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Peer-Review-Verfahren / Manuskript (Übersicht) eingereicht: 01. Juli 2022 / Überarbeitung angenommen: 06. Dezember 2022

Einleitung


Seit rund 25 Jahren wird eine neue Variante pathologischen Essverhaltens diskutiert: Orthorexie – die Fixierung auf gesunde Ernährung – könnte neben Anorexia nervosa, Bulimia nervosa und Binge-Eating-Störung nützlich sein, um abweichendes Essverhalten zu beschreiben. Steven Bratman, der den Begriff aus den griechischen Worten „orthós“ für „richtig, korrekt“ und „órexis“ für „Appetit“ zusammensetzte und damit als Erstbeschreiber der Orthorexie gilt [1, 2], war jedoch nicht der Einzige, der in den späten 1990er Jahren eine intensive und zwanghaft anmutende Beschäftigung mit gesunder Ernährung beobachtete. Diedrichsen [3] schrieb in seinem Buch zur Ernährungspsychologie, welches bereits im Jahr 1990 erschien, ein kurzes Kapitel zum Thema „überwertige Ideen im Ernährungsverhalten“. Stark emotional betonte Einstellungen zur Ernährung könnten als überwertige Ideen das Denken und das Ernährungsverhalten bestimmen. Als Beispiele führte er Personen an, die fasteten oder „Rohkostfanatiker“ seien, und die ihre Ernährung nicht von rationalen Überlegungen leiten ließen, sondern vielmehr ihre einseitigen Vorstellungen zur gesunden Ernährung mit „zäher und hartnäckiger Verbissenheit“ verträten.


Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass entsprechendes Essverhalten unabhängig voneinander in den USA und in Deutschland beobachtet und beschrieben wurde. Damit ist das grundsätzliche Konzept der Orthorexie sogar noch etwas älter1 und beruht nicht auf der alleinigen Beobachtung eines US-amerikanischen Alternativmediziners. Insofern ist orthorektisches Ernährungsverhalten möglicherweise kein kürzlich aufgekommener Trend der Fitness- und Ernährungsbewegung [vgl. auch 4], sondern eher eine sich bereits seit längerer Zeit abzeichnende Entwicklung im Bereich der (sub) klinischen Auffälligkeiten im Essverhalten. Ergänzend zu dem im Jahr 2015 in der Ernährungs Umschau erschienen Artikel [5] soll dieser Beitrag einen Überblick über die neueren Entwicklungen der Orthorexie-Forschung geben.

Abstract


Orthorektisches Ernährungsverhalten bezeichnet die Fixierung auf eine nach subjektiven Vorstellungen gesunde Ernährungsweise und wird in den letzten Jahren als weitere Variante der bisher klassifizierten Essstörungen diskutiert. Neue Entwicklungen der Orthorexie-Forschung der letzten Jahre umfassen eine einheitliche Definition orthorektischen Ernährungsverhaltens sowie Befunde zu Zusammenhängen mit krankheitsängstlichen Gedanken, Verhaltensweisen aus dem Autismus-Spektrum und der Nutzung sozialer Medien. Hinsichtlich neuer Messinstrumente ist vor allem die Teruel Orthorexia Scale zu nennen, die neben „Orthorexia nervosa“ auch „Healthy Orthorexia“ erfasst, was die AutorInnen als nicht-pathologische Beschäftigung mit gesunder Ernährung definieren. Erfahrungsberichte von aktuell oder früher von Orthorexie betroffenen Personen liefern darüber hinaus wichtige Einblicke in die orthorektische Symptomatik. Zusammengefasst lässt sich festhalten, dass die Forschung auf einem guten Weg ist, orthorektisches Ernährungsverhalten besser zu verstehen.

Schlüsselwörter: Orthorexia nervosa, Orthorexie, orthorektisches Ernährungsverhalten, Healthy Orthorexia, Essstörungen




Peer Reviewed / Manuscript (overview) received: 01. July 2022 / Revision accepted: 06. December 2022

Abstract


Orthorexic eating behavior refers to the fixation on a subjectively healthy way of eating and is recently being discussed as another variant of the so far classified eating disorders. New developments in orthorexia research in the last few years include a unified definition of orthorexic eating behavior and findings on correlations with illness anxiety-related thoughts, autism spectrum behaviors, and social media use. In terms of new measurement tools, the most notable is the Teruel Orthorexia Scale, which not only claims to measure "orthorexia nervosa" but also "healthy orthorexia”, which the authors define as a non-pathological way of healthy eating. Testimonials of individuals currently or previously affected by orthorexia also provide important insights into characteristic orthorexic symptoms. In summary, research is well on the way to better understand orthorexic eating behavior.

Keywords: orthorexia nervosa, orthorexia, orthorexic eating behavior, healthy orthorexia, eating disorders

Full text PDF (free version)

https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/4.0/legalcode




Den vollständigen Artikel finden Sie auch in ERNÄHRUNGS UMSCHAU 3/2023 auf den Seiten M150 bis M154.




