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© Zukunftsforum Public Health



© Zukunftsforum Public Health

© Zukunftsforum Public Health
Einiges ist mittlerweile geschehen, konnte Prof. Bärbel-Maria KURTH (Robert Koch-Institut) bilanzieren: Strukturell ist mit der Etablierung eines Newsletters (zukunftsforum@rki), der Einrichtung einer Geschäftsstelle und dem Umzug auf eine eigene Website (http://zukunftsforum-public-health.de/) die Grundlage zur Information und Vernetzung aller Akteure gegeben. Mit der Publikation der Ergebnisse des 1. Zukunftsforums [1] sind diese allen an Public Health Interessierten zugänglich und mit der Erweiterung des Teilnehmerkreises – nicht zuletzt um studentische Teilnehmer – wurden sowohl der Vernetzungsgedanke als auch die Zukunftsfähigkeit des Forums auf den Weg gebracht.
Das straffe, zweitägige Programm bot im Wechselspiel von Keynote-Vorträgen, Podiumsdiskussionen, Workshops und Stationsarbeiten in Form eines World Cafés inhaltlich und methodisch viel Input und Gelegenheit zum Austausch aller Teilnehmer.
(Mindestens) zwei große Aufgaben sind zwar angepackt, bis zur Lösung ist es aber noch ein weiter Weg:
Als ein Beispiel für das Ringen um eine klare Begriffsdefinition mag die Arbeitsgruppe Gesundheitskompetenz/Health Literacy dienen. Selbst innerhalb dieser Arbeitsgruppe wurden Unterschiede in der Interpretation des Begriffs überdeutlich, ganz zu schweigen von der Frage nach der Nützlichkeit des Begriffs, wenn es um den Vergleich der Gesundheitssysteme unterschiedlicher Länder oder um sich daraus ergebende Forderungen an Politik und weitere Akteure des Gesundheitswesens geht. Die Implikationen der verschiedenen Deutungsweisen sind groß: Sind die Verbraucher/Patienten in der Pflicht oder Ärzte und die Vertreter anderer Gesundheitsberufe?
Weitere „Haarrisse“ zeigt das Public Health-Gebäude an den so nötigen Schnittstellen: zur Medizin (v. a. den klinischen Praktikern), zur Epidemiologie und vielen anderen Berufen. Denn wirksame Public Health- Maßnahmen müssen in den verschiedenen Lebenswelten verzahnt sein.
Im Vortrag von Prof. Rolf ROSENBROCK, Präsident des Paritätischen Wohlfahrtsverbands, wurde überdeutlich: Die überwiegende Mehrzahl aller Public Health-Probleme hängt mit einem einzigen Thema zusammen, der zunehmenden und sich verfestigenden Ungleichheit der Einkommen – plakativ als Arm-Reich-Schere bezeichnet. So ist nicht nur die Lebenserwartung von Menschen in Deutschland im untersten Sechstel der Einkommensverteilung deutlich niedriger, von der verbleibenden Zeit werden auch mehr Jahre in Krankheit verbracht als in den höheren Einkommensgruppen. Dieses Thema sei leider nicht „sexy“ und werde als „prinzipiell unlösbar“ oft ausgeklammert. Hoffentlich haben Public Health-Akteure den Mut und die Ausdauer, dieses Kernthema immer wieder auf die Agenda zu setzen.
Ich habe mitgezählt: Das Stichwort „Ernährung“ kam am ersten Tag ganze zweimal vor. Zwar wurde in verschiedenen Vorträgen und Diskussionsbeiträgen auf die zunehmende Bedeutung der nichtübertragbaren Krankheiten eingegangen, doch der für Ernährungsfachkräfte so klare Zusammenhang mit der Ernährungsweise war in den Statements bestenfalls in Nebensätzen zu erahnen oder wurde den sozioökonomischen Faktoren einverleibt. Hier müssen sich Ernährungsfachkräfte viel stärker in die Arbeit des Zukunftsforums Public Health (möglichst schon in der Vorbereitungsphase des nächsten Forums) und an den in den Arbeitsgruppen und Stationen des World Cafés definierten Schnittstellen zur Politik und Gesundheitsforschung einbringen – das Know-how und wichtige Lösungsansätze bringen sie mit!
Dr. Udo Maid-Kohnert
Meldungen und Beiträge mit besonderer Public Health-Relevanz: www.ernaehrungs-umschau.de/onlineplus/public-health-nutrition
1. Plenarvorträge und Ergebnisse der Arbeitsgruppen in Einzelbeiträgen. Gesundheitswesen 11: 898–974
2. Razum O, Vásquez ML (2017) Strengthening public health in Germany: overcoming the Nazi legacy and Bismarck´s aftermaths. Int J Public Health [DOI: 10.1007/s00038-017-1038-6]