Die letzten Dürreperioden im Nahen Osten waren die stärksten, die aus heutiger Sicht je gemessen werden konnten. Wissenschaftler halten einen Zusammenhang mit dem Treibhauseffekt für wahrscheinlich und vermuten, dass Konflikte wie der Bürgerkrieg in Syrien durch der Dürre nachfolgende Entwicklungen wie Hunger und Migration mit eingeleitet werden können.


In einer unter anderem von der NASA geförderten Studie von Cook et al. [1] wurde untersucht, wie ausgeprägt die letzte große Dürre von 1998–2012 im Mittelmeerraum inkl. des Nahen Ostens im Vergleich zu Dürreperioden in den letzten 900 Jahren ausfiel. Vergangene Dürreperioden wurden in der Studie über die Dicke der Baumringe entsprechend alter lebender oder toter Bäume in verschiedenen Mittelmeerregionen analysiert. Dünne Baumringe zeigen dabei eine schlechte Versorgung durch Wasserknappheit an, dicke entstehen in Jahren, in denen den Bäumen ausreichend Wasser zur Verfügung steht. Den Ergebnissen der vergleichenden Analysen und Berechnungen zufolge war die aktuelle Dürre mit einer Wahrscheinlichkeit von 89 % die stärkste aller Dürreepisoden in den letzten 900 Jahren und zu 98 % die stärkste innerhalb der letzten 500 Jahre.

Forscher sehen in einem so ausgeprägten, bisherige Klimalagen weit übersteigenden Wassermangel eine wahrscheinliche Folge des Klimawandels und prognostizieren, dass solche trockenen Episoden sich in Zukunft noch häufen und verschärfen werden. Sie konstatieren weiterhin, dass eine Dürreperiode wie diese das Potenzial hat, Ernährungs- und daraus folgend Sozial- und Wirtschaftssysteme zu zerstören und beziehen sich dabei auf mehrere Veröffentlichungen der letzten Jahre zu diesen Zusammenhängen.

Auch ein US-amerikanisches Forschungsteam um Kelley et al. vermuten aufgrund eigener Analysen, dass die ausgeprägte Dürreperiode in Syrien zwischen 2007 und 2010 – die trockenste, die je gemessen wurde – eine Rolle für den aktuellen Bürgerkrieg in Syrien gespielt hat [2]. Ihnen zufolge hat die Wasserknappheit bestehenden Wassermangel und die Folgen einer ungünstigen Landwirtschaftspolitik weiter verschärft, wodurch es zu massiven Ernteeinbrüchen und massenhaftem Sterben von Nutzvieh kam. Dies hatte eine Migration von bis zu 1,5 Mio Menschen in die Randgebiete syrischer Großstädte zur Folge, wodurch sich die Situation dort mit ohnehin hohem Bevölkerungswachstum und Übervölkerung armer Stadtrandgebiete, mit hoher Arbeitslosigkeit und Armut noch zuspitzte. Vom politischen System ignoriert, wurden solche Siedlungsgebiete zum Kern politischer Unruhen. Die Dürre mit nachfolgender Wasser- und Lebensmittelknappheit verschärfte damit bereits bestehende Risikofaktoren und steht daher den Wissenschaftlern zufolge in direktem Zusammenhang mit dem Einsturz des politischen Systems in Syrien [2].

Literatur:


1. Cook BI, Anchukaitis KJ, Touchan R et al. (2016) Spatiotemporal drought variability in the Mediterranean over the last 900 years. Geophys Res Atmos [DOI: 10.1002/2015JD023929]

2. Kelley CP, Shahrzad M, Cane MA et al. (2015) Climate change in the fertile crescent and implications of the recent Syrian drought. PNAS 112: 3241–3246




Den Artikel finden Sie auch in Ernährungs Umschau 05/16 auf Seite M258.




Die letzten Dürreperioden im Nahen Osten waren die stärksten, die aus heutiger Sicht je gemessen werden konnten. Wissenschaftler halten einen Zusammenhang mit dem Treibhauseffekt für wahrscheinlich und vermuten, dass Konflikte wie der Bürgerkrieg in Syrien durch der Dürre nachfolgende Entwicklungen wie Hunger und Migration mit eingeleitet werden können.


