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Peer-Review-Verfahren / Manuskript (Original) eingereicht: 25.06.2018 / Überarbeitung angenommen: 06.09.2018

Einleitung


Gemäß der Statistiken des UN-Flüchtlingswerks war in den Jahren 2015 und 2016 die Zahl der weltweit von Flucht und Vertreibung betroffenen Menschen mit über 65 Mio. so hoch wie nie zuvor [1]. In Deutschland führte die Zuwanderung von 890 000 Schutzsuchenden im Jahr 2015 zu großen Herausforderungen, die auch die Unterbringung der Geflüchteten sowie die Gesundheits- und Lebensmittelversorgung betrafen [2].


Während ärztliche Eingangsuntersuchungen bundesrechtlich vorgeschrieben sind und vorwiegend dem Ausschluss infektiöser Erkrankungen dienen [3], werden Vorgehensweisen nach internationalen humanitären Standards [4, 5] mit Diagnostik und Behandlung von Fehl- und Mangelernährung sowie Informationsangebote zu ernährungsrelevanten Fragen im Kontext des Zuwanderungslandes nicht routinemäßig durchgeführt [6].

Generell existieren in Deutschland unzureichende Daten zur Ernährungssituation von Asylsuchenden. Die vorliegende Studie, die in Gemeinschaftsunterkünften der Caritas Stuttgart durchgeführt wurde, widmete sich deshalb folgenden Fragen:

  • Wie ist die Ernährungssituation erwachsener Asylsuchender einschließlich besonders vulnerabler Personengruppen einzuschätzen?
  • Wie unterscheidet sich das Ernährungsverhalten der Asylsuchenden in Deutschland von dem in ihren Herkunftsländern? Wie sind diese Unterschiede sowie stattfindende alimentäre Akkulturationsprozesse aus ernährungswissenschaftlicher Sicht zu bewerten?


Diese explorative Pilotstudie verfolgte das Ziel, ernährungsrelevante Informationen für weiterführende Untersuchungen zu generieren um zu einer verbesserten Versorgung von Geflüchteten beizutragen.

Abstract


In einer explorativen Querschnittstudie wurde im Frühjahr 2016 die Ernährungssituation von 96 in Gemeinschaftsunterkünften der Caritas Stuttgart untergebrachten Asylsuchenden erfasst. Die deskriptiv ausgewerteten Studienergebnisse ließen bei etwa der Hälfte dieser Menschen einen verminderten Verzehr von Fisch und Fleisch sowie eine erhöhte Zufuhr von Obst und gesüßten Getränken im Vergleich zu ihrer Ernährung in den Herkunftsregionen erkennen. Das Ernährungsverhalten war sowohl von dem Bestreben, traditionelle Ernährungsweisen beizubehalten, als auch von Zeichen einer diätetischen Akkulturation geprägt. Das häufige Auftreten von Übergewicht und Adipositas v. a. bei Studienteilnehmerinnen, ein durchschnittlich hoher Fettgehalt der Nahrung und eine alimentäre Unterversorgung von Eisen wurden festgestellt. Dies zeigt den Bedarf für Ernährungsscreening, kultursensible Beratungen sowie Programme zur Förderung einer adäquaten Ernährung von Mutter und Kind auf.

Schlüsselwörter: Asylsuchende, Ernährungsverhalten, Ernährungssituation, Kinderernährung, Mütter




Peer-reviewed / Manuscript received (original contribution): June 25, 2018 / Revision accepted: September 06, 2018

Nutritional habits of asylum seekers living in communal accommodation in Stuttgart, Germany


Abstract


In an explorative, cross-sectional study conducted in spring 2016, the nutritional situation of 96 asylum seekers staying in Caritas Stuttgart communal accommodation was recorded. The study results, which were evaluated in a descriptive manner, showed reduced consumption of fish and meat, as well as an increased intake of fruit and sweetened beverages in about half of this sample population compared to their diet in their places of origin. Nutritional behavior was characterized both by efforts to maintain traditional dietary habits and by signs of dietary acculturation. It was found that overweight and obesity occurred frequently–especially among female study participants, that the average fat content of the diet was high while iron intake was insufficient. This highlights the need for nutritional screening, culturally-sensitive counseling, and programs to promote adequate maternal and child nutrition.

Keywords: asylum seekers, nutritional habits, nutritional status, children’s nutrition, mothers

Full text PDF (free access)




Den vollständigen Artikel finden Sie auch in Ernährungs Umschau 2/2019 von Seite M70 bis M77.