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Peer-Review-Verfahren / Manuskript (Übersicht) eingereicht: 01. Juli 2022 / Überarbeitung angenommen: 06. Dezember 2022

Einleitung


Seit rund 25 Jahren wird eine neue Variante pathologischen Essverhaltens diskutiert: Orthorexie – die Fixierung auf gesunde Ernährung – könnte neben Anorexia nervosa, Bulimia nervosa und Binge-Eating-Störung nützlich sein, um abweichendes Essverhalten zu beschreiben. Steven Bratman, der den Begriff aus den griechischen Worten „orthós“ für „richtig, korrekt“ und „órexis“ für „Appetit“ zusammensetzte und damit als Erstbeschreiber der Orthorexie gilt [1, 2], war jedoch nicht der Einzige, der in den späten 1990er Jahren eine intensive und zwanghaft anmutende Beschäftigung mit gesunder Ernährung beobachtete. Diedrichsen [3] schrieb in seinem Buch zur Ernährungspsychologie, welches bereits im Jahr 1990 erschien, ein kurzes Kapitel zum Thema „überwertige Ideen im Ernährungsverhalten“. Stark emotional betonte Einstellungen zur Ernährung könnten als überwertige Ideen das Denken und das Ernährungsverhalten bestimmen. Als Beispiele führte er Personen an, die fasteten oder „Rohkostfanatiker“ seien, und die ihre Ernährung nicht von rationalen Überlegungen leiten ließen, sondern vielmehr ihre einseitigen Vorstellungen zur gesunden Ernährung mit „zäher und hartnäckiger Verbissenheit“ verträten.


Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass entsprechendes Essverhalten unabhängig voneinander in den USA und in Deutschland beobachtet und beschrieben wurde. Damit ist das grundsätzliche Konzept der Orthorexie sogar noch etwas älter1 und beruht nicht auf der alleinigen Beobachtung eines US-amerikanischen Alternativmediziners. Insofern ist orthorektisches Ernährungsverhalten möglicherweise kein kürzlich aufgekommener Trend der Fitness- und Ernährungsbewegung [vgl. auch 4], sondern eher eine sich bereits seit längerer Zeit abzeichnende Entwicklung im Bereich der (sub) klinischen Auffälligkeiten im Essverhalten. Ergänzend zu dem im Jahr 2015 in der Ernährungs Umschau erschienen Artikel [5] soll dieser Beitrag einen Überblick über die neueren Entwicklungen der Orthorexie-Forschung geben.

Abstract


Orthorektisches Ernährungsverhalten bezeichnet die Fixierung auf eine nach subjektiven Vorstellungen gesunde Ernährungsweise und wird in den letzten Jahren als weitere Variante der bisher klassifizierten Essstörungen diskutiert. Neue Entwicklungen der Orthorexie-Forschung der letzten Jahre umfassen eine einheitliche Definition orthorektischen Ernährungsverhaltens sowie Befunde zu Zusammenhängen mit krankheitsängstlichen Gedanken, Verhaltensweisen aus dem Autismus-Spektrum und der Nutzung sozialer Medien. Hinsichtlich neuer Messinstrumente ist vor allem die Teruel Orthorexia Scale zu nennen, die neben „Orthorexia nervosa“ auch „Healthy Orthorexia“ erfasst, was die AutorInnen als nicht-pathologische Beschäftigung mit gesunder Ernährung definieren. Erfahrungsberichte von aktuell oder früher von Orthorexie betroffenen Personen liefern darüber hinaus wichtige Einblicke in die orthorektische Symptomatik. Zusammengefasst lässt sich festhalten, dass die Forschung auf einem guten Weg ist, orthorektisches Ernährungsverhalten besser zu verstehen.

Schlüsselwörter: Orthorexia nervosa, Orthorexie, orthorektisches Ernährungsverhalten, Healthy Orthorexia, Essstörungen




Peer Reviewed / Manuscript (overview) received: 01. July 2022 / Revision accepted: 06. December 2022

Abstract


Orthorexic eating behavior refers to the fixation on a subjectively healthy way of eating and is recently being discussed as another variant of the so far classified eating disorders. New developments in orthorexia research in the last few years include a unified definition of orthorexic eating behavior and findings on correlations with illness anxiety-related thoughts, autism spectrum behaviors, and social media use. In terms of new measurement tools, the most notable is the Teruel Orthorexia Scale, which not only claims to measure "orthorexia nervosa" but also "healthy orthorexia”, which the authors define as a non-pathological way of healthy eating. Testimonials of individuals currently or previously affected by orthorexia also provide important insights into characteristic orthorexic symptoms. In summary, research is well on the way to better understand orthorexic eating behavior.

Keywords: orthorexia nervosa, orthorexia, orthorexic eating behavior, healthy orthorexia, eating disorders

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Den vollständigen Artikel finden Sie auch in ERNÄHRUNGS UMSCHAU 3/2023 auf den Seiten M150 bis M154.


