Effekt der pflanzenbetonten Vollwertkost bei Demenz


Etwa 1,8 Mio. Menschen über 65 Jahre sind in Deutschland an Demenz erkrankt, Prävalenz steigend. Weltweit sind ca. 50 Mio. Menschen betroffen. Schätzungsweise werden im Jahr 2050 ca. 150 Mio. erwartet.

Laut PD Dr. med. Keßler (Immanuel Krankenhaus, Berlin) wird vermutet, dass etwa 1/3 der Alzheimer-Erkrankungen auf potenziell veränderbare Risikofaktoren zurückzuführen ist, darunter Diabetes, Bluthochdruck, Rauchen und Übergewicht im mittleren Lebensalter sowie Bewegungsmangel. Somit kommt der Ernährungstherapie im Zuge der Optimierung des Lebensstils eine zentrale Bedeutung zu. Dabei geht es mehr darum, Ernährungsmuster zu ändern, und nicht einzelne Lebensmittel auszutauschen. Während die S3-Leitlinie zur Behandlung von Demenzen eher allgemeine Empfehlungen ausspricht wie ausgewogene Ernährung, Meidung von Übergewicht und Alkohol, weist die Studienlage darauf hin, dass eine ausgewogene, pflanzenbasierte oder -betonte Ernährung zur Prävention von Demenz beitragen kann. Die Hauptbestandteile sind Gemüse und Obst, Vollkorngetreide und deren Produkte, pflanzliche Eiweißquellen wie Hülsenfrüchte oder Milchalternativen sowie Nüsse und Saaten.

Pflanzliche Lebensmittel bieten u. a. durch ihren meist hohen Ballaststoffgehalt (insb. lösliche Ballaststoffe) sowie ihren Gehalt an sekundären Pflanzenstoffen wertvolle Substrate für das intestinale Mikrobiom und tragen zu einem entzündungshemmenden Effekt und über die Darm-Hirn-Achse zur Hirngesundheit bei.

Verschiedene Studien zeigten mögliche positive Auswirkungen auf die kognitive Funktion, insb. bei der mediterranen Kost, der DASH-Diät (dietary approach to stop hypertension) und der MIND-Diät (mediterranean-Dash intervention for neurodegenerative delay), einer mediterranen Variante der DASH-Diät (vgl. hierzu aber den Beitrag in ERNÄHRUNGS UMSCHAU 10/2023, M650–M652). Zusammenfassend wurden konkrete Lebensmittelempfehlungen abgeleitet:

  • täglich grünes Blattgemüse
  • täglich Beeren, besonders Blaubeeren
  • 3 × täglich Vollkornprodukte, besonders Hafer
  • regelmäßig Hafertage (insb. bei einer diabetischen Stoffwechsellage)
  • mindestens 1 × täglich 1–2 Esslöffel Nüsse und Saaten
  • reichlich Hülsenfrüchte
  • wenig Zucker und Süßes


Grundwasser schützen, Trinkwasser sichern

„Grundwasser ist unsere wichtigste Trinkwasser-Ressource und es verbindet verschiedene Lebensräume miteinander“, so PD Dr. Hahn, Universität Koblenz-Landau. Die Verfügbarkeit des Grundwassers hängt von vielen Faktoren im Landschaftswasserhaushalt ab, z. B. Landschaftsform, Landnutzung, Böden und Gesteinen. Auch die Art des Niederschlags und die Jahreszeit ist relevant, ob das Wasser verdunstet, einsickert oder oberirdisch abfließt. Zudem spielen enge Wechselwirkungen zwischen Oberflächenwasser und Grundwasser eine Rolle. Den sehr sauberen Zustand unseres Wassers verdanken wir zahllosen Mikroorganismen und – an die besonderen Bedingungen in 12 m Tiefe angepassten – Glieder- und Krustentieren, die das Wasser reinigen. Sie beziehen ihre Nahrung von der Erdoberfläche durch versickerndes Wasser. Auf Veränderungen reagieren sie sehr empfindlich, daher eignen sie sich gut als Indikatoren für die Risikobewertung und Qualitätssicherung in der Trinkwasserversorgung. Die zunehmende Trockenheit, Versiegelung von Flächen und häufige Übernutzung des Grundwassers führen zu einer relativen Verknappung, sodass wir künftig mit weniger Wasser auskommen müssen. Daher sind Maßnahmen auf institutioneller und individueller Ebene zum Schutz des Grundwassers erforderlich. Die nationale Wasserstrategie soll dazu umfassend beitragen.

