Peer-Review-Verfahren
Manuskript eingereicht: 23.06.2026. Statements, Stellungnahmen und Positionspapiere von Fachgesellschaften unterliegen in der ERNÄHRUNGS UMSCHAU, wie auch in vielen anderen Fachzeitschriften, nicht dem Peer-Review-Verfahren, weil es sich hierbei bereits um vielfach durch Expert*innen (Peers) bewertete, diskutierte und auf breiter Basis konsentierte Texte handelt.
Statement der Arbeitsgruppe Sporternährung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE)
Abschnitt 1 – Gewichtsklassensportarten
Charakteristika und Herausforderungen
Die Gewichtsklassensportarten (Übersicht in ♦ Tabelle 1) zählen neben den ästhetischen, den Ausdauer- und den Sprungsportarten zu den gewichtssensitiven Sportarten [6]. Ihr Alleinstellungsmerkmal ist ein offizieller Wiegetermin (engl. weigh-in) vor dem Wettkampf. Dadurch, dass Sportler vergleichbaren Gewichts gegeneinander antreten, sollen Chancengleichheit sichergestellt und das Verletzungsrisiko minimiert werden [2]. Da es theoretisch von Vorteil ist, in einer niedrigeren Gewichtsklasse anzutreten als derjenigen, die dem Körpergewicht außerhalb der Wettkampfsaison entspricht, bedient sich eine große Zahl von Gewichtsklassensportlern, selbst im ambitionierten Breitensport [7], Strategien zur Gewichtsreduktion vor Wettkämpfen (vgl. ♦ Kasten 1), dem sogenannten Gewichtmachen (engl. making weight) [10]. Auch wenn der reale physische Vorteil vernachlässigbar ist, wird doch ein subjektiver Nutzen im Sinn von verbesserter Motivation, Selbstsicherheit, Fokussiertheit, Disziplin und Professionalisierung wahrgenommen [11, 12].
Wettkampfbezogene Gewichtsreduktion
Die als Gewichtmachen bezeichnete Gewichtsreduktion vor Wettkämpfen ist charakteristisch für die Gewichtsklassensportarten. Sie wird von beiden Geschlechtern [13] und auch unter Jugendlichen praktiziert [14]. Die Mehrzahl der Kampfsportler zieht eine schnelle Gewichtsreduktion (engl. rapid weight loss, RWL) über einen Zeitraum von ≤ 4 Tagen einer graduellen Gewichtsabnahme über mehrere Wochen vor [15]. Welche der in ♦ Kasten 1 genannten Maßnahmen angewendet werden und über wie viele Tage, hängt von persönlichen Präferenzen [16, 17], aber auch von der Zeitspanne zwischen dem Wiegetermin und dem (ersten) Wettkampf ab [18]. Die Methoden, die einzeln oder kombiniert eingesetzt werden, zielen im Wesentlichen auf eine Reduktion des Körperwasser- und Glykogengehalts sowie eine Entleerung des Darms ab [9, 19]. Potenziell werden Leistung und Gesundheit dadurch negativ beeinflusst. …
Abstract
Es gibt zahlreiche Sportarten mit Gewichtsklasseneinteilung, in denen zu einem definierten Zeitpunkt vor und ggf. ein weiteres Mal während des Wettkampfs das Körpergewicht erfasst wird. Traditionell reduzieren Sportler1 zielgerichtet vor dem Wiegetermin (engl. weigh-in) ihr Gewicht, was gemeinhin als Gewichtmachen (engl. making weight) bezeichnet wird. Hierfür werden neben mehrwöchiger Nahrungsrestriktion vor allem Methoden zur schnellen Gewichtsreduktion (engl. rapid weight loss, RWL) angewendet. Von Seiten der Sportfachverbände nicht verbotene Maßnahmen, wie Manipulationen des Körperwassers, der Energiereserven und des gastrointestinalen Inhalts, führen in vielen Fällen mehrmals pro Jahr zu größeren Gewichtsschwankungen (engl. weight cycling), die potenziell sowohl die Leistung als auch die Gesundheit negativ beeinflussen. Je nach Art und Ausmaß werden solche Praktiken von der Arbeitsgruppe Sporternährung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE-AG) nicht befürwortet.
In diesem zweiteiligen Statement werden die allgemeinen Prinzipien des Gewichtsklassensports und der Ernährung in solchen Sportarten dargestellt. Außerdem wird näher beschrieben, wie sich ambitionierte Kampfsportler, Gewichtheber/Kraftdreikämpfer, Leichtgewichtruderer, Skeletoni und Jockeys (Teil 1) sowie Natural Bodybuilder (Teil 2) Beobachtungsstudien zufolge im Jahreszyklus ernähren. Diese Literaturübersichten1 geben nicht die Position der DGE-AG wieder. Wie sich wettkampfmäßig Gewichtsklassensport betreibende Personen bestenfalls ernähren sollten, um ihre Körperzusammensetzung und Leistungsfähigkeit zu optimieren, wird jeweils im Anschluss an die jeweiligen Abschnitte „Beobachtungen aus der Praxis“ unter „Empfehlungen der DGE-AG“ erläutert. Des Weiteren werden in Teil 2 die grundsätzlichen Risiken von Gewichtmachen, weight cycling und chronischer Energierestriktion kritisch diskutiert.
Den vollständigen Artikel finden Sie auch in ERNÄHRUNGS UMSCHAU 9/2026 auf den Seiten M525 bis M535.