Auf der Suche nach #Ernährungstrend spuckte Instagram mir neulich u. a. diesen Trend aus: „‚Anti-‘ (something) foods will remain favorite.“

Anti-cancer, anti-oxidant, anti-inflammatory, anti-aging – diese englischen Begriffe sind uns geläufig: Mit „anti-cancer“-Lebensmitteln „schalte ich mein Krebsrisiko aus“, z. B. mit Brokkoli. Nehme ich „anti-aging-food“ dazu, bspw. grüne Smoothies, bleibe ich zusätzlich jung. Vielleicht noch täglich ein bisschen anti-inflammatory Lachs sowie Avocado (hilft immer gegen irgendetwas), da stehe ich doch schon ganz gut da! Aber hilft das wirklich? Reichen einzelne Ernährungs-Abwehrmaßnahmen gegen gefühlte Risiken aus als alleinige Strategie für etwas so Komplexes wie eine gute Gesundheit?


Moment, einzelne Abwehrmaßnahmen gegen gefühlte Risiken als Gesamtstrategie für ein besseres Leben – nichts anderes versprechen doch eine Reihe von Politiker*innen den Menschen zurzeit. Den „anti-(you-me-first)“-Zeitgeist propagieren die ganze rechte Politikszene und Populist*innen in aller Welt, die damit – wie man bei fast allen Wahlen der letzten Monate schmerzlich wahrnehmen musste – das Herz vieler Wähler*innen treffen.

Beispiel „Anti-Klimahysterie“: „Heizen wie ich will!“ klingt zwar in der Wortwahl wie unser Sohn, als er 4 Jahre alt war, war aber ein ernsthafter Slogan der blauen Partei bei den Europawahlen 2024. Beispiel „Anti-Migrant*innen“: Völlig ohne Scham singen Vertreter*innen der jungen Blauen Lieder voller Hass und Abschiebefantasien im befremdlichen Wahn, dass das a) einer Nation mit unseren Werten würdig ist, b) rechtens ist, c) in irgendeiner Weise den weltweiten Migrationsdruck hemmt. Beispiel „anti-demokratische“ Bestrebungen: Wenn ernsthaft die Verunglimpfung wichtiger gesellschaftlicher Institutionen wie Justiz oder Medien unsere Probleme lösen sollen, wirkt das verstörend auf mich.

Eindimensionale Anti-Parolen sind also gerade hoch gesellschaftsfähig: Sie beruhigen die unsicher in die Zukunft blickenden Menschen – leider jedoch nur im Sinne der „Vogel-Strauß-Taktik“: Mit ihnen lassen sich auf politischer Ebene die Gefahren der Ausbeutung unserer Erde und des ungleich verteilten Wohlstands noch ein bisschen verschleiern, in Bezug auf die Ernährung das individuell steigende Gesundheitsrisiko bei körperignorantem Lebensstil verdrängen. Im Zusammenleben wie beim Essen: Hilfreichere, aber komplexe „Prä-“ oder „Pro-“Strategien sind uns oft zu viel, zu anstrengend, zu einschränkend, die vermeintlich einfachen Lösungen locken uns. Dieser Zeit(un)geist spiegelt sich also auch in den Ernährungs- und Gesundheitstrends wider.

Wenn Sie also den Zeitgeist verfolgen und sehen wollen, wann die Menschen begreifen, dass „Anti“-Lösungen nicht ausreichen und sie hoffentlich wieder zum aktiven Handeln finden, z. B. zu „together first“ oder „pro-earth“, sollten sie #Ernährungstrends aufmerksam beobachten.

Sabine Schmidt




Diesen Nachschlag finden Sie wie auch die Vorschau auf das nächste Heft in ERNÄHRUNGS UMSCHAU 11/2024 auf Seite M680.




