Depression ist nicht gleich Depression. Einige Betroffene können nicht mehr das Haus verlassen, andere sind zwar eingeschränkt, können aber weitgehend mit ihrem Leben fortfahren. Auch beim Appetit gibt es unterschiedliche Verläufe. „Viele Menschen mit Depressionen leiden unter einem allgemeinen Verlust des Appetits. Andere haben dagegen mehr Appetit und entwickeln sogar Heißhunger – besonders für süße Lebensmittel. Diese Veränderungen können dann eine Gewichtsveränderung nach sich ziehen“, erklärt Korrespondenzautor Prof. Nils Kroemer, Professor für Medizinische Psychologie am UKB. Trotz dieser Beobachtungen sei bisher wenig zu den Essenspräferenzen von Betroffenen bekannt, obwohl diese vielleicht neue Therapieansätze fördern könnten.

Die Studie zeigt erstmalig, dass Depressionen mit spezifischen Veränderungen in den Essensvorlieben einhergehen. Entscheidend dafür sind dabei die Makronährstoffe: Kohlenhydrate, Proteine und Fette. Kohlenhydrate sind dabei einer der Hauptenergielieferanten für die menschlichen Zellen. Betroffene von Depressionen zeigen ein geringeres Verlangen nach fett- und proteinreichen Lebensmitteln im Vergleich zu gesunden Kontrollpersonen. Im Gegensatz zu diesen bevorzugen sie eher kohlenhydratreiche Lebensmittel wie Süßigkeiten. In der Studie führte ein höherer Anteil von Kohlenhydraten auch zu einer Aufwertung von fett- und proteinreicher Nahrung bei Menschen mit Depressionen. Sie hatten also auch ein erhöhtes Verlangen nach Lebensmitteln, in denen z. B. Fett und Kohlenhydrate kombiniert werden. Besonders fetthaltiges Essen begünstigt dabei eine eher ungesunde Ernährung. Bislang wurde vermutet, dass das Verlangen nach kohlenhydratreichen Lebensmitteln mit mehr Appetit zusammenhängt. „Wir konnten jetzt zeigen, dass dies nicht der Fall ist. Tatsächlich hängt der Hunger nach Kohlenhydraten eher mit der allgemeinen Schwere der Depression, besonders der Angstsymptomatik, zusammen“, erläutert Erstautorin Lilly Thurn. „Da kohlenhydrathaltige Lebensmittel die Belohnungsantwort im Gehirn über andere Signalwege steuern als fett- und proteinreiche Lebensmittel, könnte man daraus möglicherweise bessere Behandlungsansätze ableiten“, erklärt Prof. Nils Kroemer. „Besonders vielversprechend erscheinen in Zukunft Therapien, die auf die Verbindung von Darm und Gehirn abzielen. Erste Studien zeigen bereits, dass Fasten oder auch probiotische Lebensmittel antidepressiv wirken können“, sagt Thurn.

Literatur


1. AOK: Gesundheitsatlas Deutschland: Knapp 9,5 Millionen Menschen von Depressionen betroffen. www.aok.de/pp/bv/pm/gesundheitsatlas-deutschland-depression/  (last accessed on 19 March 2025).

2. Thurn L, et al.: Altered food liking in depression is driven by macronutrient composition. Psychol Med 2025; 55: e20.

Quelle: Universitätsklinikum Bonn, Pressemeldung vom 05.02.2025




Diesen Artikel finden Sie auch in ERNÄHRUNGS UMSCHAU 4/2025 auf Seite M204.


Von Depressionen sind rund 9,5 Mio. Menschen (12,5 %) in Deutschland betroffen [1]. Die Erkrankung führt erwiesenermaßen zu verändertem Essverhalten. Forschende des Universitätsklinikums Bonn (UKB) und der Universität Bonn sowie des Universitätsklinikums Tübingen konnten zeigen, dass Patient*innen mit Depressionen zwar generell weniger Appetit haben, dafür aber kohlenhydratreiche Nahrung bevorzugen [2].








Depression ist nicht gleich Depression. Einige Betroffene können nicht mehr das Haus verlassen, andere sind zwar eingeschränkt, können aber weitgehend mit ihrem Leben fortfahren. Auch beim Appetit gibt es unterschiedliche Verläufe. „Viele Menschen mit Depressionen leiden unter einem allgemeinen Verlust des Appetits. Andere haben dagegen mehr Appetit und entwickeln sogar Heißhunger – besonders für süße Lebensmittel. Diese Veränderungen können dann eine Gewichtsveränderung nach sich ziehen“, erklärt Korrespondenzautor Prof. Nils Kroemer, Professor für Medizinische Psychologie am UKB. Trotz dieser Beobachtungen sei bisher wenig zu den Essenspräferenzen von Betroffenen bekannt, obwohl diese vielleicht neue Therapieansätze fördern könnten.

