Eine Immuntherapie ist eine bewährte Behandlung von Allergien. Dazu wird das Immunsystem regelmäßig mit geringen Mengen der allergieauslösenden Substanz konfrontiert und so nach und nach eine Toleranz für diese Substanz aufgebaut. Für Nahrungsmittel- und Erdnussallergien gibt es dafür die Möglichkeit einer oralen Verabreichungsform, die jedoch aufwändig und bei Kindern nicht uneingeschränkt geeignet ist.

Im Rahmen der multizentrischen, randomisierten, placebokontrollierten Phase-3-Doppelblindstudie wurde Kleinkindern im Alter von ein bis drei Jahren täglich ein speziell hergestelltes Pflaster auf die Haut appliziert, das in einer kleinen Kammer geringe Mengen von gefriergetrocknetem Erdnussprotein (250 μg) enthielt. Bei dieser als Epikutane Immuntherapie (EPIT) bezeichneten Methode interagiert das Erdnussprotein über die Haut mit dem Immunsystem und nutzt dessen Fähigkeit, eine Desensibilisierung zu erzielen. Die teilnehmenden Kinder hatten in der Studie keine Beschränkungen bezüglich ihres Lebensstils. Sport, Schwimmen und Baden waren trotz des Pflasters erlaubt.

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass zwei Drittel (67 %) der auf Erdnüsse allergischen Kleinkinder den primären Endpunkt zur Desensibilisierung durch das Verfahren nach einem Jahr erreicht hatten. In der Kontrollgruppe hingegen waren es nur halb so viele. Gemessen wurde diese Desensibilisierung anhand der zum Auslösen allergischer Reaktionen notwendigen Menge an Erdnussprotein. Die durch die Behandlung erzielte Erhöhung des Schwellenwerts erlaubt einen deutlich besseren Schutz bei unbemerktem Verzehr kleinerer Mengen Erdnuss, wie er durch Kontaminationen erfolgen kann. Damit kann diese neue Desensibilisierungsmethode für Kleinkinder als erfolgreich betrachtet werden.

Literatur


1. Greenhawt M, Sindher SB, Wang J, et al.: Phase 3 trial of epicutaneous immunotherapy in toddlers with peanut allergy. N Engl J Med 2023; 388(19):1755-66.

Quelle: Karl Landsteiner Privatuniversität für Gesundheitswissenschaften, Pressemeldung vom 06.06.2023




Diesen Artikel finden Sie auch in ERNÄHRUNGS UMSCHAU 11/2023 auf Seite M662.


In einer weltweiten klinischen Studie [1] fanden Wissenschaftler*innen eine neue Therapieform zur Behandlung von Erdnussallergie bei Kleinkindern. Ein Hautpflaster, das Immunreaktionen der Haut nutzt, um eine Desensibilisierung zu erzielen, hat sich in Phase 3 als wirksam und sicher erwiesen.








Eine Immuntherapie ist eine bewährte Behandlung von Allergien. Dazu wird das Immunsystem regelmäßig mit geringen Mengen der allergieauslösenden Substanz konfrontiert und so nach und nach eine Toleranz für diese Substanz aufgebaut. Für Nahrungsmittel- und Erdnussallergien gibt es dafür die Möglichkeit einer oralen Verabreichungsform, die jedoch aufwändig und bei Kindern nicht uneingeschränkt geeignet ist.

Im Rahmen der multizentrischen, randomisierten, placebokontrollierten Phase-3-Doppelblindstudie wurde Kleinkindern im Alter von ein bis drei Jahren täglich ein speziell hergestelltes Pflaster auf die Haut appliziert, das in einer kleinen Kammer geringe Mengen von gefriergetrocknetem Erdnussprotein (250 μg) enthielt. Bei dieser als Epikutane Immuntherapie (EPIT) bezeichneten Methode interagiert das Erdnussprotein über die Haut mit dem Immunsystem und nutzt dessen Fähigkeit, eine Desensibilisierung zu erzielen. Die teilnehmenden Kinder hatten in der Studie keine Beschränkungen bezüglich ihres Lebensstils. Sport, Schwimmen und Baden waren trotz des Pflasters erlaubt.

