Auch die Ernährung und der Umgang damit verändern sich in der darauffolgenden Therapiephase in den meisten Fällen. Sei es durch die Diagnose und den damit verbundenen psychischen Stress, sei es durch Nebenwirkungen der Therapie wie Übelkeit oder Mundtrockenheit oder auch durch ein vermehrtes Gesundheitsbewusstsein bzw. das Bedürfnis, selbst etwas für sein Wohlbefinden und die Genesung zu tun.
Zu Recht fordert die Deutsche Gesellschaft für Ernährungsmedizin (DGEM) daher in ihrer S3-Leitlinie „Klinische Ernährung in der Onkologie”, dass „durchgehende Aufmerksamkeit für mögliche Ernährungsstörungen sowie eine der jeweiligen Situation angemessene Ernährungsbehandlung (…) Teil der Supportivbetreuung jedes Tumorpatienten sein (sollen), um die Körperreserven, die Therapietoleranz, den Erkrankungsverlauf und die Lebensqualität günstig zu beeinflussen” [1].
Im folgenden Artikel werden die häufigsten Fragen aus der praktischen Ernährungsberatung und der Umgang damit als praktische Hilfestellung für Ernährungsfachkräfte vorgestellt.
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1 Männliche Bezeichnungen gelten in diesem Beitrag für beide Geschlechter.

Ungewollter Gewichtsverlust: Ursachen – Folgen – Was können wir tun?
Außerdem kann ein Tumor den Stoffwechsel durch systemische Inflammation so modifizieren, dass sich der Energiebedarf erhöht. Bei Tumorerkrankungen des Verdauungsapparats, z. B. bei Pankreaskarzinomen, können sich die Verdauung und Verwertung der aufgenommenen Nahrung verändern. Als Folge ergibt sich häufig eine Mangelernährung [2, 3]. Daten aus Bayern zeigten kürzlich, dass jeder dritte Patient mit einer Tumorerkrankung in ambulanter Betreuung ein erhöhtes Risiko für eine Mangelernährung aufwies [4].
Der daraus resultierende reduzierte Ernährungszustand verläuft in einer Abwärtsspirale aus Müdigkeit, körperlicher Schwäche, Muskelmasseverlust, Appetitlosigkeit, Bewegungsmangel und Gewichtsverlust. Da Kraft und Ausdauer fehlen, beeinträchtigt dies die Lebensqualität und den Therapieerfolg. Chemo- und Radiotherapie werden schlechter vertragen, es treten vermehrt Nebenwirkungen auf. Die Immunabwehr verschlechtert sich, dies wiederum steigert die Anfälligkeit für Erkrankungen wie Lungenentzündungen, Wundheilungsstörungen oder Harnweginfekte [3].
Je nach Ursache des Gewichtsverlustes sind unterschiedliche Ernährungsmaßnahmen erforderlich. Im folgenden Abschnitt stellen wir Empfehlungen aus der Praxis vor, die sich bewährt haben und Abhilfe schaffen können. Dabei muss immer die individuelle Verträglichkeit beachtet werden.

Appetitlosigkeit
Appetitlosigkeit kommt häufig vor und kann sich durch psychische Belastungen, Schmerzen oder Übelkeit und Erbrechen weiter verschlechtern [3]. Appetitanregende Maßnahmen zeigt • Übersicht 1.
Die Speisen sollen ansprechend serviert werden, denn Speisen, die appetitlich aussehen, schmecken besser. Schönes Geschirr, passende Servietten, eine geschmackvolle Tischdecke und ein paar Blumen machen die Mahlzeit zu etwas Besonderem.

Veränderungen des Geschmacksempfindens
Durch das Tumorgeschehen im Organismus, aber auch durch Chemotherapie und Bestrahlung kann sich das Geschmacksempfinden verändern. Gesteigerte oder verminderte Wahrnehmung von süßem sowie bitterem Geschmack sind häufiger als Veränderungen bei salzigem oder saurem Geschmack und können sich gravierend auf die Lebensmittelauswahl und die Energiezufuhr auswirken [5]. Wie Patienten auf ein geändertes Geschmacksempfinden eingehen können, zeigt • Übersicht 2.