Essverhalten und Emotionen – eine Beziehung auf Gegenseitigkeit


Fast ein Drittel der deutschen Bevölkerung ist von emotionalem Essverhalten betroffen: Sie essen, um belastende Emotionen zu bewältigen. Die Mechanismen der Entstehung und der trostspendenden Wirkungen sind nur ansatzweise geklärt. Gibt es wirksame therapeutische Optionen? Prof. Dr. Macht von der Universität Würzburg gibt hierzu Antworten.

Das Riechen oder Schmecken von Nahrung ist mit Gefühlen verbunden, die meist positiv sind und zur Besänftigung emotionalen Stresses beitragen können. Die Reaktionen werden zum einen durch Sinneserregungen bei der Wahrnehmung des Essens ausgelöst, zum anderen durch ernährungsphysiologische Wirkungen der Inhaltsstoffe vor und nach der Resorption. Es wird angenommen, dass sich diese Effekte kaskadenartig steigern.

Emotionales Essverhalten entsteht in einem kontinuierlichen, operanten Lernprozess, wenn eine wiederholte emotionale Beruhigung durch – oft energiedichte – Nahrung erfolgt. Im Tierversuch führt energiedichte Nahrung zu einer Senkung der stressinduzierten Cortisolfreisetzung. Hinzu kommt die klassische Konditionierung: Emotionen, die mit der Nahrungsaufnahme verknüpft sind, können zu Essauslösern werden. Emotionales Essen wird bei Frauen häufiger als bei Männern beobachtet, ebenso bei Erwachsenen häufiger als bei Kindern. Sexueller Missbrauch steigert das Risiko, an einer Essstörung zu erkranken, um das 2,5- bis 5-Fache. Kommen in solchen Situationen Defizite in der Emotionsregulation dazu, die durch biologisch verankerte Risikofaktoren im Belohnungssystem des Gehirns und im Hormonsystem vermutet werden, ist die Entwicklung des Gefühlsessens umso wahrscheinlicher.

Der therapeutische Ansatz verfolgt das Ziel der verbesserten Emotionsregulation. In Gruppentherapien sollen Strategien im Umgang mit belastenden Emotionen erlernt und die Selbststeuerung des Essverhaltens verbessert werden. Randomisierte, kontrollierte Studien zeigten eine gute Wirksamkeit und Umsetzbarkeit.

Ernährungsarmut


Prof. Dr. Wahlen von der Universität Gießen referierte zum Thema Ernährungsarmut und zeigte auf, wer verantwortlich ist und was zu tun ist. Ernährungsarmut ist die Unfähigkeit, Lebensmittel in angemessener Qualität und Quantität auf sozial akzeptable Weise zu erwerben oder zu konsumieren, oder Unsicherheit darüber, ob dies in Zukunft möglich sein wird. Sie ist weltweit verbreitet und betrifft in Deutschland etwa 3 Mio. Menschen, insb. Rentner*innen, Bürgergeldempfänger*innen, Tafelnutzer*innen, Alleinerziehende und Familien mit mind. 4 Kindern. Ernährungsarmut umfasst den Mangel an Lebensmitteln, aber auch an qualitativ hochwertigen Lebensmitteln mit hoher Nährstoffdichte. Bei Kindern kann die Unterernährung zu Entwicklungsverzögerungen und einem erhöhten Krankheitsrisiko führen. Neben der materiellen Dimension spielt auch der soziale Aspekt eine Rolle. Die soziale Teilhabe ist eingeschränkt, bis hin zur Vereinsamung und Angst vor Stigmatisierung. Das zugrunde liegende Problem ist eher eine Verteilungs- und daraus resultierende Teilhabeungerechtigkeit als eine nicht vorhandene Menge an Lebensmitteln.