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass zwei Drittel (67 %) der auf Erdnüsse allergischen Kleinkinder den primären Endpunkt zur Desensibilisierung durch das Verfahren nach einem Jahr erreicht hatten. In der Kontrollgruppe hingegen waren es nur halb so viele. Gemessen wurde diese Desensibilisierung anhand der zum Auslösen allergischer Reaktionen notwendigen Menge an Erdnussprotein. Die durch die Behandlung erzielte Erhöhung des Schwellenwerts erlaubt einen deutlich besseren Schutz bei unbemerktem Verzehr kleinerer Mengen Erdnuss, wie er durch Kontaminationen erfolgen kann. Damit kann diese neue Desensibilisierungsmethode für Kleinkinder als erfolgreich betrachtet werden.

Literatur


1. Greenhawt M, Sindher SB, Wang J, et al.: Phase 3 trial of epicutaneous immunotherapy in toddlers with peanut allergy. N Engl J Med 2023; 388(19):1755-66.

Quelle: Karl Landsteiner Privatuniversität für Gesundheitswissenschaften, Pressemeldung vom 06.06.2023




Diesen Artikel finden Sie auch in ERNÄHRUNGS UMSCHAU 11/2023 auf Seite M662.


Immuntherapie: Pflaster gegen Erdnussallergie bei Kleinkindern

Eine Immuntherapie ist eine bewährte Behandlung von Allergien. Dazu wird das Immunsystem regelmäßig mit geringen Mengen der allergieauslösenden Substanz konfrontiert und so nach und nach eine Toleranz für diese Substanz aufgebaut. Für Nahrungsmittel- und Erdnussallergien gibt es dafür die Möglichkeit einer oralen Verabreichungsform, die jedoch aufwändig und bei Kindern nicht uneingeschränkt geeignet ist.

Im Rahmen der multizentrischen, randomisierten, placebokontrollierten Phase-3-Doppelblindstudie wurde Kleinkindern im Alter von ein bis drei Jahren täglich ein speziell hergestelltes Pflaster auf die Haut appliziert, das in einer kleinen Kammer geringe Mengen von gefriergetrocknetem Erdnussprotein (250 μg) enthielt. Bei dieser als Epikutane Immuntherapie (EPIT) bezeichneten Methode interagiert das Erdnussprotein über die Haut mit dem Immunsystem und nutzt dessen Fähigkeit, eine Desensibilisierung zu erzielen. Die teilnehmenden Kinder hatten in der Studie keine Beschränkungen bezüglich ihres Lebensstils. Sport, Schwimmen und Baden waren trotz des Pflasters erlaubt.

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass zwei Drittel (67 %) der auf Erdnüsse allergischen Kleinkinder den primären Endpunkt zur Desensibilisierung durch das Verfahren nach einem Jahr erreicht hatten. In der Kontrollgruppe hingegen waren es nur halb so viele. Gemessen wurde diese Desensibilisierung anhand der zum Auslösen allergischer Reaktionen notwendigen Menge an Erdnussprotein. Die durch die Behandlung erzielte Erhöhung des Schwellenwerts erlaubt einen deutlich besseren Schutz bei unbemerktem Verzehr kleinerer Mengen Erdnuss, wie er durch Kontaminationen erfolgen kann. Damit kann diese neue Desensibilisierungsmethode für Kleinkinder als erfolgreich betrachtet werden.

Literatur

1. Greenhawt M, Sindher SB, Wang J, et al.: Phase 3 trial of epicutaneous immunotherapy in toddlers with peanut allergy. N Engl J Med 2023; 388(19):1755-66.

Quelle: Karl Landsteiner Privatuniversität für Gesundheitswissenschaften, Pressemeldung vom 06.06.2023


Diesen Artikel finden Sie auch in ERNÄHRUNGS UMSCHAU 11/2023 auf Seite M662.
Verschlagwortet mit: Kleinkind, Erdnussallergie

News zum Thema des Artikels

buntes Bild von verschiedenenen Darmbakterien

Online News: Im Alter verändert sich das Darmmikrobiom

Das Darmmikrobiom verliert im Alter sein Gleichgewicht. Forschende haben nun eine neue Erklärung vorgestellt. Demnach ist die alternsbedingte Destabilisierung des Mikrobioms nicht in erster Linie auf Veränderungen der Mikroorganismen selbst zurückzuführen, sondern auf e …
weiterlesen

Lesetipp Heft 7/2025: Ernährungsberatung von Familien nach der Diagnose Erdnuss-/Nussallergie

