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Ernährungstherapie bei Dialyse, Teil 2

Nach den ersten beiden Teilen dieser Reihe zur Ernährungstherapie bei CKD [1] und den Aspekten Mangelernährung, Energie-/Proteinzufuhr und Hyperkaliämie bei Dialysetherapie [2] stehen in diesem Teil die zwei weiteren wichtigen Inhalte der Ernährungstherapie in der Dialysephase im Mittelpunkt: die Phosphatproblematik und die Flüssigkeitszufuhr.

Einleitung

Die Regulierung des Phosphatspiegels spielt bei Dialysepatient*innen eine wichtige Rolle. Die Dialyse allein reicht nicht aus, um erhöhte Phosphatwerte zu senken, die durch die fehlende Regulation durch die Nieren entstehen. Ein wesentlicher Bestandteil der Behandlung der Hyperphosphatämie ist die korrekte Einnahme von phosphatbindenden Medikamenten. Hinzu kommt die Berücksichtigung des Phosphatgehalts v. a. proteinhaltiger Lebensmittel in der Ernährung, die zwangsläufig auch Phosphor (Phosphor liegt in Lebensmitteln und im menschl. Körper überwiegend als Phosphat vor) liefern. Auch Phosphatzusätze in Lebensmitteln bedürfen der Aufmerksamkeit.
Da die Fähigkeit der Nieren, Flüssigkeit auszuscheiden, abnimmt, muss die Flüssigkeitszufuhr an die Restausscheidung angepasst werden. Das Ringen um die Trinkmenge und das Durstgefühl sind ständige Begleiter von Dialysepatient*innen.



Hyperphosphatämie

Ursachen

Eine Hyperphosphatämie kann viele Ursachen haben (• Übersicht 1). Unbehandelt kann sie zu Knochenproblemen und kardiovaskulären Komplikationen führen.


Folgen

Eine Hyperphosphatämie als Folge einer eingeschränkten Nierenfunktion kann zu einer Vielzahl von Gesundheitsproblemen führen, die unter dem Begriff Mineral and Bone Disorder (CKD-MBD) [3] zusammengefasst werden.
Die Nieren spielen eine entscheidende Rolle bei der Regulierung des Calcium- und Phosphathaushalts im Körper. Bei Nierenerkrankungen kann es zu einem Ungleichgewicht dieser Mineralstoffe kommen, das sich in einer Hyperphosphatämie und Hypocalcämie äußert. Das in den Osteoblasten gebildete Hormon FGF23 (Fibroblast Growth Factor-23) verstärkt die renale Phosphatausscheidung und verringert die intestinale Phosphatabsorption. Im Falle eines Nierenversagens kommt es durch die entstehende Hyperphosphatämie zu exorbitant hohen FGF23-Serumspiegeln, die eine Linksherzhypertrophie und einen Hyperparathyreoidismus begünstigen.
Die Nebenschilddrüsen reagieren auf das Ungleichgewicht im Calcium-Phosphat-Haushalt und erhöhen die Produktion von Parathormon (PTH). PTH versucht, den Calciumspiegel im Blut zu erhöhen, indem es Calcium aus den Knochen freisetzt. Unbehandelt führt dies langfristig zu einer Überfunktion der Nebenschilddrüsen (sekundärer Hyperparathyreoidismus) und zu einem fortschreitenden Knochenabbau.
Die renale Osteodystrophie ist eine Knochenerkrankung, die bei Patient*innen mit chronischem Nierenversagen auftritt. Sie umfasst verschiedene Krankheitsbilder, die durch eine Kombination von sekundärem Hyperparathyreoidismus und einer Störung des Vitamin-D-Stoffwechsels entstehen. Die durch die renale Osteodystrophie veränderte Knochenstruktur und verringerte Knochendichte erhöhen das Risiko von Knochenbrüchen. Erhöhte Phosphatspiegel und ein gestörtes Calcium-Phosphat-Gleichgewicht können weiterhin zu Verkalkungen der Blutgefäße und anderer Weichteile (z. B. Lunge, Herzklappen) führen und erhöhen die kardiovaskuläre Mortalität von Nierenkranken und Dialysepatient*innen [4].

