Keine Ergebnisse gefunden
Die angefragte Seite konnte nicht gefunden werden. Verfeinern Sie Ihre Suche oder verwenden Sie die Navigation oben, um den Beitrag zu finden.


Ernährungskompetenz nehmen dabei nicht nur dafür ausgebildete ExpertInnen für sich in Anspruch, sondern auch das sportliche Umfeld, einschließlich der AthletInnen selbst1. Auch beobachtet man teils erfolgreiche Versuche von Firmen für NEM, direkt durch eigenes Personal die Beratung innerhalb von Teams zu übernehmen. Die Anfälligkeit des Sports in dieser Sache mag u. a. darin begründet sein, dass sich schon der Glaube an die Sache leistungsfördernd auswirkt, was im experimentellen Placebo-Setting belegt werden kann2.
Wo liegen die Risiken? Restriktive Ernährungsmaßnahmen bergen das Risiko der Entwicklung von Energiedefiziten bis hin zur Manifestation klinisch relevanter Essstörungen. Im IOC consensus statement zur Relative Energy Deficiency in Sport werden als Risikofaktor auch spezifische Ernährungsmaßnahmen genannt3. „Low carb“ ist hierfür ein gutes Beispiel, da kontraproduktive Effekte solcher Maßnahmen möglich sind, selbst wenn sie „nur“ die sportliche Leistung schwächen4. Die Historie lehrt am Beispiel hochdosierter antioxidativer NEM eine ähnliche Problematik. Man versprach sich im Sport einen vielfältig positiven Effekt. Heute gibt es Hinweise dafür, dass hochdosierte Antioxidanzien den Trainingseffekt abschwächen und die muskuläre Erholung verzögern können5.
Bisweilen zu hohe Dosierungsempfehlungen von Vertreibern selbst ermöglichen, dass für einzelne Substanzen sowohl die vom BfR genannten Höchstmengenempfehlungen für NEM als auch der Tolerable upper intake level überschritten werden können. Der DOSB vertritt somit zu Recht eine Philosophie, sich an der aktuellen wissenschaftlichen Datenlage zu orientieren und auf NEM weitgehend zu verzichten. Dies geschieht vor dem Hintergrund der existenten wissenschaftlichen Empfehlungen zur Sporternährung, möglichen kontraproduktiven Effekten bis hin zu Hinweisen, dass der unreflektierte Umgang mit NEM möglicherweise die Entwicklung einer Dopingmentalität fördert.
Dies soll aber nicht verbergen, dass es zahlreiche, gut belegte und den SportlerInnen nutzende Empfehlungen, einschließlich einer personalisiert indizierten Gabe von NEM, gibt. Sie stellen eine wichtige Grundlage des Gesundheitsmanagements im Sport dar und können auch leistungsstabilisierende Effekte besitzen. Hier im Einzelfall die Spreu vom Weizen trennen zu können, fällt nicht immer leicht. Entsprechend muss man den InitiatorInnen der DGE-AG Sporternährung dankbar sein, insgesamt sieben DGE-Positionspapiere zu entwickeln, die Klarheit schaffen und nach und nach publiziert werden.
Prof. Dr. med. Andreas Nieß
Ärztlicher Direktor Sportmedizin
Medizinische Klinik Universitätsklinikum Tübingen
_______________