Neue Entwicklungen in der Orthorexie-Forschung: Nutzung sozialer Medien, Healthy Orthorexia und Erfahrungsberichte von Betroffenen

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Peer-Review-Verfahren / Manuskript (Übersicht) eingereicht: 01. Juli 2022 / Überarbeitung angenommen: 06. Dezember 2022

Einleitung
Seit rund 25 Jahren wird eine neue Variante pathologischen Essverhaltens diskutiert: Orthorexie – die Fixierung auf gesunde Ernährung – könnte neben Anorexia nervosa, Bulimia nervosa und Binge-Eating-Störung nützlich sein, um abweichendes Essverhalten zu beschreiben. Steven Bratman, der den Begriff aus den griechischen Worten „orthós“ für „richtig, korrekt“ und „órexis“ für „Appetit“ zusammensetzte und damit als Erstbeschreiber der Orthorexie gilt [1, 2], war jedoch nicht der Einzige, der in den späten 1990er Jahren eine intensive und zwanghaft anmutende Beschäftigung mit gesunder Ernährung beobachtete. Diedrichsen [3] schrieb in seinem Buch zur Ernährungspsychologie, welches bereits im Jahr 1990 erschien, ein kurzes Kapitel zum Thema „überwertige Ideen im Ernährungsverhalten“. Stark emotional betonte Einstellungen zur Ernährung könnten als überwertige Ideen das Denken und das Ernährungsverhalten bestimmen. Als Beispiele führte er Personen an, die fasteten oder „Rohkostfanatiker“ seien, und die ihre Ernährung nicht von rationalen Überlegungen leiten ließen, sondern vielmehr ihre einseitigen Vorstellungen zur gesunden Ernährung mit „zäher und hartnäckiger Verbissenheit“ verträten.

Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass entsprechendes Essverhalten unabhängig voneinander in den USA und in Deutschland beobachtet und beschrieben wurde. Damit ist das grundsätzliche Konzept der Orthorexie sogar noch etwas älter1 und beruht nicht auf der alleinigen Beobachtung eines US-amerikanischen Alternativmediziners. Insofern ist orthorektisches Ernährungsverhalten möglicherweise kein kürzlich aufgekommener Trend der Fitness- und Ernährungsbewegung [vgl. auch 4], sondern eher eine sich bereits seit längerer Zeit abzeichnende Entwicklung im Bereich der (sub) klinischen Auffälligkeiten im Essverhalten. Ergänzend zu dem im Jahr 2015 in der Ernährungs Umschau erschienen Artikel [5] soll dieser Beitrag einen Überblick über die neueren Entwicklungen der Orthorexie-Forschung geben.

Abstract

Orthorektisches Ernährungsverhalten bezeichnet die Fixierung auf eine nach subjektiven Vorstellungen gesunde Ernährungsweise und wird in den letzten Jahren als weitere Variante der bisher klassifizierten Essstörungen diskutiert. Neue Entwicklungen der Orthorexie-Forschung der letzten Jahre umfassen eine einheitliche Definition orthorektischen Ernährungsverhaltens sowie Befunde zu Zusammenhängen mit krankheitsängstlichen Gedanken, Verhaltensweisen aus dem Autismus-Spektrum und der Nutzung sozialer Medien. Hinsichtlich neuer Messinstrumente ist vor allem die Teruel Orthorexia Scale zu nennen, die neben „Orthorexia nervosa“ auch „Healthy Orthorexia“ erfasst, was die AutorInnen als nicht-pathologische Beschäftigung mit gesunder Ernährung definieren. Erfahrungsberichte von aktuell oder früher von Orthorexie betroffenen Personen liefern darüber hinaus wichtige Einblicke in die orthorektische Symptomatik. Zusammengefasst lässt sich festhalten, dass die Forschung auf einem guten Weg ist, orthorektisches Ernährungsverhalten besser zu verstehen.

Schlüsselwörter: Orthorexia nervosa, Orthorexie, orthorektisches Ernährungsverhalten, Healthy Orthorexia, Essstörungen


Peer Reviewed / Manuscript (overview) received: 01. July 2022 / Revision accepted: 06. December 2022

Abstract

Orthorexic eating behavior refers to the fixation on a subjectively healthy way of eating and is recently being discussed as another variant of the so far classified eating disorders. New developments in orthorexia research in the last few years include a unified definition of orthorexic eating behavior and findings on correlations with illness anxiety-related thoughts, autism spectrum behaviors, and social media use. In terms of new measurement tools, the most notable is the Teruel Orthorexia Scale, which not only claims to measure "orthorexia nervosa" but also "healthy orthorexia”, which the authors define as a non-pathological way of healthy eating. Testimonials of individuals currently or previously affected by orthorexia also provide important insights into characteristic orthorexic symptoms. In summary, research is well on the way to better understand orthorexic eating behavior.

Keywords: orthorexia nervosa, orthorexia, orthorexic eating behavior, healthy orthorexia, eating disorders

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Artikelfakten

Rubrik: Peer Review
Veröffentlicht: 13.03.2023

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