Therapie

Zur Behandlung erhöhter Phosphatwerte stehen drei Optionen zur Verfügung, die in der in • Übersicht 2 genannten Reihenfolge zum Einsatz kommen.


Adäquate Dialyse
Je länger und häufiger eine Dialyse durchgeführt wird, desto mehr Phosphat kann eliminiert werden. Die kontinuierliche ambulante Peritonealdialyse (CAPD) und die Heim-Hämodialyse – mit flexibler Dauer und Häufigkeit – ermöglichen in den meisten Fällen eine kontinuierlichere Entgiftung als die Hämodialyse in einem Dialysezentrum, die in der Regel dreimal pro Woche für 4 bis 5 Stunden durchgeführt wird.
Rechenbeispiel: Mit der Hämodialyse können ca. 1000 mg Phosphat pro Dialyse entfernt werden, in einer Woche also etwa 3000 mg. Bei einer moderaten Phosphatzufuhr von bspw. 1200 mg/Tag werden in einer Woche 8400 mg Phosphat mit der Nahrung zugeführt. Bei einer mittleren Absorption von 60 % des zugeführten Phosphats werden ca. 5000 mg dieser 8400 mg Phosphat in die Blutzirkulation aufgenommen. Von diesen können 3000 mg mit der Dialyse entfernt werden.
Der Überhang von 2000 mg/Woche bzw. 300 mg/Tag muss mit Phosphatbindern über den Stuhl abgeführt oder in die Knochen eingebaut werden. Bei anhaltend erhöhten Phosphatwerten ist eine Reduktion nur über die adäquate und ausreichende Einnahme von Phosphatbindern möglich.
Phosphatbinder
Die richtige Einnahme der Phosphatbinder ist in der Therapie der Hyperphosphatämie eine wichtige Säule der Behandlung. Phosphatbinder binden im Magen-Darm-Trakt das Phosphat aus der Nahrung. Das gebundene Phosphat wird mit dem Stuhl ausgeschieden, ohne in den Blutkreislauf zu gelangen.
Es gibt calciumhaltige und calciumfreie Phosphatbinder, letztere werden verordnet, um eine übermäßige Calciumzufuhr bei CKDMBD zu vermeiden. Des Weiteren kommen noch eisen- und aluminiumbasierte Phosphatbinder zum Einsatz.
Die Einnahme der Phosphatbinder erfolgt je nach Wirkstoff entweder vor dem Essen (Aluminiumhydroxid), zum Essen (Calciumcarbonat, Calciumacetat, Sevelamerhydrochlorid, Aluminiumchloridhydroxidkomplex) oder während bzw. unmittelbar nach dem Essen (Lanthanum, Sucroferric Oxyhydroxid). Das gilt auch für die Zwischenmahlzeiten.
Wird der richtige Einnahmezeitpunkt verpasst, verringert das die Wirksamkeit der Medikamente oder macht sie wirkungslos. Je nach Wirkstoffgruppe können 6–20 Tabletten pro Tag verabreicht werden, eine starre oder zurückhaltende Verordnung schöpft dieses Potenzial nicht immer aus. Hochdosierte Präparate werden nur zu den Hauptmahlzeiten verordnet, zeichnen sich durch eine geringere Tablettenanzahl aus und decken unter Umständen die Zwischenmahlzeiten nicht ab.
Die Therapie mit Phosphatbindern sollte die individuellen Präferenzen und Möglichkeiten der Patient*innen berücksichtigen. Besonders wichtig ist dies vor dem Hintergrund, dass viele Patient*innen ihre Phosphatbinder nicht oder unzureichend einnehmen: In einer Untersuchung zum Einnahmeverhalten von Phosphatbindern gaben 51 % (22–74 %) der Befragten an, ihre Phosphatbinder absichtlich nicht einzunehmen [5].
Als Gründe dafür wurden angegeben:

