Online News: Orales Semaglutid: Abnehmtablette statt Spritze
Seit dem 1. September ist Semaglutid zur Behandlung von Adipositas in Deutschland auch als Tablette erhältlich, eine Alternative zur bislang üblichen wöchentlichen Injektion …
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(umk) „Medizinische Methode für stressfreies Abnehmen“ – mit solchen und ähnlichen Werbeaussagen boomt das Internetgeschäft mit GLP-1-Medikamenten. Ob indiziert, ärztlich verordnet und begleitet oder zur „Selbstoptimierung“ auf dem „grauen Markt“ erstanden: „Pharmakologische Adipositastherapien verändern Märkte“ postulierte die Dr. Rainer-Wild-Stiftung, um dann zu fragen: „Wandelt sich mit modernen GLP-1-Medikamenten die Esskultur?“ Rund 75 Teilnehmer*innen unterschiedlichster Profession lockte dieses Thema zum 22. Heidelberger Kamingespräch. Wie sich in den USA das Einkaufsverhalten der mittlerweile rund 45 Mio. Nutzer*innen von GLP-1-Analoga verschiebt und wie Hersteller und Lebensmitteleinzelhandel darauf reagieren, nutzte Jochen Matzer (Geschäftsführer der Agentur Food Harbour, Hamburg) in seinem Einführungsvortrag als Grundlage für seine Überlegungen: Wenn rund 13 % der Bevölkerung veränderte Lebensmittelvorlieben entwickeln (mehr Gemüse und Obst, weniger zucker- und fetthaltige Snacks, kleinere Portionsgrößen), dann bewirkt das große Verschiebungen im Sortiment. Aber nicht nur die Chips-Hersteller spüren messbaren Nachfragerückgang, auch innerhalb eines Segments kommt es zu Verschiebungen. Bei den Milchprodukten z. B. legten in den USA und Großbritannien die proteinreichen wie Quark zu, während Sahne oder Eiscreme Marktanteile verlieren. Die Anbieterseite reagiert mit kleineren Gebindegrößen und veränderten Rezepturen und Produktauslobungen wie „GLP-1-friendly“! Bewirken also die neuen Adipositastherapeutika das, was über viele Jahrzehnte Apelle von Ernährungsfachkräften und Verbraucherschutzorganisationen, Selbstverpflichtungen und Nutri-Score-Debatten nicht erreicht haben: schöne, neue und dabei „gesunde“ Einkaufswelt? Prof. Dr. Gert Bischoff, Krankenhaus Barmherzige Brüder, München, und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin (DGEM), sieht das weniger euphorisch: GLP-1-Analoga und Weiterentwicklungen sollen leitliniengerecht nur im Rahmen einer multimodalen Ernährungstherapie eingesetzt werden. Aus seiner praktischen Erfahrung schilderte er die Unterschiede zwischen Zulassungsstudien und „real life“: 1/3 der Patient*innen haben gute Erfahrungen mit den Medikamenten, bei 1/3 stehen Nutzen und unerwünschte Wirkungen im Widerstreit und rund 1/3 kommt mit der Anwendung gar nicht klar. Auch wenn es gut läuft, erreicht der Gewichtsverlust nach ca. 1 Jahr eine Plateauphase – umfangreiche und längere Erfahrungen mit der nötigen Erhaltungsdosis gibt es noch nicht ausreichend. In Deutschland sind diese Medikamente zudem nicht erstattungsfähig (monatliche Kosten 270-500 €): „Abnehmspritzen“ und sehr bald wohl auch Tabletten1 werden in großem Umfang auch von gut verdienenden Selbstoptimierer*innen ohne Indikation und fachliche Betreuung genutzt. In der anschließenden, teilweise emotionalen Diskussion kam die Frage auf, inwieweit allein das Vorhandensein dieser Medikamente die Stigmatisierung von Menschen mit Adipositas und die Erwartung schlank sein zu müssen (und zu können) verstärkt. Auswirkungen auf die Esskultur – eine der Fragestellungen des Abends – sind in Deutschland noch nicht deutlich. Betroffen wären viele Bereiche: 

