In der doppelblinden, randomisierten Interventionsstudie wurden über 300 TeilnehmerInnen mit ersten Symptomen einer Alzheimer-Erkrankung zufällig in entweder die Interventions- oder die Kontrollgruppe eingeteilt. Die Interventionsgruppe erhielt über einen längeren Zeitraum ein Nähstoff-Kombinationspräparat, die Kontrollgruppe ein Placebo.

Erste Zwischenergebnisse dazu wurden bereits in den vergangenen Jahren veröffentlicht. „Aber erst jetzt nach drei Jahren Behandlungszeit offenbarten sich weitgehende Unterschiede zwischen den Studienteilnehmern und der Kontrollgruppe“, erklärt Tobias Hartmann, Professor für Demenzprävention der Universität des Saarlandes, der die LipiDiDiet-Studie leitet. In der Interventionsgruppe verlangsamten sich die Veränderungsprozesse im Gehirn nach Aussage der ForscherInnen deutlich. Die Hirnleistung ließ während der drei Jahre zwischen 40 und 70 % weniger nach als bei den nicht behandelten ProbandInnen.

„Die positiven Effekte der Behandlung zeigten sich besonders deutlich bei den Teilnehmern, die in einem sehr frühen Alzheimer-Stadium damit beginnen konnten. Zudem konnten wir, was uns selbst überraschte, feststellen, dass die Wirkungen im Laufe der Behandlungszeit zunahmen und sich nicht nur in Bezug auf das Gedächtnis, sondern auch auf andere kognitive Bereiche ausweiteten, je länger die Behandlung andauerte“, erklärt Hartmann. Die ProbandInnen konnten z. B. alltägliche Herausforderungen, wie Rechnungen bezahlen, sich den Weg merken oder auch mit Notfällen umgehen, besser bewältigen als die Kontrollgruppe. Keine Unterschiede zwischen Placebo- und Interventionsgruppe zeigten sich in Bezug auf die kumulative Inzidenz und die durchschnittliche Zeit, zu der eine Alzheimer-Demenz klinisch diagnostiziert wurde.

Das eingesetzte Nährstoffgemisch enthielt essenzielle Fettsäuren, Vitamine und andere Nährstoffe, darunter Docosahexaensäure (DHA), Eicosapentaensäure (EPA), Uridinmonophosphat, Cholin, die Vitamine B12, B6, C, E und Folsäure sowie Phospholipide und Selen. Frühere präklinische Forschungen des LipiDiDiet-Konsortiums und anderer Laboratorien, etwa des Massachusetts Institute of Technology (MIT), hatten gezeigt, dass diese Nährstoffe eine Reihe von für Alzheimer typische Hirnveränderungen reduzieren. Die WissenschaftlerInnen schlussfolgern aus ihren Ergebnissen, dass eine langfristige Behandlung mit einem Multinährstoffpräparat das Fortschreiten einer Alzheimerdemenz v. a. bei früher Gabe verlangsamen kann.

Literatur


1. Soininen H et al.: 36-month LipiDiDiet multinutrient clinical trial in prodromal Alzheimer´s disease. Alzheimers Dement: https://doi.org/10.1002/ alz.12172.

Quelle: Universität des Saarlandes, Pressemeldung vom 5. November 2020




Diesen Artikel finden Sie auch in ERNÄHRUNGS UMSCHAU 12/2020 auf Seite M700.


Möglicherweise lässt sich der Verlauf einer Alzheimer-Erkrankung im frühen Stadium mit einem Kombinationspräparat aus u. a. Fettsäuren und Vitaminen verzögern. Bei Versuchspersonen, die dieses Mittel über einen längeren Zeitraum einnahmen, ließ die geistige Leistungsfähigkeit deutlich langsamer nach als in einer Kontrollgruppe. Das ist das Ergebnis der europäischen Studie LipiDiDiet, bei der 311 PatientInnen an elf Kliniken bisher drei Jahre lang beobachtet wurden [1].


In der doppelblinden, randomisierten Interventionsstudie wurden über 300 TeilnehmerInnen mit ersten Symptomen einer Alzheimer-Erkrankung zufällig in entweder die Interventions- oder die Kontrollgruppe eingeteilt. Die Interventionsgruppe erhielt über einen längeren Zeitraum ein Nähstoff-Kombinationspräparat, die Kontrollgruppe ein Placebo.

Erste Zwischenergebnisse dazu wurden bereits in den vergangenen Jahren veröffentlicht. „Aber erst jetzt nach drei Jahren Behandlungszeit offenbarten sich weitgehende Unterschiede zwischen den Studienteilnehmern und der Kontrollgruppe“, erklärt Tobias Hartmann, Professor für Demenzprävention der Universität des Saarlandes, der die LipiDiDiet-Studie leitet. In der Interventionsgruppe verlangsamten sich die Veränderungsprozesse im Gehirn nach Aussage der ForscherInnen deutlich. Die Hirnleistung ließ während der drei Jahre zwischen 40 und 70 % weniger nach als bei den nicht behandelten ProbandInnen.