  • Komplexität bzgl. Einnahme und Häufigkeit
  • fehlender Zusammenhang zwischen Phosphatbindern und Symptomen
  • Einladungen, Essen außer Haus
  • starke Beeinträchtigung des Lebensstils und der Gewohnheiten
  • Größe, Darreichungsform, Geschmack, unbequeme Einnahme der Phosphatbinder
  • gastrointestinale Beschwerden
  • persönliche Einstellung

Die Untersucher*innen veränderten die gängigen Methoden zur Steigerung der Adhärenz (Argumentieren, Insistieren, Überzeugen, Erhöhung der Medikation), indem sie die gefühlten Barrieren bei der Einnahme, Vorlieben, den Lebensstil und Gewohnheiten der Patient*innen berücksichtigten. Die „absichtliche” Non-Adhärenz sank von 38,4 % auf 23,3 % und war besonders deutlich in der Patient*innengruppe mit der schlechtesten Phosphatkontrolle (Phosphatwert im Blut: P > 5 mg/dL). Sie sank von 63,6 % „absichtlicher” Non-Adhärenz auf 36,3 % (p < 0,05) nach 24 Monaten, mit einem signifikanten Rückgang der Serum-Phosphatwerte (6,63 mg/dL auf 4,45 mg/dL) bei einer signifikant geringeren Anzahl von Phosphatbinder- Tabletten (7,76 mg/dL auf 5,92 mg/dL) [5]. Ernährungsprogramme, die mit Phosphatpunkten (50–100 mg/ Punkt) arbeiten, können die Einnahme der Phosphatbinder in Relation zum Phosphatgehalt einer Mahlzeit erleichtern.

Ernährungstherapie der Hyperphosphatämie

Traditionelle Ernährungsempfehlungen
Zur Begrenzung der Phosphoraufnahme konzentrierten sich traditionelle Empfehlungen auf die Vermeidung von Lebensmitteln mit hohem Gesamtphosphorgehalt und die Förderung des Verzehrs von Lebensmitteln mit niedrigem Phosphor-Eiweiß-Verhältnis (s. u.).
In den letzten zwei Jahrzehnten ist jedoch viel Bewegung in die Ernährungstherapie von Dialysepatient innen gekommen. Ähnlich wie bei Kalium ist die Phosphatzufuhr mit der Nahrung bei Nierenkranken ohne und mit Dialysebehandlung nur schwach mit den Plasmaspiegeln assoziiert [6]. Eine Empfehlung zur Begrenzung der Phosphatmenge sollte aus diesem Grund nicht automatisch erfolgen. Phosphatreiche Lebensmittel sind wichtige Proteinquellen, mit einer Reduzierung steigt das Risiko einer Mangelernährung. Eine verordnete Phosphateinschränkung in der Ernährung ist nicht mit einer verbesserten Überlebensrate bei Hämodialysepatient*innen verbunden [7].
Die starke Korrelation von Phosphor und Protein in Lebensmitteln, die durch den Phosphor- Eiweiß-Quotienten (PEQ) sichtbar wird (• Tabelle 1; [8]), hat die vor langer Zeit ausgegebenen Verzehrempfehlungen von höchstens 800 mg Phosphor pro Tag in Frage gestellt, da sie zu einer zu niedrigen Proteinzufuhr führen und damit das Risiko einer Mangelernährung erhöhen.
Rechenbeispiel: Ein Mann mit 80 kg Gewicht benötigt ca. 80–96 g Protein pro Tag. Ein Gramm Protein enthält durchschnittlich 15 mg Phosphor. Es ergibt sich eine Zufuhr von 1200–1440 mg Phosphor pro Tag.
Die 800 mg Phosphor erscheinen vor diesem Hintergrund ausgesprochen unrealistisch und führen zu einer zu niedrigen Proteinzufuhr, zudem wird eine starre Mengenbegrenzung den individuellen Bedürfnissen nicht gerecht.

