In ihrer Analyse betrachten die Forschenden drei Szenarien einer ernährungsphysiologisch sinnvollen, pflanzenbasierten Ernährungsweise und vergleichen diese miteinander. Zum einen begutachten sie die Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. Zum anderen untersuchen sie den Vorschlag der EAT Lancet-Kommission für eine Ernährung innerhalb der Belastungsgrenzen der Erde, die weniger Fleisch vorsieht. Die EAT Lancet-Kommission ist ein Zusammenschluss von 37 WissenschaftlerInnen aus der ganzen Welt, die erforschen, wie sich eine zukünftige Bevölkerung von 10 Mrd. Menschen innerhalb der ökologischen Ressourcen der Erde gesund ernähren kann. Als drittes betrachten Helander et al. eine vegetarische Variante der EAT Lancet-Ernährungsweise mit einem nur geringen Anteil von Milch- und Milcherzeugnissen.

Mithilfe eines Berechnungsmodells für Lebensmittel und Landwirtschaft hat das Team die Biomasse-, Ackerland- und Blauwasser-Fußabdrücke der globalen Lieferketten zu den Ernährungsszenarien erfasst. Als blaues Wasser wird die Wassermenge bezeichnet, die in der Industrie und im häuslichen Gebrauch zur künstlichen Bewässerung oder zur Herstellung von Produkten benötigt wird. Die Ergebnisse zeigen, dass eine milcharme, vegetarische Ernährung besonders effektiv wäre, um den Biomasse-Fußabdruck bis zu 61 % und den Ackerland- Fußabdruck bis zu 48 % zu verringern. Die Halbierung der Lebensmittelabfälle hätte eine Einsparung der Biomasseund Ackerland-Fußabdrücke von 11 % respektive 15 % zur Folge. „Zwar ließen sich mit einer vegetarischen Ernährung fast die Hälfte der Flächen für die Lebensmittelproduktion einsparen, der Einfluss auf das blaue Wasser wäre aber leider gering. Um diesen Verbrauch zu senken, wäre es hilfreicher, Lebensmittelabfälle zu reduzieren“, sagt Helander.

Eine vegetarische Ernährung allein reiche dafür nicht aus – im Gegenteil: Die Studie zeigt, dass auch eine pflanzenbasierte Ernährung trotz verringerter Fußabdrücke zu mehr Lebensmittelabfällen führen kann, da damit der Konsum von Produkten steigt, die einen höheren Anteil an Lebensmittelabfällen aufweisen – z. B. Kartoffeln, Rüben oder Getreide. „Politische Strategien, die sowohl den Fußabdruck des Lebensmittelkonsums als auch die Lebensmittelverschwendung minimieren wollen, können also widersprüchlich sein“, bilanziert Hanna Helander. „Eine höhere Ressourceneffizienz lässt sich am besten erreichen, wenn wir die Reduktionspotenziale aller verfügbaren Strategien ausschöpfen und gleichzeitig die Wechselwirkungen der unterschiedlichen Strategien berücksichtigen.“

Literatur


1. Helander H, Bruckner M, Leipold S, et al.: Eating healthy or wasting less? Reducing resource footprints of food consumption. Environmental Research Letters 2021; DOI: 10.1088/1748- 9326/abe673.

Quelle: Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau, Pressemeldung vom 30.04.2021











Hintergrund '

Unterschiedliche politische Initiativen zielen darauf ab, in den nächsten Jahren den ökologischen Fußabdruck des Lebensmittelkonsums zu verringern und Lebensmittelverschwendung zu verhindern. Deutschland hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2030 die Lebensmittelverschwendung in Konsum und Vertrieb zu halbieren.






Diesen Artikel finden Sie auch in ERNÄHRUNGS UMSCHAU 6/2021 auf den Seiten M310-M311.