„Die positiven Effekte der Behandlung zeigten sich besonders deutlich bei den Teilnehmern, die in einem sehr frühen Alzheimer-Stadium damit beginnen konnten. Zudem konnten wir, was uns selbst überraschte, feststellen, dass die Wirkungen im Laufe der Behandlungszeit zunahmen und sich nicht nur in Bezug auf das Gedächtnis, sondern auch auf andere kognitive Bereiche ausweiteten, je länger die Behandlung andauerte“, erklärt Hartmann. Die ProbandInnen konnten z. B. alltägliche Herausforderungen, wie Rechnungen bezahlen, sich den Weg merken oder auch mit Notfällen umgehen, besser bewältigen als die Kontrollgruppe. Keine Unterschiede zwischen Placebo- und Interventionsgruppe zeigten sich in Bezug auf die kumulative Inzidenz und die durchschnittliche Zeit, zu der eine Alzheimer-Demenz klinisch diagnostiziert wurde.

Das eingesetzte Nährstoffgemisch enthielt essenzielle Fettsäuren, Vitamine und andere Nährstoffe, darunter Docosahexaensäure (DHA), Eicosapentaensäure (EPA), Uridinmonophosphat, Cholin, die Vitamine B12, B6, C, E und Folsäure sowie Phospholipide und Selen. Frühere präklinische Forschungen des LipiDiDiet-Konsortiums und anderer Laboratorien, etwa des Massachusetts Institute of Technology (MIT), hatten gezeigt, dass diese Nährstoffe eine Reihe von für Alzheimer typische Hirnveränderungen reduzieren. Die WissenschaftlerInnen schlussfolgern aus ihren Ergebnissen, dass eine langfristige Behandlung mit einem Multinährstoffpräparat das Fortschreiten einer Alzheimerdemenz v. a. bei früher Gabe verlangsamen kann.

Literatur


1. Soininen H et al.: 36-month LipiDiDiet multinutrient clinical trial in prodromal Alzheimer´s disease. Alzheimers Dement: https://doi.org/10.1002/ alz.12172.

Quelle: Universität des Saarlandes, Pressemeldung vom 5. November 2020




Diesen Artikel finden Sie auch in ERNÄHRUNGS UMSCHAU 12/2020 auf Seite M700.


Demenz: Fortschreiten der Alzheimererkrankung durch Multinährstoffpräparat verzögerbar?

In der doppelblinden, randomisierten Interventionsstudie wurden über 300 TeilnehmerInnen mit ersten Symptomen einer Alzheimer-Erkrankung zufällig in entweder die Interventions- oder die Kontrollgruppe eingeteilt. Die Interventionsgruppe erhielt über einen längeren Zeitraum ein Nähstoff-Kombinationspräparat, die Kontrollgruppe ein Placebo.

Erste Zwischenergebnisse dazu wurden bereits in den vergangenen Jahren veröffentlicht. „Aber erst jetzt nach drei Jahren Behandlungszeit offenbarten sich weitgehende Unterschiede zwischen den Studienteilnehmern und der Kontrollgruppe“, erklärt Tobias Hartmann, Professor für Demenzprävention der Universität des Saarlandes, der die LipiDiDiet-Studie leitet. In der Interventionsgruppe verlangsamten sich die Veränderungsprozesse im Gehirn nach Aussage der ForscherInnen deutlich. Die Hirnleistung ließ während der drei Jahre zwischen 40 und 70 % weniger nach als bei den nicht behandelten ProbandInnen.

„Die positiven Effekte der Behandlung zeigten sich besonders deutlich bei den Teilnehmern, die in einem sehr frühen Alzheimer-Stadium damit beginnen konnten. Zudem konnten wir, was uns selbst überraschte, feststellen, dass die Wirkungen im Laufe der Behandlungszeit zunahmen und sich nicht nur in Bezug auf das Gedächtnis, sondern auch auf andere kognitive Bereiche ausweiteten, je länger die Behandlung andauerte“, erklärt Hartmann. Die ProbandInnen konnten z. B. alltägliche Herausforderungen, wie Rechnungen bezahlen, sich den Weg merken oder auch mit Notfällen umgehen, besser bewältigen als die Kontrollgruppe. Keine Unterschiede zwischen Placebo- und Interventionsgruppe zeigten sich in Bezug auf die kumulative Inzidenz und die durchschnittliche Zeit, zu der eine Alzheimer-Demenz klinisch diagnostiziert wurde.

Das eingesetzte Nährstoffgemisch enthielt essenzielle Fettsäuren, Vitamine und andere Nährstoffe, darunter Docosahexaensäure (DHA), Eicosapentaensäure (EPA), Uridinmonophosphat, Cholin, die Vitamine B12, B6, C, E und Folsäure sowie Phospholipide und Selen. Frühere präklinische Forschungen des LipiDiDiet-Konsortiums und anderer Laboratorien, etwa des Massachusetts Institute of Technology (MIT), hatten gezeigt, dass diese Nährstoffe eine Reihe von für Alzheimer typische Hirnveränderungen reduzieren. Die WissenschaftlerInnen schlussfolgern aus ihren Ergebnissen, dass eine langfristige Behandlung mit einem Multinährstoffpräparat das Fortschreiten einer Alzheimerdemenz v. a. bei früher Gabe verlangsamen kann.

Literatur

1. Soininen H et al.: 36-month LipiDiDiet multinutrient clinical trial in prodromal Alzheimer´s disease. Alzheimers Dement: https://doi.org/10.1002/ alz.12172.

Quelle: Universität des Saarlandes, Pressemeldung vom 5. November 2020


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Veröffentlicht: 14.12.2020

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