Mit den KDOQI-Guidelines 2020 [9] ist aufgrund mangelnder Evidenz auch die Empfehlung von 1200 mg Phosphor/Tag aufgehoben worden. Die aktuellen Empfehlungen zur Phosphatzufuhr orientieren sich jetzt an den Serum-Phosphatwerten und dem individuellen Risikoprofil der Betroffenen.

Der Phosphor-Eiweiß-Quotient (PEQ)
Die Berücksichtigung des PEQ in Lebensmitteln ist hingegen weiterhin Bestandteil der Ernährungstherapie. Sie schafft ein Bewusstsein für das Verhältnis von Phosphor und Eiweiß in Lebensmitteln. Der Schwerpunkt in der Beratung liegt auf der Hervorhebung günstiger Lebensmittel innerhalb einer Kategorie, der PEQ kann so als Entscheidungshilfe bei der Auswahl verwendet werden (• Tabelle 1). Bei Milchprodukten und Käsesorten wirkt sich ein jeweils höherer Fettgehalt günstig auf die Phosphormenge aus. Die in • Tabelle 1 aufgeführten Lebensmittel der roten Kategorie sind nicht verboten. Eine Reduktion der Menge oder ein Austausch durch andere Lebensmittel im Tagesverlauf sorgen für einen entsprechenden Ausgleich.

Tab. 1: Phosphor-Eiweiß-Quotient (PEQ) ausgewählter Lebensmittel [10]
grün: PEQ < 12; gelb: PEQ < 16; rot: PEQ >= 16″ width=”300″ height=”200″ style=”display:block; width:100%; height:auto; margin:0;” /><figcaption class=Tab. 1: Phosphor-Eiweiß-Quotient (PEQ) ausgewählter Lebensmittel [10]
grün: PEQ < 12; gelb: PEQ < 16; rot: PEQ >= 16
Neuere Ernährungsstrategien bei Hyperphosphatämie
Neuere Ernährungsstrategien fokussieren auf die Bioverfügbarkeit von Phosphor. Dazu gehören (in Abhängigkeit vom individuellen Phosphatwert und Risikoprofil):

  • der weitgehende Verzicht auf Lebensmittel mit phosphathaltigen Zusatzstoffen (• Tabelle 2),
  • die Auswahl nach dem PEQ (s. voriges Kapitel und • Tabelle 1) und
  • die Bevorzugung pflanzlicher Proteine. [10]

Verzicht auf Lebensmittel mit phosphathaltigen Zusatzstoffen
Anorganisches Phosphat wird Lebensmitteln bei der Zubereitung oder Verarbeitung zu verschiedenen Zwecken zugesetzt: Fleischwaren z. B. werden durch Phosphatzusatz haltbarer gemacht, Erfrischungsgetränken werden sie als Säuerungsmittel und Schmelzkäse als Schmelzsalz zugesetzt. Bei rieselfähigen Pulvern (z. B. Pudding, Instantkaffee) verhindern sie das Verklumpen. Bei den Zusätzen handelt es sich in erster Linie um anorganische Salze, die keiner enzymatischen Verdauung bedürfen und in der sauren Umgebung des Magens schnell dissoziieren.

Im Gegensatz zu organischen Quellen werden die anorganischen Phosphatsalze in phosphathaltigen Zusatzstoffen daher schnell und effizient absorbiert (80–100 %) [11, 12].