Hanna Helander von der Professur für Gesellschaftliche Transformation und Kreislaufwirtschaft hat zusammen mit KollegInnen die Umweltauswirkungen verschiedener Ernährungsstile sowie die damit einhergehende Abfallvermeidung hierzulande untersucht. Ihre Ergebnisse zeigen, dass eine Umstellung auf eine pflanzenbasierte Ernährung den ökologischen Fußabdruck in Deutschland deutlich verringern könnte [1].


In ihrer Analyse betrachten die Forschenden drei Szenarien einer ernährungsphysiologisch sinnvollen, pflanzenbasierten Ernährungsweise und vergleichen diese miteinander. Zum einen begutachten sie die Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. Zum anderen untersuchen sie den Vorschlag der EAT Lancet-Kommission für eine Ernährung innerhalb der Belastungsgrenzen der Erde, die weniger Fleisch vorsieht. Die EAT Lancet-Kommission ist ein Zusammenschluss von 37 WissenschaftlerInnen aus der ganzen Welt, die erforschen, wie sich eine zukünftige Bevölkerung von 10 Mrd. Menschen innerhalb der ökologischen Ressourcen der Erde gesund ernähren kann. Als drittes betrachten Helander et al. eine vegetarische Variante der EAT Lancet-Ernährungsweise mit einem nur geringen Anteil von Milch- und Milcherzeugnissen.

Mithilfe eines Berechnungsmodells für Lebensmittel und Landwirtschaft hat das Team die Biomasse-, Ackerland- und Blauwasser-Fußabdrücke der globalen Lieferketten zu den Ernährungsszenarien erfasst. Als blaues Wasser wird die Wassermenge bezeichnet, die in der Industrie und im häuslichen Gebrauch zur künstlichen Bewässerung oder zur Herstellung von Produkten benötigt wird. Die Ergebnisse zeigen, dass eine milcharme, vegetarische Ernährung besonders effektiv wäre, um den Biomasse-Fußabdruck bis zu 61 % und den Ackerland- Fußabdruck bis zu 48 % zu verringern. Die Halbierung der Lebensmittelabfälle hätte eine Einsparung der Biomasseund Ackerland-Fußabdrücke von 11 % respektive 15 % zur Folge. „Zwar ließen sich mit einer vegetarischen Ernährung fast die Hälfte der Flächen für die Lebensmittelproduktion einsparen, der Einfluss auf das blaue Wasser wäre aber leider gering. Um diesen Verbrauch zu senken, wäre es hilfreicher, Lebensmittelabfälle zu reduzieren“, sagt Helander.

Eine vegetarische Ernährung allein reiche dafür nicht aus – im Gegenteil: Die Studie zeigt, dass auch eine pflanzenbasierte Ernährung trotz verringerter Fußabdrücke zu mehr Lebensmittelabfällen führen kann, da damit der Konsum von Produkten steigt, die einen höheren Anteil an Lebensmittelabfällen aufweisen – z. B. Kartoffeln, Rüben oder Getreide. „Politische Strategien, die sowohl den Fußabdruck des Lebensmittelkonsums als auch die Lebensmittelverschwendung minimieren wollen, können also widersprüchlich sein“, bilanziert Hanna Helander. „Eine höhere Ressourceneffizienz lässt sich am besten erreichen, wenn wir die Reduktionspotenziale aller verfügbaren Strategien ausschöpfen und gleichzeitig die Wechselwirkungen der unterschiedlichen Strategien berücksichtigen.“

Literatur


1. Helander H, Bruckner M, Leipold S, et al.: Eating healthy or wasting less? Reducing resource footprints of food consumption. Environmental Research Letters 2021; DOI: 10.1088/1748- 9326/abe673.

Quelle: Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau, Pressemeldung vom 30.04.2021











Hintergrund '

Unterschiedliche politische Initiativen zielen darauf ab, in den nächsten Jahren den ökologischen Fußabdruck des Lebensmittelkonsums zu verringern und Lebensmittelverschwendung zu verhindern. Deutschland hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2030 die Lebensmittelverschwendung in Konsum und Vertrieb zu halbieren.






