Gesunde Ernährung, Abnehmen und mehr Bewegung können Typ-2-Diabetes wirksam vorbeugen. Allerdings profitieren nicht alle Menschen mit erhöhtem Diabetesrisiko in gleichem Maße von Lebensstil-Interventionen. Personen des Tübinger Typ-2-Diabetes-Risikoclusters 5 weisen trotz eines über Jahre stabilen und deutlichen Gewichtsverlusts einen Anstieg der Blutglucosewerte, den stärksten Rückgang der Insulinsekretion sowie weiterhin ein hohes Diabetesrisiko auf. Das berichten Forschende des Universitätsklinikums Tübingen, des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung (DZD) und von Helmholtz Munich [1]. Bereits vor einigen Jahren konnten DZD Forschende Menschen mit einem erhöhten Risiko für Typ-2-Diabetes sechs klar voneinander abgrenzbaren Risikogruppen zuordnen, die sich hinsichtlich der Manifestation des Diabetes und der Entwicklung von Folgeerkrankungen deutlich unterscheiden [2]. Dabei weisen die Cluster 3 und 5 ein besonders hohes Risiko für die Entwicklung eines Typ-2-Diabetes auf. In der aktuellen Analyse untersuchte das Forschungsteam nun, ob sich die Wirksamkeit der Diabetesprävention auch bei dauerhaftem Gewichtsverlust zwischen den Risikogruppen unterscheidet. Grundlage der Studie waren Daten aus dem Tübinger Lebensstil-Interventionsprogramm (TULIP). Teilnehmende mit erhöhtem Typ 2 Diabetesrisiko absolvierten eine zweijährige Lebensstil-Intervention und wurden anschließend über einen Zeitraum von etwa neun Jahren nachbeobachtet. Im Fokus der Auswertung standen Personen, die ihr Körpergewicht langfristig deutlich reduzieren konnten. „Wir waren besonders daran interessiert, ob sich Personen aus den Risikocluster 3 und 5 im Vergleich zu den anderen Clustern hinsichtlich der Verbesserung der Blutzuckerwerte und der Prävention von Typ-2-Diabetes unterscheiden“, erläutert Prof. Norbert Stefan, der Hauptautor dieser Studie. Die Forschenden stellten fest, dass trotz eines großen und anhaltenden Gewichtsverlusts von 8 % nach einer sehr langen Nachbeobachtungszeit von 9 Jahren bei Personen aus dem Risikocluster 5 die Blutglucosewerte stiegen, die Insulinsekretion sank und sie ein hohes Risiko für Typ-2-Diabetes aufwiesen. Doch warum schützt eine Lebensstil-Intervention Menschen des Risikoclusters 5 weniger gut vor Diabetes? Die Forschenden untersuchten die Mechanismen, die den negativen Verlauf bei Personen des Clusters 5 erklären könnten. Ihre Daten deuten darauf hin, dass eine Insulinresistenz – höchstwahrscheinlich bedingt durch eine ausgeprägte Fettleber und eine durch die Fettleber verursachte Beeinträchtigung der Insulinsekretion aus den beta-Zellen – bei Personen dieses Clusters zu einem Anstieg des Blutglucosespiegels führte. Diese Ergebnisse stimmen mit früheren Beobachtungen überein, wonach Fettleber und Insulinresistenz die vorherrschenden Pathomechanismen bei Personen des Tübinger Typ-2-Diabetes-Risikoclusters 5 sind, wodurch diese anfällig für Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen werden. Die vorliegenden Ergebnisse deuten darauf hin, dass Menschen aus dem Risikocluster 5 trotz eines deutlichen und anhaltenden Gewichtsverlusts nicht im gleichen Umfang von einer Lebensstilintervention profitieren wie Personen aus anderen Clustern – insbesondere mit Blick auf den Glucosestoffwechsel. Sollte sich dieses Ergebnis in einer prospektiven Studie bestätigen, ist ein maßgeschneiderter Ansatz zur Diabetesprävention erforderlich, bei dem Hochrisikophänotypen wie Cluster 5 möglicherweise intensivere oder gezieltere Interventionen erfordern. Literatur 1. Meier CZ, Wagner R, Ganslmeier M, et al.: Different metabolic responses to long-term weight loss after lifestyle intervention among type 2 diabetes risk clusters: results from the TULIP study. Diabetes 2026: db250757. 2. Wagner R, Heni M, Tabák AG, et al.: Pathophysiology-based subphenotyping of individuals at elevated risk for type 2 diabetes. Nat Med 2021; 27(1): 49–57. Quelle: Deutsches Zentrum für Diabetesforschung (DZD), Pressemeldung vom 23.04.2026
Diesen Artikel finden Sie auch in ERNÄHRUNGS UMSCHAU 6/2026 auf Seite M325.
Gesunde Ernährung, Abnehmen und mehr Bewegung können Typ-2-Diabetes wirksam vorbeugen. Allerdings profitieren nicht alle Menschen mit erhöhtem Diabetesrisiko in gleichem Maße von Lebensstil-Interventionen. Personen des Tübinger Typ-2-Diabetes-Risikoclusters 5 weisen trotz eines über Jahre stabilen und deutlichen Gewichtsverlusts einen Anstieg der Blutglucosewerte, den stärksten Rückgang der Insulinsekretion sowie weiterhin ein hohes Diabetesrisiko auf. Das berichten Forschende des Universitätsklinikums Tübingen, des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung (DZD) und von Helmholtz Munich [1].