In einer unter anderem von der NASA geförderten Studie von Cook et al. [1] wurde untersucht, wie ausgeprägt die letzte große Dürre von 1998–2012 im Mittelmeerraum inkl. des Nahen Ostens im Vergleich zu Dürreperioden in den letzten 900 Jahren ausfiel. Vergangene Dürreperioden wurden in der Studie über die Dicke der Baumringe entsprechend alter lebender oder toter Bäume in verschiedenen Mittelmeerregionen analysiert. Dünne Baumringe zeigen dabei eine schlechte Versorgung durch Wasserknappheit an, dicke entstehen in Jahren, in denen den Bäumen ausreichend Wasser zur Verfügung steht. Den Ergebnissen der vergleichenden Analysen und Berechnungen zufolge war die aktuelle Dürre mit einer Wahrscheinlichkeit von 89 % die stärkste aller Dürreepisoden in den letzten 900 Jahren und zu 98 % die stärkste innerhalb der letzten 500 Jahre.

Forscher sehen in einem so ausgeprägten, bisherige Klimalagen weit übersteigenden Wassermangel eine wahrscheinliche Folge des Klimawandels und prognostizieren, dass solche trockenen Episoden sich in Zukunft noch häufen und verschärfen werden. Sie konstatieren weiterhin, dass eine Dürreperiode wie diese das Potenzial hat, Ernährungs- und daraus folgend Sozial- und Wirtschaftssysteme zu zerstören und beziehen sich dabei auf mehrere Veröffentlichungen der letzten Jahre zu diesen Zusammenhängen.

Auch ein US-amerikanisches Forschungsteam um Kelley et al. vermuten aufgrund eigener Analysen, dass die ausgeprägte Dürreperiode in Syrien zwischen 2007 und 2010 – die trockenste, die je gemessen wurde – eine Rolle für den aktuellen Bürgerkrieg in Syrien gespielt hat [2]. Ihnen zufolge hat die Wasserknappheit bestehenden Wassermangel und die Folgen einer ungünstigen Landwirtschaftspolitik weiter verschärft, wodurch es zu massiven Ernteeinbrüchen und massenhaftem Sterben von Nutzvieh kam. Dies hatte eine Migration von bis zu 1,5 Mio Menschen in die Randgebiete syrischer Großstädte zur Folge, wodurch sich die Situation dort mit ohnehin hohem Bevölkerungswachstum und Übervölkerung armer Stadtrandgebiete, mit hoher Arbeitslosigkeit und Armut noch zuspitzte. Vom politischen System ignoriert, wurden solche Siedlungsgebiete zum Kern politischer Unruhen. Die Dürre mit nachfolgender Wasser- und Lebensmittelknappheit verschärfte damit bereits bestehende Risikofaktoren und steht daher den Wissenschaftlern zufolge in direktem Zusammenhang mit dem Einsturz des politischen Systems in Syrien [2].

Literatur:


1. Cook BI, Anchukaitis KJ, Touchan R et al. (2016) Spatiotemporal drought variability in the Mediterranean over the last 900 years. Geophys Res Atmos [DOI: 10.1002/2015JD023929]

2. Kelley CP, Shahrzad M, Cane MA et al. (2015) Climate change in the fertile crescent and implications of the recent Syrian drought. PNAS 112: 3241–3246




Den Artikel finden Sie auch in Ernährungs Umschau 05/16 auf Seite M258.


Klima und Ernährung: War starke Dürre mitauslösender Faktor des Syrienkonflikts?

Die letzten Dürreperioden im Nahen Osten waren die stärksten, die aus heutiger Sicht je gemessen werden konnten. Wissenschaftler halten einen Zusammenhang mit dem Treibhauseffekt für wahrscheinlich und vermuten, dass Konflikte wie der Bürgerkrieg in Syrien durch der Dürre nachfolgende Entwicklungen wie Hunger und Migration mit eingeleitet werden können.

