werden. Der Einsatz der Gießener veganen Lebensmittelpyramide sollte in der Praxis untersucht und evaluiert werden.

Schlüsselwörter: vegane Ernährung, Nährstoffzufuhr, Ernährungsberatung, Gießener vegane Lebensmittelpyramide




Peer-reviewed | Manuscript received: 13.06.2017 | Revision accepted: 25.04.2018

The Gießen Vegan Food Pyramid


Abstract


The number of vegans has probably increased in the last few years. For a well-balanced vegan diet with an adequate nutrient intake, scientific based dietary recommendations are necessary. With this background in mind, the Giessen Vegan Food Pyramid has been developed. It is based on the calculated nutrient intake of a 14-day vegan meal plan. Particular focus was on meeting the German Dietary Reference Values (DRV) for potential critical nutrients of a vegan diet, e. g. protein, long-chain n-3-fatty acids, vitamin D, vitamin B2, vitamin B12, calcium, iron, zinc, iodine, and selenium. Based on the calculated mean intake quantities of the meal plans, food groups and the daily intake recommendations were derived. For almost all nutrients, the DRVs were reached or exceeded, except for vitamin B12 and vitamin D, as expected. As a next step the Giessen Vegan Food Pyramid should be tested and evaluated in practice.

Keywords: vegan diet, nutrient intake, nutrition counseling, Giessen Vegan Food Pyramid

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Den vollständigen Artikel finden Sie auch in Ernährungs Umschau 8/2018 von Seite M422 bis M431.


Die Gießener vegane Lebensmittelpyramide

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Peer-Review-Verfahren | Eingereicht: 13.06.2017 | Angenommen: 25.04.2018

Einleitung und Zielsetzung

Das Interesse an veganer Ernährung hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen, ebenso steigt die Zahl wissenschaftlicher Veröffentlichungen zum Thema vegane Ernährung stetig an (PubMed-Abfrage, title „vegan“ [title/abstract] bis einschließlich 2010: 338 Einträge, bis 2015: 501, bis Juli 2018: 662) [1, 2]. Belastbare Daten zum Anteil von Veganern an der deutschen Bevölkerung liegen jedoch bisher kaum vor, die Schätzungen liegen zwischen 0,1 und 1,6 % [3–7]. Doch auch hier ist eine steigende Tendenz anzunehmen.

Die derzeitige Studienlage zeigt, dass Veganer viele Ernährungsempfehlungen der Fachgesellschaften besser umsetzen als die Allgemeinbevölkerung. Das gilt insbesondere für den Verzehr von Gemüse, Obst und (Vollkorn-)Getreide [8]. Veganer liegen im Durchschnitt meist am nächsten an den Referenzwerten für die Zufuhr der energieliefernden Nährstoffe Protein, Fett und Kohlenhydrate, sowohl relativ (Energieprozent [En%]) als auch absolut (g/Tag), während Mischköstler im Mittel die Empfehlungen zur Fett- und Proteinzufuhr über- und die für Kohlenhydrate unterschreiten. Die Zufuhr von Beta-Carotin, Vitamin C und E, Thiamin, Folat, Biotin, Pantothensäure, Kalium, Magnesium, Ballaststoffen und sekundären Pflanzenstoffen ist meist höher oder ähnlich hoch wie bei Mischköstlern der Vergleichsgruppen [9].

Abstract

Auch wenn genaue Daten nicht vorliegen, dürfte die Zahl der Veganer in Deutschland in den letzten Jahren angestiegen sein. Für die Umsetzung einer bedarfsdeckenden veganen Ernährung sind wissenschaftlich fundierte Ernährungsempfehlungen notwendig. Vor diesem Hintergrund wurde die Gießener vegane Lebensmittelpyramide entwickelt. Grundlage war die berechnete Nährstoffzufuhr über einen 14-tägigen veganen Speiseplan. Dabei lag ein besonderer Fokus darauf, die Referenzwerte der potenziell kritischen Nährstoffe einer veganen Ernährung (Protein, langkettige n-3-Fettsäuren, Vitamin D, Riboflavin, Vitamin B12, Kalzium, Eisen, Zink, Jod, Selen) zu erreichen. Aus den berechneten durchschnittlichen Verzehrmengen der Speisepläne wurden die verschiedenen Lebensmittelgruppen der veganen Lebensmittelpyramide sowie entsprechende Mengenempfehlungen abgeleitet. Bei fast allen Nährstoffen, inklusive der kritischen, wurden die Referenzwerte erreicht bzw. überschritten. Lediglich für Vitamin B12 und Vitamin D konnten die Referenzwerte über Lebensmittel erwartungsgemäß nicht erreicht werden. Der Einsatz der Gießener veganen Lebensmittelpyramide sollte in der Praxis untersucht und evaluiert werden.

Schlüsselwörter: vegane Ernährung, Nährstoffzufuhr, Ernährungsberatung, Gießener vegane Lebensmittelpyramide


Peer-reviewed | Manuscript received: 13.06.2017 | Revision accepted: 25.04.2018

The Gießen Vegan Food Pyramid
Abstract

The number of vegans has probably increased in the last few years. For a well-balanced vegan diet with an adequate nutrient intake, scientific based dietary recommendations are necessary. With this background in mind, the Giessen Vegan Food Pyramid has been developed. It is based on the calculated nutrient intake of a 14-day vegan meal plan. Particular focus was on meeting the German Dietary Reference Values (DRV) for potential critical nutrients of a vegan diet, e. g. protein, long-chain n-3-fatty acids, vitamin D, vitamin B2, vitamin B12, calcium, iron, zinc, iodine, and selenium. Based on the calculated mean intake quantities of the meal plans, food groups and the daily intake recommendations were derived. For almost all nutrients, the DRVs were reached or exceeded, except for vitamin B12 and vitamin D, as expected. As a next step the Giessen Vegan Food Pyramid should be tested and evaluated in practice.

Keywords: vegan diet, nutrient intake, nutrition counseling, Giessen Vegan Food Pyramid

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Veröffentlicht: 15.08.2018

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