Diesen Artikel finden Sie auch in ERNÄHRUNGS UMSCHAU 6/2021 auf den Seiten M310-M311.


Ernährungswende: Mehr Gemüse, weniger Milch

In ihrer Analyse betrachten die Forschenden drei Szenarien einer ernährungsphysiologisch sinnvollen, pflanzenbasierten Ernährungsweise und vergleichen diese miteinander. Zum einen begutachten sie die Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. Zum anderen untersuchen sie den Vorschlag der EAT Lancet-Kommission für eine Ernährung innerhalb der Belastungsgrenzen der Erde, die weniger Fleisch vorsieht. Die EAT Lancet-Kommission ist ein Zusammenschluss von 37 WissenschaftlerInnen aus der ganzen Welt, die erforschen, wie sich eine zukünftige Bevölkerung von 10 Mrd. Menschen innerhalb der ökologischen Ressourcen der Erde gesund ernähren kann. Als drittes betrachten Helander et al. eine vegetarische Variante der EAT Lancet-Ernährungsweise mit einem nur geringen Anteil von Milch- und Milcherzeugnissen.

Mithilfe eines Berechnungsmodells für Lebensmittel und Landwirtschaft hat das Team die Biomasse-, Ackerland- und Blauwasser-Fußabdrücke der globalen Lieferketten zu den Ernährungsszenarien erfasst. Als blaues Wasser wird die Wassermenge bezeichnet, die in der Industrie und im häuslichen Gebrauch zur künstlichen Bewässerung oder zur Herstellung von Produkten benötigt wird. Die Ergebnisse zeigen, dass eine milcharme, vegetarische Ernährung besonders effektiv wäre, um den Biomasse-Fußabdruck bis zu 61 % und den Ackerland- Fußabdruck bis zu 48 % zu verringern. Die Halbierung der Lebensmittelabfälle hätte eine Einsparung der Biomasseund Ackerland-Fußabdrücke von 11 % respektive 15 % zur Folge. „Zwar ließen sich mit einer vegetarischen Ernährung fast die Hälfte der Flächen für die Lebensmittelproduktion einsparen, der Einfluss auf das blaue Wasser wäre aber leider gering. Um diesen Verbrauch zu senken, wäre es hilfreicher, Lebensmittelabfälle zu reduzieren“, sagt Helander.

Eine vegetarische Ernährung allein reiche dafür nicht aus – im Gegenteil: Die Studie zeigt, dass auch eine pflanzenbasierte Ernährung trotz verringerter Fußabdrücke zu mehr Lebensmittelabfällen führen kann, da damit der Konsum von Produkten steigt, die einen höheren Anteil an Lebensmittelabfällen aufweisen – z. B. Kartoffeln, Rüben oder Getreide. „Politische Strategien, die sowohl den Fußabdruck des Lebensmittelkonsums als auch die Lebensmittelverschwendung minimieren wollen, können also widersprüchlich sein“, bilanziert Hanna Helander. „Eine höhere Ressourceneffizienz lässt sich am besten erreichen, wenn wir die Reduktionspotenziale aller verfügbaren Strategien ausschöpfen und gleichzeitig die Wechselwirkungen der unterschiedlichen Strategien berücksichtigen.“

Literatur

1. Helander H, Bruckner M, Leipold S, et al.: Eating healthy or wasting less? Reducing resource footprints of food consumption. Environmental Research Letters 2021; DOI: 10.1088/1748- 9326/abe673.

Quelle: Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau, Pressemeldung vom 30.04.2021

Hintergrund

Unterschiedliche politische Initiativen zielen darauf ab, in den nächsten Jahren den ökologischen Fußabdruck des Lebensmittelkonsums zu verringern und Lebensmittelverschwendung zu verhindern. Deutschland hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2030 die Lebensmittelverschwendung in Konsum und Vertrieb zu halbieren.


Diesen Artikel finden Sie auch in ERNÄHRUNGS UMSCHAU 6/2021 auf den Seiten M310-M311.

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Artikelfakten

Veröffentlicht: 15.06.2021

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