Die Bekämpfung der Ernährungsarmut lässt sich nur durch alle verantwortlichen Akteure erreichen: Regierungen, Nichtregierungsorganisationen (NGO), Privatsektor und Zivilgesellschaft sind zum Handeln aufgefordert. Durch politische Maßnahmen könnte der Zugang zu erschwinglichen und qualitativ hochwertigen Lebensmitteln gewährt werden. Viele Aktivitäten, Pilotprojekte und Maßnahmen, z. B. die Tafeln, sind wichtige Elemente zur Verbesserung der Lage, können das Problem jedoch nicht allein nachhaltig lösen.




Diesen Artikel finden Sie auch in ERNÄHRUNGS UMSCHAU 6/2024 auf den Seiten M312 bis M313.


(spr) Die Tagung fand vom 3.–4. Mai in Gießen statt und lieferte aktuelle Erkenntnisse zu ausgewählten gesundheitsrelevanten Themen. Nachfolgend eine kleine Auswahl:


Effekt der pflanzenbetonten Vollwertkost bei Demenz


Etwa 1,8 Mio. Menschen über 65 Jahre sind in Deutschland an Demenz erkrankt, Prävalenz steigend. Weltweit sind ca. 50 Mio. Menschen betroffen. Schätzungsweise werden im Jahr 2050 ca. 150 Mio. erwartet.

Laut PD Dr. med. Keßler (Immanuel Krankenhaus, Berlin) wird vermutet, dass etwa 1/3 der Alzheimer-Erkrankungen auf potenziell veränderbare Risikofaktoren zurückzuführen ist, darunter Diabetes, Bluthochdruck, Rauchen und Übergewicht im mittleren Lebensalter sowie Bewegungsmangel. Somit kommt der Ernährungstherapie im Zuge der Optimierung des Lebensstils eine zentrale Bedeutung zu. Dabei geht es mehr darum, Ernährungsmuster zu ändern, und nicht einzelne Lebensmittel auszutauschen. Während die S3-Leitlinie zur Behandlung von Demenzen eher allgemeine Empfehlungen ausspricht wie ausgewogene Ernährung, Meidung von Übergewicht und Alkohol, weist die Studienlage darauf hin, dass eine ausgewogene, pflanzenbasierte oder -betonte Ernährung zur Prävention von Demenz beitragen kann. Die Hauptbestandteile sind Gemüse und Obst, Vollkorngetreide und deren Produkte, pflanzliche Eiweißquellen wie Hülsenfrüchte oder Milchalternativen sowie Nüsse und Saaten.

Pflanzliche Lebensmittel bieten u. a. durch ihren meist hohen Ballaststoffgehalt (insb. lösliche Ballaststoffe) sowie ihren Gehalt an sekundären Pflanzenstoffen wertvolle Substrate für das intestinale Mikrobiom und tragen zu einem entzündungshemmenden Effekt und über die Darm-Hirn-Achse zur Hirngesundheit bei.