(umk) „Medizinische Methode für stressfreies Abnehmen“ – mit solchen und ähnlichen Werbeaussagen boomt das Internetgeschäft mit GLP-1-Medikamenten. Ob indiziert, ärztlich verordnet und begleitet oder zur „Selbstoptimierung“ auf dem „grauen Markt“ erstanden: „Pharmakologische Adipositastherapien verändern Märkte“ postulierte die Dr. Rainer-Wild-Stiftung, um dann zu fragen: „Wandelt sich mit modernen GLP-1-Medikamenten die Esskultur?“ Rund 75 Teilnehmer*innen unterschiedlichster Profession lockte dieses Thema zum 22. Heidelberger Kamingespräch. Wie sich in den USA das Einkaufsverhalten der mittlerweile rund 45 Mio. Nutzer*innen von GLP-1-Analoga verschiebt und wie Hersteller und Lebensmitteleinzelhandel darauf reagieren, nutzte Jochen Matzer (Geschäftsführer der Agentur Food Harbour, Hamburg) in seinem Einführungsvortrag als Grundlage für seine Überlegungen: Wenn rund 13 % der Bevölkerung veränderte Lebensmittelvorlieben entwickeln (mehr Gemüse und Obst, weniger zucker- und fetthaltige Snacks, kleinere Portionsgrößen), dann bewirkt das große Verschiebungen im Sortiment. Aber nicht nur die Chips-Hersteller spüren messbaren Nachfragerückgang, auch innerhalb eines Segments kommt es zu Verschiebungen. Bei den Milchprodukten z. B. legten in den USA und Großbritannien die proteinreichen wie Quark zu, während Sahne oder Eiscreme Marktanteile verlieren. Die Anbieterseite reagiert mit kleineren Gebindegrößen und veränderten Rezepturen und Produktauslobungen wie „GLP-1-friendly“! Bewirken also die neuen Adipositastherapeutika das, was über viele Jahrzehnte Apelle von Ernährungsfachkräften und Verbraucherschutzorganisationen, Selbstverpflichtungen und Nutri-Score-Debatten nicht erreicht haben: schöne, neue und dabei „gesunde“ Einkaufswelt? Prof. Dr. Gert Bischoff, Krankenhaus Barmherzige Brüder, München, und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin (DGEM), sieht das weniger euphorisch: GLP-1-Analoga und Weiterentwicklungen sollen leitliniengerecht nur im Rahmen einer multimodalen Ernährungstherapie eingesetzt werden. Aus seiner praktischen Erfahrung schilderte er die Unterschiede zwischen Zulassungsstudien und „real life“: 1/3 der Patient*innen haben gute Erfahrungen mit den Medikamenten, bei 1/3 stehen Nutzen und unerwünschte Wirkungen im Widerstreit und rund 1/3 kommt mit der Anwendung gar nicht klar. Auch wenn es gut läuft, erreicht der Gewichtsverlust nach ca. 1 Jahr eine Plateauphase – umfangreiche und längere Erfahrungen mit der nötigen Erhaltungsdosis gibt es noch nicht ausreichend. In Deutschland sind diese Medikamente zudem nicht erstattungsfähig (monatliche Kosten 270-500 €): „Abnehmspritzen“ und sehr bald wohl auch Tabletten1 werden in großem Umfang auch von gut verdienenden Selbstoptimierer*innen ohne Indikation und fachliche Betreuung genutzt. In der anschließenden, teilweise emotionalen Diskussion kam die Frage auf, inwieweit allein das Vorhandensein dieser Medikamente die Stigmatisierung von Menschen mit Adipositas und die Erwartung schlank sein zu müssen (und zu können) verstärkt. Auswirkungen auf die Esskultur – eine der Fragestellungen des Abends – sind in Deutschland noch nicht deutlich. Betroffen wären viele Bereiche:
(umk) „Medizinische Methode für stressfreies Abnehmen“ – mit solchen und ähnlichen Werbeaussagen boomt das Internetgeschäft mit GLP-1-Medikamenten. Ob indiziert, ärztlich verordnet und begleitet oder zur „Selbstoptimierung“ auf dem „grauen Markt“ erstanden: „Pharmakologische Adipositastherapien verändern Märkte“ postulierte die Dr. Rainer-Wild-Stiftung, um dann zu fragen: „Wandelt sich mit modernen GLP-1-Medikamenten die Esskultur?“ Rund 75 Teilnehmer*innen unterschiedlichster Profession lockte dieses Thema zum 22. Heidelberger Kamingespräch.
