Es gibt – außer dem Impfen – keine „Wunderwaffe“ gegen Infektionen, auch wenn im Wechsel Multivitamin-Mineralstoff-Präparate oder aus den Urwäldern Amazoniens oder Afrikas gewonnene (oder geraubte) Pflanzenextrakte mit großen Versprechungen in der Apotheke oder im Onlinehandel feilgeboten werden. Menschen hoffen immer auf die einfache Lösung, und da die Hoffnung zuletzt stirbt, geht bei jeder Gesundheitskrise der Zirkus um Mikronähr- und Pflanzenstoffwunderwirkungen wieder los.

Was unser Immunsystem1 aber vielmehr fit hält, sind weniger Sitzen, mehr Gemüse und ballaststoffreiche pflanzliche Lebensmittel als Nahrungsgrundlage sowie Fürsorge für den eigenen Körper mit einem Gewicht, das dem „Normal“gewicht nahekommt. Das haben seriöse Ernährungsfachkräfte schon immer gesagt (und dabei nicht selten übersehen, dass auch dies nur ein Teil einer gesunden Lebensführung ist). Aktuell wird es sichtbar an den häufiger schwereren Verläufen von COVID-19 bei Menschen mit hohem Gewicht und/oder metabolischem Syndrom2 oder auch mit einer Dysbiose3.

Für die Ernährungswissenschaft eigentlich eine Steilvorlage. Zu oft haben wir unser elitäres Gemüsesüppchen fast abseits der öffentlichen Wahrnehmung gekocht. Jetzt in der Krise haben wir die Chance, mit unserer Botschaft einmal „vor ausverkauften Rängen“ zu stehen. Leider betreten weder Gesundheits- noch ErnährungsminsterIn die Bühne einer – sich in der Gesundheitskrise anbietenden – großen Gesundheitskampagne, die weiter geht als AHA-Maßnahmen. Dabei haben sie DIE Boulevard-Schlagzeile für die Krise: „Immer Fast Food = Fahrstuhl auf Intensiv“ – oder optimistischer: „Gemüse rein – und raus aus der Krise“ (ich möchte hier betonen, dass Boulevard-Schlagzeilen sich durch ihre grenzwertigen Übertreibungen auszeichnen, in der ERNÄHRUNGS UMSCHAU würde man sie so nicht finden). Treffend titelte hierzu die ZEIT im Februar: „Neuer Wirkstoff gefunden“4 (die große Lauchstange auf der Seite zeigt symbolisch, welcher gemeint ist).

Für dieses Mal muss die Impfspritze es richten, aber langfristig sind wir alle gut beraten, uns wieder stärker daran zu orientieren, wie stark wir vom Funktionieren unseres ach so vergänglichen Körpers abhängen.

Ihre Sabine Schmidt

__________________________

1 ⇒ „Ernährung und Immunsystem“ in diesem Heft ab S. M278

2 ⇒ Ernährungs Umschau 3/2021 Editorial (S. M121) und Im Fokus (ab S. M158)

3 Kim HS: Do an altered gut microbiota and an associated leaky gut affect COVID-19 severity? mBio 2021; 12: e03022-20.

4 DIE ZEIT Nr. 8, 18.2.2021, S. 6





Diesen Artikel finden Sie wie auch die Vorschau auf die nächste Ausgabe in ERNÄHRUNGS UMSCHAU 5/2021 auf Seite M304.


Durch zu enges Aufeinanderleben von Mensch und Tier scheint die Büchse der Pandora geöffnet und Erreger von Infektionen greifen immer wieder auf den Menschen über – zuletzt das Coronavirus. Leider hat sich weder bei dem aktuellen noch bei zukünftig zu erwartenden Erregern der eine („Vital“-)Stoff oder die eine Pille gefunden, der/die unser Immunsystem stark – die uns quasi „immun“ gegen den Eindringling macht.


Es gibt – außer dem Impfen – keine „Wunderwaffe“ gegen Infektionen, auch wenn im Wechsel Multivitamin-Mineralstoff-Präparate oder aus den Urwäldern Amazoniens oder Afrikas gewonnene (oder geraubte) Pflanzenextrakte mit großen Versprechungen in der Apotheke oder im Onlinehandel feilgeboten werden. Menschen hoffen immer auf die einfache Lösung, und da die Hoffnung zuletzt stirbt, geht bei jeder Gesundheitskrise der Zirkus um Mikronähr- und Pflanzenstoffwunderwirkungen wieder los.

Was unser Immunsystem1 aber vielmehr fit hält, sind weniger Sitzen, mehr Gemüse und ballaststoffreiche pflanzliche Lebensmittel als Nahrungsgrundlage sowie Fürsorge für den eigenen Körper mit einem Gewicht, das dem „Normal“gewicht nahekommt. Das haben seriöse Ernährungsfachkräfte schon immer gesagt (und dabei nicht selten übersehen, dass auch dies nur ein Teil einer gesunden Lebensführung ist). Aktuell wird es sichtbar an den häufiger schwereren Verläufen von COVID-19 bei Menschen mit hohem Gewicht und/oder metabolischem Syndrom2 oder auch mit einer Dysbiose3.

