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Hintergrund
Die Verwendung von Internet-Memes als Form der Kommunikation hat in den letzten Jahren zugenommen [1–3]. Da Memes die Meinungsbildung beeinflussen können [4–8], ist es wichtig, die Auswirkungen auf die Gesellschaft zu verstehen. Unter dem Gesichtspunkt der fortschreitenden Digitalisierung [9, 10] und der gesellschaftlich akzeptierten Diskriminierung mehrgewichtiger Menschen [11–15] eruiert die vorliegende Untersuchung einen Zusammenhang des Einflusses von Internet-Memes mit gewichtsstigmatisierenden Inhalten (Fat People Memes) und der Akzeptanz gegenüber mehrgewichtigen Personen.
Während der einmonatigen online-fragebogenbasierten Fall-Kontroll-Studie konnte eine Gesamtstichprobe von 147 Proband*innen (Mittelwert [MW] Alter: 29 Jahre; Min. 25, Max. 35 Jahre) generiert werden. Die Gruppeneinteilung erfolgte retrospektiv auf Grundlage des ins Deutsche übersetzten, validierten Antifat Attitudes Questionnaire (AFA) nach Crandall [16]. Die Einteilung basiert auf dem daraus errechneten AFA-Score (13–117, höhere Werte deuten auf eine geringere Akzeptanz hin). Teilnehmende mit geringerer Akzeptanz gegenüber mehrgewichtigen Personen wurden der Fallgruppe zugeteilt (AFA-Score ≥ 55; n = 58; MW Alter: 28 Jahre; weiblich: 67,2 %). Teilnehmende mit höherer Akzeptanz gegenüber mehrgewichtigen Personen wurden der Kontrollgruppe zugeteilt (AFA-Score < 55; n = 89; MW Alter: 29 Jahre; weiblich: 71,9 %).
Primär wurde die subjektive Unterhaltung bei Betrachtung und anschließend die hypothetische Verbreitung der Fat People Memes untersucht. Dazu erfolgte eine Beurteilung von zwölf vorgegebenen Memes mit gewichtsstigmatisierenden Inhalten (jeweils Likertskala 0–9). Weiterhin widmete sich ein Fragenkomplex der Beurteilung empfundener Emotionen bei Betrachtung acht verschiedener Fat People Memes. Diesbezüglich wurden die Teilnehmenden aufgefordert, jedes der gezeigten Memes anhand der sieben Grundemotionen (Wut, Angst, Ekel, Freude, Scham, Traurigkeit) intuitiv zu bewerten.
Teilnehmende mit einer geringeren Akzeptanz gegenüber Personen mit Mehrgewicht beurteilten die gezeigten Fat People Memes signifikant häufiger als stärker unterhaltsam (Likertskala ≥ 4) als Teilnehmende mit einer höheren Akzeptanz gegenüber mehrgewichtigen Personen (77,6 % vs. 59,6 %; p = 0,023).
Es konnten keine signifikanten Gruppenunterschiede bezüglich der hypothetischen Verbreitung der gewichtsstigmatisierenden Memes festgestellt werden (36,2 % vs. 27,0 %; p = 0,235). Konkreter konnte nur eine geringe Tendenz in Form einer Chancengleichheit (Odds Ratio = 1,5) sowie eines möglichen Risikofaktors (RR [hypothetische Verbreitung > 4] = 1,3) zwischen einer geringeren Akzeptanz gegenüber mehrgewichtigen Personen und dem vermehrten (hypothetischen) Verbreiten gewichtsstigmatisierender Memes nachgewiesen werden.
Des Weiteren empfanden die Studienteilnehmer*innen mit einer geringeren Akzeptanz gegenüber mehrgewichtigen Personen die Emotionen Ekel (p = 0,004), Scham (p = 0,001) und Überraschung (p = 0,044) signifikant intensiver, als die TeilnehmerInnen mit einer höheren Akzeptanz gegenüber Personen mit Mehrgewicht.
Memes werden häufiger geteilt, sofern sie einen unterhaltenden Effekt auf die Betrachter*innen ausüben [1–3]. In der vorliegenden Untersuchung konnten keine nennenswerten Gruppenunterschiede bei der hypothetischen Verteilung von Fat People Memes festgestellt werden, obwohl sich deutliche Kontraste in Bezug auf ihre unterhaltende Wirkung zeigten. Dies könnte durch das mit der Frage verbundene abstrakte Denken erklärt werden, das den Kontext einer Online-Konversation erfordert, um sich das Teilen der gezeigten Memes vorzustellen. Die Literatur [4] bestätigt dies dahingehend, dass sich Personen bewusst Zeit nehmen, um das passende Meme zu finden. Ausgangspunkt ist ein übereinstimmender Wertekanon über die vorherrschende Umgebungswelt [5].
Eine bewusste Abneigung bis hin zu hassmotiviertem Verhalten (Antifat Attidudes) gegenüber mehrgewichtigen Menschen [14] und der Assoziation mit Emotionen wie Ekel, Wut und Verachtung [15] bestätigen das Ergebnis der vorliegenden Studie bezüglich einer stärkeren Emotionsintensität bei Betrachtung verschiedener Fat People Memes unter Teilnehmenden mit geringerer Akzeptanz gegenüber mehrgewichtigen Personen („Ekel“, „Scham“, „Überraschung“).
Da es sich um die erste Studie dieser Art handelt, ist eine Auseinandersetzung mit der vorhandenen Literatur nur bedingt möglich. Es kann jedoch auf verschiedene Referenzkontexte zurückgegriffen werden, die beschreiben, dass Meinungsbildung allein durch die Betrachtung von Memes erfolgen kann [6–8]. Diese Studien basieren auf Beispielen aus dem gesellschaftspolitischen Bereich, vermitteln aber einen ersten Eindruck, welchen Einfluss die Meme-Kultur auf die Meinungsbildung der Betrachter*innen haben kann. Unterstützend wirkt, dass es sich bei Fettfeindlichkeit um eine allgegenwärtige, gesellschaftlich akzeptierte Diskriminierungsform handelt [11, 12], die frei zum Ausdruck gebracht werden kann [13].
Während der Ernährungstherapie von mehrgewichtigen Personen ist eine ständige Reflektion der eigenen therapeutischen Qualitäten unter antistigmatisierendem Hintergrund unabdingbar. Dabei ist ein respektvoll sensibler Umgang und ein Hinterfragen der Erlebenswelt essenziell.
Interessenkonflikt
Die Autorinnen erklären, dass kein Interessenkonflikt besteht.
M. Sc. Cathleen Bunzel
Prof. Dr. Katja Kröller
Dr. Claudia Meißner
Masterstudiengang Ernährungstherapie
Fachbereich Landwirtschaft, Ökotrophologie und Landschaftsentwicklung
Hochschule Anhalt, Campus Bernburg
