© Oleksandra Troian/iStock/Getty Images Plus 19.



„Das Darmmikrobiom bringt einen mehr als hundertfach größeren Genpool mit als unsere menschlichen Gene“, sagt Prof. Dr. med. Reiner Jumpertz-von Schwartzenberg, Leiter des Klinischen Studienzentrums am Institut für Diabetesforschung und Stoffwechselkrankheiten des Helmholtz-Zentrums München am Universitätsklinikum Tübingen.

Durch Eingriffe in den Genpool dieser Bakterien ist es bspw. möglich, Proteine herzustellen, die dem Körperhormon GLP-1 ähneln, das für den Blutglucosespiegel und das Sättigungsgefühl eine wichtige Rolle spielt. Medikamente mit synthetischem GLP-1 kommen bereits erfolgreich bei Diabetes und Übergewicht zum Einsatz. „Wenn wir lernen, diese Bakterien gezielt zu aktivieren oder zu verändern, eröffnen sich ganz neue therapeutische Möglichkeiten bei Adipositas und Typ-2-Diabetes“, so Jumpertz-von Schwartzenberg.

Auch die Bildung von Sexualhormonen und Stresshormonen wie Cortisol kann durch das Mikrobiom beeinflusst werden. Bestimmte Darmbakterien enthalten Gene für die Herstellung von Steroidhormonen. Diese wiederum steuern viele Stoffwechselprozesse und können u. a. die Fettverteilung im Körper beeinflussen. Laut Jumpertz-von Schwartzenberg hängt ein verändertes Mikrobiom mit dem viszeralen Fett (Bauchfett) zusammen. Dieses gilt als besonders ungünstig, da es Entzündungsprozesse im Körper fördert und u. a. das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöht.

Die Erkenntnisse aus der Mikrobiomforschung eröffnen neue Möglichkeiten für die Therapie – etwa durch genetisch veränderte Bakterien, die gezielt nützliche Hormone produzieren. Doch auch durch die Ernährung lässt sich das Mikrobiom verändern: „Schon eine kalorienreduzierte Diät kann innerhalb kurzer Zeit messbare Effekte auf die Zusammensetzung der Darmflora haben.“ Außerdem spielt die eigene Lebensweise eine entscheidende Rolle für ein gesundes Mikrobiom. Wer sich abwechslungsreich ernährt, Ballaststoffe in den Speiseplan integriert und Stress vermeidet, kann seine Darmflora positiv beeinflussen. „Das Ziel ist ein vielfältiges Mikrobiom, das gut balanciert ist und viele Aufgaben übernimmt, von der Nahrungsabsorption bis zum Schutz vor pathogenen Keimen“, betont Jumpertz-von Schwartzenberg.

Wie das Mikrobiom positiv beeinflusst werden kann:

Ballaststoffreich essen:
Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Gemüse und Obst

Fermentierte Lebensmittel wählen: Joghurt, Kefir, Sauerkraut oder Kimchi enthalten lebende Milchsäurebakterien.

Zucker und Weißmehl reduzieren: Sie fördern ungünstige Bakterienarten.

Kurzfristig Energie reduzieren: Bei Übergewicht kann eine zeitweise energieärmere Ernährung das Mikrobiom günstig beeinflussen.

Stress vermeiden: Dauerstress kann die Darmflora aus dem Gleichgewicht bringen.

Bewegung einbauen: Körperliche Aktivität unterstützt eine gesunde Bakterienvielfalt.



Quelle: Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) und Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE), Pressemeldung vom 09.07.2025




Diesen Artikel finden Sie auch in ERNÄHRUNGS UMSCHAU 9/2025 auf Seite M524.


Das Darmmikrobiom steuert die Verdauung, es beeinflusst die Menge an Energie, die wir aus unserer Nahrung aufnehmen und es produziert Stoffe, die wie Hormone wirken. Außerdem beeinflusst es den Blutglucosespiegel und die Verteilung von Körperfett. Damit gewinnt es auch in der Prävention und Behandlung von Stoffwechselerkrankungen wie Adipositas und Typ-2-Diabetes zunehmend an Bedeutung.




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„Das Darmmikrobiom bringt einen mehr als hundertfach größeren Genpool mit als unsere menschlichen Gene“, sagt Prof. Dr. med. Reiner Jumpertz-von Schwartzenberg, Leiter des Klinischen Studienzentrums am Institut für Diabetesforschung und Stoffwechselkrankheiten des Helmholtz-Zentrums München am Universitätsklinikum Tübingen.

Durch Eingriffe in den Genpool dieser Bakterien ist es bspw. möglich, Proteine herzustellen, die dem Körperhormon GLP-1 ähneln, das für den Blutglucosespiegel und das Sättigungsgefühl eine wichtige Rolle spielt. Medikamente mit synthetischem GLP-1 kommen bereits erfolgreich bei Diabetes und Übergewicht zum Einsatz. „Wenn wir lernen, diese Bakterien gezielt zu aktivieren oder zu verändern, eröffnen sich ganz neue therapeutische Möglichkeiten bei Adipositas und Typ-2-Diabetes“, so Jumpertz-von Schwartzenberg.

Auch die Bildung von Sexualhormonen und Stresshormonen wie Cortisol kann durch das Mikrobiom beeinflusst werden. Bestimmte Darmbakterien enthalten Gene für die Herstellung von Steroidhormonen. Diese wiederum steuern viele Stoffwechselprozesse und können u. a. die Fettverteilung im Körper beeinflussen. Laut Jumpertz-von Schwartzenberg hängt ein verändertes Mikrobiom mit dem viszeralen Fett (Bauchfett) zusammen. Dieses gilt als besonders ungünstig, da es Entzündungsprozesse im Körper fördert und u. a. das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöht.