Für die Ernährungswissenschaft eigentlich eine Steilvorlage. Zu oft haben wir unser elitäres Gemüsesüppchen fast abseits der öffentlichen Wahrnehmung gekocht. Jetzt in der Krise haben wir die Chance, mit unserer Botschaft einmal „vor ausverkauften Rängen“ zu stehen. Leider betreten weder Gesundheits- noch ErnährungsminsterIn die Bühne einer – sich in der Gesundheitskrise anbietenden – großen Gesundheitskampagne, die weiter geht als AHA-Maßnahmen. Dabei haben sie DIE Boulevard-Schlagzeile für die Krise: „Immer Fast Food = Fahrstuhl auf Intensiv“ – oder optimistischer: „Gemüse rein – und raus aus der Krise“ (ich möchte hier betonen, dass Boulevard-Schlagzeilen sich durch ihre grenzwertigen Übertreibungen auszeichnen, in der ERNÄHRUNGS UMSCHAU würde man sie so nicht finden). Treffend titelte hierzu die ZEIT im Februar: „Neuer Wirkstoff gefunden“4 (die große Lauchstange auf der Seite zeigt symbolisch, welcher gemeint ist).

Für dieses Mal muss die Impfspritze es richten, aber langfristig sind wir alle gut beraten, uns wieder stärker daran zu orientieren, wie stark wir vom Funktionieren unseres ach so vergänglichen Körpers abhängen.

Ihre Sabine Schmidt

__________________________

1 ⇒ „Ernährung und Immunsystem“ in diesem Heft ab S. M278

2 ⇒ Ernährungs Umschau 3/2021 Editorial (S. M121) und Im Fokus (ab S. M158)

3 Kim HS: Do an altered gut microbiota and an associated leaky gut affect COVID-19 severity? mBio 2021; 12: e03022-20.

4 DIE ZEIT Nr. 8, 18.2.2021, S. 6





Diesen Artikel finden Sie wie auch die Vorschau auf die nächste Ausgabe in ERNÄHRUNGS UMSCHAU 5/2021 auf Seite M304.


Nachschlag: Gemüse rein – und raus aus der Krise

Es gibt – außer dem Impfen – keine „Wunderwaffe“ gegen Infektionen, auch wenn im Wechsel Multivitamin-Mineralstoff-Präparate oder aus den Urwäldern Amazoniens oder Afrikas gewonnene (oder geraubte) Pflanzenextrakte mit großen Versprechungen in der Apotheke oder im Onlinehandel feilgeboten werden. Menschen hoffen immer auf die einfache Lösung, und da die Hoffnung zuletzt stirbt, geht bei jeder Gesundheitskrise der Zirkus um Mikronähr- und Pflanzenstoffwunderwirkungen wieder los.

Was unser Immunsystem1 aber vielmehr fit hält, sind weniger Sitzen, mehr Gemüse und ballaststoffreiche pflanzliche Lebensmittel als Nahrungsgrundlage sowie Fürsorge für den eigenen Körper mit einem Gewicht, das dem „Normal“gewicht nahekommt. Das haben seriöse Ernährungsfachkräfte schon immer gesagt (und dabei nicht selten übersehen, dass auch dies nur ein Teil einer gesunden Lebensführung ist). Aktuell wird es sichtbar an den häufiger schwereren Verläufen von COVID-19 bei Menschen mit hohem Gewicht und/oder metabolischem Syndrom2 oder auch mit einer Dysbiose3.

Für die Ernährungswissenschaft eigentlich eine Steilvorlage. Zu oft haben wir unser elitäres Gemüsesüppchen fast abseits der öffentlichen Wahrnehmung gekocht. Jetzt in der Krise haben wir die Chance, mit unserer Botschaft einmal „vor ausverkauften Rängen“ zu stehen. Leider betreten weder Gesundheits- noch ErnährungsminsterIn die Bühne einer – sich in der Gesundheitskrise anbietenden – großen Gesundheitskampagne, die weiter geht als AHA-Maßnahmen. Dabei haben sie DIE Boulevard-Schlagzeile für die Krise: „Immer Fast Food = Fahrstuhl auf Intensiv“ – oder optimistischer: „Gemüse rein – und raus aus der Krise“ (ich möchte hier betonen, dass Boulevard-Schlagzeilen sich durch ihre grenzwertigen Übertreibungen auszeichnen, in der ERNÄHRUNGS UMSCHAU würde man sie so nicht finden). Treffend titelte hierzu die ZEIT im Februar: „Neuer Wirkstoff gefunden“4 (die große Lauchstange auf der Seite zeigt symbolisch, welcher gemeint ist).

Für dieses Mal muss die Impfspritze es richten, aber langfristig sind wir alle gut beraten, uns wieder stärker daran zu orientieren, wie stark wir vom Funktionieren unseres ach so vergänglichen Körpers abhängen.

Ihre Sabine Schmidt

__________________________

1 ⇒ „Ernährung und Immunsystem“ in diesem Heft ab S. M278

2 ⇒ Ernährungs Umschau 3/2021 Editorial (S. M121) und Im Fokus (ab S. M158)

3 Kim HS: Do an altered gut microbiota and an associated leaky gut affect COVID-19 severity? mBio 2021; 12: e03022-20.

4 DIE ZEIT Nr. 8, 18.2.2021, S. 6


Diesen Artikel finden Sie wie auch die Vorschau auf die nächste Ausgabe in ERNÄHRUNGS UMSCHAU 5/2021 auf Seite M304.
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Rubrik: Service
Veröffentlicht: 12.05.2021

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