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Peer-Review-Verfahren | Eingereicht: 03.03.2015 | Angenommen: 27.01.2016

Teil 1: Übersicht zur Datenlage in europäischen Studien


Empfehlungen für den Zeitpunkt der Einführung von Beikost


Die Empfehlung der World Health Organization (WHO) aus dem Jahre 2001, bis zum vollendeten 6. Lebensmonat ausschließlich zu stillen [1], wurde 2008 durch die Europäische Gesellschaft für Pädiatrische Gastroenterologie, Hepatologie und Ernährung (ESPGHAN) durch die Angabe eines optimalen Zeitfensters zur Einführung von Beikost1 frühestens mit Beginn des 5. Monats (17. Lebenswoche) bzw. spätestens mit Ende des 6. Monats (26. Lebenswoche) abgerundet [2].

Die österreichischen und deutschen Beikostempfehlungen lehnen sich an die ESPGHAN-Empfehlungen an und berücksichtigen auch die individuelle Entwicklung des Säuglings [3, 4]. Die S3-Leitlinie zur Allergieprävention 2014 hingegen empfiehlt, mit der Beikosteinführung nach dem vollendeten 4. Lebensmonat zu beginnen und die Einführung nicht zu verzögern. Aus Sicht der Allergieprävention gebe es derzeit weder für eine frühere Einführung von Beikost vor der 17. Lebenswoche noch für eine Einführung nach dem Beginn des 5. Lebensmonats gesicherte Belege. Während der ersten vier Lebensmonate soll voll gestillt werden [5]. Einer Stellungnahme der deutschen Nationalen Stillkommission zufolge führt diese Uneinigkeit in den Empfehlungen zu einer Verunsicherung von Gesundheitsexperten und Eltern. Die Nationale Stillkommission lehnt den fixen Zeitpunkt für die Einführung der Beikost der S3-Leitlinie zur Allergieprävention ab [6]. Ein Weiterstillen wird neben der Einführung von Beikost von allen Organisationen empfohlen, Muttermilch und Säuglingsmilchnahrung bleiben daher auch nach Einführung der Beikost eine wichtige Nährstoffquelle im ersten Lebensjahr [1–5].

Zusammenfassung


Die ersten zwei Lebensjahre werden als „Fenster der Möglichkeiten“ gesehen, um die Gesundheit von Kindern positiv zu beeinflussen. Nationale Beikostempfehlungen als qualitätsgesicherte Ernährungsinformationen sollen Eltern dabei unterstützen, ihrem Kind den bestmöglichen Start ins Leben zu ermöglichen. Die Arbeit geht der Frage nach, welche Faktoren das Verhalten von Eltern hinsichtlich Beikost beeinflussen. Anhand einer Literaturrecherche wurden Einflussfaktoren auf ein ungünstiges, d. h. von den Leitlinien abweichendes Beikostverhalten, identifiziert. Der Fokus lag dabei auf europäischen Daten. Neben dem Bildungsstatus konnten v. a. ein niedriger sozioökonomischer Status und/oder ein Migrationshintergrund als Risikofaktoren für ein ungünstiges Beikostverhalten identifiziert werden.

Schlüsselwörter: frühkindliche Ernährung, Beikost, Migration, sozioökonomischer Status, Gesundheitsverhalten




Peer-reviewed | Manuscript received: March 03, 2015 | Revision accepted: January 27, 2016

Determinants of complementary feeding behaviour


Part 1: Review of European literature


Recommendations for timing the introduction of complementary food


The 2001 recommendation of the World Health Organization (WHO) to breastfeed exclusively until the end of the 6th month of life [1] was supplemented in 2008 by the European Society for Paediatric Gastroenterology, Hepatology and Nutrition (ESPGHAN), which specified an optimum window for the introduction of complementary food1: earliest at the beginning of the 5th month (17th week) and latest at the end of the 6th month (26th week) [2].

