Der orale Provokationstest, bei dem die Betroffenen das Allergen (z. B. Erdnussextrakt) unter Aufsicht einnehmen, um die allergische Reaktion zu testen, gilt nach wie vor als der Goldstandard in der Diagnostik. Die Methode ist jedoch aufwändig und birgt gesundheitliche Risiken. Auch beim Allergen-Prick-Hauttest und Bluttest kann es durch Ungenauigkeit zu Fehldiagnosen und unnötiger Nahrungsmittelvermeidung kommen.

Ein Team von Forschenden unter der Leitung von Prof. Dr. Alexander Eggel der Universität Bern und der Universitätsklinik für Rheumatologie und Immunologie, Inselspital, Universitätsspital Bern, und Prof. Dr. Thomas Kaufmann der Universität Bern hat 2022 einen alternativen Test entwickelt, bei dem die allergische Reaktion im Reagenzglas nachgeahmt wird. In einer klinischen Studie haben die Forschenden in Zusammenarbeit mit Partnern vom Hospital for Sick Kids in Toronto, Kanada, nun die Wirksamkeit des Tests an Proben von Kindern und Jugendlichen mit bestätigter Erdnussallergie und einer gesunden Kontrollgruppe geprüft [1].

„Die häufigsten Nahrungsmittelallergien gehören zu den Typ-I-Allergien. Sie entstehen, wenn der Körper als Reaktion auf eigentlich harmlose Stoffe (Allergene), Antikörper der Klasse Immunglobulin E (IgE) bildet“, erklärt Eggel. Diese Antikörper binden an spezifische Rezeptoren auf den sog. Mastzellen. Sie befinden sich hauptsächlich im Gewebe, etwa in der Darmschleimhaut, und werden durch die Bindung der Antikörper auf das Allergen vorbereitet und sensibilisiert. Bei erneutem Kontakt mit dem Allergen bindet dieses direkt an die mit Antikörpern beladenen Mastzellen, wodurch diese aktiviert werden und eine allergische Reaktion auslösen. „Bei dem von uns entwickelten Hoxb8 Mastzellaktivierungstest (Hoxb8 MAT) werden im Labor gezüchtete Mastzellen mit Blutserum von Allergikerinnen und Allergikern in Kontakt gebracht. Die Mastzellen binden die IgE-Antikörper aus dem Serum und werden dadurch sensibilisiert. Anschließend können wir die Mastzellen mit verschiedenen Mengen der zu testenden Allergene stimulieren“, so Eggel. Die Quantifizierung der aktivierten Mastzellen lässt darauf schließen, wie allergisch ein Patient oder eine Patientin auf das getestete Allergen ist, ohne dass er oder sie das Nahrungsmittel einnehmen muss.

Für die Studie wurden Serumproben von 112 Kindern und Jugendlichen verwendet, die bereits an einer Studie in Kanada teilgenommen hatten und für die eindeutige diagnostische Daten über ihren Erdnussallergiestatus vorlagen. Die im Labor gezüchteten Mastzellen wurden mit deren Serum sensibilisiert und anschließend mit Erdnussextrakt stimuliert. Die Ergebnisse zeigten, dass sehr viele Seren der Betroffenen eine allergendosisabhängige Aktivierung aufwiesen, während fast alle Proben der nicht allergischen Kontrollen die Mastzellen nicht aktivierten. „Aus diesen Daten konnte eine außergewöhnlich hohe diagnostische Genauigkeit von 95 % berechnet werden“, ergänzt Eggel.

Zudem stellte sich heraus, dass der Hoxb8 MAT eine höhere Genauigkeit aufwies als die gängige Messung von allergenspezifischen IgE-Antikörpern im Blut oder der oft angewandte Hauttest. Außerdem führte der Hoxb8 MAT zu weniger falsch negativen Resultaten.

Literatur


1. Bachmeier-Zbären N, Celik A, van Brummelen R, Roos N, Steinmann M, Hoang JA, et al.: Clinical utility analysis of the Hoxb8 mast cell activation test for the diagnosis of peanut allergy. Allergy 2024.

Quelle: Universität Bern, Pressemeldung vom 15.10.2024




Diesen Artikel finden Sie auch in ERNÄHRUNGS UMSCHAU 12/2024 auf Seite M688.