In einer unter anderem von der NASA geförderten Studie von Cook et al. [1] wurde untersucht, wie ausgeprägt die letzte große Dürre von 1998–2012 im Mittelmeerraum inkl. des Nahen Ostens im Vergleich zu Dürreperioden in den letzten 900 Jahren ausfiel. Vergangene Dürreperioden wurden in der Studie über die Dicke der Baumringe entsprechend alter lebender oder toter Bäume in verschiedenen Mittelmeerregionen analysiert. Dünne Baumringe zeigen dabei eine schlechte Versorgung durch Wasserknappheit an, dicke entstehen in Jahren, in denen den Bäumen ausreichend Wasser zur Verfügung steht. Den Ergebnissen der vergleichenden Analysen und Berechnungen zufolge war die aktuelle Dürre mit einer Wahrscheinlichkeit von 89 % die stärkste aller Dürreepisoden in den letzten 900 Jahren und zu 98 % die stärkste innerhalb der letzten 500 Jahre.

Forscher sehen in einem so ausgeprägten, bisherige Klimalagen weit übersteigenden Wassermangel eine wahrscheinliche Folge des Klimawandels und prognostizieren, dass solche trockenen Episoden sich in Zukunft noch häufen und verschärfen werden. Sie konstatieren weiterhin, dass eine Dürreperiode wie diese das Potenzial hat, Ernährungs- und daraus folgend Sozial- und Wirtschaftssysteme zu zerstören und beziehen sich dabei auf mehrere Veröffentlichungen der letzten Jahre zu diesen Zusammenhängen.

Auch ein US-amerikanisches Forschungsteam um Kelley et al. vermuten aufgrund eigener Analysen, dass die ausgeprägte Dürreperiode in Syrien zwischen 2007 und 2010 – die trockenste, die je gemessen wurde – eine Rolle für den aktuellen Bürgerkrieg in Syrien gespielt hat [2]. Ihnen zufolge hat die Wasserknappheit bestehenden Wassermangel und die Folgen einer ungünstigen Landwirtschaftspolitik weiter verschärft, wodurch es zu massiven Ernteeinbrüchen und massenhaftem Sterben von Nutzvieh kam. Dies hatte eine Migration von bis zu 1,5 Mio Menschen in die Randgebiete syrischer Großstädte zur Folge, wodurch sich die Situation dort mit ohnehin hohem Bevölkerungswachstum und Übervölkerung armer Stadtrandgebiete, mit hoher Arbeitslosigkeit und Armut noch zuspitzte. Vom politischen System ignoriert, wurden solche Siedlungsgebiete zum Kern politischer Unruhen. Die Dürre mit nachfolgender Wasser- und Lebensmittelknappheit verschärfte damit bereits bestehende Risikofaktoren und steht daher den Wissenschaftlern zufolge in direktem Zusammenhang mit dem Einsturz des politischen Systems in Syrien [2].

Literatur:

1. Cook BI, Anchukaitis KJ, Touchan R et al. (2016) Spatiotemporal drought variability in the Mediterranean over the last 900 years. Geophys Res Atmos [DOI: 10.1002/2015JD023929]

2. Kelley CP, Shahrzad M, Cane MA et al. (2015) Climate change in the fertile crescent and implications of the recent Syrian drought. PNAS 112: 3241–3246


Den Artikel finden Sie auch in Ernährungs Umschau 05/16 auf Seite M258.

News zum Thema des Artikels

Zwei Personen sitzen am Tisch und prüfen ein Schriftstück

Online News: Leopoldina veröffentlicht Positionspapier zur Prävention und Therapie von Adipositas

Die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina hat einen Policy Brief zur Eindämmung der Adipositas-Epidemie in Deutschland veröffentlicht. Darin empfiehlt sie Strategien zur Prävention und Therapie von Adipositas …
weiterlesen

5 Grafiken von Menschen in unetrschiedlichen Essumgebungen

Lesetipp Heft 2/2026: Wie Ernährungsumgebungen in grafischen Modellen dargestellt werden

Das Konzept der Ernährungsumgebungen versucht die verschieden Einflussebenen auf das individuelle Ernährungsverhalten zu verdeutlichen. Der Special Beitrag stellt verschiedene Modelle mit ihren Stärken und Limitationen für Public Health-Aufgaben vor …
weiterlesen

