„In den letzten Jahren essen die Menschen in Deutschland schon rund 10 kg Fleisch weniger pro Jahr, aber dafür mehr Käse. Dadurch sind die gesamten Treibhausgasemissionen der Ernährung kaum gesunken. Alternativprodukte können einen Ausweg aus diesem „Käseparadox“ bieten, weil sie häufig eine deutlich bessere Treibhausgasbilanz aufweisen“, erklärt Prof. Dr. Achim Spiller, Universität Göttingen und Vorsitzender des Beirats. Dafür braucht es sensorisch überzeugende Alternativen und deshalb auch eine gezielte Förderung von Innovationen. Dies bietet Chancen für die deutsche Ernährungswirtschaft.

„Wir sehen eine zunehmende Diversifizierung der Ernährungsstile in der Bevölkerung – von überzeugten Fleischliebhabern, klassischen Fleischkonsumentinnen, Personen, die ihren Fleischkonsum aus verschiedenen Gründen reduzieren möchten, Vegetarierinnen bis hin zu Veganern“, betont Prof. Dr. Britta Renner, Universität Konstanz und stellvertretende Vorsitzende des WBAE. „Diese Vielfalt eröffnet neue individuelle Spielräume – stellt uns aber auch vor Herausforderungen im sozialen Miteinander und im Hinblick auf einen ‚gemeinsamen Tisch‘. Die von uns entwickelte 3-R-Strategie – Reduce (z. B. kleinere Fleischportionen), Remix (Hybridprodukte), Replace (innovative Alternativen) – zeigt, wie vielfältig, flexibel und alltagstauglich ein reduzierter Konsum tierischer Lebensmittel aussehen kann.“ Alternativprodukte bieten neue Wahlmöglichkeiten für Menschen, die sich aus ethischen, ökologischen oder gesundheitlichen Gründen anders ernähren wollen. Die breite Mehrheit betrachtet Alternativprodukte sehr offen und unideologisch. „Auch die Politik sollte bei diesem Thema die Erweiterung der Möglichkeiten und das soziale Miteinander in den Mittelpunkt stellen“, so Renner. „Beim Thema Alternativprodukte geht es darum, einen Beitrag zum Klima- und Ressourcenschutz zu leisten und den weltweit erwarteten Anstieg der Nachfrage nach tierischen Lebensmitteln abzufedern – nicht um eine Abschaffung der Nutztierhaltung”, erläutert Prof. Dr. Kay-Uwe Götz, Co-Leiter der Arbeitsgruppe.

Der WBAE spricht sich deutlich für faire Wettbewerbsbedingungen aus. Dazu gehört insb. die Beendigung der steuerlichen Schlechterstellung der Alternativprodukte bei der Mehrwertsteuer. Bislang unterliegen wichtige Alternativprodukte – im Gegensatz zu tierischen Erzeugnissen – dem vollen Mehrwertsteuersatz von 19 %. Auch ist eine transparente Verbraucherinformation für einen fairen Wettbewerb wichtig. Zwar sind Alternativprodukte im Durchschnitt gesünder und umweltfreundlicher, das gilt aber nicht in allen Fällen. Der WBAE empfiehlt deshalb der Bundesregierung eine Weiterentwicklung und Förderung des Nutri-Scores und die Einführung eines Klimalabels.

„Für die Nutztierhaltung ist die Entwicklung von Alternativprodukten eine Herausforderung – aber auch eine Chance für eine nachhaltige Transformation, die die Landwirtschaft bewältigen kann“, erklärt Prof. Dr. Justus Wesseler, Universität Wageningen und Co-Leiter der Arbeitsgruppe. Besonders in Regionen mit intensiver Tierhaltung könnten sich durch den Wandel positive Umweltwirkungen entfalten. Vor allem in Regionen mit überwiegend extensiv genutztem Grünland besteht allerdings die Gefahr, dass durch einen Rückgang grünlandbasierter Tierhaltungen (v. a. Rinder, Schafe) naturschutzrelevante Dauergrünlandflächen aus der Nutzung fallen. In seinem Gutachten empfiehlt der Beirat daher eine Reihe von Maßnahmen, die den Erhalt biodiversitätsreicher Kulturlandschaften sichern können.