The Austrian and German recommendations for complementary feeding leave the ESPGHAN recommendations slightly open by also taking into account the individual development of the infant [3, 4]. However, the 2014 S3-Guideline on Allergy Prevention recommends introducing complementary food immediately after the end of the 4th month. From the perspective of allergy prevention, there is currently no verified evidence in support of an early introduction of complementary food before the 17th week of life or a delayed introduction after the beginning of the 5th month. Infants should be breastfed exclusively during the first 4 months of life [5]. According to a statement by the German Nationale Stillkommission (National Breastfeeding Committee), this disagreement in the recommendations leads to uncertainty for health professionals and parents. The National Breastfeeding Committee rejects the fixed timing for the introduction of complementary food as specified in the S3-Guideline on Allergy Prevention [6]. All organisations recommend that mothers continue breastfeeding along with the introduction of complementary food. Breastmilk and infant formula remain an important source of nutrients in the first year of life even after the introduction of complementary food [1–5].

Summary


The first two years of life are regarded as a “window of opportunity” to positively influence children’s health. As quality-assured nutritional information, national recommendations on complementary feeding should assist parents in providing their child with the best possible start in life. The question of what factors influence parental behaviour in relation to complementary feeding are examined in this study. Through research of the relevant literature, factors that influence unfavourable complementary feeding behaviour were identified, i.e. behaviour that deviates from the recommendations in the guidelines. The research focused primarily on European findings. In addition to level of education, a low socio-economic status and/or a migrant background were identified as primary risk factors for unfavourable complementary feeding behaviour.

Keywords: infant nutrition, complementary feeding, migration, socio-economic status, health behaviour




Den vollständigen Artikel finden Sie auch in Ernährungs Umschau 06/16 von Seite M328 bis M334.




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Peer-Review-Verfahren | Eingereicht: 03.03.2015 | Angenommen: 27.01.2016

Teil 1: Übersicht zur Datenlage in europäischen Studien


Empfehlungen für den Zeitpunkt der Einführung von Beikost


Die Empfehlung der World Health Organization (WHO) aus dem Jahre 2001, bis zum vollendeten 6. Lebensmonat ausschließlich zu stillen [1], wurde 2008 durch die Europäische Gesellschaft für Pädiatrische Gastroenterologie, Hepatologie und Ernährung (ESPGHAN) durch die Angabe eines optimalen Zeitfensters zur Einführung von Beikost1 frühestens mit Beginn des 5. Monats (17. Lebenswoche) bzw. spätestens mit Ende des 6. Monats (26. Lebenswoche) abgerundet [2].

Die österreichischen und deutschen Beikostempfehlungen lehnen sich an die ESPGHAN-Empfehlungen an und berücksichtigen auch die individuelle Entwicklung des Säuglings [3, 4]. Die S3-Leitlinie zur Allergieprävention 2014 hingegen empfiehlt, mit der Beikosteinführung nach dem vollendeten 4. Lebensmonat zu beginnen und die Einführung nicht zu verzögern. Aus Sicht der Allergieprävention gebe es derzeit weder für eine frühere Einführung von Beikost vor der 17. Lebenswoche noch für eine Einführung nach dem Beginn des 5. Lebensmonats gesicherte Belege. Während der ersten vier Lebensmonate soll voll gestillt werden [5]. Einer Stellungnahme der deutschen Nationalen Stillkommission zufolge führt diese Uneinigkeit in den Empfehlungen zu einer Verunsicherung von Gesundheitsexperten und Eltern. Die Nationale Stillkommission lehnt den fixen Zeitpunkt für die Einführung der Beikost der S3-Leitlinie zur Allergieprävention ab [6]. Ein Weiterstillen wird neben der Einführung von Beikost von allen Organisationen empfohlen, Muttermilch und Säuglingsmilchnahrung bleiben daher auch nach Einführung der Beikost eine wichtige Nährstoffquelle im ersten Lebensjahr [1–5].

Zusammenfassung


Die ersten zwei Lebensjahre werden als „Fenster der Möglichkeiten“ gesehen, um die Gesundheit von Kindern positiv zu beeinflussen. Nationale Beikostempfehlungen als qualitätsgesicherte Ernährungsinformationen sollen Eltern dabei unterstützen, ihrem Kind den bestmöglichen Start ins Leben zu ermöglichen. Die Arbeit geht der Frage nach, welche Faktoren das Verhalten von Eltern hinsichtlich Beikost beeinflussen. Anhand einer Literaturrecherche wurden Einflussfaktoren auf ein ungünstiges, d. h. von den Leitlinien abweichendes Beikostverhalten, identifiziert. Der Fokus lag dabei auf europäischen Daten. Neben dem Bildungsstatus konnten v. a. ein niedriger sozioökonomischer Status und/oder ein Migrationshintergrund als Risikofaktoren für ein ungünstiges Beikostverhalten identifiziert werden.