In einigen Ländern sind bis zu 10 % der Bevölkerung von Nahrungsmittelallergien betroffen, in erster Linie Kleinkinder. Insbesondere die Erdnussallergie gehört zu den häufigsten Erkrankungen und äußert sich oft in schweren, potenziell lebensbedrohlichen Reaktionen.








Der orale Provokationstest, bei dem die Betroffenen das Allergen (z. B. Erdnussextrakt) unter Aufsicht einnehmen, um die allergische Reaktion zu testen, gilt nach wie vor als der Goldstandard in der Diagnostik. Die Methode ist jedoch aufwändig und birgt gesundheitliche Risiken. Auch beim Allergen-Prick-Hauttest und Bluttest kann es durch Ungenauigkeit zu Fehldiagnosen und unnötiger Nahrungsmittelvermeidung kommen.

Ein Team von Forschenden unter der Leitung von Prof. Dr. Alexander Eggel der Universität Bern und der Universitätsklinik für Rheumatologie und Immunologie, Inselspital, Universitätsspital Bern, und Prof. Dr. Thomas Kaufmann der Universität Bern hat 2022 einen alternativen Test entwickelt, bei dem die allergische Reaktion im Reagenzglas nachgeahmt wird. In einer klinischen Studie haben die Forschenden in Zusammenarbeit mit Partnern vom Hospital for Sick Kids in Toronto, Kanada, nun die Wirksamkeit des Tests an Proben von Kindern und Jugendlichen mit bestätigter Erdnussallergie und einer gesunden Kontrollgruppe geprüft [1].

„Die häufigsten Nahrungsmittelallergien gehören zu den Typ-I-Allergien. Sie entstehen, wenn der Körper als Reaktion auf eigentlich harmlose Stoffe (Allergene), Antikörper der Klasse Immunglobulin E (IgE) bildet“, erklärt Eggel. Diese Antikörper binden an spezifische Rezeptoren auf den sog. Mastzellen. Sie befinden sich hauptsächlich im Gewebe, etwa in der Darmschleimhaut, und werden durch die Bindung der Antikörper auf das Allergen vorbereitet und sensibilisiert. Bei erneutem Kontakt mit dem Allergen bindet dieses direkt an die mit Antikörpern beladenen Mastzellen, wodurch diese aktiviert werden und eine allergische Reaktion auslösen. „Bei dem von uns entwickelten Hoxb8 Mastzellaktivierungstest (Hoxb8 MAT) werden im Labor gezüchtete Mastzellen mit Blutserum von Allergikerinnen und Allergikern in Kontakt gebracht. Die Mastzellen binden die IgE-Antikörper aus dem Serum und werden dadurch sensibilisiert. Anschließend können wir die Mastzellen mit verschiedenen Mengen der zu testenden Allergene stimulieren“, so Eggel. Die Quantifizierung der aktivierten Mastzellen lässt darauf schließen, wie allergisch ein Patient oder eine Patientin auf das getestete Allergen ist, ohne dass er oder sie das Nahrungsmittel einnehmen muss.

Für die Studie wurden Serumproben von 112 Kindern und Jugendlichen verwendet, die bereits an einer Studie in Kanada teilgenommen hatten und für die eindeutige diagnostische Daten über ihren Erdnussallergiestatus vorlagen. Die im Labor gezüchteten Mastzellen wurden mit deren Serum sensibilisiert und anschließend mit Erdnussextrakt stimuliert. Die Ergebnisse zeigten, dass sehr viele Seren der Betroffenen eine allergendosisabhängige Aktivierung aufwiesen, während fast alle Proben der nicht allergischen Kontrollen die Mastzellen nicht aktivierten. „Aus diesen Daten konnte eine außergewöhnlich hohe diagnostische Genauigkeit von 95 % berechnet werden“, ergänzt Eggel.

Zudem stellte sich heraus, dass der Hoxb8 MAT eine höhere Genauigkeit aufwies als die gängige Messung von allergenspezifischen IgE-Antikörpern im Blut oder der oft angewandte Hauttest. Außerdem führte der Hoxb8 MAT zu weniger falsch negativen Resultaten.

Literatur


1. Bachmeier-Zbären N, Celik A, van Brummelen R, Roos N, Steinmann M, Hoang JA, et al.: Clinical utility analysis of the Hoxb8 mast cell activation test for the diagnosis of peanut allergy. Allergy 2024.