Um die Innovationskraft im Bereich von Alternativprodukten mit nachgewiesenen Nachhaltigkeitsvorteilen zu stärken, empfiehlt der WBAE gezielte Maßnahmen zur Förderung von Forschung und Entwicklung. Alternativprodukte erweitern das Angebot und eröffnen damit einen neuen Weg, um Umwelt und Tiere zu schützen, das soziale Miteinander zu stärken und mehr Auswahlmöglichkeiten am gemeinsamen Tisch zu schaffen.

Quelle: Wissenschaftlicher Beirat für Agrarpolitik, Ernährung und gesundheitlichen Verbraucherschutz beim Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH), Pressemeldung vom 22.07.2025

Lesen Sie hierzu auch das Interview auf Seite M554 in diesem Heft.

Das Gutachten ist online verfügbar unter  www.bmleh.de/SharedDocs/Downloads/DE/_Ministerium/Beiraete/agrarpolitik/alternativprodukte-tierische-lebensmittel?j_internal_customer=BMEL 






Diesen Artikel finden Sie auch in ERNÄHRUNGS UMSCHAU 9/2025 auf Seite M525.


Der Wissenschaftliche Beirat für Agrarpolitik, Ernährung und gesundheitlichen Verbraucherschutz (WBAE) hat am 22.07.2025 sein Gutachten zum Thema „Mehr Auswahl am gemeinsamen Tisch: Alternativprodukte zu tierischen Lebensmitteln als Beitrag zu einer nachhaltigen Ernährung“ an Bundesminister Alois Rainer übergeben. Das Gutachten betrachtet sowohl pflanzliche Alternativprodukte zu Fleisch, Milch und Co, biotechnologische Verfahren wie Zellkultivierung und Präzisionsfermentation als auch sog. Hybridprodukte. Sie alle können dazu beitragen, einige negative Umweltwirkungen der Nutztierhaltung zu verringern – ohne dass Menschen ihr Ernährungsverhalten grundlegend ändern.








„In den letzten Jahren essen die Menschen in Deutschland schon rund 10 kg Fleisch weniger pro Jahr, aber dafür mehr Käse. Dadurch sind die gesamten Treibhausgasemissionen der Ernährung kaum gesunken. Alternativprodukte können einen Ausweg aus diesem „Käseparadox“ bieten, weil sie häufig eine deutlich bessere Treibhausgasbilanz aufweisen“, erklärt Prof. Dr. Achim Spiller, Universität Göttingen und Vorsitzender des Beirats. Dafür braucht es sensorisch überzeugende Alternativen und deshalb auch eine gezielte Förderung von Innovationen. Dies bietet Chancen für die deutsche Ernährungswirtschaft.

„Wir sehen eine zunehmende Diversifizierung der Ernährungsstile in der Bevölkerung – von überzeugten Fleischliebhabern, klassischen Fleischkonsumentinnen, Personen, die ihren Fleischkonsum aus verschiedenen Gründen reduzieren möchten, Vegetarierinnen bis hin zu Veganern“, betont Prof. Dr. Britta Renner, Universität Konstanz und stellvertretende Vorsitzende des WBAE. „Diese Vielfalt eröffnet neue individuelle Spielräume – stellt uns aber auch vor Herausforderungen im sozialen Miteinander und im Hinblick auf einen ‚gemeinsamen Tisch‘. Die von uns entwickelte 3-R-Strategie – Reduce (z. B. kleinere Fleischportionen), Remix (Hybridprodukte), Replace (innovative Alternativen) – zeigt, wie vielfältig, flexibel und alltagstauglich ein reduzierter Konsum tierischer Lebensmittel aussehen kann.“ Alternativprodukte bieten neue Wahlmöglichkeiten für Menschen, die sich aus ethischen, ökologischen oder gesundheitlichen Gründen anders ernähren wollen. Die breite Mehrheit betrachtet Alternativprodukte sehr offen und unideologisch. „Auch die Politik sollte bei diesem Thema die Erweiterung der Möglichkeiten und das soziale Miteinander in den Mittelpunkt stellen“, so Renner. „Beim Thema Alternativprodukte geht es darum, einen Beitrag zum Klima- und Ressourcenschutz zu leisten und den weltweit erwarteten Anstieg der Nachfrage nach tierischen Lebensmitteln abzufedern – nicht um eine Abschaffung der Nutztierhaltung”, erläutert Prof. Dr. Kay-Uwe Götz, Co-Leiter der Arbeitsgruppe.