Die Erkenntnisse aus der Mikrobiomforschung eröffnen neue Möglichkeiten für die Therapie – etwa durch genetisch veränderte Bakterien, die gezielt nützliche Hormone produzieren. Doch auch durch die Ernährung lässt sich das Mikrobiom verändern: „Schon eine kalorienreduzierte Diät kann innerhalb kurzer Zeit messbare Effekte auf die Zusammensetzung der Darmflora haben.“ Außerdem spielt die eigene Lebensweise eine entscheidende Rolle für ein gesundes Mikrobiom. Wer sich abwechslungsreich ernährt, Ballaststoffe in den Speiseplan integriert und Stress vermeidet, kann seine Darmflora positiv beeinflussen. „Das Ziel ist ein vielfältiges Mikrobiom, das gut balanciert ist und viele Aufgaben übernimmt, von der Nahrungsabsorption bis zum Schutz vor pathogenen Keimen“, betont Jumpertz-von Schwartzenberg.

Wie das Mikrobiom positiv beeinflusst werden kann:

Ballaststoffreich essen:
Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Gemüse und Obst

Fermentierte Lebensmittel wählen: Joghurt, Kefir, Sauerkraut oder Kimchi enthalten lebende Milchsäurebakterien.

Zucker und Weißmehl reduzieren: Sie fördern ungünstige Bakterienarten.

Kurzfristig Energie reduzieren: Bei Übergewicht kann eine zeitweise energieärmere Ernährung das Mikrobiom günstig beeinflussen.

Stress vermeiden: Dauerstress kann die Darmflora aus dem Gleichgewicht bringen.

Bewegung einbauen: Körperliche Aktivität unterstützt eine gesunde Bakterienvielfalt.



Quelle: Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) und Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE), Pressemeldung vom 09.07.2025




Diesen Artikel finden Sie auch in ERNÄHRUNGS UMSCHAU 9/2025 auf Seite M524.


Darmmikrobiom: Mikrobiom beeinflusst unseren Hormonhaushalt

© Oleksandra Troian/iStock/Getty Images Plus 19.

„Das Darmmikrobiom bringt einen mehr als hundertfach größeren Genpool mit als unsere menschlichen Gene“, sagt Prof. Dr. med. Reiner Jumpertz-von Schwartzenberg, Leiter des Klinischen Studienzentrums am Institut für Diabetesforschung und Stoffwechselkrankheiten des Helmholtz-Zentrums München am Universitätsklinikum Tübingen.

Durch Eingriffe in den Genpool dieser Bakterien ist es bspw. möglich, Proteine herzustellen, die dem Körperhormon GLP-1 ähneln, das für den Blutglucosespiegel und das Sättigungsgefühl eine wichtige Rolle spielt. Medikamente mit synthetischem GLP-1 kommen bereits erfolgreich bei Diabetes und Übergewicht zum Einsatz. „Wenn wir lernen, diese Bakterien gezielt zu aktivieren oder zu verändern, eröffnen sich ganz neue therapeutische Möglichkeiten bei Adipositas und Typ-2-Diabetes“, so Jumpertz-von Schwartzenberg.

Auch die Bildung von Sexualhormonen und Stresshormonen wie Cortisol kann durch das Mikrobiom beeinflusst werden. Bestimmte Darmbakterien enthalten Gene für die Herstellung von Steroidhormonen. Diese wiederum steuern viele Stoffwechselprozesse und können u. a. die Fettverteilung im Körper beeinflussen. Laut Jumpertz-von Schwartzenberg hängt ein verändertes Mikrobiom mit dem viszeralen Fett (Bauchfett) zusammen. Dieses gilt als besonders ungünstig, da es Entzündungsprozesse im Körper fördert und u. a. das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöht.

Die Erkenntnisse aus der Mikrobiomforschung eröffnen neue Möglichkeiten für die Therapie – etwa durch genetisch veränderte Bakterien, die gezielt nützliche Hormone produzieren. Doch auch durch die Ernährung lässt sich das Mikrobiom verändern: „Schon eine kalorienreduzierte Diät kann innerhalb kurzer Zeit messbare Effekte auf die Zusammensetzung der Darmflora haben.“ Außerdem spielt die eigene Lebensweise eine entscheidende Rolle für ein gesundes Mikrobiom. Wer sich abwechslungsreich ernährt, Ballaststoffe in den Speiseplan integriert und Stress vermeidet, kann seine Darmflora positiv beeinflussen. „Das Ziel ist ein vielfältiges Mikrobiom, das gut balanciert ist und viele Aufgaben übernimmt, von der Nahrungsabsorption bis zum Schutz vor pathogenen Keimen“, betont Jumpertz-von Schwartzenberg.

Wie das Mikrobiom positiv beeinflusst werden kann:

Ballaststoffreich essen: Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Gemüse und Obst

Fermentierte Lebensmittel wählen: Joghurt, Kefir, Sauerkraut oder Kimchi enthalten lebende Milchsäurebakterien.

Zucker und Weißmehl reduzieren: Sie fördern ungünstige Bakterienarten.

Kurzfristig Energie reduzieren: Bei Übergewicht kann eine zeitweise energieärmere Ernährung das Mikrobiom günstig beeinflussen.

Stress vermeiden: Dauerstress kann die Darmflora aus dem Gleichgewicht bringen.

Bewegung einbauen: Körperliche Aktivität unterstützt eine gesunde Bakterienvielfalt.

Quelle: Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) und Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE), Pressemeldung vom 09.07.2025


Diesen Artikel finden Sie auch in ERNÄHRUNGS UMSCHAU 9/2025 auf Seite M524.
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Veröffentlicht: 15.09.2025

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