Wird bei einem Kind eine Nuss- oder Erdnussallergie diagnostiziert, beeinflusst dies das Familienleben stark. Das Sozialleben, v. a. wenn es mit Essen verbunden ist, ist von Fragen nach enthaltenen Nüssen und Ängsten vor versehentlichem Nussverzehr beeinträchtigt. Dr. Y …
weiterlesen

Fortbildungsbeitrag frei zugänglich: Update Lebensmittelallergie – Freischaltung der zertifizierten Fortbildung

Unser Beitrag Update Lebensmittelallergie von Imke Reese ist auf so großes Interesse gestoßen, das wir ihn ab heute von der „Aboschranke“ befreit haben. Im Fokus des Beitrags stehen Diagnostik und der therapeutische Part der Ernährungsfachkraft sowie der Prävention. Das …
weiterlesen

Artikelfakten

Veröffentlicht: 15.11.2023

Dieser Artikel erscheint in

Artikel teilen

Weitere Artikel zum Thema

15.06.2026

Begrifflichkeiten: Dinkel, Emmer und Einkorn

Dinkel, Emmer und Einkorn werden im Lebensmittelmarketing oft als „Urgetreide“ bezeichnet. Eine wissenschaftliche Einordnung des Max Rubner-Instituts (MRI) zeigt jedoch, dass dies irreführend im Sinne des Verbraucherschutzes ist. weiterlesen

12.11.2025

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen: CAR-T-Zell-Therapie bei schwerer Darmerkrankung

Einem Ärzteteam am Deutschen Zentrum Immuntherapie des Uniklinikums Erlangen ist es gelungen, eine junge Patientin mit therapieresistenter, schwerer chronisch-entzündlicher Darmerkrankung (Colitis ulcerosa) erfolgreich mit einer Zelltherapie mit CD19-CAR-TZellen zu beha … weiterlesen

12.03.2025

Mythen und Fakten über eine getreidereiche Ernährung

In wiederkehrenden Wellen werden Getreide, insbesondere Weizen und daraus hergestellte Lebensmittel als Gefahr für unsere Gesundheit dargestellt. Scharen von Influencer*innen und Ratgeberverlage verdienen gut an diesen „Aufregern“, was Verbraucher*innen die Einschätzung … weiterlesen

12.12.2024

Medizintechnik: Neuer Test verbessert Diagnose von Allergien

In einigen Ländern sind bis zu 10 % der Bevölkerung von Nahrungsmittelallergien betroffen, in erster Linie Kleinkinder. Insbesondere die Erdnussallergie gehört zu den häufigsten Erkrankungen und äußert sich oft in schweren, potenziell lebensbedrohlichen Reaktionen. weiterlesen

15.10.2024

Krebs: Kochsalz aktiviert Anti-Tumorzellen

Christina Zielinski und ihr Team vom Leibniz-Institut für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie – Hans-Knöll-Institut (Leibniz-HKI) in Jena fanden Hinweise, dass Natriumchlorid (Kochsalz) die Aktivität bestimmter Immunzellen gegen Krebs steigern kann. weiterlesen

15.04.2024

Autoimmunerkrankung: Ernährung als Risikofaktor für Multiple Sklerose

Multiple Sklerose (MS) ist eine autoimmune, chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems (ZNS). Das Immunsystem greift gesunde Nervenzellen an, sodass diese fortlaufend absterben. Die häufigsten Frühsymptome sind vorübergehende Empfindungsstörungen, Seh … weiterlesen

13.03.2024

Immunsystem: Entzündungsreaktion und Infektionsabwehr nach Nahrungsaufnahme

Nach der Nahrungsaufnahme, besonders nach einer fettreichen Mahlzeit, wird eine Entzündungsreaktion im Körper ausgelöst, die sog. postprandiale Inflammation. Hierbei werden Immunzellen aktiviert und entzündungsfördernde Botenstoffe freigesetzt. Entzündungsreaktionen im … weiterlesen

Allergieprävention im ersten Lebensjahr

Themen und Fallbeispiele aus der Ernährungstherapie Die aktuellen Empfehlungen der S3-Leitlinie Allergieprävention [1] geben Ernährungstherapeut*innen erstmals konkrete Empfehlungen zur Einführung von Allergieauslösern mit der Beikost. Praktische Vorschläge für die Umse … weiterlesen