Gesunde Ernährung, Abnehmen und mehr Bewegung können Typ-2-Diabetes wirksam vorbeugen. Allerdings profitieren nicht alle Menschen mit erhöhtem Diabetesrisiko in gleichem Maße von Lebensstil-Interventionen. Personen des Tübinger Typ-2-Diabetes-Risikoclusters 5 weisen trotz eines über Jahre stabilen und deutlichen Gewichtsverlusts einen Anstieg der Blutglucosewerte, den stärksten Rückgang der Insulinsekretion sowie weiterhin ein hohes Diabetesrisiko auf. Das berichten Forschende des Universitätsklinikums Tübingen, des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung (DZD) und von Helmholtz Munich [1]. Bereits vor einigen Jahren konnten DZD Forschende Menschen mit einem erhöhten Risiko für Typ-2-Diabetes sechs klar voneinander abgrenzbaren Risikogruppen zuordnen, die sich hinsichtlich der Manifestation des Diabetes und der Entwicklung von Folgeerkrankungen deutlich unterscheiden [2]. Dabei weisen die Cluster 3 und 5 ein besonders hohes Risiko für die Entwicklung eines Typ-2-Diabetes auf. In der aktuellen Analyse untersuchte das Forschungsteam nun, ob sich die Wirksamkeit der Diabetesprävention auch bei dauerhaftem Gewichtsverlust zwischen den Risikogruppen unterscheidet. Grundlage der Studie waren Daten aus dem Tübinger Lebensstil-Interventionsprogramm (TULIP). Teilnehmende mit erhöhtem Typ 2 Diabetesrisiko absolvierten eine zweijährige Lebensstil-Intervention und wurden anschließend über einen Zeitraum von etwa neun Jahren nachbeobachtet. Im Fokus der Auswertung standen Personen, die ihr Körpergewicht langfristig deutlich reduzieren konnten. „Wir waren besonders daran interessiert, ob sich Personen aus den Risikocluster 3 und 5 im Vergleich zu den anderen Clustern hinsichtlich der Verbesserung der Blutzuckerwerte und der Prävention von Typ-2-Diabetes unterscheiden“, erläutert Prof. Norbert Stefan, der Hauptautor dieser Studie. Die Forschenden stellten fest, dass trotz eines großen und anhaltenden Gewichtsverlusts von 8 % nach einer sehr langen Nachbeobachtungszeit von 9 Jahren bei Personen aus dem Risikocluster 5 die Blutglucosewerte stiegen, die Insulinsekretion sank und sie ein hohes Risiko für Typ-2-Diabetes aufwiesen. Doch warum schützt eine Lebensstil-Intervention Menschen des Risikoclusters 5 weniger gut vor Diabetes? Die Forschenden untersuchten die Mechanismen, die den negativen Verlauf bei Personen des Clusters 5 erklären könnten. Ihre Daten deuten darauf hin, dass eine Insulinresistenz – höchstwahrscheinlich bedingt durch eine ausgeprägte Fettleber und eine durch die Fettleber verursachte Beeinträchtigung der Insulinsekretion aus den beta-Zellen – bei Personen dieses Clusters zu einem Anstieg des Blutglucosespiegels führte. Diese Ergebnisse stimmen mit früheren Beobachtungen überein, wonach Fettleber und Insulinresistenz die vorherrschenden Pathomechanismen bei Personen des Tübinger Typ-2-Diabetes-Risikoclusters 5 sind, wodurch diese anfällig für Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen werden. Die vorliegenden Ergebnisse deuten darauf hin, dass Menschen aus dem Risikocluster 5 trotz eines deutlichen und anhaltenden Gewichtsverlusts nicht im gleichen Umfang von einer Lebensstilintervention profitieren wie Personen aus anderen Clustern – insbesondere mit Blick auf den Glucosestoffwechsel. Sollte sich dieses Ergebnis in einer prospektiven Studie bestätigen, ist ein maßgeschneiderter Ansatz zur Diabetesprävention erforderlich, bei dem Hochrisikophänotypen wie Cluster 5 möglicherweise intensivere oder gezieltere Interventionen erfordern. Literatur 1. Meier CZ, Wagner R, Ganslmeier M, et al.: Different metabolic responses to long-term weight loss after lifestyle intervention among type 2 diabetes risk clusters: results from the TULIP study. Diabetes 2026: db250757. 2. Wagner R, Heni M, Tabák AG, et al.: Pathophysiology-based subphenotyping of individuals at elevated risk for type 2 diabetes. Nat Med 2021; 27(1): 49–57. Quelle: Deutsches Zentrum für Diabetesforschung (DZD), Pressemeldung vom 23.04.2026
Diesen Artikel finden Sie auch in ERNÄHRUNGS UMSCHAU 6/2026 auf Seite M325.