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Peer-Review-Verfahren / Manuskript (Original) eingereicht: 25.06.2018 / Überarbeitung angenommen: 06.09.2018

Einleitung


Gemäß der Statistiken des UN-Flüchtlingswerks war in den Jahren 2015 und 2016 die Zahl der weltweit von Flucht und Vertreibung betroffenen Menschen mit über 65 Mio. so hoch wie nie zuvor [1]. In Deutschland führte die Zuwanderung von 890 000 Schutzsuchenden im Jahr 2015 zu großen Herausforderungen, die auch die Unterbringung der Geflüchteten sowie die Gesundheits- und Lebensmittelversorgung betrafen [2].


Während ärztliche Eingangsuntersuchungen bundesrechtlich vorgeschrieben sind und vorwiegend dem Ausschluss infektiöser Erkrankungen dienen [3], werden Vorgehensweisen nach internationalen humanitären Standards [4, 5] mit Diagnostik und Behandlung von Fehl- und Mangelernährung sowie Informationsangebote zu ernährungsrelevanten Fragen im Kontext des Zuwanderungslandes nicht routinemäßig durchgeführt [6].

Generell existieren in Deutschland unzureichende Daten zur Ernährungssituation von Asylsuchenden. Die vorliegende Studie, die in Gemeinschaftsunterkünften der Caritas Stuttgart durchgeführt wurde, widmete sich deshalb folgenden Fragen:

  • Wie ist die Ernährungssituation erwachsener Asylsuchender einschließlich besonders vulnerabler Personengruppen einzuschätzen?
  • Wie unterscheidet sich das Ernährungsverhalten der Asylsuchenden in Deutschland von dem in ihren Herkunftsländern? Wie sind diese Unterschiede sowie stattfindende alimentäre Akkulturationsprozesse aus ernährungswissenschaftlicher Sicht zu bewerten?


Diese explorative Pilotstudie verfolgte das Ziel, ernährungsrelevante Informationen für weiterführende Untersuchungen zu generieren um zu einer verbesserten Versorgung von Geflüchteten beizutragen.

Abstract


In einer explorativen Querschnittstudie wurde im Frühjahr 2016 die Ernährungssituation von 96 in Gemeinschaftsunterkünften der Caritas Stuttgart untergebrachten Asylsuchenden erfasst. Die deskriptiv ausgewerteten Studienergebnisse ließen bei etwa der Hälfte dieser Menschen einen verminderten Verzehr von Fisch und Fleisch sowie eine erhöhte Zufuhr von Obst und gesüßten Getränken im Vergleich zu ihrer Ernährung in den Herkunftsregionen erkennen. Das Ernährungsverhalten war sowohl von dem Bestreben, traditionelle Ernährungsweisen beizubehalten, als auch von Zeichen einer diätetischen Akkulturation geprägt. Das häufige Auftreten von Übergewicht und Adipositas v. a. bei Studienteilnehmerinnen, ein durchschnittlich hoher Fettgehalt der Nahrung und eine alimentäre Unterversorgung von Eisen wurden festgestellt. Dies zeigt den Bedarf für Ernährungsscreening, kultursensible Beratungen sowie Programme zur Förderung einer adäquaten Ernährung von Mutter und Kind auf.

Schlüsselwörter: Asylsuchende, Ernährungsverhalten, Ernährungssituation, Kinderernährung, Mütter




Peer-reviewed / Manuscript received (original contribution): June 25, 2018 / Revision accepted: September 06, 2018

Nutritional habits of asylum seekers living in communal accommodation in Stuttgart, Germany


Abstract


In an explorative, cross-sectional study conducted in spring 2016, the nutritional situation of 96 asylum seekers staying in Caritas Stuttgart communal accommodation was recorded. The study results, which were evaluated in a descriptive manner, showed reduced consumption of fish and meat, as well as an increased intake of fruit and sweetened beverages in about half of this sample population compared to their diet in their places of origin. Nutritional behavior was characterized both by efforts to maintain traditional dietary habits and by signs of dietary acculturation. It was found that overweight and obesity occurred frequently–especially among female study participants, that the average fat content of the diet was high while iron intake was insufficient. This highlights the need for nutritional screening, culturally-sensitive counseling, and programs to promote adequate maternal and child nutrition.