Online News: Pflanzenbasierte Ernährung kann das Risiko von Multimorbidität senken

In einer groß angelegten multinationalen Studie mit mehr als 400.000 Personen wurden Ernährungsgewohnheiten und Krankheitsverläufe analysiert. Die Ergebnisse zeigen, dass eine vorwiegend pflanzliche Ernährungsweise mit einem geringeren Risiko für Krebs, Diabetes mellitu …
weiterlesen

Artikelfakten

Veröffentlicht: 13.05.2016

Themen des Artikels

Dieser Artikel erscheint in

Artikel teilen

Weitere Artikel zum Thema

Regionale Hülsenfrüchte in der Ernährung

Teil 1 Einführung: Mehr Hülsenfrüchte auf den Teller Es gibt viele Gründe, warum weniger Fleisch und mehr Hülsenfrüchte auf dem Teller nachhaltig und gesund sind. Hülsenfrüchte liefern hochwertiges pflanzliches Eiweiß (nicht nur) für eine vegetarische oder vegane Ernähr … weiterlesen

15.09.2025

Lebensmittelbasierte Ernährungsempfehlungen für Kinder und Jugendliche und Planetare Gesundheit

Update der Optimierten Mischkost Der globale Klimawandel erfordert einen Paradigmenwechsel in der Ernährung. In der vorliegenden Studie wurde die Nachhaltigkeit des lebensmittelbasierten Ernährungskonzepts der Optimierten Mischkost (OMK) für Kinder und Jugendliche unter … weiterlesen

15.09.2025

Mehr Auswahl am gemeinsamen Tisch

Alternativprodukte zu tierischen Lebensmitteln als Beitrag zu einer nachhaltigeren Ernährung Im Interview mit der ERNÄHRUNGS UMSCHAU erläutern die Beiratsmitglieder Prof. Dr. Monika Pischetsrieder, Lehrstuhl für Lebensmittelchemie, Universität Erlangen-Nürnberg, Prof. D … weiterlesen

Der Bildungsort Esstisch

Gemeinsames Essen als Bildungsanlass  Mahlzeiten bieten Kindern die Möglichkeit für zahlreiche Lernerfahrungen. Sie lernen verschiedene Lebensmittel kennen und üben durch Ausprobieren und Selber-Machen, ihren Körper und dessen Bedürfnisse zu spüren. Wichtig ist ein … weiterlesen

13.08.2025

Alternative Ernährungsformen

Teil 3: Ernährungsformen mit Gesundheitsversprechen im Vordergrund In Teil 3 der Artikelreihe zu alternativen Ernährungsformen (AE) (Teile 1 [1] und 2 [2]) liegt der Fokus auf Ernährungsformen, bei denen Gesundheitsversprechen bzw. -aspekte im Vordergrund stehen. Im Geg … weiterlesen

13.08.2025

Umsetzung des DGE-Qualitätsstandards für die Verpflegung in einer Hochschule

free access to english version Peer-Review-Verfahren /  Manuskript (Original) eingereicht: 25.10.2024; Überarbeitung angenommen: 25.03.2025 Faktoren der (Nicht-)Verstetigung1 Hintergrund und Fragestellung Die Gemeinschaftsverpflegung in den verschiedenen Lebenswelt … weiterlesen

14.07.2025

Pflanzliche Speisefette und -öle, Teil 10

Teil 10: Leindotteröl Leindotteröl ist in den letzten Jahrzehnten etwas in Vergessenheit geraten, obwohl es sich um ein wertvolles, heimisches Öl handelt. Die wirtschaftliche und ernährungsphysiologische Bedeutung sowie die Besonderheiten dieses Öls werden im vorliegend … weiterlesen

14.07.2025

Hitze in der stationären Gesundheitsversorgung

Ernährungsbasierte Hitzeschutzmaßnahmen in Gesundheitseinrichtungen Der fortschreitende Klimawandel stellt eine erhebliche Bedrohung für die öffentliche Gesundheit dar. In Deutschland ist Hitze mit aktuell rund 3000 Todesfällen im Jahr die tödlichste Folgeerscheinung. A … weiterlesen