Die Absorption von Phosphor aus organischen Quellen liegt zwischen 40 und 60 %. Phosphor aus tierischen Quellen wird vollständiger absorbiert als Phosphor aus Pflanzen (20–50 %). Grund dafür ist, dass Phosphor und andere Mineralstoffe in Hülsenfrüchten, Nüssen und Getreide gebunden an Phytinsäure (Phytat) vorliegen. Im Dünndarm bildet die Phytinsäure mit anderen Mineralstoffen feste Komplexe, die die Absorption behindern [11, 12].
Ein Problem für die Beratung von Dialysepatient*innen besteht darin, dass Nährstoffdatenbanken nur den Gesamtphosphorgehalt eines Lebensmittels ausweisen. Die ausgewiesene Phosphormenge spiegelt aber nicht die Absorptionsrate wider. Zudem wird kein Unterschied zwischen organischem und anorganischem Phosphat gemacht. In der Zutatenliste verarbeiteter Produkte finden sich immerhin Angaben dazu, welche phosphathaltigen Zusatzstoffe (• Tabelle 2) enthalten sind, allerdings nicht, in welcher Menge. Auch fünf von elf modifizierten Stärken enthalten Phosphatzusätze (• Tabelle 2).
Das gemeinsame Lesen der Zutatenliste mit den Patient*innen ist eine wirksame Möglichkeit, die Zufuhr an anorganischem Phosphat zu senken und dadurch das Serumphosphat günstig zu beeinflussen [13]. Dabei können auch weitere Lebensmittel mit hohem Phosphorgehalt identifiziert werden, die auf der Zutatenliste aufgeführt werden, z. B. Milcheiweiß, Milchpulver, Vollei, Trockeneigelb, Sojamehl, Kakaopulver und Kakaomasse.
In den letzten Jahrzehnten erhöhte sich sowohl der Anteil an Lebensmitteln mit Phosphatzusätzen [14] als auch der Verzehr solcher Lebensmittel. Eine besondere Rolle spielen hochverarbeitete Lebensmittel im Bereich Fast und Convenience Food, denen besonders häufig phosphathaltige Zusatzstoffe zugesetzt sind.

Tab. 2: Phosphatzusätze in Lebensmitteln
a 5 von 11 zugelassenen modifizierten Stärken enthalten Phosphatzusätze
Tab. 2: Phosphatzusätze in Lebensmitteln
a 5 von 11 zugelassenen modifizierten Stärken enthalten Phosphatzusätze
Exkurs hochverarbeitete Lebensmittel
Stark verarbeitete Lebensmittel gehören heute zum Ernährungsalltag vieler Menschen, mit den bekannten negativen Folgen. Zunehmend rückt der Einfluss hochverarbeiteter Lebensmittel auch auf den Gesundheitszustand von Nierenkranken in den Vordergrund. So fördert die schlechte Ernährungsqualität bei hohem Verzehr hochverarbeiteter Lebensmittel nicht nur die „klassischen” Begleiterkrankungen. Auch Darmdysbiose, metabolische Azidose, Hyperkaliämie, Hyperphosphatämie und Insulinresistenz sind Folgen einer Ernährung mit hochverarbeiteten Produkten. In den frühen Stadien einer Nierenerkrankung (GFR > 60 mL/min/1,73 m2) steigt durch den Verzehr von verarbeiteten Lebensmitteln das Progressionsrisiko (• Abbildung 1) [15, 16].

Tipp: Reduktion des Phosphorgehalts durch die Speisenzubereitung
Es gibt Zubereitungstechniken, mit denen der Phosphorgehalt von Fleisch durch längeres Kochen reduziert werden kann. Diese eher wissenschaftliche Herangehensweise stößt bei Patient*innen allerdings erfahrungsgemäß auf wenig Interesse. Wissenswert ist, dass bei Sauerteigbrot die Phosphorverfügbarkeit höher ist als bei Backwaren aus Hefeteig. Der im Getreide an Phytat gebundene Phosphor wird durch die Teigführung aufgeschlossen. Brote auf Hefebasis sind daher eine phosphatärmere Alternative zu Sauerteigbrot.

Bevorzugung pflanzlicher Proteine
In einer Studie, in der Proband*innen 1200 mg/Tag Phosphor aus pflanzlichen bzw. tierischen Quellen zu sich nahmen, waren die Phosphatwerte im Tagesprofil in der Gruppe mit pflanzlichen Phosphorquellen signifikant niedriger als in der Vergleichsgruppe [17].