Verschiedene Studien zeigten mögliche positive Auswirkungen auf die kognitive Funktion, insb. bei der mediterranen Kost, der DASH-Diät (dietary approach to stop hypertension) und der MIND-Diät (mediterranean-Dash intervention for neurodegenerative delay), einer mediterranen Variante der DASH-Diät (vgl. hierzu aber den Beitrag in ERNÄHRUNGS UMSCHAU 10/2023, M650–M652). Zusammenfassend wurden konkrete Lebensmittelempfehlungen abgeleitet:

  • täglich grünes Blattgemüse
  • täglich Beeren, besonders Blaubeeren
  • 3 × täglich Vollkornprodukte, besonders Hafer
  • regelmäßig Hafertage (insb. bei einer diabetischen Stoffwechsellage)
  • mindestens 1 × täglich 1–2 Esslöffel Nüsse und Saaten
  • reichlich Hülsenfrüchte
  • wenig Zucker und Süßes


Grundwasser schützen, Trinkwasser sichern

„Grundwasser ist unsere wichtigste Trinkwasser-Ressource und es verbindet verschiedene Lebensräume miteinander“, so PD Dr. Hahn, Universität Koblenz-Landau. Die Verfügbarkeit des Grundwassers hängt von vielen Faktoren im Landschaftswasserhaushalt ab, z. B. Landschaftsform, Landnutzung, Böden und Gesteinen. Auch die Art des Niederschlags und die Jahreszeit ist relevant, ob das Wasser verdunstet, einsickert oder oberirdisch abfließt. Zudem spielen enge Wechselwirkungen zwischen Oberflächenwasser und Grundwasser eine Rolle. Den sehr sauberen Zustand unseres Wassers verdanken wir zahllosen Mikroorganismen und – an die besonderen Bedingungen in 12 m Tiefe angepassten – Glieder- und Krustentieren, die das Wasser reinigen. Sie beziehen ihre Nahrung von der Erdoberfläche durch versickerndes Wasser. Auf Veränderungen reagieren sie sehr empfindlich, daher eignen sie sich gut als Indikatoren für die Risikobewertung und Qualitätssicherung in der Trinkwasserversorgung. Die zunehmende Trockenheit, Versiegelung von Flächen und häufige Übernutzung des Grundwassers führen zu einer relativen Verknappung, sodass wir künftig mit weniger Wasser auskommen müssen. Daher sind Maßnahmen auf institutioneller und individueller Ebene zum Schutz des Grundwassers erforderlich. Die nationale Wasserstrategie soll dazu umfassend beitragen.

Essverhalten und Emotionen – eine Beziehung auf Gegenseitigkeit


Fast ein Drittel der deutschen Bevölkerung ist von emotionalem Essverhalten betroffen: Sie essen, um belastende Emotionen zu bewältigen. Die Mechanismen der Entstehung und der trostspendenden Wirkungen sind nur ansatzweise geklärt. Gibt es wirksame therapeutische Optionen? Prof. Dr. Macht von der Universität Würzburg gibt hierzu Antworten.

Das Riechen oder Schmecken von Nahrung ist mit Gefühlen verbunden, die meist positiv sind und zur Besänftigung emotionalen Stresses beitragen können. Die Reaktionen werden zum einen durch Sinneserregungen bei der Wahrnehmung des Essens ausgelöst, zum anderen durch ernährungsphysiologische Wirkungen der Inhaltsstoffe vor und nach der Resorption. Es wird angenommen, dass sich diese Effekte kaskadenartig steigern.

Emotionales Essverhalten entsteht in einem kontinuierlichen, operanten Lernprozess, wenn eine wiederholte emotionale Beruhigung durch – oft energiedichte – Nahrung erfolgt. Im Tierversuch führt energiedichte Nahrung zu einer Senkung der stressinduzierten Cortisolfreisetzung. Hinzu kommt die klassische Konditionierung: Emotionen, die mit der Nahrungsaufnahme verknüpft sind, können zu Essauslösern werden. Emotionales Essen wird bei Frauen häufiger als bei Männern beobachtet, ebenso bei Erwachsenen häufiger als bei Kindern. Sexueller Missbrauch steigert das Risiko, an einer Essstörung zu erkranken, um das 2,5- bis 5-Fache. Kommen in solchen Situationen Defizite in der Emotionsregulation dazu, die durch biologisch verankerte Risikofaktoren im Belohnungssystem des Gehirns und im Hormonsystem vermutet werden, ist die Entwicklung des Gefühlsessens umso wahrscheinlicher.

