Nahrungsergänzungsmittel sind in aller Munde. Vitamine, Mineralstoffe, Proteine oder pflanzliche Extrakte – sie alle versprechen mehr Energie, bessere Gesundheit und schönere Haut und Haare. In Drogerien, Apotheken und vor allem online boomen die Verkäufe. Was früher gezielt bei Mangelerscheinungen eingesetzt wurde, ist heute Teil eines Lifestyle-Trends geworden.
Viele Menschen beziehen ihre Informationen jedoch weder aus Arztpraxen noch von ausgebildeten Ernährungsfachkräften, sondern aus den sozialen Medien. Influencer*innen teilen ihre Supplement-Erfahrungen, preisen Produkte an und berichten von vermeintlichen Wundereffekten. Die Botschaft ist oft simpel: „Nimm dieses Präparat – und dein Leben wird besser.“ Doch genau hier liegt das Problem.
Der Fortbildungsbeitrag von Scheuvens et al. ab Seite M230 in diesem Heft zeigt, dass der gesundheitliche Nutzen vieler Nahrungsergänzungsmittel nur bedingt belegt ist. Im Gegenteil: Eine unkontrollierte Einnahme kann sogar Risiken bergen, etwa durch Überdosierungen oder Wechselwirkungen mit Medikamenten.
Sinnvoll können Nahrungsergänzungsmittel hingegen sein, wenn ein tatsächlicher Mangel vorliegt – und dieser medizinisch diagnostiziert wurde. In solchen Fällen können gezielte Präparate helfen, die Gesundheit zu stabilisieren und Beschwerden zu lindern. Entscheidend ist jedoch die fachliche Begleitung: Dosierung, Dauer und Auswahl des Mittels sollten individuell abgestimmt sein.
Das eigentliche Problem ist, wenn Nahrungsergänzungsmittel zur pauschalen Gesundheitslösung stilisiert werden und die Grenze zwischen sinnvoller Therapie und unnötigem Konsum verschwimmt.
Es braucht deshalb mehr Aufklärung – und eine Rückbesinnung auf fundiertes Wissen. Wer sich und seinem Körper etwas Gutes tun möchte, sollte auf eine ausgewogene Ernährung achten und bei Unsicherheiten den Rat von Ernährungsfachkräften und Ärzt*innen einholen.
Doch wie sieht es mit der ernährungsmedizinischen Beratung durch Ärzt*innen in Deutschland aus? Erhalten diese während ihres Studiums entsprechende Kompetenzen bzw. das Bewusstsein, Patient*innen an ausgebildete Ernährungsfachkräfte zu verweisen? Hier setzt das Lehrkonzept der Culinary Medicine an. Rosenau et al. beschreiben im Special ab S. M220 ein neues Culinary-Medicine-Wahlfach, das den Fokus auf eine gesundheitsfördernde Ernährung und die Einhaltung der planetaren Grenzen legt.
Sie sehen, Ernährungsfachkräfte und eine funktionierende interdisziplinäre Zusammen arbeit stellen wichtige Stellschrauben in Aufklärung, Prävention und ernährungstherapeutischer Versorgung dar. Hier gilt es, diese weiterhin zu stärken und Ernährungsfachkräfte für Ratsuchende, insbesondere in den sozialen Medien, sichtbarer zu machen.
Ihre Jana Muthny und Caroline Krämer
Diesen Artikel finden Sie auch in ERNÄHRUNGS UMSCHAU 4/2026 auf Seite M193.




