Peer-Review-Verfahren Manuskript (Original) eingereicht: 14.08.2025; Überarbeitung angenommen: 11.02.2026

Herausforderungen, Bewältigungsstrategien und Ressourcen im Ernährungsalltag von Senior*innen in Armut

Hintergrund

Finanzielle Armut erhöht das Risiko für Ernährungsarmut, da Betroffene oft im Bereich Ernährung sparen und steigende Lebensmittelpreise weniger kompensieren können [1–3]. In Deutschland ist die Datenlage zur Ernährungssituation von Personen in Armutslagen begrenzt [2]. Studien beschäftigen sich insbesondere mit Familien, die armutsgefährdet sind, sowie Personen im Grundsicherungsbezug. Sie beschreiben qualitativ verschiedene Strategien, Herausforderungen und Ressourcen im Umgang mit Armut im Ernährungsalltag sowie damit verbundene soziale Einschränkungen [4–6]. Der Blick auf ältere Menschen, die von Armut betroffen sind, fehlt in diesem Zusammenhang bisher weitgehend. Sie stellen jedoch eine relevante Zielgruppe dar, denn 2024 waren 19,4 % der Personen ab 65 Jahren in Deutschland armutsgefährdet, d. h., sie verfügten über weniger als 60 % des medianen Nettoäquivalenzeinkommens der Gesamtbevölkerung [7]. In dieser Lebensphase kommt erschwerend hinzu, dass es kaum Möglichkeiten gibt, das Einkommen oder die Vermögenssituation zu erhöhen und somit aus der Altersarmut herauszukommen [8]. Prognosen zur Entwicklung von Altersarmut besagen, dass die Situation bei aktuell geltendemRecht mindestens gleichbleibend und daher auch in Zukunft eine gesellschaftliche Herausforderung sein wird [9]. Ernährungsarmut zeigt sich in einer materiellen und einer sozialen Dimension. Von materieller Ernährungsarmut sind Menschen betroffen, wenn sie sich aufgrund fehlender finanzieller Mittel quantitativ oder qualitativ nicht entsprechend ihrem physiologischen Bedarf ernähren können. Die soziale Dimension bezieht sich auf die sozialen Funktionen und den kulturellen Umgang mit Essen [10]. So können Betroffene bspw. nur eingeschränkt Gastgeber*in sein. Beides wird veranschaulicht durch EU-SILC-Daten (European Union Statistics on Income and Living Conditions): Im Jahr 2024 konnten sich in Deutschland 24,4 % der alleinlebenden armutsgefährdeten Menschen im Alter von 65 Jahren und älter nicht jeden zweiten Tag eine Mahlzeit mit Fleisch, Fisch oder einer vegetarischen Alternative leisten [11]. Außerdem konnten es sich 17,3 % nicht leisten, mindestens einmal im Monat Freunde oder Familie zu treffen, um gemeinsam etwas zu trinken oder zu essen [12]. ...