Der therapeutische Ansatz verfolgt das Ziel der verbesserten Emotionsregulation. In Gruppentherapien sollen Strategien im Umgang mit belastenden Emotionen erlernt und die Selbststeuerung des Essverhaltens verbessert werden. Randomisierte, kontrollierte Studien zeigten eine gute Wirksamkeit und Umsetzbarkeit.

Ernährungsarmut


Prof. Dr. Wahlen von der Universität Gießen referierte zum Thema Ernährungsarmut und zeigte auf, wer verantwortlich ist und was zu tun ist. Ernährungsarmut ist die Unfähigkeit, Lebensmittel in angemessener Qualität und Quantität auf sozial akzeptable Weise zu erwerben oder zu konsumieren, oder Unsicherheit darüber, ob dies in Zukunft möglich sein wird. Sie ist weltweit verbreitet und betrifft in Deutschland etwa 3 Mio. Menschen, insb. Rentner*innen, Bürgergeldempfänger*innen, Tafelnutzer*innen, Alleinerziehende und Familien mit mind. 4 Kindern. Ernährungsarmut umfasst den Mangel an Lebensmitteln, aber auch an qualitativ hochwertigen Lebensmitteln mit hoher Nährstoffdichte. Bei Kindern kann die Unterernährung zu Entwicklungsverzögerungen und einem erhöhten Krankheitsrisiko führen. Neben der materiellen Dimension spielt auch der soziale Aspekt eine Rolle. Die soziale Teilhabe ist eingeschränkt, bis hin zur Vereinsamung und Angst vor Stigmatisierung. Das zugrunde liegende Problem ist eher eine Verteilungs- und daraus resultierende Teilhabeungerechtigkeit als eine nicht vorhandene Menge an Lebensmitteln.

Die Bekämpfung der Ernährungsarmut lässt sich nur durch alle verantwortlichen Akteure erreichen: Regierungen, Nichtregierungsorganisationen (NGO), Privatsektor und Zivilgesellschaft sind zum Handeln aufgefordert. Durch politische Maßnahmen könnte der Zugang zu erschwinglichen und qualitativ hochwertigen Lebensmitteln gewährt werden. Viele Aktivitäten, Pilotprojekte und Maßnahmen, z. B. die Tafeln, sind wichtige Elemente zur Verbesserung der Lage, können das Problem jedoch nicht allein nachhaltig lösen.




Diesen Artikel finden Sie auch in ERNÄHRUNGS UMSCHAU 6/2024 auf den Seiten M312 bis M313.


UGB-Tagungsbericht 2024: Ernährung aktuell

Effekt der pflanzenbetonten Vollwertkost bei Demenz

Etwa 1,8 Mio. Menschen über 65 Jahre sind in Deutschland an Demenz erkrankt, Prävalenz steigend. Weltweit sind ca. 50 Mio. Menschen betroffen. Schätzungsweise werden im Jahr 2050 ca. 150 Mio. erwartet.

Laut PD Dr. med. Keßler (Immanuel Krankenhaus, Berlin) wird vermutet, dass etwa 1/3 der Alzheimer-Erkrankungen auf potenziell veränderbare Risikofaktoren zurückzuführen ist, darunter Diabetes, Bluthochdruck, Rauchen und Übergewicht im mittleren Lebensalter sowie Bewegungsmangel. Somit kommt der Ernährungstherapie im Zuge der Optimierung des Lebensstils eine zentrale Bedeutung zu. Dabei geht es mehr darum, Ernährungsmuster zu ändern, und nicht einzelne Lebensmittel auszutauschen. Während die S3-Leitlinie zur Behandlung von Demenzen eher allgemeine Empfehlungen ausspricht wie ausgewogene Ernährung, Meidung von Übergewicht und Alkohol, weist die Studienlage darauf hin, dass eine ausgewogene, pflanzenbasierte oder -betonte Ernährung zur Prävention von Demenz beitragen kann. Die Hauptbestandteile sind Gemüse und Obst, Vollkorngetreide und deren Produkte, pflanzliche Eiweißquellen wie Hülsenfrüchte oder Milchalternativen sowie Nüsse und Saaten.