Schlüsselwörter: frühkindliche Ernährung, Beikost, Migration, sozioökonomischer Status, Gesundheitsverhalten




Peer-reviewed | Manuscript received: March 03, 2015 | Revision accepted: January 27, 2016

Determinants of complementary feeding behaviour


Part 1: Review of European literature


Recommendations for timing the introduction of complementary food


The 2001 recommendation of the World Health Organization (WHO) to breastfeed exclusively until the end of the 6th month of life [1] was supplemented in 2008 by the European Society for Paediatric Gastroenterology, Hepatology and Nutrition (ESPGHAN), which specified an optimum window for the introduction of complementary food1: earliest at the beginning of the 5th month (17th week) and latest at the end of the 6th month (26th week) [2].

The Austrian and German recommendations for complementary feeding leave the ESPGHAN recommendations slightly open by also taking into account the individual development of the infant [3, 4]. However, the 2014 S3-Guideline on Allergy Prevention recommends introducing complementary food immediately after the end of the 4th month. From the perspective of allergy prevention, there is currently no verified evidence in support of an early introduction of complementary food before the 17th week of life or a delayed introduction after the beginning of the 5th month. Infants should be breastfed exclusively during the first 4 months of life [5]. According to a statement by the German Nationale Stillkommission (National Breastfeeding Committee), this disagreement in the recommendations leads to uncertainty for health professionals and parents. The National Breastfeeding Committee rejects the fixed timing for the introduction of complementary food as specified in the S3-Guideline on Allergy Prevention [6]. All organisations recommend that mothers continue breastfeeding along with the introduction of complementary food. Breastmilk and infant formula remain an important source of nutrients in the first year of life even after the introduction of complementary food [1–5].

Summary


The first two years of life are regarded as a “window of opportunity” to positively influence children’s health. As quality-assured nutritional information, national recommendations on complementary feeding should assist parents in providing their child with the best possible start in life. The question of what factors influence parental behaviour in relation to complementary feeding are examined in this study. Through research of the relevant literature, factors that influence unfavourable complementary feeding behaviour were identified, i.e. behaviour that deviates from the recommendations in the guidelines. The research focused primarily on European findings. In addition to level of education, a low socio-economic status and/or a migrant background were identified as primary risk factors for unfavourable complementary feeding behaviour.

Keywords: infant nutrition, complementary feeding, migration, socio-economic status, health behaviour




Den vollständigen Artikel finden Sie auch in Ernährungs Umschau 06/16 von Seite M328 bis M334.


Einflussfaktoren auf das Beikostverhalten

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Peer-Review-Verfahren | Eingereicht: 03.03.2015 | Angenommen: 27.01.2016

Teil 1: Übersicht zur Datenlage in europäischen Studien
Empfehlungen für den Zeitpunkt der Einführung von Beikost

Die Empfehlung der World Health Organization (WHO) aus dem Jahre 2001, bis zum vollendeten 6. Lebensmonat ausschließlich zu stillen [1], wurde 2008 durch die Europäische Gesellschaft für Pädiatrische Gastroenterologie, Hepatologie und Ernährung (ESPGHAN) durch die Angabe eines optimalen Zeitfensters zur Einführung von Beikost1 frühestens mit Beginn des 5. Monats (17. Lebenswoche) bzw. spätestens mit Ende des 6. Monats (26. Lebenswoche) abgerundet [2].