Abstract

In Deutschland ist wenig über den Ernährungsalltag von Senior*innen in Armut bekannt. Im ELSinA-Projekt wurde deshalb erfragt, vor welchen Herausforderungen sie stehen, welche Bewältigungsstrategien sie diesbezüglich anwenden sowie über welche Ressourcen sie verfügen. Die Ergebnisse geben Aufschluss darüber, wie sich Ernährungsarmut im Alltag zeigt. Die 14 Leitfadeninterviews mit Senior*innen in Armut zeigten insbesondere Herausforderungen in Bezug auf materielle und soziale Ernährungsarmut: Einschränkungen bei der  Lebensmittelauswahl, geringe Lagermöglichkeiten, defekte oder fehlende Küchenausstattung sowie Beschränkungen beim Auswärtsessen und -trinken. Außerdem wurden altersbedingte, körperlich-kognitive Einschränkungen als Herausforderung benannt. Bewältigungsstrategien bestanden v. a. in Bezug auf materielle Ernährungsarmut und umfassten das Ausweichen auf preisgünstige Lebensmittel, Budgetieren von Geld und teilweise von Lebensmitteln sowie das Vermeiden von Lebensmittelabfällen. Fast alle Befragten verwendeten zudem mentale Bewältigungsstrategien, indem sie z. B. ihre Situation relativierten. Eine grundlegende Ressource war ein ausreichender Gesundheitszustand. Außerdem trugen  Koch-/Versorgungskompetenzen sowie eine starke Lebensmittelwertschätzung dazu bei, die vorhandenen Lebensmittel effizient zu verwerten. Gelegentlich ermöglichten private Kontakte das Auswärtsessen. Zudem stellten staatliche Unterstützungsleistungen, Hinzuverdienste sowie kostengünstige/-lose Lebensmittelangebote eine Ressource bei der Ernährungsversorgung dar. Zusammenfassend verstärkt Armut ernährungsassoziierte gesundheitliche und soziale Problematiken, die teilweise durch die altersbedingte Gebrechlichkeit bei Senior*innen bereits vorhanden sind. Die stark ausgeprägten, individuellen Ressourcen reichten bei den Befragten nicht aus, um den vielfältigen Herausforderungen von Ernährungsarmut zu begegnen.
Den vollständigen Artikel finden Sie auch in ERNÄHRUNGS UMSCHAU 9/2026 auf den Seiten M536 bis M545.
In Deutschland ist wenig über den Ernährungsalltag von Senior*innen in Armut bekannt. Im ELSinA-Projekt wurde deshalb erfragt, vor welchen Herausforderungen sie stehen, welche Bewältigungsstrategien sie diesbezüglich anwenden sowie über welche Ressourcen sie verfügen.
Peer-Review-Verfahren Manuskript (Original) eingereicht: 14.08.2025; Überarbeitung angenommen: 11.02.2026

Herausforderungen, Bewältigungsstrategien und Ressourcen im Ernährungsalltag von Senior*innen in Armut

Hintergrund

Finanzielle Armut erhöht das Risiko für Ernährungsarmut, da Betroffene oft im Bereich Ernährung sparen und steigende Lebensmittelpreise weniger kompensieren können [1–3]. In Deutschland ist die Datenlage zur Ernährungssituation von Personen in Armutslagen begrenzt [2]. Studien beschäftigen sich insbesondere mit Familien, die armutsgefährdet sind, sowie Personen im Grundsicherungsbezug. Sie beschreiben qualitativ verschiedene Strategien, Herausforderungen und Ressourcen im Umgang mit Armut im Ernährungsalltag sowie damit verbundene soziale Einschränkungen [4–6]. Der Blick auf ältere Menschen, die von Armut betroffen sind, fehlt in diesem Zusammenhang bisher weitgehend. Sie stellen jedoch eine relevante Zielgruppe dar, denn 2024 waren 19,4 % der Personen ab 65 Jahren in Deutschland armutsgefährdet, d. h., sie verfügten über weniger als 60 % des medianen Nettoäquivalenzeinkommens der Gesamtbevölkerung [7]. In dieser Lebensphase kommt erschwerend hinzu, dass es kaum Möglichkeiten gibt, das Einkommen oder die Vermögenssituation zu erhöhen und somit aus der Altersarmut herauszukommen [8]. Prognosen zur Entwicklung von Altersarmut besagen, dass die Situation bei aktuell geltendemRecht mindestens gleichbleibend und daher auch in Zukunft eine gesellschaftliche Herausforderung sein wird [9]. Ernährungsarmut zeigt sich in einer materiellen und einer sozialen Dimension. Von materieller Ernährungsarmut sind Menschen betroffen, wenn sie sich aufgrund fehlender finanzieller Mittel quantitativ oder qualitativ nicht entsprechend ihrem physiologischen Bedarf ernähren können. Die soziale Dimension bezieht sich auf die sozialen Funktionen und den kulturellen Umgang mit Essen [10]. So können Betroffene bspw. nur eingeschränkt Gastgeber*in sein. Beides wird veranschaulicht durch EU-SILC-Daten (European Union Statistics on Income and Living Conditions): Im Jahr 2024 konnten sich in Deutschland 24,4 % der alleinlebenden armutsgefährdeten Menschen im Alter von 65 Jahren und älter nicht jeden zweiten Tag eine Mahlzeit mit Fleisch, Fisch oder einer vegetarischen Alternative leisten [11]. Außerdem konnten es sich 17,3 % nicht leisten, mindestens einmal im Monat Freunde oder Familie zu treffen, um gemeinsam etwas zu trinken oder zu essen [12]. ...