Der WBAE spricht sich deutlich für faire Wettbewerbsbedingungen aus. Dazu gehört insb. die Beendigung der steuerlichen Schlechterstellung der Alternativprodukte bei der Mehrwertsteuer. Bislang unterliegen wichtige Alternativprodukte – im Gegensatz zu tierischen Erzeugnissen – dem vollen Mehrwertsteuersatz von 19 %. Auch ist eine transparente Verbraucherinformation für einen fairen Wettbewerb wichtig. Zwar sind Alternativprodukte im Durchschnitt gesünder und umweltfreundlicher, das gilt aber nicht in allen Fällen. Der WBAE empfiehlt deshalb der Bundesregierung eine Weiterentwicklung und Förderung des Nutri-Scores und die Einführung eines Klimalabels.

„Für die Nutztierhaltung ist die Entwicklung von Alternativprodukten eine Herausforderung – aber auch eine Chance für eine nachhaltige Transformation, die die Landwirtschaft bewältigen kann“, erklärt Prof. Dr. Justus Wesseler, Universität Wageningen und Co-Leiter der Arbeitsgruppe. Besonders in Regionen mit intensiver Tierhaltung könnten sich durch den Wandel positive Umweltwirkungen entfalten. Vor allem in Regionen mit überwiegend extensiv genutztem Grünland besteht allerdings die Gefahr, dass durch einen Rückgang grünlandbasierter Tierhaltungen (v. a. Rinder, Schafe) naturschutzrelevante Dauergrünlandflächen aus der Nutzung fallen. In seinem Gutachten empfiehlt der Beirat daher eine Reihe von Maßnahmen, die den Erhalt biodiversitätsreicher Kulturlandschaften sichern können.

Um die Innovationskraft im Bereich von Alternativprodukten mit nachgewiesenen Nachhaltigkeitsvorteilen zu stärken, empfiehlt der WBAE gezielte Maßnahmen zur Förderung von Forschung und Entwicklung. Alternativprodukte erweitern das Angebot und eröffnen damit einen neuen Weg, um Umwelt und Tiere zu schützen, das soziale Miteinander zu stärken und mehr Auswahlmöglichkeiten am gemeinsamen Tisch zu schaffen.

Quelle: Wissenschaftlicher Beirat für Agrarpolitik, Ernährung und gesundheitlichen Verbraucherschutz beim Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH), Pressemeldung vom 22.07.2025

Lesen Sie hierzu auch das Interview auf Seite M554 in diesem Heft.

Das Gutachten ist online verfügbar unter  www.bmleh.de/SharedDocs/Downloads/DE/_Ministerium/Beiraete/agrarpolitik/alternativprodukte-tierische-lebensmittel?j_internal_customer=BMEL 






Diesen Artikel finden Sie auch in ERNÄHRUNGS UMSCHAU 9/2025 auf Seite M525.


WBAE-Gutachten Alternativprodukte zu tierischen Lebensmitteln: Mehr Auswahl am gemeinsamen Tisch

„In den letzten Jahren essen die Menschen in Deutschland schon rund 10 kg Fleisch weniger pro Jahr, aber dafür mehr Käse. Dadurch sind die gesamten Treibhausgasemissionen der Ernährung kaum gesunken. Alternativprodukte können einen Ausweg aus diesem „Käseparadox“ bieten, weil sie häufig eine deutlich bessere Treibhausgasbilanz aufweisen“, erklärt Prof. Dr. Achim Spiller, Universität Göttingen und Vorsitzender des Beirats. Dafür braucht es sensorisch überzeugende Alternativen und deshalb auch eine gezielte Förderung von Innovationen. Dies bietet Chancen für die deutsche Ernährungswirtschaft.