Mundtrockenheit und verminderter Speichelfluss
Eine unangenehme Begleiterscheinung der Strahlentherapie im Mund- und Rachenraum kann verminderter Speichelfluss sein. Trockene Speisen wie Brot und Fleisch lassen sich dann nur mühsam kauen und schlucken, Kochsalz wird oft als scharf empfunden. Hinweise, wie Behinderungen beim Essen durch Mundtrockenheit begegnet werden kann, finden sich in • Übersicht 3.
Der Speichel schützt und reinigt die Zähne. Bei unzureichendem Speichelfluss ist eine regelmäßige Zahnpflege daher besonders wichtig. Deshalb wird empfohlen nach jeder Mahlzeit die Zähne gründlich zu putzen.

Zähflüssiger Speichel
Wird der Speichel nach Bestrahlungen im Mund- und Rachenraum dick und zähflüssig, kann eine flüssige Kost die Nahrungsaufnahme erleichtern. Regelmäßige Mundspülungen verflüssigen den zähen Speichel und geben ein angenehmes Gefühl (• Übersicht 4).


Übelkeit und Erbrechen
Während und nach Chemotherapie oder Strahlenbehandlung können Übelkeit und Erbrechen auftreten. Um dies zu vermeiden, kann es günstig sein, einige Stunden vor der Therapie nichts zu essen. Dies ist nicht zu verwechseln mit Fasten während der Chemotherapie, das nicht uneingeschränkt empfohlen werden kann – die Datenlage ist noch unsicher [6]. Treten Übelkeit oder Erbrechen auf, führt dies häufig zu einer Abneigung gegenüber den zuvor verzehrten Speisen.
Patienten kann empfohlen werden, erst zwei bis drei Stunden nach dem Erbrechen mit Salzgebäck zu starten und Flüssigkeit in kleinen Schlucken zu trinken. Sobald eine Besserung eintritt, können langsam und in kleinen Portionen andere Lebensmittel versucht werden (• Übersicht 5).

Ausgleich eines Gewichtsverlustes
Bei einem Gewichtsverlust von mehr als 5 % des Ausgangsgewichts in 3 Monaten soll mit einer energie- und proteinoptimierten Kost begonnen werden [3]. • Übersicht 6 zeigt ausgewählte Beispiele zur Anreicherung von Lebensmitteln und Mahlzeiten. In • Tabelle 1 finden sich kleine kalorienreiche Snacks, die je nach Verträglichkeit in den Speiseplan ergänzt werden können. Sehr fettreiche Speisen bzw. Lebensmittel können bspw. bei Fettmalassimilation aufgrund einer Pankreaskopfresektion Probleme bereiten. In solchen Fällen empfiehlt es sich, eher auf eine Anreicherung mit proteinreichen Lebensmitteln, Snacks oder Pulver zurückzugreifen.
Zusätzliche Energie liefert Maltodextrin, ein geschmacksneutrales Kohlenhydratpulver auf der Basis von Maisstärke. Es eignet sich besonders zur Energieanreicherung von Pudding, Soßen, Suppen, Pfannkuchen, Gebäck, Kompott, Quarkspeisen und Getränken.
– 1 EL Maltodextrin enthält ca. 40 kcal (120 kJ)
– Maltodextrin ist hitzestabil und kann mitgekocht werden.
– In Getränke lässt es sich problemlos löffelweise einrühren.
Daneben können vor allem bei Proteinmangel bspw. Magermilchpulver oder spezielle Eiweißkonzentratpulver (erhältlich in Apotheke oder Onlineversand) eingesetzt werden. Sie liefern 2–5 g Protein pro 10 g Produkt (1 EL) und eignen sich zum Unterrühren in warme und kalte Speisen und Getränke.
Wenn es nicht gelingt, Gewicht zuzunehmen oder zumindest das Körpergewicht zu halten, können industriell hergestellte energie- und proteinreiche Trinknahrungen eingesetzt werden. Sie enthalten bei relativ kleinem Volumen viel Energie und Nährstoffe sowie Vitamine und Mineralstoffe in optimaler Menge [3]. Entsprechende Produkte sind in Apotheken, im Onlineversand oder über Sanitätshäuser erhältlich. Eine Verordnung ist normalerweise bei gesetzlichen Krankenkassen problemlos möglich [7].
Einige Situationen wie operative Eingriffe, Engstellungen der Speiseröhre oder im Verdauungstrakt, massive Einschränkungen der Verdauungsleistung oder wenn eine Anreicherung der normalen Ernährung nicht ausreicht, um den Gewichtsverlust aufzuhalten, erfordern es auch, an den Einsatz enteraler oder parenteraler Ernährung zu denken – dieses jedoch unter ernährungstherapeutischer Aufsicht [3]. Die orale/enterale Ernährung ist dabei der (totalen) parenteralen Ernährung vorzuziehen, damit die Funktionen des Gastrointestinaltrakts so weit wie möglich aufrechterhalten werden [8].