Die österreichischen und deutschen Beikostempfehlungen lehnen sich an die ESPGHAN-Empfehlungen an und berücksichtigen auch die individuelle Entwicklung des Säuglings [3, 4]. Die S3-Leitlinie zur Allergieprävention 2014 hingegen empfiehlt, mit der Beikosteinführung nach dem vollendeten 4. Lebensmonat zu beginnen und die Einführung nicht zu verzögern. Aus Sicht der Allergieprävention gebe es derzeit weder für eine frühere Einführung von Beikost vor der 17. Lebenswoche noch für eine Einführung nach dem Beginn des 5. Lebensmonats gesicherte Belege. Während der ersten vier Lebensmonate soll voll gestillt werden [5]. Einer Stellungnahme der deutschen Nationalen Stillkommission zufolge führt diese Uneinigkeit in den Empfehlungen zu einer Verunsicherung von Gesundheitsexperten und Eltern. Die Nationale Stillkommission lehnt den fixen Zeitpunkt für die Einführung der Beikost der S3-Leitlinie zur Allergieprävention ab [6]. Ein Weiterstillen wird neben der Einführung von Beikost von allen Organisationen empfohlen, Muttermilch und Säuglingsmilchnahrung bleiben daher auch nach Einführung der Beikost eine wichtige Nährstoffquelle im ersten Lebensjahr [1–5].

Zusammenfassung

Die ersten zwei Lebensjahre werden als „Fenster der Möglichkeiten“ gesehen, um die Gesundheit von Kindern positiv zu beeinflussen. Nationale Beikostempfehlungen als qualitätsgesicherte Ernährungsinformationen sollen Eltern dabei unterstützen, ihrem Kind den bestmöglichen Start ins Leben zu ermöglichen. Die Arbeit geht der Frage nach, welche Faktoren das Verhalten von Eltern hinsichtlich Beikost beeinflussen. Anhand einer Literaturrecherche wurden Einflussfaktoren auf ein ungünstiges, d. h. von den Leitlinien abweichendes Beikostverhalten, identifiziert. Der Fokus lag dabei auf europäischen Daten. Neben dem Bildungsstatus konnten v. a. ein niedriger sozioökonomischer Status und/oder ein Migrationshintergrund als Risikofaktoren für ein ungünstiges Beikostverhalten identifiziert werden.

Schlüsselwörter: frühkindliche Ernährung, Beikost, Migration, sozioökonomischer Status, Gesundheitsverhalten


Peer-reviewed | Manuscript received: March 03, 2015 | Revision accepted: January 27, 2016

Determinants of complementary feeding behaviour
Part 1: Review of European literature
Recommendations for timing the introduction of complementary food

The 2001 recommendation of the World Health Organization (WHO) to breastfeed exclusively until the end of the 6th month of life [1] was supplemented in 2008 by the European Society for Paediatric Gastroenterology, Hepatology and Nutrition (ESPGHAN), which specified an optimum window for the introduction of complementary food1: earliest at the beginning of the 5th month (17th week) and latest at the end of the 6th month (26th week) [2].

The Austrian and German recommendations for complementary feeding leave the ESPGHAN recommendations slightly open by also taking into account the individual development of the infant [3, 4]. However, the 2014 S3-Guideline on Allergy Prevention recommends introducing complementary food immediately after the end of the 4th month. From the perspective of allergy prevention, there is currently no verified evidence in support of an early introduction of complementary food before the 17th week of life or a delayed introduction after the beginning of the 5th month. Infants should be breastfed exclusively during the first 4 months of life [5]. According to a statement by the German Nationale Stillkommission (National Breastfeeding Committee), this disagreement in the recommendations leads to uncertainty for health professionals and parents. The National Breastfeeding Committee rejects the fixed timing for the introduction of complementary food as specified in the S3-Guideline on Allergy Prevention [6]. All organisations recommend that mothers continue breastfeeding along with the introduction of complementary food. Breastmilk and infant formula remain an important source of nutrients in the first year of life even after the introduction of complementary food [1–5].

Summary

The first two years of life are regarded as a “window of opportunity” to positively influence children’s health. As quality-assured nutritional information, national recommendations on complementary feeding should assist parents in providing their child with the best possible start in life. The question of what factors influence parental behaviour in relation to complementary feeding are examined in this study. Through research of the relevant literature, factors that influence unfavourable complementary feeding behaviour were identified, i.e. behaviour that deviates from the recommendations in the guidelines. The research focused primarily on European findings. In addition to level of education, a low socio-economic status and/or a migrant background were identified as primary risk factors for unfavourable complementary feeding behaviour.

Keywords: infant nutrition, complementary feeding, migration, socio-economic status, health behaviour


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Veröffentlicht: 15.06.2016

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