Quelle: Universität Bern, Pressemeldung vom 15.10.2024




Diesen Artikel finden Sie auch in ERNÄHRUNGS UMSCHAU 12/2024 auf Seite M688.


Medizintechnik: Neuer Test verbessert Diagnose von Allergien

Der orale Provokationstest, bei dem die Betroffenen das Allergen (z. B. Erdnussextrakt) unter Aufsicht einnehmen, um die allergische Reaktion zu testen, gilt nach wie vor als der Goldstandard in der Diagnostik. Die Methode ist jedoch aufwändig und birgt gesundheitliche Risiken. Auch beim Allergen-Prick-Hauttest und Bluttest kann es durch Ungenauigkeit zu Fehldiagnosen und unnötiger Nahrungsmittelvermeidung kommen.

Ein Team von Forschenden unter der Leitung von Prof. Dr. Alexander Eggel der Universität Bern und der Universitätsklinik für Rheumatologie und Immunologie, Inselspital, Universitätsspital Bern, und Prof. Dr. Thomas Kaufmann der Universität Bern hat 2022 einen alternativen Test entwickelt, bei dem die allergische Reaktion im Reagenzglas nachgeahmt wird. In einer klinischen Studie haben die Forschenden in Zusammenarbeit mit Partnern vom Hospital for Sick Kids in Toronto, Kanada, nun die Wirksamkeit des Tests an Proben von Kindern und Jugendlichen mit bestätigter Erdnussallergie und einer gesunden Kontrollgruppe geprüft [1].

„Die häufigsten Nahrungsmittelallergien gehören zu den Typ-I-Allergien. Sie entstehen, wenn der Körper als Reaktion auf eigentlich harmlose Stoffe (Allergene), Antikörper der Klasse Immunglobulin E (IgE) bildet“, erklärt Eggel. Diese Antikörper binden an spezifische Rezeptoren auf den sog. Mastzellen. Sie befinden sich hauptsächlich im Gewebe, etwa in der Darmschleimhaut, und werden durch die Bindung der Antikörper auf das Allergen vorbereitet und sensibilisiert. Bei erneutem Kontakt mit dem Allergen bindet dieses direkt an die mit Antikörpern beladenen Mastzellen, wodurch diese aktiviert werden und eine allergische Reaktion auslösen. „Bei dem von uns entwickelten Hoxb8 Mastzellaktivierungstest (Hoxb8 MAT) werden im Labor gezüchtete Mastzellen mit Blutserum von Allergikerinnen und Allergikern in Kontakt gebracht. Die Mastzellen binden die IgE-Antikörper aus dem Serum und werden dadurch sensibilisiert. Anschließend können wir die Mastzellen mit verschiedenen Mengen der zu testenden Allergene stimulieren“, so Eggel. Die Quantifizierung der aktivierten Mastzellen lässt darauf schließen, wie allergisch ein Patient oder eine Patientin auf das getestete Allergen ist, ohne dass er oder sie das Nahrungsmittel einnehmen muss.

Für die Studie wurden Serumproben von 112 Kindern und Jugendlichen verwendet, die bereits an einer Studie in Kanada teilgenommen hatten und für die eindeutige diagnostische Daten über ihren Erdnussallergiestatus vorlagen. Die im Labor gezüchteten Mastzellen wurden mit deren Serum sensibilisiert und anschließend mit Erdnussextrakt stimuliert. Die Ergebnisse zeigten, dass sehr viele Seren der Betroffenen eine allergendosisabhängige Aktivierung aufwiesen, während fast alle Proben der nicht allergischen Kontrollen die Mastzellen nicht aktivierten. „Aus diesen Daten konnte eine außergewöhnlich hohe diagnostische Genauigkeit von 95 % berechnet werden“, ergänzt Eggel.

Zudem stellte sich heraus, dass der Hoxb8 MAT eine höhere Genauigkeit aufwies als die gängige Messung von allergenspezifischen IgE-Antikörpern im Blut oder der oft angewandte Hauttest. Außerdem führte der Hoxb8 MAT zu weniger falsch negativen Resultaten.

Literatur

1. Bachmeier-Zbären N, Celik A, van Brummelen R, Roos N, Steinmann M, Hoang JA, et al.: Clinical utility analysis of the Hoxb8 mast cell activation test for the diagnosis of peanut allergy. Allergy 2024.

Quelle: Universität Bern, Pressemeldung vom 15.10.2024


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Veröffentlicht: 12.12.2024

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