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„Krebsdiäten”
Oftmals werden Fallbeispiele von Personen angeführt, die ihre Tumorerkrankung durch eine bestimmte „Krebsdiät” überwinden oder bessern konnten. Dies weckt bei manchen Patienten Hoffnungen. Sie entwickeln eine starke Motivation und bringen viel Energie, Zeit und teilweise auch Geld auf, um Vorgaben im Rahmen dieser „Krebsdiäten” umzusetzen. Gerade für Patienten mit fortgeschrittenen Tumoren, die sich im Rahmen eines progressiven Krankheitsverlaufs sehr hilflos fühlen, haben „Krebsdiäten” eine hohe Anziehungskraft, sie sind daher oft Inhalt onkologischer Ernährungsberatungen [10].
Besonders häufig werden in der Beratung ketogene bzw. kohlenhydratreduzierte Diäten (s. dazu [11]), eine vegane Kost sowie Diäten zum „Aushungern” des Tumors angefragt. Weitere „Krebsdiäten” sind in • Tabelle 2 exemplarisch aufgeführt und kurz erläutert. Eine gute Unterstützung bei der Einschätzung von „Krebsdiäten”, aber auch von Nahrungsergänzungsmitteln, geben neben entsprechenden Publikationen [11–14] auch die evidenz-basierten Informationen des europäischen Projekts CAM Cancer (http://cam-cancer.org; [15]).
In der Beratung gilt es zunächst, eine vertrauensvolle Gesprächsbasis zum Patienten aufzubauen und zu signalisieren, dass man den Wunsch nach einer „Krebsdiät” akzeptiert und ernst nimmt. Eine genaue Ernährungsanamnese hilft einzuschätzen, wie die Mahlzeitenzusammenstellung aussieht, und lässt erste Rückschlüsse auf die Energie- und Nährstoffversorgung zu. Das Ernährungsassessment schließt die Frage nach Faktoren ein, die die Nahrungsaufnahme zusätzlich einschränken können (z. B. Dysphagie, gastrointestinale Beschwerden).
Auf Basis dieser Informationen und der Einschätzung des Ernährungsstatus werden dann mit dem Patienten mögliche Nachteile von „Krebsdiäten” besprochen. Bei der Beurteilung von „Krebsdiäten” durch die Fachkraft können die in • Übersicht 7 angeführten Fragen als Unterstützung dienen.
Restriktive Empfehlungen zur Lebensmittelauswahl können insbesondere bei Patienten mit Inappetenz und bereits eingeschränkter Nahrungsaufnahme den Ernährungsstatus weiter verschlechtern. Viele „Krebsdiäten” gewährleisten je nach Zusammenstellung keine ausreichende Versorgung mit allen wichtigen Nährstoffen [13]. Die Entwicklung einer Mangelernährung wird begünstigt, ein Gewichtsverlust vorangetrieben [12]. Vor diesem Hintergrund durchaus positiv zu bewerten ist, dass eine aktuelle Münchner Studie zum Ernährungsverhalten von Tumorpatienten ergab, dass nur ein sehr geringer Prozentsatz die Vorgaben einer Krebsdiät befolgt [10]. Ein Grund dafür könnte mitunter sein, dass es aufgrund der Diätvorgaben zu gravierenden Einbußen der Lebensqualität kommt. Restaurantbesuche oder Essenseinladungen passen oft nicht ins Diätregime und müssen ausgeschlagen werden.
Es gilt außerdem, fundierte Erkenntnisse und Leitlinienempfehlungen der entsprechenden Fachgesellschaften zu kommunizieren. Hierbei ist Fingerspitzengefühl notwendig. Der Versuch, einen Patienten von einer „Krebsdiät” abzubringen, auf die er sehr viel Hoffnung setzt, kann ihn erst recht dazu verleiten, sie zu verteidigen. Wenn ein Patient eine „Krebsdiät" gegen die ärztliche und ernährungstherapeutische Empfehlung durchführen möchte, gilt es, das entsprechend zu dokumentieren und den behandelnden Arzt zu informieren. Außerdem sind engmaschige Kontrollen von Gewicht, Ernährungsstatus, relevanter Laborparameter und möglicher Nebenwirkungen empfehlenswert [9, 11]. Auf jeden Fall verhindert werden sollte, dass ein Patient sich auf eine „Krebsdiät” anstelle einer ärztlich empfohlenen onkologischen Therapie verlässt oder eine ärztlich angeratene Behandlung stark hinauszögert [9].