Wie sich in den USA das Einkaufsverhalten der mittlerweile rund 45 Mio. Nutzer*innen von GLP-1-Analoga verschiebt und wie Hersteller und Lebensmitteleinzelhandel darauf reagieren, nutzte Jochen Matzer (Geschäftsführer der Agentur Food Harbour, Hamburg) in seinem Einführungsvortrag als Grundlage für seine Überlegungen: Wenn rund 13 % der Bevölkerung veränderte Lebensmittelvorlieben entwickeln (mehr Gemüse und Obst, weniger zucker- und fetthaltige Snacks, kleinere Portionsgrößen), dann bewirkt das große Verschiebungen im Sortiment. Aber nicht nur die Chips-Hersteller spüren messbaren Nachfragerückgang, auch innerhalb eines Segments kommt es zu Verschiebungen. Bei den Milchprodukten z. B. legten in den USA und Großbritannien die proteinreichen wie Quark zu, während Sahne oder Eiscreme Marktanteile verlieren. Die Anbieterseite reagiert mit kleineren Gebindegrößen und veränderten Rezepturen und Produktauslobungen wie „GLP-1-friendly“!
Bewirken also die neuen Adipositastherapeutika das, was über viele Jahrzehnte Apelle von Ernährungsfachkräften und Verbraucherschutzorganisationen, Selbstverpflichtungen und Nutri-Score-Debatten nicht erreicht haben: schöne, neue und dabei „gesunde“ Einkaufswelt?
Prof. Dr. Gert Bischoff, Krankenhaus Barmherzige Brüder, München, und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin (DGEM), sieht das weniger euphorisch: GLP-1-Analoga und Weiterentwicklungen sollen leitliniengerecht nur im Rahmen einer multimodalen Ernährungstherapie eingesetzt werden. Aus seiner praktischen Erfahrung schilderte er die Unterschiede zwischen Zulassungsstudien und „real life“: 1/3 der Patient*innen haben gute Erfahrungen mit den Medikamenten, bei 1/3 stehen Nutzen und unerwünschte Wirkungen im Widerstreit und rund 1/3 kommt mit der Anwendung gar nicht klar. Auch wenn es gut läuft, erreicht der Gewichtsverlust nach ca. 1 Jahr eine Plateauphase – umfangreiche und längere Erfahrungen mit der nötigen Erhaltungsdosis gibt es noch nicht ausreichend. In Deutschland sind diese Medikamente zudem nicht erstattungsfähig (monatliche Kosten 270-500 €): „Abnehmspritzen“ und sehr bald wohl auch Tabletten1 werden in großem Umfang auch von gut verdienenden Selbstoptimierer*innen ohne Indikation und fachliche Betreuung genutzt.
In der anschließenden, teilweise emotionalen Diskussion kam die Frage auf, inwieweit allein das Vorhandensein dieser Medikamente die Stigmatisierung von Menschen mit Adipositas und die Erwartung schlank sein zu müssen (und zu können) verstärkt. Auswirkungen auf die Esskultur – eine der Fragestellungen des Abends – sind in Deutschland noch nicht deutlich. Betroffen wären viele Bereiche:
Fazit: Das Thema des Abends mag einen sperrigen Titel haben, Fachkräfte im Ernährungsbereich sollten es aber aufmerksam im Blick behalten. Das 22. Heidelberger Kamingespräch war für die Teilnehmer*innen aus vielen Disziplinen hierfür ein wichtiger Auftakt.
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1 Die Kommission der Europäischen Union (EU) hat am 15.07.2026 die Zulassung erteilt: → www.novonordisk.de/content/dam/nncorp/de/de/presse-und-medien/pdfs/260720_NN_PM_Meilenstein_in_der_Adipositastherapie_Wegovy_Tablette_erhaelt_EU_Zulassung.pdf.
Seit dem 1. September 2026 ist die Tablette zur Behandlung von Adipositas auf dem deutschen Markt erhältlich.
Diesen Artikel finden Sie auch in ERNÄHRUNGS UMSCHAU 9/2026 auf Seite M510.