Nachdem ich mich erst vor Kurzem an dieser Stelle über die heilsamen Public Health-Auswirkungen von Preiskämpfen zwischen Herstellern und Handel ausgelassen habe1, muss ich hier erneut ein Loblied auf die nicht durch soziale Sentimentalitäten und übertriebenen Verbraucherschutz abgeschwächte Marktwirtschaft singen: Der neueste Public Health-Ansatz der Lebensmittelindustrie: Weniger essen, weil weniger in den Packungen ist!

Wo Fachgesellschaften und Politik noch zäh um Kompromisse zur Regulation von Werbung ringen oder kleinste Fortschritte zur Rezept-Reformulierung feiern, gehen einige Anbieter mutig und mit Mut zur Lücke voran: Gleiche Packungsgröße, weniger Inhalt.

Genial: So wird die gesündere Entscheidung die leichtere (im wahrsten Einwaage-Sinne) – einfach weil die Packung mit den gebogenen Kartoffelpüreescheiben oder den „Frucht“-gummis, die nebenbei beim Serien-Suchten, Streamen oder Gamen wegeputzt wurde, früher leer ist. Schluss mit „leeren Kalorien“ – der leeren Packung gehört die Zukunft! Ja gut, da gibt es ein paar „Mitnahme-Effekte“, wenn z. B. jetzt bei einem Streichfett am oberen Verpackungsrand mehr Platz zum Abstreifen überschüssigen Brotaufstrichs ist… und man Omas noch auf dem Pfund-Gewicht basierende Rezepte nun mühsam im Dreisatz auf 400 Gramm umrechnen muss. Kleinliche Nörgelei! Ist doch praktisch: Dann bleibt nichts vom Inhalt am Deckel kleben. Nur ewige Spielverderber wie der Verbraucherschutz können sich über solch mutige Nudging-Ansätze mit Schmähpreisen wie der „Mogelpackung des Jahres“2 mokieren, sie haben den präventiven Ansatz eben nicht verstanden.

Beim mmm-mmm-mmm-mmm-Song3-Scheibenkäse finde ich es allerdings nicht so gelungen: Gleich eine Scheibe weniger in der Packung – der Käse hat doch eh schon so große Löcher! Es wird Zeit, dass diese wegweisenden Public Health-Ansätze mal ganz emotionslos wissenschaftlich evaluiert werden.

Lassen Sie sich´s schmecken!

Ihr Udo Maid-Kohnert

______________

1 Von Marsmacht und Marktmacht zur Weihnacht in Ernährungs Umschau 12/2022

2 www.vzhh.de/themen/mogelpackungen/mogelpackung-des-jahres/rama-ist-mogelpackung-des-jahres-2022  (last accessed on 26 January 2023).

3 Preisfrage: Was gab es früher: Den Käse oder den Song (1993) der Crash Test Dummies im Ur-Werbespot?






Den Nachschlag finden Sie wie auch die Vorschau auf die nächste Ausgabe in ERNÄHRUNGS UMSCHAU 3/2023 auf Seite M200.




Nachdem ich mich erst vor Kurzem an dieser Stelle über die heilsamen Public Health-Auswirkungen von Preiskämpfen zwischen Herstellern und Handel ausgelassen habe1, muss ich hier erneut ein Loblied auf die nicht durch soziale Sentimentalitäten und übertriebenen Verbraucherschutz abgeschwächte Marktwirtschaft singen: Der neueste Public Health-Ansatz der Lebensmittelindustrie: Weniger essen, weil weniger in den Packungen ist!

Wo Fachgesellschaften und Politik noch zäh um Kompromisse zur Regulation von Werbung ringen oder kleinste Fortschritte zur Rezept-Reformulierung feiern, gehen einige Anbieter mutig und mit Mut zur Lücke voran: Gleiche Packungsgröße, weniger Inhalt.

Genial: So wird die gesündere Entscheidung die leichtere (im wahrsten Einwaage-Sinne) – einfach weil die Packung mit den gebogenen Kartoffelpüreescheiben oder den „Frucht“-gummis, die nebenbei beim Serien-Suchten, Streamen oder Gamen wegeputzt wurde, früher leer ist. Schluss mit „leeren Kalorien“ – der leeren Packung gehört die Zukunft! Ja gut, da gibt es ein paar „Mitnahme-Effekte“, wenn z. B. jetzt bei einem Streichfett am oberen Verpackungsrand mehr Platz zum Abstreifen überschüssigen Brotaufstrichs ist… und man Omas noch auf dem Pfund-Gewicht basierende Rezepte nun mühsam im Dreisatz auf 400 Gramm umrechnen muss. Kleinliche Nörgelei! Ist doch praktisch: Dann bleibt nichts vom Inhalt am Deckel kleben. Nur ewige Spielverderber wie der Verbraucherschutz können sich über solch mutige Nudging-Ansätze mit Schmähpreisen wie der „Mogelpackung des Jahres“2 mokieren, sie haben den präventiven Ansatz eben nicht verstanden.

