Die Deutsche Gesellschaft für Ernährungsmedizin (DGEM) bewertet die kurzfristige parenterale Gabe von fischölhaltigen n-3-Fettsäuren bei kritisch kranken Patient*innen als sicher. Anlass der aktuellen Bewertung sind Warnhinweise aus dem Jahr 2023, die auf ein erhöhtes Risiko für Vorhofflimmern unter hochdosierter oraler Langzeit-Fischöltherapie (4 g/Tag) bei Personen mit kardiovaskulären Vorerkrankungen oder Risikofaktoren hinweisen. In Deutschland wurden diese Warnungen auch auf parenterale Anwendungen ausgeweitet.
Nach einer umfassenden Analyse der verfügbaren klinischen Evidenz kommen von Loeffelholz et al. [1] zu dem Schluss, dass sich die Erkenntnisse aus Studien zur langfristigen hochdosierten oralen Einnahme nicht auf die kurzzeitige parenterale Ernährung in der Intensivmedizin übertragen lassen. Als wesentliche Gründe nennen die Autor*innen eine deutlich kürzere Zufuhrdauer, begrenzte Fischölmengen bei üblichen Tagesdosen, begrenzte plasmatische und myokardiale Fischölkonzentrationen sowie eine verkürzte Halbwertszeit.
Für die ernährungsmedizinische Praxis bedeutet dies: Eine zeitlich begrenzte (< 4 Wochen) vollständige parenterale Ernährung mit fischölhaltigen Lipidemulsionen in einer Dosierung von etwa 0,1–0,2 g Fischöl/kg Körpergewicht und Tag kann nach aktueller Evidenz auch im Hinblick auf das Risiko für Vorhofflimmern als sichere ernährungsmedizinische Maßnahme in der Intensivtherapie angesehen werden.
Die aktuelle Bewertung soll dazu beitragen, Unsicherheiten im klinischen Alltag zu reduzieren und eine evidenzbasierte Anwendung von n-3-Fettsäuren in der parenteralen Ernährung zu unterstützen.
Literatur
1. von Loeffelholz C, Stoppe C, Elke G, et al.: Vorhofflimmern unter parenteraler Kurzzeit-Zufuhr von ω3-Fettsäuren bei kritisch Kranken: Eine aktuelle Bewertung des Risikos durch die Deutsche Gesellschaft für Ernährungsmedizin. Anästh Intensivmed 2026; 67: 137–51. https://doi.org/10.19224/ai2026.137.
Diesen Artikel finden Sie auch in ERNÄHRUNGS UMSCHAU 8/2026 auf Seite M454.