Pflanzliche Lebensmittel bieten u. a. durch ihren meist hohen Ballaststoffgehalt (insb. lösliche Ballaststoffe) sowie ihren Gehalt an sekundären Pflanzenstoffen wertvolle Substrate für das intestinale Mikrobiom und tragen zu einem entzündungshemmenden Effekt und über die Darm-Hirn-Achse zur Hirngesundheit bei.

Verschiedene Studien zeigten mögliche positive Auswirkungen auf die kognitive Funktion, insb. bei der mediterranen Kost, der DASH-Diät (dietary approach to stop hypertension) und der MIND-Diät (mediterranean-Dash intervention for neurodegenerative delay), einer mediterranen Variante der DASH-Diät (vgl. hierzu aber den Beitrag in ERNÄHRUNGS UMSCHAU 10/2023, M650–M652). Zusammenfassend wurden konkrete Lebensmittelempfehlungen abgeleitet:

  • täglich grünes Blattgemüse
  • täglich Beeren, besonders Blaubeeren
  • 3 × täglich Vollkornprodukte, besonders Hafer
  • regelmäßig Hafertage (insb. bei einer diabetischen Stoffwechsellage)
  • mindestens 1 × täglich 1–2 Esslöffel Nüsse und Saaten
  • reichlich Hülsenfrüchte
  • wenig Zucker und Süßes

Grundwasser schützen, Trinkwasser sichern

„Grundwasser ist unsere wichtigste Trinkwasser-Ressource und es verbindet verschiedene Lebensräume miteinander“, so PD Dr. Hahn, Universität Koblenz-Landau. Die Verfügbarkeit des Grundwassers hängt von vielen Faktoren im Landschaftswasserhaushalt ab, z. B. Landschaftsform, Landnutzung, Böden und Gesteinen. Auch die Art des Niederschlags und die Jahreszeit ist relevant, ob das Wasser verdunstet, einsickert oder oberirdisch abfließt. Zudem spielen enge Wechselwirkungen zwischen Oberflächenwasser und Grundwasser eine Rolle. Den sehr sauberen Zustand unseres Wassers verdanken wir zahllosen Mikroorganismen und – an die besonderen Bedingungen in 12 m Tiefe angepassten – Glieder- und Krustentieren, die das Wasser reinigen. Sie beziehen ihre Nahrung von der Erdoberfläche durch versickerndes Wasser. Auf Veränderungen reagieren sie sehr empfindlich, daher eignen sie sich gut als Indikatoren für die Risikobewertung und Qualitätssicherung in der Trinkwasserversorgung. Die zunehmende Trockenheit, Versiegelung von Flächen und häufige Übernutzung des Grundwassers führen zu einer relativen Verknappung, sodass wir künftig mit weniger Wasser auskommen müssen. Daher sind Maßnahmen auf institutioneller und individueller Ebene zum Schutz des Grundwassers erforderlich. Die nationale Wasserstrategie soll dazu umfassend beitragen.

Essverhalten und Emotionen – eine Beziehung auf Gegenseitigkeit

Fast ein Drittel der deutschen Bevölkerung ist von emotionalem Essverhalten betroffen: Sie essen, um belastende Emotionen zu bewältigen. Die Mechanismen der Entstehung und der trostspendenden Wirkungen sind nur ansatzweise geklärt. Gibt es wirksame therapeutische Optionen? Prof. Dr. Macht von der Universität Würzburg gibt hierzu Antworten.