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Nahrungsergänzungsmittel
Es empfiehlt sich daher, in der Ernährungsanamnese immer danach zu fragen, ob Patienten Produkte wie Vitamin- und Mineralstoffpräparate, Pilzpräparate, Fruchtextrakte (z. B. Graviolaextrakt) o. ä. einnehmen und in welcher Dosierung dies erfolgt.
In der S3-Leitlinie wird davon abgeraten, Vitamine oder Mineralstoffe in – im Vergleich zu den D-A-CH-Referenzwerten – hohen Dosen einzunehmen [1]. Auch Mehrfacheinnahmen eines Nährstoffes in verschiedenen Präparaten sollten vermieden werden. Bei einem tatsächlich nachgewiesenen Mangel können Nahrungsergänzungsmittel nach ärztlicher Vorgabe verwendet werden. Allerdings fehlen häufig entsprechende Laborkontrollen bzw. sind die erhobenen Werte nur bedingt aussagekräftig [18]. Daher empfiehlt es sich bei Unsicherheiten über die Supplemente der Wahl eine qualifizierte Beratung aufzusuchen. In jedem Fall sollten die behandelnden Ärzte über die Einnahme informiert werden [19]. Unterstützung bei Fragen zu Nahrungsergänzungsmitteln und Naturheilkunde erhalten Patienten beispielsweise bei der Beratungsstelle für Komplementärmedizin und Naturheilkunde am Tumorzentrum München2.
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2 www.tumorzentrum-muenchen.de/komplementaermedizin.html
Empfehlenswerte Ernährung für Krebspatienten
Vollwertige Ernährung
Anstelle von „Krebsdiäten” bzw. eingeschränkter Lebensmittelauswahl sollte Tumorpatienten eine gesunde, ausgewogene Kost empfohlen werden. Der World Cancer Research Fund (WCRF), eine gemeinnützige Organisation, die wissenschaftliche Daten zu Ernährung, Lebensstil und Krebs sichtet und analysiert, hat 2018 aktualisierte Empfehlungen zur Prävention von Tumorerkrankungen herausgegeben (• Tabelle 3). Wie in der Vorversion von 2007 lautet die Empfehlung für bereits an Krebs erkrankte Personen, dass Betroffene sich – soweit möglich – an die Empfehlungen zur Krebsprävention halten sollen.