Abb. 1: Einfluss der Ernährung mit hochverarbeiteten Lebensmitteln auf die Gesundheit (nach Avesani et al. [16])
AGE: advanced glycation endproduct; CKD: chronic kidney disease; CVD: cardiovascular disease; NAFLD: non-alcoholic fatty
liver disease; UPF: ultra processed food
Abb. 1: Einfluss der Ernährung mit hochverarbeiteten Lebensmitteln auf die Gesundheit (nach Avesani et al. [16])
AGE: advanced glycation endproduct; CKD: chronic kidney disease; CVD: cardiovascular disease; NAFLD: non-alcoholic fatty
liver disease; UPF: ultra processed food

Flüssigkeitszufuhr

Für Hämodialysepatient*innen ist eine Restriktion der Trinkmenge häufig die größte Herausforderung. Bei fehlender Restausscheidung über den Urin erfolgt die Flüssigkeitsausscheidung nur über Haut, Atmung, Oxidationswasser und Stuhl. Bei einer ausreichenden und ausgewogenen Ernährung werden täglich aber bereits ca. 700 mL und mehr über die Nahrung zugeführt (• Abbildung 2). Die Stellschraube für die zusätzliche Flüssigkeitszufuhr ist die Trinkmenge.
Wird dem Körper zu viel Flüssigkeit zugeführt, die nicht entsprechend ausgeschieden werden kann (Hypervolämie), verursacht dies Beschwerden wie Husten, Ödeme, Bluthochdruck oder Herzrasen (Tachykardie).
Abb. 2: Zufuhr und Ausscheidung von Flüssigkeit mit und ohne Nierenfunktion
Abb. 2: Zufuhr und Ausscheidung von Flüssigkeit mit und ohne Nierenfunktion
Begrenzte Trinkmenge

Um einen Blutdruckabfall und Muskelkrämpfe zu vermeiden, kann im Rahmen einer Dialysebehandlung individuell nur eine bestimmte Flüssigkeitsmenge entzogen werden. Empfohlen wird ein Volumenentzug von 10 mL/kg Körpergewicht (KG) pro Stunde.
Rechenbeispiel: Bei einer 60 kg schweren Frau könnten bei einer üblichen Dialysedauer von 4 Stunden ca. 2400 mL entzogen werden (4 x 10 mL x 60 kg). Bei der Restausscheidung (s. u.) von 700 mL könnte die Trinkmenge im kurzen Intervall (2 Tage) demnach 2400 mL bzw. 1200 mL/Tag betragen. Im langen Intervall (3 Tage) wären es 800 mL/Tag.
Um eine anhaltende Überwässerung bei gleichzeitig ausreichender und ausgewogener Ernährung zu vermeiden, ist es ratsam, die Trinkmenge entsprechend zu begrenzen.
Die allgemein empfohlene Trinkmenge liegt zwischen 500 und 800 mL pro Tag zuzüglich der Menge, die der individuellen Restdiurese (Restausscheidung, die noch über die Nieren erfolgt) entspricht. Vielfach orientieren sich Dialysezentren an der unteren Grenze der Empfehlung, da die Patient*innen in der Regel „zu viel Gewicht” zur Dialyse mitbringen, was darauf hindeutet, dass sie zu viel getrunken haben. Es ist davon auszugehen, dass 30 bis 60 % der Dialysepatient*innen die empfohlene Trinkmenge nicht einhalten können. Gründe für eine übermäßige Gewichtszunahme durch zu hohe Flüssigkeitszufuhr zwischen den Dialysebehandlungen sind mangelnde Motivation, fehlende Unterstützung, Einladungen, Wissensdefizite, mangelnde Selbsteinschätzung (bezüglich Wassereinlagerungen, Trinkmenge, Kochsalzkonsum), Durst und Xerostomie (Mundtrockenheit) [18, 19]. Trinkgefäße zum Schätzen der Füllmengen sensibilisieren für die Trinkmenge (• Abbildung 3).