Diabetesprävention: Gewichtsverlust schützt nicht immer vor Diabetes mellitus

Gesunde Ernährung, Abnehmen und mehr Bewegung können Typ-2-Diabetes wirksam vorbeugen. Allerdings profitieren nicht alle Menschen mit erhöhtem Diabetesrisiko in gleichem Maße von Lebensstil-Interventionen. Personen des Tübinger Typ-2-Diabetes-Risikoclusters 5 weisen trotz eines über Jahre stabilen und deutlichen Gewichtsverlusts einen Anstieg der Blutglucosewerte, den stärksten Rückgang der Insulinsekretion sowie weiterhin ein hohes Diabetesrisiko auf. Das berichten Forschende des Universitätsklinikums Tübingen, des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung (DZD) und von Helmholtz Munich [1].

Bereits vor einigen Jahren konnten DZD Forschende Menschen mit einem erhöhten Risiko für Typ-2-Diabetes sechs klar voneinander abgrenzbaren Risikogruppen zuordnen, die sich hinsichtlich der Manifestation des Diabetes und der Entwicklung von Folgeerkrankungen deutlich unterscheiden [2]. Dabei weisen die Cluster 3 und 5 ein besonders hohes Risiko für die Entwicklung eines Typ-2-Diabetes auf. In der aktuellen Analyse untersuchte das Forschungsteam nun, ob sich die Wirksamkeit der Diabetesprävention auch bei dauerhaftem Gewichtsverlust zwischen den Risikogruppen unterscheidet.
Grundlage der Studie waren Daten aus dem Tübinger Lebensstil-Interventionsprogramm (TULIP). Teilnehmende mit erhöhtem Typ 2 Diabetesrisiko absolvierten eine zweijährige Lebensstil-Intervention und wurden anschließend über einen Zeitraum von etwa neun Jahren nachbeobachtet. Im Fokus der Auswertung standen Personen, die ihr Körpergewicht langfristig deutlich reduzieren konnten.
„Wir waren besonders daran interessiert, ob sich Personen aus den Risikocluster 3 und 5 im Vergleich zu den anderen Clustern hinsichtlich der Verbesserung der Blutzuckerwerte und der Prävention von Typ-2-Diabetes unterscheiden“, erläutert Prof. Norbert Stefan, der Hauptautor dieser Studie. Die Forschenden stellten fest, dass trotz eines großen und anhaltenden Gewichtsverlusts von 8 % nach einer sehr langen Nachbeobachtungszeit von 9 Jahren bei Personen aus dem Risikocluster 5 die Blutglucosewerte stiegen, die Insulinsekretion sank und sie ein hohes Risiko für Typ-2-Diabetes aufwiesen.
Doch warum schützt eine Lebensstil-Intervention Menschen des Risikoclusters 5 weniger gut vor Diabetes? Die Forschenden untersuchten die Mechanismen, die den negativen Verlauf bei Personen des Clusters 5 erklären könnten. Ihre Daten deuten darauf hin, dass eine Insulinresistenz – höchstwahrscheinlich bedingt durch eine ausgeprägte Fettleber und eine durch die Fettleber verursachte Beeinträchtigung der Insulinsekretion aus den beta-Zellen – bei Personen dieses Clusters zu einem Anstieg des Blutglucosespiegels führte. Diese Ergebnisse stimmen mit früheren Beobachtungen überein, wonach Fettleber und Insulinresistenz die vorherrschenden Pathomechanismen bei Personen des Tübinger Typ-2-Diabetes-Risikoclusters 5 sind, wodurch diese anfällig für Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen werden.
Die vorliegenden Ergebnisse deuten darauf hin, dass Menschen aus dem Risikocluster 5 trotz eines deutlichen und anhaltenden Gewichtsverlusts nicht im gleichen Umfang von einer Lebensstilintervention profitieren wie Personen aus anderen Clustern – insbesondere mit Blick auf den Glucosestoffwechsel. Sollte sich dieses Ergebnis in einer prospektiven Studie bestätigen, ist ein maßgeschneiderter Ansatz zur Diabetesprävention erforderlich, bei dem Hochrisikophänotypen wie Cluster 5 möglicherweise intensivere oder gezieltere Interventionen erfordern.

Literatur
1. Meier CZ, Wagner R, Ganslmeier M, et al.: Different metabolic responses to long-term weight loss after lifestyle intervention among type 2 diabetes risk clusters: results from the TULIP study. Diabetes 2026: db250757.
2. Wagner R, Heni M, Tabák AG, et al.: Pathophysiology-based subphenotyping of individuals at elevated risk for type 2 diabetes. Nat Med 2021; 27(1): 49–57.

Quelle: Deutsches Zentrum für Diabetesforschung (DZD), Pressemeldung vom 23.04.2026



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Veröffentlicht: 15.06.2026

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