Das Riechen oder Schmecken von Nahrung ist mit Gefühlen verbunden, die meist positiv sind und zur Besänftigung emotionalen Stresses beitragen können. Die Reaktionen werden zum einen durch Sinneserregungen bei der Wahrnehmung des Essens ausgelöst, zum anderen durch ernährungsphysiologische Wirkungen der Inhaltsstoffe vor und nach der Resorption. Es wird angenommen, dass sich diese Effekte kaskadenartig steigern.

Emotionales Essverhalten entsteht in einem kontinuierlichen, operanten Lernprozess, wenn eine wiederholte emotionale Beruhigung durch – oft energiedichte – Nahrung erfolgt. Im Tierversuch führt energiedichte Nahrung zu einer Senkung der stressinduzierten Cortisolfreisetzung. Hinzu kommt die klassische Konditionierung: Emotionen, die mit der Nahrungsaufnahme verknüpft sind, können zu Essauslösern werden. Emotionales Essen wird bei Frauen häufiger als bei Männern beobachtet, ebenso bei Erwachsenen häufiger als bei Kindern. Sexueller Missbrauch steigert das Risiko, an einer Essstörung zu erkranken, um das 2,5- bis 5-Fache. Kommen in solchen Situationen Defizite in der Emotionsregulation dazu, die durch biologisch verankerte Risikofaktoren im Belohnungssystem des Gehirns und im Hormonsystem vermutet werden, ist die Entwicklung des Gefühlsessens umso wahrscheinlicher.

Der therapeutische Ansatz verfolgt das Ziel der verbesserten Emotionsregulation. In Gruppentherapien sollen Strategien im Umgang mit belastenden Emotionen erlernt und die Selbststeuerung des Essverhaltens verbessert werden. Randomisierte, kontrollierte Studien zeigten eine gute Wirksamkeit und Umsetzbarkeit.

Ernährungsarmut

Prof. Dr. Wahlen von der Universität Gießen referierte zum Thema Ernährungsarmut und zeigte auf, wer verantwortlich ist und was zu tun ist. Ernährungsarmut ist die Unfähigkeit, Lebensmittel in angemessener Qualität und Quantität auf sozial akzeptable Weise zu erwerben oder zu konsumieren, oder Unsicherheit darüber, ob dies in Zukunft möglich sein wird. Sie ist weltweit verbreitet und betrifft in Deutschland etwa 3 Mio. Menschen, insb. Rentner*innen, Bürgergeldempfänger*innen, Tafelnutzer*innen, Alleinerziehende und Familien mit mind. 4 Kindern. Ernährungsarmut umfasst den Mangel an Lebensmitteln, aber auch an qualitativ hochwertigen Lebensmitteln mit hoher Nährstoffdichte. Bei Kindern kann die Unterernährung zu Entwicklungsverzögerungen und einem erhöhten Krankheitsrisiko führen. Neben der materiellen Dimension spielt auch der soziale Aspekt eine Rolle. Die soziale Teilhabe ist eingeschränkt, bis hin zur Vereinsamung und Angst vor Stigmatisierung. Das zugrunde liegende Problem ist eher eine Verteilungs- und daraus resultierende Teilhabeungerechtigkeit als eine nicht vorhandene Menge an Lebensmitteln.

Die Bekämpfung der Ernährungsarmut lässt sich nur durch alle verantwortlichen Akteure erreichen: Regierungen, Nichtregierungsorganisationen (NGO), Privatsektor und Zivilgesellschaft sind zum Handeln aufgefordert. Durch politische Maßnahmen könnte der Zugang zu erschwinglichen und qualitativ hochwertigen Lebensmitteln gewährt werden. Viele Aktivitäten, Pilotprojekte und Maßnahmen, z. B. die Tafeln, sind wichtige Elemente zur Verbesserung der Lage, können das Problem jedoch nicht allein nachhaltig lösen.


Diesen Artikel finden Sie auch in ERNÄHRUNGS UMSCHAU 6/2024 auf den Seiten M312 bis M313.

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Veröffentlicht: 12.06.2024

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