Auf der Suche nach #Ernährungstrend spuckte Instagram mir neulich u. a. diesen Trend aus: „‚Anti-‘ (something) foods will remain favorite.“

Anti-cancer, anti-oxidant, anti-inflammatory, anti-aging – diese englischen Begriffe sind uns geläufig: Mit „anti-cancer“-Lebensmitteln „schalte ich mein Krebsrisiko aus“, z. B. mit Brokkoli. Nehme ich „anti-aging-food“ dazu, bspw. grüne Smoothies, bleibe ich zusätzlich jung. Vielleicht noch täglich ein bisschen anti-inflammatory Lachs sowie Avocado (hilft immer gegen irgendetwas), da stehe ich doch schon ganz gut da! Aber hilft das wirklich? Reichen einzelne Ernährungs-Abwehrmaßnahmen gegen gefühlte Risiken aus als alleinige Strategie für etwas so Komplexes wie eine gute Gesundheit?


Moment, einzelne Abwehrmaßnahmen gegen gefühlte Risiken als Gesamtstrategie für ein besseres Leben – nichts anderes versprechen doch eine Reihe von Politiker*innen den Menschen zurzeit. Den „anti-(you-me-first)“-Zeitgeist propagieren die ganze rechte Politikszene und Populist*innen in aller Welt, die damit – wie man bei fast allen Wahlen der letzten Monate schmerzlich wahrnehmen musste – das Herz vieler Wähler*innen treffen.

Beispiel „Anti-Klimahysterie“: „Heizen wie ich will!“ klingt zwar in der Wortwahl wie unser Sohn, als er 4 Jahre alt war, war aber ein ernsthafter Slogan der blauen Partei bei den Europawahlen 2024. Beispiel „Anti-Migrant*innen“: Völlig ohne Scham singen Vertreter*innen der jungen Blauen Lieder voller Hass und Abschiebefantasien im befremdlichen Wahn, dass das a) einer Nation mit unseren Werten würdig ist, b) rechtens ist, c) in irgendeiner Weise den weltweiten Migrationsdruck hemmt. Beispiel „anti-demokratische“ Bestrebungen: Wenn ernsthaft die Verunglimpfung wichtiger gesellschaftlicher Institutionen wie Justiz oder Medien unsere Probleme lösen sollen, wirkt das verstörend auf mich.

Eindimensionale Anti-Parolen sind also gerade hoch gesellschaftsfähig: Sie beruhigen die unsicher in die Zukunft blickenden Menschen – leider jedoch nur im Sinne der „Vogel-Strauß-Taktik“: Mit ihnen lassen sich auf politischer Ebene die Gefahren der Ausbeutung unserer Erde und des ungleich verteilten Wohlstands noch ein bisschen verschleiern, in Bezug auf die Ernährung das individuell steigende Gesundheitsrisiko bei körperignorantem Lebensstil verdrängen. Im Zusammenleben wie beim Essen: Hilfreichere, aber komplexe „Prä-“ oder „Pro-“Strategien sind uns oft zu viel, zu anstrengend, zu einschränkend, die vermeintlich einfachen Lösungen locken uns. Dieser Zeit(un)geist spiegelt sich also auch in den Ernährungs- und Gesundheitstrends wider.

Wenn Sie also den Zeitgeist verfolgen und sehen wollen, wann die Menschen begreifen, dass „Anti“-Lösungen nicht ausreichen und sie hoffentlich wieder zum aktiven Handeln finden, z. B. zu „together first“ oder „pro-earth“, sollten sie #Ernährungstrends aufmerksam beobachten.

Sabine Schmidt




Diesen Nachschlag finden Sie wie auch die Vorschau auf das nächste Heft in ERNÄHRUNGS UMSCHAU 11/2024 auf Seite M680.


Nachschlag: #Ernährungstrend und der Zeitgeist

Auf der Suche nach #Ernährungstrend spuckte Instagram mir neulich u. a. diesen Trend aus: „‚Anti-‘ (something) foods will remain favorite.“

Anti-cancer, anti-oxidant, anti-inflammatory, anti-aging – diese englischen Begriffe sind uns geläufig: Mit „anti-cancer“-Lebensmitteln „schalte ich mein Krebsrisiko aus“, z. B. mit Brokkoli. Nehme ich „anti-aging-food“ dazu, bspw. grüne Smoothies, bleibe ich zusätzlich jung. Vielleicht noch täglich ein bisschen anti-inflammatory Lachs sowie Avocado (hilft immer gegen irgendetwas), da stehe ich doch schon ganz gut da! Aber hilft das wirklich? Reichen einzelne Ernährungs-Abwehrmaßnahmen gegen gefühlte Risiken aus als alleinige Strategie für etwas so Komplexes wie eine gute Gesundheit?