Die Studie zeigt erstmalig, dass Depressionen mit spezifischen Veränderungen in den Essensvorlieben einhergehen. Entscheidend dafür sind dabei die Makronährstoffe: Kohlenhydrate, Proteine und Fette. Kohlenhydrate sind dabei einer der Hauptenergielieferanten für die menschlichen Zellen. Betroffene von Depressionen zeigen ein geringeres Verlangen nach fett- und proteinreichen Lebensmitteln im Vergleich zu gesunden Kontrollpersonen. Im Gegensatz zu diesen bevorzugen sie eher kohlenhydratreiche Lebensmittel wie Süßigkeiten. In der Studie führte ein höherer Anteil von Kohlenhydraten auch zu einer Aufwertung von fett- und proteinreicher Nahrung bei Menschen mit Depressionen. Sie hatten also auch ein erhöhtes Verlangen nach Lebensmitteln, in denen z. B. Fett und Kohlenhydrate kombiniert werden. Besonders fetthaltiges Essen begünstigt dabei eine eher ungesunde Ernährung. Bislang wurde vermutet, dass das Verlangen nach kohlenhydratreichen Lebensmitteln mit mehr Appetit zusammenhängt. „Wir konnten jetzt zeigen, dass dies nicht der Fall ist. Tatsächlich hängt der Hunger nach Kohlenhydraten eher mit der allgemeinen Schwere der Depression, besonders der Angstsymptomatik, zusammen“, erläutert Erstautorin Lilly Thurn. „Da kohlenhydrathaltige Lebensmittel die Belohnungsantwort im Gehirn über andere Signalwege steuern als fett- und proteinreiche Lebensmittel, könnte man daraus möglicherweise bessere Behandlungsansätze ableiten“, erklärt Prof. Nils Kroemer. „Besonders vielversprechend erscheinen in Zukunft Therapien, die auf die Verbindung von Darm und Gehirn abzielen. Erste Studien zeigen bereits, dass Fasten oder auch probiotische Lebensmittel antidepressiv wirken können“, sagt Thurn.

Literatur


1. AOK: Gesundheitsatlas Deutschland: Knapp 9,5 Millionen Menschen von Depressionen betroffen. www.aok.de/pp/bv/pm/gesundheitsatlas-deutschland-depression/  (last accessed on 19 March 2025).

2. Thurn L, et al.: Altered food liking in depression is driven by macronutrient composition. Psychol Med 2025; 55: e20.

Quelle: Universitätsklinikum Bonn, Pressemeldung vom 05.02.2025




Diesen Artikel finden Sie auch in ERNÄHRUNGS UMSCHAU 4/2025 auf Seite M204.


Depressionen: Ernährungsvorlieben von depressiven Personen

Depression ist nicht gleich Depression. Einige Betroffene können nicht mehr das Haus verlassen, andere sind zwar eingeschränkt, können aber weitgehend mit ihrem Leben fortfahren. Auch beim Appetit gibt es unterschiedliche Verläufe. „Viele Menschen mit Depressionen leiden unter einem allgemeinen Verlust des Appetits. Andere haben dagegen mehr Appetit und entwickeln sogar Heißhunger – besonders für süße Lebensmittel. Diese Veränderungen können dann eine Gewichtsveränderung nach sich ziehen“, erklärt Korrespondenzautor Prof. Nils Kroemer, Professor für Medizinische Psychologie am UKB. Trotz dieser Beobachtungen sei bisher wenig zu den Essenspräferenzen von Betroffenen bekannt, obwohl diese vielleicht neue Therapieansätze fördern könnten.

Die Studie zeigt erstmalig, dass Depressionen mit spezifischen Veränderungen in den Essensvorlieben einhergehen. Entscheidend dafür sind dabei die Makronährstoffe: Kohlenhydrate, Proteine und Fette. Kohlenhydrate sind dabei einer der Hauptenergielieferanten für die menschlichen Zellen. Betroffene von Depressionen zeigen ein geringeres Verlangen nach fett- und proteinreichen Lebensmitteln im Vergleich zu gesunden Kontrollpersonen. Im Gegensatz zu diesen bevorzugen sie eher kohlenhydratreiche Lebensmittel wie Süßigkeiten. In der Studie führte ein höherer Anteil von Kohlenhydraten auch zu einer Aufwertung von fett- und proteinreicher Nahrung bei Menschen mit Depressionen. Sie hatten also auch ein erhöhtes Verlangen nach Lebensmitteln, in denen z. B. Fett und Kohlenhydrate kombiniert werden. Besonders fetthaltiges Essen begünstigt dabei eine eher ungesunde Ernährung. Bislang wurde vermutet, dass das Verlangen nach kohlenhydratreichen Lebensmitteln mit mehr Appetit zusammenhängt. „Wir konnten jetzt zeigen, dass dies nicht der Fall ist. Tatsächlich hängt der Hunger nach Kohlenhydraten eher mit der allgemeinen Schwere der Depression, besonders der Angstsymptomatik, zusammen“, erläutert Erstautorin Lilly Thurn. „Da kohlenhydrathaltige Lebensmittel die Belohnungsantwort im Gehirn über andere Signalwege steuern als fett- und proteinreiche Lebensmittel, könnte man daraus möglicherweise bessere Behandlungsansätze ableiten“, erklärt Prof. Nils Kroemer. „Besonders vielversprechend erscheinen in Zukunft Therapien, die auf die Verbindung von Darm und Gehirn abzielen. Erste Studien zeigen bereits, dass Fasten oder auch probiotische Lebensmittel antidepressiv wirken können“, sagt Thurn.

Literatur

1. AOK: Gesundheitsatlas Deutschland: Knapp 9,5 Millionen Menschen von Depressionen betroffen. www.aok.de/pp/bv/pm/gesundheitsatlas-deutschland-depression/  (last accessed on 19 March 2025).

2. Thurn L, et al.: Altered food liking in depression is driven by macronutrient composition. Psychol Med 2025; 55: e20.

Quelle: Universitätsklinikum Bonn, Pressemeldung vom 05.02.2025


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Veröffentlicht: 15.04.2025

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