Abstract

In Deutschland ist wenig über den Ernährungsalltag von Senior*innen in Armut bekannt. Im ELSinA-Projekt wurde deshalb erfragt, vor welchen Herausforderungen sie stehen, welche Bewältigungsstrategien sie diesbezüglich anwenden sowie über welche Ressourcen sie verfügen. Die Ergebnisse geben Aufschluss darüber, wie sich Ernährungsarmut im Alltag zeigt. Die 14 Leitfadeninterviews mit Senior*innen in Armut zeigten insbesondere Herausforderungen in Bezug auf materielle und soziale Ernährungsarmut: Einschränkungen bei der  Lebensmittelauswahl, geringe Lagermöglichkeiten, defekte oder fehlende Küchenausstattung sowie Beschränkungen beim Auswärtsessen und -trinken. Außerdem wurden altersbedingte, körperlich-kognitive Einschränkungen als Herausforderung benannt. Bewältigungsstrategien bestanden v. a. in Bezug auf materielle Ernährungsarmut und umfassten das Ausweichen auf preisgünstige Lebensmittel, Budgetieren von Geld und teilweise von Lebensmitteln sowie das Vermeiden von Lebensmittelabfällen. Fast alle Befragten verwendeten zudem mentale Bewältigungsstrategien, indem sie z. B. ihre Situation relativierten. Eine grundlegende Ressource war ein ausreichender Gesundheitszustand. Außerdem trugen  Koch-/Versorgungskompetenzen sowie eine starke Lebensmittelwertschätzung dazu bei, die vorhandenen Lebensmittel effizient zu verwerten. Gelegentlich ermöglichten private Kontakte das Auswärtsessen. Zudem stellten staatliche Unterstützungsleistungen, Hinzuverdienste sowie kostengünstige/-lose Lebensmittelangebote eine Ressource bei der Ernährungsversorgung dar. Zusammenfassend verstärkt Armut ernährungsassoziierte gesundheitliche und soziale Problematiken, die teilweise durch die altersbedingte Gebrechlichkeit bei Senior*innen bereits vorhanden sind. Die stark ausgeprägten, individuellen Ressourcen reichten bei den Befragten nicht aus, um den vielfältigen Herausforderungen von Ernährungsarmut zu begegnen.
Den vollständigen Artikel finden Sie auch in ERNÄHRUNGS UMSCHAU 9/2026 auf den Seiten M536 bis M545.

„Mein Speiseplan richtet sich nach dem, was im Angebot ist“

Peer-Review-Verfahren
Manuskript (Original) eingereicht: 14.08.2025; Überarbeitung angenommen: 11.02.2026

Herausforderungen, Bewältigungsstrategien und Ressourcen im
Ernährungsalltag von Senior*innen in Armut

Hintergrund

Finanzielle Armut erhöht das Risiko für Ernährungsarmut, da Betroffene oft im Bereich Ernährung sparen und steigende Lebensmittelpreise weniger kompensieren können [1–3]. In Deutschland ist die Datenlage zur Ernährungssituation von Personen in Armutslagen begrenzt [2]. Studien beschäftigen sich insbesondere mit Familien, die armutsgefährdet sind, sowie Personen im Grundsicherungsbezug. Sie beschreiben qualitativ verschiedene Strategien, Herausforderungen und Ressourcen im Umgang mit Armut im Ernährungsalltag sowie damit verbundene soziale Einschränkungen [4–6]. Der Blick auf ältere Menschen, die von Armut betroffen sind, fehlt in diesem Zusammenhang bisher weitgehend. Sie stellen jedoch eine relevante Zielgruppe dar, denn 2024 waren 19,4 % der Personen ab 65 Jahren in Deutschland armutsgefährdet, d. h., sie verfügten über weniger als 60 % des medianen Nettoäquivalenzeinkommens der Gesamtbevölkerung [7]. In dieser Lebensphase kommt erschwerend hinzu, dass es kaum Möglichkeiten gibt, das Einkommen oder die Vermögenssituation zu erhöhen und somit aus der Altersarmut herauszukommen [8]. Prognosen zur Entwicklung von Altersarmut besagen, dass die Situation bei aktuell geltendemRecht mindestens gleichbleibend und daher auch in Zukunft eine gesellschaftliche Herausforderung sein wird [9].