Keywords: asylum seekers, nutritional habits, nutritional status, children’s nutrition, mothers

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Ernährungsverhalten von Asylsuchenden in Gemeinschaftsunterkünften in Stuttgart

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Einleitung
Gemäß der Statistiken des UN-Flüchtlingswerks war in den Jahren 2015 und 2016 die Zahl der weltweit von Flucht und Vertreibung betroffenen Menschen mit über 65 Mio. so hoch wie nie zuvor [1]. In Deutschland führte die Zuwanderung von 890 000 Schutzsuchenden im Jahr 2015 zu großen Herausforderungen, die auch die Unterbringung der Geflüchteten sowie die Gesundheits- und Lebensmittelversorgung betrafen [2].

Während ärztliche Eingangsuntersuchungen bundesrechtlich vorgeschrieben sind und vorwiegend dem Ausschluss infektiöser Erkrankungen dienen [3], werden Vorgehensweisen nach internationalen humanitären Standards [4, 5] mit Diagnostik und Behandlung von Fehl- und Mangelernährung sowie Informationsangebote zu ernährungsrelevanten Fragen im Kontext des Zuwanderungslandes nicht routinemäßig durchgeführt [6].

Generell existieren in Deutschland unzureichende Daten zur Ernährungssituation von Asylsuchenden. Die vorliegende Studie, die in Gemeinschaftsunterkünften der Caritas Stuttgart durchgeführt wurde, widmete sich deshalb folgenden Fragen:

  • Wie ist die Ernährungssituation erwachsener Asylsuchender einschließlich besonders vulnerabler Personengruppen einzuschätzen?
  • Wie unterscheidet sich das Ernährungsverhalten der Asylsuchenden in Deutschland von dem in ihren Herkunftsländern? Wie sind diese Unterschiede sowie stattfindende alimentäre Akkulturationsprozesse aus ernährungswissenschaftlicher Sicht zu bewerten?

Diese explorative Pilotstudie verfolgte das Ziel, ernährungsrelevante Informationen für weiterführende Untersuchungen zu generieren um zu einer verbesserten Versorgung von Geflüchteten beizutragen.

Abstract

In einer explorativen Querschnittstudie wurde im Frühjahr 2016 die Ernährungssituation von 96 in Gemeinschaftsunterkünften der Caritas Stuttgart untergebrachten Asylsuchenden erfasst. Die deskriptiv ausgewerteten Studienergebnisse ließen bei etwa der Hälfte dieser Menschen einen verminderten Verzehr von Fisch und Fleisch sowie eine erhöhte Zufuhr von Obst und gesüßten Getränken im Vergleich zu ihrer Ernährung in den Herkunftsregionen erkennen. Das Ernährungsverhalten war sowohl von dem Bestreben, traditionelle Ernährungsweisen beizubehalten, als auch von Zeichen einer diätetischen Akkulturation geprägt. Das häufige Auftreten von Übergewicht und Adipositas v. a. bei Studienteilnehmerinnen, ein durchschnittlich hoher Fettgehalt der Nahrung und eine alimentäre Unterversorgung von Eisen wurden festgestellt. Dies zeigt den Bedarf für Ernährungsscreening, kultursensible Beratungen sowie Programme zur Förderung einer adäquaten Ernährung von Mutter und Kind auf.

Schlüsselwörter: Asylsuchende, Ernährungsverhalten, Ernährungssituation, Kinderernährung, Mütter


Peer-reviewed / Manuscript received (original contribution): June 25, 2018 / Revision accepted: September 06, 2018

Nutritional habits of asylum seekers living in communal accommodation in Stuttgart, Germany
Abstract

In an explorative, cross-sectional study conducted in spring 2016, the nutritional situation of 96 asylum seekers staying in Caritas Stuttgart communal accommodation was recorded. The study results, which were evaluated in a descriptive manner, showed reduced consumption of fish and meat, as well as an increased intake of fruit and sweetened beverages in about half of this sample population compared to their diet in their places of origin. Nutritional behavior was characterized both by efforts to maintain traditional dietary habits and by signs of dietary acculturation. It was found that overweight and obesity occurred frequently–especially among female study participants, that the average fat content of the diet was high while iron intake was insufficient. This highlights the need for nutritional screening, culturally-sensitive counseling, and programs to promote adequate maternal and child nutrition.

Keywords: asylum seekers, nutritional habits, nutritional status, children’s nutrition, mothers

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Artikelfakten

Veröffentlicht: 13.02.2019

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