Abb. 3: Trinkgefäße zum Schätzen der Füllmengen sensibilisieren für die Trinkmenge
Abb. 3: Trinkgefäße zum Schätzen der Füllmengen sensibilisieren für die Trinkmenge
Xerostomie

Geschätzt ein Drittel der über 65-jährigen Menschen leiden unter Mundtrockenheit (Xerostomie). Bei Hämodialysepatient*innen liegen die Zahlen bei etwa 52,3 % [20]. Ursachen für die Mundtrockenheit gibt es viele. So ist der Speichelfluss bei dieser Patient*innengruppe signifikant erniedrigt, was zu einer Atrophie und Fibrose der Speicheldrüsen führt. Die Einschränkung der Flüssigkeitszufuhr begünstigt ebenfalls einen geringeren Speichelfluss. Mundtrockenheit und verminderter Speichelfluss sind zudem Nebenwirkungen vieler Medikamente [21]. Auch trockene Luft aus Klimaanlagen oder Heizung verstärken die Mundtrockenheit. Trockene Lippen sollten geschmeidig gehalten werden.
Eine wesentliche Strategie zur Vermeidung von Xerostomie und Durst ist die Reduzierung der Kochsalzzufuhr. Gerade im Alter kann die Geschmackswahrnehmung nachlassen, der automatische Griff zum Salzstreuer kann zur Gewohnheit werden.

Es macht wenig Sinn, eine Einschränkung der Flüssigkeitszufuhr zu empfehlen, ohne den Salzkonsum zu reduzieren.

Weitere Tipps zur Flüssigkeitsbegrenzung zeigt • Übersicht 3.

Risiko: Begrenzung der Nahrungszufuhr

Verstehen Patient*innen das zu Beginn jeder Dialyse festgestellte höhere Gewicht durch die Flüssigkeit im Körper regelmäßig als „Übergewicht”, kann dies dazu führen, dass sie, insbesondere im längeren Dialyseintervall, nicht nur die Trinkmenge, sondern auch die Nahrungsaufnahme reduzieren. Eine zu geringe Nahrungsaufnahme erhöht dabei das Risiko einer katabolen Stoffwechsellage.


Ernährung und Peritonealdialyse (CAPD)

Patient*innen, die sich für das Verfahren der Peritonealdialyse entschieden haben, müssen mit weniger Einschränkungen bei der Ernährung rechnen. Die kontinuierliche Entgiftung führt eher zu niedrigen als zu hohen Kaliumwerten im Serum. Die noch vorhandene Restdiurese bleibt im Gegensatz zur Hämodialysebehandlung in der Regel erhalten und erlaubt eine größere Freiheit bei der Flüssigkeitszufuhr. Diese Vorteile beim Essen und beim Trinken sind mit ein Grund, warum sich Patient*innen für dieses Dialyseverfahren entscheiden.
Eine Mangelernährung sollte auch hier ebenso vermieden werden wie ein Übergewicht. Glucosehaltige Dialysate, wie sie bei der CAPD verwendet werden, liefern je nach gewähltem Regime ca. 250 kcal und mehr pro Tag. Dies kann eine Gewichtszunahme begünstigen. Patient*innen können aber auch in eine Mangelernährung geraten, weil die Glucose und/ oder ein Füllvolumen durch die CAPD von ca. zwei Litern im Bauchraum für ein Sättigungsgefühl sorgen können.
Ein wesentlicher Bestandteil der Ernährungstherapie bei Peritonealdialyse ist, wie bei der Hämodialyse, die Salzrestriktion auf 6 g/Tag oder weniger mit dem Ziel, eine Hypervolämie zu reduzieren und die Wirksamkeit blutdrucksenkender Medikamente zu verbessern.
Die Behandlung einer Hyperphosphatämie sollte entsprechend den Empfehlungen ( Abschnitt „Hyperphosphatämie”) erfolgen.