Beim mmm-mmm-mmm-mmm-Song3-Scheibenkäse finde ich es allerdings nicht so gelungen: Gleich eine Scheibe weniger in der Packung – der Käse hat doch eh schon so große Löcher! Es wird Zeit, dass diese wegweisenden Public Health-Ansätze mal ganz emotionslos wissenschaftlich evaluiert werden.

Lassen Sie sich´s schmecken!

Ihr Udo Maid-Kohnert

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1 Von Marsmacht und Marktmacht zur Weihnacht in Ernährungs Umschau 12/2022

2 www.vzhh.de/themen/mogelpackungen/mogelpackung-des-jahres/rama-ist-mogelpackung-des-jahres-2022  (last accessed on 26 January 2023).

3 Preisfrage: Was gab es früher: Den Käse oder den Song (1993) der Crash Test Dummies im Ur-Werbespot?






Den Nachschlag finden Sie wie auch die Vorschau auf die nächste Ausgabe in ERNÄHRUNGS UMSCHAU 3/2023 auf Seite M200.


Nachschlag: Mogelpackungen – das ultimative Nudging

Nachdem ich mich erst vor Kurzem an dieser Stelle über die heilsamen Public Health-Auswirkungen von Preiskämpfen zwischen Herstellern und Handel ausgelassen habe1, muss ich hier erneut ein Loblied auf die nicht durch soziale Sentimentalitäten und übertriebenen Verbraucherschutz abgeschwächte Marktwirtschaft singen: Der neueste Public Health-Ansatz der Lebensmittelindustrie: Weniger essen, weil weniger in den Packungen ist!

Wo Fachgesellschaften und Politik noch zäh um Kompromisse zur Regulation von Werbung ringen oder kleinste Fortschritte zur Rezept-Reformulierung feiern, gehen einige Anbieter mutig und mit Mut zur Lücke voran: Gleiche Packungsgröße, weniger Inhalt.

Genial: So wird die gesündere Entscheidung die leichtere (im wahrsten Einwaage-Sinne) – einfach weil die Packung mit den gebogenen Kartoffelpüreescheiben oder den „Frucht“-gummis, die nebenbei beim Serien-Suchten, Streamen oder Gamen wegeputzt wurde, früher leer ist. Schluss mit „leeren Kalorien“ – der leeren Packung gehört die Zukunft! Ja gut, da gibt es ein paar „Mitnahme-Effekte“, wenn z. B. jetzt bei einem Streichfett am oberen Verpackungsrand mehr Platz zum Abstreifen überschüssigen Brotaufstrichs ist… und man Omas noch auf dem Pfund-Gewicht basierende Rezepte nun mühsam im Dreisatz auf 400 Gramm umrechnen muss. Kleinliche Nörgelei! Ist doch praktisch: Dann bleibt nichts vom Inhalt am Deckel kleben. Nur ewige Spielverderber wie der Verbraucherschutz können sich über solch mutige Nudging-Ansätze mit Schmähpreisen wie der „Mogelpackung des Jahres“2 mokieren, sie haben den präventiven Ansatz eben nicht verstanden.

Beim mmm-mmm-mmm-mmm-Song3-Scheibenkäse finde ich es allerdings nicht so gelungen: Gleich eine Scheibe weniger in der Packung – der Käse hat doch eh schon so große Löcher! Es wird Zeit, dass diese wegweisenden Public Health-Ansätze mal ganz emotionslos wissenschaftlich evaluiert werden.

Lassen Sie sich´s schmecken!

Ihr Udo Maid-Kohnert

______________

1 Von Marsmacht und Marktmacht zur Weihnacht in Ernährungs Umschau 12/2022

2 www.vzhh.de/themen/mogelpackungen/mogelpackung-des-jahres/rama-ist-mogelpackung-des-jahres-2022  (last accessed on 26 January 2023).

3 Preisfrage: Was gab es früher: Den Käse oder den Song (1993) der Crash Test Dummies im Ur-Werbespot?


Den Nachschlag finden Sie wie auch die Vorschau auf die nächste Ausgabe in ERNÄHRUNGS UMSCHAU 3/2023 auf Seite M200.
Verschlagwortet mit: Nudging, Mogelpackung

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Rubrik: Service
Veröffentlicht: 14.03.2023

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