Chemo- oder Strahlentherapie: So gesund wie möglich, aber situationsangemessen
In der akuten Therapiephase, in der häufig Nebenwirkungen (z. B. der Chemo- oder Strahlentherapie) auftreten, lässt sich die Ernährung vorübergehend oft nicht optimal gestalten. Patienten sollten dahingehend beruhigt werden, dass sie sich in dieser meist begrenzten Zeit ohne Bedenken so gesund wie möglich, aber entsprechend der jeweiligen Situation ernähren können [19]. Nach der Therapie sollten Patienten wieder zur empfohlenen Ernährungsweise zurückkehren. Die Empfehlungen des WCRF sind weitestgehend deckungsgleich bzw. verfolgen dieselben Ziele wie die 10 Regeln der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) [20]. Die Berücksichtigung der Empfehlungen soll helfen, das Risiko für Übergewicht, kardiovaskuläre Erkrankungen und bestimmte Krebserkrankungen zu reduzieren [21].
Ruhe und Sicherheit vermitteln
Viele Patienten sind unsicher, wie sie sich nach der Diagnosestellung ernähren sollen. Besonders die Medien oder gut gemeinte Ratschläge von Familie, Freunden und Bekannten tragen zur Verunsicherung bei. In der Auseinandersetzung mit der Diagnose Krebs zweifeln z. T. auch in ihrem Ernährungsverhalten gefestigte Personen die bisherige Lebensmittelauswahl und Mahlzeitenzusammenstellung an. Hier ist es wichtig, den Patienten Ruhe und Sicherheit zu vermitteln. Oft helfen in diesem Fall die Empfehlungen der Fachgesellschaften wie WCRF und DGE mit den genauen Mengenangaben bzw. Verzehrempfehlungen. So bekommen Betroffene objektive, wissenschaftlich fundierte Informationen zur Beurteilung ihres Ernährungsverhaltens. Zur anschaulichen Vermittlung der qualitativen und quantitativen Aspekte einer gesunderhaltenden Ernährung hat die DGE die Dreidimensionale Lebensmittelpyramide mit dem Ernährungskreis entwickelt [19].
Gesunder Lebensstil statt Fokus auf „gute” und „böse” Lebensmittel
Häufig werden auch Fragen nach einzelnen Lebensmitteln gestellt, ob z. B. besonders viele Himbeeren verzehrt oder Kaffee gemieden werden soll. Betont werden sollte in diesem Fall der Nutzen einer ausgewogenen, bedarfsdeckenden Kost für die Aufrechterhaltung aller Körperfunktionen, insbesondere des Immunsystems [19]. Der Fokus sollte weg von einzelnen Inhaltsstoffen hin auf einen positiven, gesundheitsfördernden Ernährungs- bzw. Lebensstil als Ganzes gelegt werden [22, 23].
Wichtig erscheinen dem WCRF und ähnlichen Organisationen neben Essen und Trinken auch die Vermeidung schädlicher Umwelteinflüsse wie Tabakkonsum und übermäßige Sonnenlichtexposition [21, 24]. Zudem sollten Faktoren wie die Ernährungsumgebung, körperliche Aktivität und weitere Lebensumstände in der Beratung berücksichtigt werden. Wenn im Rahmen der Ernährungsberatung auffällt, dass ein anderes Thema vorherrschend ist (wenn z. B. die Angst vor einem Rezidiv eine genussvolle Ernährung unmöglich macht [13]), ist interdisziplinäre Zusammenarbeit wichtig. Ein gutes Netzwerk aus Kooperationspartnern und die Vernetzung mit Psychoonkologen, Sozialarbeitern oder Fachkräften für den Bewegungsbereich sichert in solchen Fällen eine gute und zeitnahe Versorgung des Patienten.
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Fazit
Die vorhandenen Ernährungsberatungsangebote in Kliniken und Rehakliniken, aber auch in ambulanten Einrichtungen einschließlich onkologischer Schwerpunktpraxen reichen bei weitem nicht aus, um die Patienten angemessen versorgen zu können und auf die meist sehr individuellen Probleme mit der nötigen Geduld und Zeit einzugehen. Auch niedergelassene Ernährungsfachkräfte sind für Betroffene wegen der benötigten Kostenbeantragung durch den betreuenden Arzt keine niederschwellig verfügbare Alternative. Im ländlichen Raum sind spezialisierte Fachkräfte zudem eher spärlich verfügbar.
Zum Wohle der Patienten ist daher ein Ausbau der vorhandenen Strukturen dringend erforderlich, denn gerade für Krebspatienten ist eine Sicherung des Ernährungszustands durch eine kontinuierliche Ernährungsberatung für den weiteren Krankheitsverlauf entscheidend.
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Danksagung
Für die kritische Durchsicht des Manuskripts bedanken sich die Autorinnen bei Prof. Dr. med. Hans Hauner und Prof. Dr. med. Volkmar Nüssler.
Eva Kerschbaum, Ernährungswissenschaftlerin (M.Sc.)1
Claudia Thaler, Diätassistentin2
Lucia Schmitt, Diaetologin/Diätassistentin3
1 Beratungsstelle für Ernährung, Tumorzentrum München
Pettenkofer Str. 8a, 80336 München
eva.kerschbaum@med.uni-muenchen.de
2 Klinik Bad Trissl GmbH
Bad-Trissl-Straße 73, 83080 Oberaudorf
3 Zentrum Innere Medizin
Klinikum Garmisch-Partenkirchen GmbH
Auenstr. 6, 82467 Garmisch-Partenkirchen
Beiträge der zertifizierten Fortbildung sind prinzipiell produkt- und dienstleistungsneutral und werden finanziell nicht von externen Stellen unterstützt.
Interessenkonflikt
Die Autorinnen erklären, dass kein Interessenkonflikt vorliegt. Der ärztliche Leiter erhielt Honorare für Beratungs- und Vortragstätigkeit von Boehringer Ingelheim, Novo Nordisk, MedScape, Danone Deutschland, Nestle Deutschland, Bofrost, Rettenmaier & Söhne, Oviva GmbH, die in keinem Zusammenhang mit dem vorliegenden Artikel stehen. Er ist Vorsitzender der AG Ernährung und Krebs des Tumorzentrums München.
Literatur
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