Moment, einzelne Abwehrmaßnahmen gegen gefühlte Risiken als Gesamtstrategie für ein besseres Leben – nichts anderes versprechen doch eine Reihe von Politiker*innen den Menschen zurzeit. Den „anti-(you-me-first)“-Zeitgeist propagieren die ganze rechte Politikszene und Populist*innen in aller Welt, die damit – wie man bei fast allen Wahlen der letzten Monate schmerzlich wahrnehmen musste – das Herz vieler Wähler*innen treffen.

Beispiel „Anti-Klimahysterie“: „Heizen wie ich will!“ klingt zwar in der Wortwahl wie unser Sohn, als er 4 Jahre alt war, war aber ein ernsthafter Slogan der blauen Partei bei den Europawahlen 2024. Beispiel „Anti-Migrant*innen“: Völlig ohne Scham singen Vertreter*innen der jungen Blauen Lieder voller Hass und Abschiebefantasien im befremdlichen Wahn, dass das a) einer Nation mit unseren Werten würdig ist, b) rechtens ist, c) in irgendeiner Weise den weltweiten Migrationsdruck hemmt. Beispiel „anti-demokratische“ Bestrebungen: Wenn ernsthaft die Verunglimpfung wichtiger gesellschaftlicher Institutionen wie Justiz oder Medien unsere Probleme lösen sollen, wirkt das verstörend auf mich.

Eindimensionale Anti-Parolen sind also gerade hoch gesellschaftsfähig: Sie beruhigen die unsicher in die Zukunft blickenden Menschen – leider jedoch nur im Sinne der „Vogel-Strauß-Taktik“: Mit ihnen lassen sich auf politischer Ebene die Gefahren der Ausbeutung unserer Erde und des ungleich verteilten Wohlstands noch ein bisschen verschleiern, in Bezug auf die Ernährung das individuell steigende Gesundheitsrisiko bei körperignorantem Lebensstil verdrängen. Im Zusammenleben wie beim Essen: Hilfreichere, aber komplexe „Prä-“ oder „Pro-“Strategien sind uns oft zu viel, zu anstrengend, zu einschränkend, die vermeintlich einfachen Lösungen locken uns. Dieser Zeit(un)geist spiegelt sich also auch in den Ernährungs- und Gesundheitstrends wider.

Wenn Sie also den Zeitgeist verfolgen und sehen wollen, wann die Menschen begreifen, dass „Anti“-Lösungen nicht ausreichen und sie hoffentlich wieder zum aktiven Handeln finden, z. B. zu „together first“ oder „pro-earth“, sollten sie #Ernährungstrends aufmerksam beobachten.

Sabine Schmidt


Diesen Nachschlag finden Sie wie auch die Vorschau auf das nächste Heft in ERNÄHRUNGS UMSCHAU 11/2024 auf Seite M680.

News zum Thema des Artikels

Eine junge Frau steht mit fragendem Blick mit ihrem Einkaufswagen zwischen vollen Supermarktregalen.

Lesetipp Heft 8/2026: Nachhaltigkeit in der Ernährung junger Menschen

Eine Studie der Hochschule Fulda hat untersucht, wie sich junge Menschen in Deutschland ernähren, mit besonderem Fokus auf Nachhaltigkeitsaspekte und die Rolle von Fleischkonsum bzw. -verzicht …
weiterlesen

Doppeltes Gesicht einer Frau mit Spiegel in der Hand, doppelt, einma rot, einmal blau

Lesetipp Heft 8/2026: Ernährungstherapie: Die Rolle von Körperbild und Körperschema

