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© margouillatphotos/iStock/Getty Images Plus



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Die In-vitro-Daten zur Stabilität verschiedener Isoformen des Karottenallergens Dau c 1 zeigen, dass sich die Proteinstrukturen der meisten Isoformen trotz einer Hitzebehandlung von bis zu 95 °C nach der Abkühlung auf 25 °C wieder regenerierten. Die meisten Allergene erwiesen sich bei Raumtemperatur und der Einwirkung eines niedrigen pH-Werts von 3 – wie er üblicherweise postprandial im Magen vorherrscht – als stabil. Die AutorInnen empfehlen für PatientInnen mit einer durch Dau c 1 induzierten Karottenallergie resümierend eine vollständige Karenz roher und gegarter Karotten.
Dieser Empfehlung gegenüber steht die klinische Erfahrung, dass bei birkenpollenallergischen PatientInnen die Verträglichkeit pollenassoziierter Nahrungsmittel maßgeblich durch die Zubereitungsart (thermische Prozessierung, Oxidation durch Schälen oder Reiben) sowie durch die Lebensmittelmatrix (Kombination mit protein-/fettreichen Speisen) beeinflussbar ist [2]. Die neuen Daten von Jacob et al. [1] geben interessante Hinweise, die Anamnese hinsichtlich der Verträglichkeit gegarter Karotte auch bei birkenpollenallergischen PatientInnen zu schärfen und sorgfältig zu eruieren, wie es bereits bei Sellerie und Soja erfolgt. Allerdings ist die Übertragbarkeit von in vitro beobachteten physikochemischen Eigenschaften auf die klinischen Effekte spezifischer Allergene limitiert, da nur wenige Studien gleichzeitig überprüfen, welchen Einfluss diese Eigenschaften tatsächlich auf die Entwicklung und Manifestation einer Allergie haben [3]. Die Ergebnisse vorangegangener In-vitro-Untersuchungen zur Stabilität spezifischer Isoformen von Dau c 1 sind inkonsistent [4, 5]. Die klinische Relevanz dieser Beobachtung der Bayreuther Arbeitsgruppe sollte daher zunächst in weiteren Studien evaluiert werden, bevor aus den In-vitro-Daten Aussagen für die Praxis abgeleitet werden können.
Eine pauschale Karenzempfehlung ist aus unserer Sicht nach aktuellem Stand nicht gerechtfertigt. Eine generelle Meidung erscheint angesichts der Individualität des Reaktionsspektrums [6] sowie der Kenntnis über die Bedeutung des Verzehrs verträglicher Verarbeitungsformen eines Nahrungsmittelallergens im Hinblick auf eine mögliche Förderung bzw. den Erhalt der oralen Toleranz [7] jedoch grundsätzlich nicht sinnvoll.
Dr. rer. biol. hum. Anja Waßmann-Otto1
Dipl. oec. troph. Christiane Schäfer2
Dr. rer. medic. Sabine Dölle-Bierke3
1 Dermatologisches Ambulatorium Hamburg-Alstertal
2 Ernährungstherapie Schwerpunkt Gastroenterologie und Allergologie, Schwarzenbek
3 Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie, Charité – Universitätsmedizin Berlin