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Junge Forschung: Kochen und essen während des Lockdowns

Hintergrund: Durch die Corona-Krise hat sich seit dem 16.03.2020 aufgrund der Sicherheitsmaßnahmen des Bundes das öffentliche Leben der SchweizerInnen grundlegend geändert. Laut Google Trends nahm das Interesse am Kochen und am Backen während des Lockdowns in der Schweiz enorm zu. Bereits veröffentlichte Studien aus Deutschland lassen ebenfalls darauf schließen, dass während des Lockdowns mehr gekocht wurde. 2019 führte die Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften (ZHAW) eine zweiteilige Befragungsstudie zum Thema «Wertschätzung von Lebensmitteln» durch: eine Online-Umfrage im Oktober 2019, welche unter den Studierenden der ZHAW in Umlauf gebracht wurde (1 014 TeilnehmerInnen), und eine explorative Fallstudie, in der 10 Personen interviewt wurden.

Fragestellung: Wie wurde das Koch-, Ess- und Einkaufsverhalten der Studierenden der ZHAW durch die Corona-Krise beeinflusst? Gibt es Unterschiede zwischen Männern und Frauen? Wie hat diese Veränderung die Wertschätzung von Lebensmitteln beeinflusst? Methoden: Auf Basis der Studie von 2019 wurden vom 29.04.–25.05.2020 ein neuer, erweiterter Online-Fragebogen über den Mail-Verteiler der ZHAW verteilt sowie 5 qualitative Interviews durchgeführt, um zu untersuchen, ob die Corona-Krise einen Einfluss auf die Wertschätzung und das Kochverhalten für die StudentInnen der ZHAW hatte. Die Daten wurden deskriptiv ausgewertet und mit dem Chi-quadrat Test mit angepasstem Alpha-Fehler auf Signifikanz untersucht.

Ergebnisse: 956 Studierende nahmen an der zweiten online-Befragung teil, mit einem Anteil von 27 % männlichen und 72 % weiblichen Studierenden. 82 % der Befragten gaben an, seit Beginn des Lockdowns mehr zu kochen, 39 % gaben mehr für Lebensmittel aus. 55 % der Studierenden gaben an, dass sie seit Beginn des Lockdowns Lebensmittel selbst hergestellt haben, die sie sonst schon verarbeitet gekauft hätten. 37 % gaben an, während des Lockdowns ein Brot gebacken zu haben. Signifikant weniger Studierende während des Lockdowns im Vergleich zur Befragung 2019 wählten die Antwort, dass es beim Kochen vor allem schnell gehen muss, dass sie nur „selten“ kochen und dass sie beim Einkaufen hauptsächlich auf den Preis achten. Der Anteil der Teilnehmenden, die beim Einkaufen hauptsächlich auf biologische oder auf Produkte aus der Region achten, veränderte sich bei der Befragung 2020 gegenüber 2019 nicht signifikant, ebenso wenig die Gewichtung zu den wertgebenden Eigenschaften eines Lebensmittels.

Schlussfolgerungen: Aus den qualitativen Interviews und dem Online-Fragebogen geht hervor, dass die Zeit der Hauptfaktor für das häufigere Kochen ist: 49 % der Frauen und 41 % der Männer nannten als Hauptgrund für die Zunahme des Selbstkochens, dass sie eigentlich gerne kochen, aber sonst zu wenig Zeit dazu haben. Es wird davon ausgegangen, dass das Kochen und die Auseinandersetzung mit Lebensmitteln die Wertschätzung von Lebensmitteln und der Lebensmittelzubereitung während der Corona-Krise gesteigert haben. Eine längerfristige Wiederholung der Befragung wäre hilfreich, um zu untersuchen, ob dieser Effekt auch zu langfristigen Veränderungen der Gewohnheiten geführt hat oder nur kurzfristig war.


Nina Hemmi

Prof. Dr. Christine Brombach

ZHAW Wädenswil

christine.brombach@zhaw.ch


Diesen Artikel finden Sie auch in ERNÄHRUNGS UMSCHAU 8/2020 auf Seite M448.
Verschlagwortet mit: Kaufverhalten, Coronavirus, Essen

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Veröffentlicht: 13.08.2020

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