Wie wir uns in unserem Körper fühlen, wie wir uns bewegen und was für eine Meinung wir über uns haben, hängt neben anderen Faktoren auch von unserem „Körperbild“ ab. Der Begriff bezeichnet die subjektive Wahrnehmung des eigenen Körpers, und die ist oft ganz unabhängig v …
weiterlesen

Lesetipp Heft 12/2024: Fleischkonsum hängt von der Situation ab. Eine Tagebuchstudie über intra- und interindividuelle Assoziationen

Die meisten bisherigen Studien zum Fleischkonsum konzentrieren sich überwiegend auf persönliche Faktoren wie Einstellungen oder soziodemografische Eigenschaften und weniger auf situative Faktoren wie Ort oder soziales Umfeld. Wowra et al. haben hier angesetzt und den Ei …
weiterlesen

Artikelfakten

Rubrik: Service
Veröffentlicht: 13.11.2024

Dieser Artikel erscheint in

Artikel teilen

Weitere Artikel zum Thema

15.09.2026

Nachschlag 9/2026: Die Butterbrot-Formel

Unser Butterbrot ist nicht nur ein Klassiker der deutschen Esskultur, sondern auch ein sprachliches Chamäleon. Je nach Region gibt es eigene, traditionsreiche Dialekt- und Umgangssprachbegriffe dafür: von Bemme, Botteram, Botterbrot, Butterschmeer, Bütterken über Dong … weiterlesen

12.08.2026

Nachschlag 8/2026: Kühlmittel Bahn

Auch wer in den letzten Wochen nicht mit der Bahn aufgrund von IT- oder Gleisproblemen im überhitzten Zug festsaß, wird sicherlich bei dieser Headline stutzig werden, sorgt die Bahn seit Jahren doch eher für die Erhitzung der Gemüter und der Körpertemperatur. Aber wenn … weiterlesen

Der Körper is(s)t mit …

Das „Körperthema“ ist ein zentraler Bestandteil der Ernährungstherapie, insbesondere im Kontext esspsychologischer Zusammenhänge und Störungen –  bis hin zu Essstörungen. Der Körper ist dabei nicht nur Objekt der Ernährung, sondern auch Träger von Erfahrungen, Emotionen … weiterlesen

12.08.2026

Soziale Unterschiede in der nachhaltigen Ernährung junger Menschen in Deutschland

Die vorliegende Studie untersucht nachhaltige Ernährungspraktiken junger Menschen in Deutschland unter der Fragestellung, welche Unterschiede es innerhalb der sogenannten jungen Generation insbesondere mit Blick auf den Fleischverzehr und -verzicht gibt. weiterlesen

12.12.2024

Fleischkonsum hängt von der Situation ab

free access to english version + eSupplement Peer-Review-Verfahren / Manuskript (Original) eingereicht: 08.05.2024; Überarbeitung angenommen: 18.07.2024 Eine Tagebuchstudie über intra- und interindividuelle Assoziationen Einleitung Der derzeitige Fleischk … weiterlesen

14.08.2024

Nachschlag 8/2024: Ashwa…was? Ashwagandha!

In letzter Zeit ist TikTok ganz wild auf Ashwagandha – ein vermeintliches Wunderpräparat, von dem Influencer*innen schwören, dass es alle möglichen/magischen Wirkungen auf Körper und Geist hat. Aber da in Social Media fast täglich neue Gesundheitshacks und -trends aufko … weiterlesen

15.04.2024

Alternative Ernährungsformen

Teil 1: Definitionen, Grundlagen und Bedeutung Unter dem Begriff der alternativen Ernährungsformen (AE) werden Ernährungsformen verstanden, die von der üblichen Ernährungsweise mehr oder weniger stark abweichen und als Dauerkost angelegt sind. Aus heutiger Sicht ist es … weiterlesen

15.04.2024

Stoffwechsel: Detox-Kuren und „Colon Cleansing“

Detox-Diäten sind beliebt, v. a. im Frühjahr. Detox (engl. detoxification) bedeutet „Entgiftung“. Das Ziel, den Körper zu entgiften und zu reinigen wird von Anhänger*innen des Gesundheitstrends auf viele unterschiedliche Arten verfolgt. Neben einer ungesunden Ernährung … weiterlesen