Weitere Ernährungsparameter bei Dialysebehandlung

Störungen im Calcium- und Magnesiumhaushalt sind selten Gegenstand der Beratung und werden in der Regel durch Änderung der Dialysatkonzentration (Magnesium) oder durch gezielte Auswahl calciumhaltiger oder calciumfreier Phosphatbinder ausgeglichen. Der Verlust an wasserlöslichen Vitaminen durch die Dialyse kann durch eine pflanzenbetonte Ernährung gut ausgeglichen werden. Bei älteren oder mangelernährten Patient*innen kann eine Supplementierung von Vitaminen in Betracht gezogen werden. Für die Fettzufuhr gelten die gleichen Empfehlungen wie für die Allgemeinbevölkerung. Ein Vitamin-D-Mangel wird mit Vitamin-D-Supplementen behandelt.

Schlussbetrachtung

Die Ernährungstherapie bei Dialysepatient*innen ist komplex. Mit den Anforderungen an Energie- und Proteinzufuhr, Trinkmenge, Kochsalz-, Phosphat- und Kaliumaufnahme gibt es viele Themen, die individuell mit den Patient*innen besprochen werden müssen. Zeit für ein Beratungsgespräch zu finden ist aufgrund der Abläufe in der Dialyse eine Herausforderung. Gespräche am Krankenbett sollten zu Beginn einer Dialysebehandlung stattfinden. Bei der Vielzahl an Themen ist es sinnvoll, sich auf das Thema zu konzentrieren, das gerade aktuell ist. Andere, nicht minder wichtige Inhalte sollten zu einem späteren Zeitpunkt behandelt werden. Die Vielzahl möglicher Beratungsschwerpunkte (Proteinzufuhr, Energiezufuhr, Kalium, Phosphor/ Phosphatbinder, Flüssigkeitszufuhr, Kochsalz, …) sorgt dafür, dass Patient*innen schnell verwirrt sind und sich überfordert fühlen. Wiederkehrende Mahlzeiten wie Frühstück oder Abendessen sollten vorrangig behandelt werden, um ein neues Essverhalten zu etablieren, das möglichst oft wiederholt und so besser zur Gewohnheit werden kann. Wenn eine Ernährungsumstellung empfohlen wird, z. B. wegen anhaltend hoher Phosphatwerte, sollte diese immer unter dem Gesichtspunkt einer ausreichenden Energie- und Proteinzufuhr ( Ernährungstherapie in der Dialysephase, Teil 1 [2]) betrachtet werden.


Dipl. oec. troph. Sabine Echterhoff

Düsseldorfer Str. 190, 40545 Düsseldorf
sabine.echterhoff@gmail.com 



Erklärung zum Interessenkonflikt und zur Verwendung von KI
Die Autorin erklärt, dass kein Interessenkonflikt besteht. KI wurde zur Sprachoptimierung eingesetzt. Auch der ärztliche Leiter (Prof. Dr. med. Mathias Fasshauer) erklärt, dass kein Interessenkonflikt besteht.



Die Fortbildungen der ERNÄHRUNGS UMSCHAU sind grundsätzlich produkt- und dienstleistungsneutral, mögliche Interessenkonflikte von Autor*innen und ärztlichen Leiter*innen sind im Fortbildungsartikel angegeben. Es besteht kein Sponsoring der Fortbildung, die Gesamtaufwendungen belaufen sich auf ca. 5000 €.



Zitierweise

Echterhoff S: Chronische Nierenkrankheit: Ernährungstherapie in der Dialysephase. Teil 2: Hyperphosphatämie und Flüssigkeitszufuhr. Ernährungs Umschau 2025; 72(4): M232–41. DOI: 10.4455/eu.2025.016


Literatur
  1. Echterhoff S: Ernährung bei fortschreitender und chronischer Nierenkrankheit. Ernährungs Umschau 2024; 71(12): M740–8. DOI: 10.4455/eu.2024.049
  2. Echterhoff S: Chronische Nierenkrankheit: Ernährungstherapie in der Dialysephase. Teil 1: Mangelernährung, Energie- und Proteinzufuhr, Hyperkaliämie. Ernährungs Umschau 2025; 72(2): M116–25. DOI: 10.4455/eu.2025.008
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Veröffentlicht: 15.04.2025

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