Ernährungsarmut zeigt sich in einer materiellen und einer sozialen Dimension. Von materieller Ernährungsarmut sind Menschen betroffen, wenn sie sich aufgrund fehlender finanzieller Mittel quantitativ oder qualitativ nicht entsprechend ihrem physiologischen Bedarf ernähren können. Die soziale Dimension bezieht sich auf die sozialen Funktionen und den kulturellen Umgang mit Essen [10]. So können Betroffene bspw. nur eingeschränkt Gastgeber*in sein. Beides wird veranschaulicht durch EU-SILC-Daten (European Union Statistics on Income and Living Conditions): Im Jahr 2024 konnten sich in Deutschland 24,4 % der alleinlebenden armutsgefährdeten Menschen im Alter von 65 Jahren und älter nicht jeden zweiten Tag eine Mahlzeit mit Fleisch, Fisch oder einer vegetarischen Alternative leisten [11]. Außerdem konnten es sich 17,3 % nicht leisten, mindestens einmal im Monat Freunde oder Familie zu treffen, um gemeinsam etwas zu trinken oder zu essen [12]. …

Abstract

In Deutschland ist wenig über den Ernährungsalltag von Senior*innen in Armut bekannt. Im ELSinA-Projekt wurde deshalb erfragt, vor welchen Herausforderungen sie stehen, welche Bewältigungsstrategien sie diesbezüglich anwenden sowie über welche Ressourcen sie verfügen. Die Ergebnisse geben Aufschluss darüber, wie sich Ernährungsarmut im Alltag zeigt.
Die 14 Leitfadeninterviews mit Senior*innen in Armut zeigten insbesondere Herausforderungen in Bezug auf materielle und soziale Ernährungsarmut: Einschränkungen bei der  Lebensmittelauswahl, geringe Lagermöglichkeiten, defekte oder fehlende Küchenausstattung sowie Beschränkungen beim Auswärtsessen und -trinken. Außerdem wurden altersbedingte, körperlich-kognitive Einschränkungen als Herausforderung benannt. Bewältigungsstrategien bestanden v. a. in Bezug auf materielle Ernährungsarmut und umfassten das Ausweichen auf preisgünstige Lebensmittel, Budgetieren von Geld und teilweise von Lebensmitteln sowie das Vermeiden von Lebensmittelabfällen. Fast alle Befragten verwendeten zudem mentale Bewältigungsstrategien, indem sie z. B. ihre Situation relativierten. Eine grundlegende Ressource war ein ausreichender Gesundheitszustand. Außerdem trugen  Koch-/Versorgungskompetenzen sowie eine starke Lebensmittelwertschätzung dazu bei, die vorhandenen Lebensmittel effizient zu verwerten. Gelegentlich ermöglichten private Kontakte das Auswärtsessen. Zudem stellten staatliche Unterstützungsleistungen, Hinzuverdienste sowie kostengünstige/-lose Lebensmittelangebote eine Ressource bei der Ernährungsversorgung dar.
Zusammenfassend verstärkt Armut ernährungsassoziierte gesundheitliche und soziale Problematiken, die teilweise durch die altersbedingte Gebrechlichkeit bei Senior*innen bereits vorhanden sind. Die stark ausgeprägten, individuellen Ressourcen reichten bei den Befragten nicht aus, um den vielfältigen Herausforderungen von Ernährungsarmut zu begegnen.



Den vollständigen Artikel finden Sie auch in ERNÄHRUNGS UMSCHAU 9/2026 auf den Seiten M536 bis M545.

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Artikelfakten

Rubrik: Peer Review
Veröffentlicht: 15.09.2026

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