„Wir sehen eine zunehmende Diversifizierung der Ernährungsstile in der Bevölkerung – von überzeugten Fleischliebhabern, klassischen Fleischkonsumentinnen, Personen, die ihren Fleischkonsum aus verschiedenen Gründen reduzieren möchten, Vegetarierinnen bis hin zu Veganern“, betont Prof. Dr. Britta Renner, Universität Konstanz und stellvertretende Vorsitzende des WBAE. „Diese Vielfalt eröffnet neue individuelle Spielräume – stellt uns aber auch vor Herausforderungen im sozialen Miteinander und im Hinblick auf einen ‚gemeinsamen Tisch‘. Die von uns entwickelte 3-R-Strategie – Reduce (z. B. kleinere Fleischportionen), Remix (Hybridprodukte), Replace (innovative Alternativen) – zeigt, wie vielfältig, flexibel und alltagstauglich ein reduzierter Konsum tierischer Lebensmittel aussehen kann.“ Alternativprodukte bieten neue Wahlmöglichkeiten für Menschen, die sich aus ethischen, ökologischen oder gesundheitlichen Gründen anders ernähren wollen. Die breite Mehrheit betrachtet Alternativprodukte sehr offen und unideologisch. „Auch die Politik sollte bei diesem Thema die Erweiterung der Möglichkeiten und das soziale Miteinander in den Mittelpunkt stellen“, so Renner. „Beim Thema Alternativprodukte geht es darum, einen Beitrag zum Klima- und Ressourcenschutz zu leisten und den weltweit erwarteten Anstieg der Nachfrage nach tierischen Lebensmitteln abzufedern – nicht um eine Abschaffung der Nutztierhaltung”, erläutert Prof. Dr. Kay-Uwe Götz, Co-Leiter der Arbeitsgruppe.

Der WBAE spricht sich deutlich für faire Wettbewerbsbedingungen aus. Dazu gehört insb. die Beendigung der steuerlichen Schlechterstellung der Alternativprodukte bei der Mehrwertsteuer. Bislang unterliegen wichtige Alternativprodukte – im Gegensatz zu tierischen Erzeugnissen – dem vollen Mehrwertsteuersatz von 19 %. Auch ist eine transparente Verbraucherinformation für einen fairen Wettbewerb wichtig. Zwar sind Alternativprodukte im Durchschnitt gesünder und umweltfreundlicher, das gilt aber nicht in allen Fällen. Der WBAE empfiehlt deshalb der Bundesregierung eine Weiterentwicklung und Förderung des Nutri-Scores und die Einführung eines Klimalabels.

„Für die Nutztierhaltung ist die Entwicklung von Alternativprodukten eine Herausforderung – aber auch eine Chance für eine nachhaltige Transformation, die die Landwirtschaft bewältigen kann“, erklärt Prof. Dr. Justus Wesseler, Universität Wageningen und Co-Leiter der Arbeitsgruppe. Besonders in Regionen mit intensiver Tierhaltung könnten sich durch den Wandel positive Umweltwirkungen entfalten. Vor allem in Regionen mit überwiegend extensiv genutztem Grünland besteht allerdings die Gefahr, dass durch einen Rückgang grünlandbasierter Tierhaltungen (v. a. Rinder, Schafe) naturschutzrelevante Dauergrünlandflächen aus der Nutzung fallen. In seinem Gutachten empfiehlt der Beirat daher eine Reihe von Maßnahmen, die den Erhalt biodiversitätsreicher Kulturlandschaften sichern können.

Um die Innovationskraft im Bereich von Alternativprodukten mit nachgewiesenen Nachhaltigkeitsvorteilen zu stärken, empfiehlt der WBAE gezielte Maßnahmen zur Förderung von Forschung und Entwicklung. Alternativprodukte erweitern das Angebot und eröffnen damit einen neuen Weg, um Umwelt und Tiere zu schützen, das soziale Miteinander zu stärken und mehr Auswahlmöglichkeiten am gemeinsamen Tisch zu schaffen.

Quelle: Wissenschaftlicher Beirat für Agrarpolitik, Ernährung und gesundheitlichen Verbraucherschutz beim Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH), Pressemeldung vom 22.07.2025

Lesen Sie hierzu auch das Interview auf Seite M554 in diesem Heft.

Das Gutachten ist online verfügbar unter  www.bmleh.de/SharedDocs/Downloads/DE/_Ministerium/Beiraete/agrarpolitik/alternativprodukte-tierische-lebensmittel?j_internal_customer=BMEL 


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Veröffentlicht: 15.09.2025

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