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Ja, Ernährungsthemen sind manchmal komplex, nicht immer einfach zu erklären und werden teils widersprüchlich dargestellt. Zur Kakophonie und allgemeinen Verunsicherung tragen neben postfaktischen Darstellungen nicht selten auch einseitige Publikationen von interessengeleiteten Gruppen und die nach Sensationsberichten gierenden Medien bei. Inzwischen bedienen uns auch Bundesministerien (Ernährungsreporte 2016 und 2017) und Lebensmittelkonzerne (Nestlé 2016: So is[s]t Deutschland) munter mit schnell erhobenen Daten ohne tiefergehende statistische Bearbeitung.
Vor diesem schnelllebigen Hintergrund hebt sich der in 4-jährigen Berichtsphasen sorgfältig zusammengestellte Ernährungsbericht der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) wohltuend ab, der nun in der 13. Ausgabe vorgestellt wurde. Zugegeben, in der Vergangenheit waren die in schlichtem schwarz-weiß gehaltenen Inhalte bei der Drucklegung am Ende der Berichtsphase nicht immer taufrisch. Mittlerweile wurde aber das Layout moderner und besonders aktuelle Beiträge erschienen bereits zeitnah vorab, u. a. in ERNÄHRUNGS UMSCHAU 2/2016 und 12/2016.
Ein Blick in den jetzt vorliegenden Ernährungsbericht zeigt, dass es sich auszahlt, Ernährungsthemen nicht mit heißer Nadel über Nacht zu stricken, sondern zunächst systematisch zu recherchieren und zu analysieren und vor der Drucklegung einer mehrstufigen Qualitätskontrolle zu unterwerfen. So dokumentieren die Ernährungsberichte seit 1969 unaufgeregt und objektiv in Deutschland aufgetretene Veränderungen im Lebensmittelverbrauch und der Ernährungssituation.
• Im aktuellen Bericht werden die Versorgungssituation ausgewählter Nährstoffe (Vitamin D, Folat, Natrium, Kalium und Jod) sowie die Verbreitung und Bedeutung von Übergewicht und Adipositas in allen Lebensphasen analysiert.
• In eigens aufgelegten Projekten wurde die Verpflegungssituation in Kitas sowie stationären Senioreneinrichtungen vor dem Hintergrund der DGE-Qualitätsstandards untersucht.
• Erstmals wurde der Einfluss von Lebensmittelverarbeitung und Mahlzeitenzubereitung auf die Lebensmittelauswahl, die Nährstoffzufuhr sowie auf das Körpergewicht von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen beschrieben.
• In einem weiteren Kapitel erfolgen umfassende, evidenzbasierte Bewertungen des Zusammenhangs zwischen Ernährung und Krebskrankheiten, Diabetes mellitus Typ 2 sowie kardiovaskulären Krankheiten.
• Das letzte Kapitel ist der systematischen Bewertung von Maßnahmen der Verhaltens- und Verhältnisprävention zur Bekämpfung von Adipositas gewidmet.
Damit ist auch der 13. Ernährungsbericht1 für die Ernährungs- und Gesundheitspolitik und für alle an fundierten Informationen Interessierte eine wichtige und verlässliche Quelle.
1 Kurzmeldung aufS. M64 in diesem Heft.
Ihr Helmut Heseker