Während weltweit rund 80 % der landwirtschaftlichen Nutzfläche für die Produktion tierischer Lebensmittel genutzt wird, tragen diese nur zu 18 % der globalen Kalorienversorgung bei. Wenn ein größerer Teil der Ackerflächen für die Erzeugung von Lebensmitteln statt Tierfutter genutzt würde, ließe sich das Angebot von Lebensmitteln rasch und nachhaltig ausweiten und Preisanstiege und Hunger vermindern. Weniger Flächenverbrauch für die Landwirtschaft könnte zugleich das Artensterben reduzieren. Zudem führt die Erzeugung tierischer Lebensmittel zu einem erheblichen Ausstoß von Treibhausgasen und damit der globalen Erwärmung mit Wetterextremen. Auch hier würde eine Wende hin zu mehr pflanzlicher Ernährung helfen.

Politische Entscheidungen sollten all diese Krisen gemeinsam angehen. Als Zielsetzung für Deutschland sollte dabei ein Ernährungssystem angestrebt werden, welches die planetaren Grenzen einhält und das Erreichen der nachhaltigen Entwicklungsziele gewährleistet. Hierfür benötigt es laut den AutorInnen:

  • Eine deutliche Verminderung des Konsums tierischer Lebensmittel, von derzeit durchschnittlich 55 kg Fleisch pro Person und Jahr auf ca. ein Viertel des aktuellen Niveaus, sowie eine deutliche Reduktion des Milchkonsums.
  • Eine deutliche Steigerung des Konsums gesunder pflanzlicher Lebensmittel (Obst, Gemüse, Vollkorngetreide, Nüsse/Samen und Hülsenfrüchte).
  • Ein Absenken der Nutztierzahlen sowie Ausbau und Diversifizierung des Anbaus pflanzlicher Lebensmittel in Deutschland.


Eine solche Umstellung könnte die Treibhausgasemissionen im Ernährungs- und Agrarsektor um ca. 75 % und weitere negative Umweltauswirkungen reduzieren sowie die vorzeitige Sterblichkeit in Deutschland um bis zu 20 % senken – dies entspricht bis zu 177 000 Todesfällen pro Jahr.

Um auf diese Zielsetzung hinzuarbeiten, schlagen die AutorInnen drei zentrale politische Maßnahmen vor:

  1. Transformationsfonds zur Umstellung der Außer-Haus-Verpflegung und zur Förderung von LandwirtInnen beim Ausbau der Produktion von Hülsenfrüchten, Obst und Gemüse.
  2. Kurzfristige (innerhalb der nächsten 4–6 Monate) Einführung bestimmter wirkungsvoller Entlastungspakete und Lenkungsabgaben für VerbraucherInnen.
  3. Eine Zukunftskommission Ernährung und Landwirtschaft sowie die Kompetenzerweiterung des Wissenschaftlichen Beirats für Agrarpolitik, Ernährung und gesundheitlichen Verbraucherschutz zum Monitoring des Transformationsprozesses.


Literatur


1. Felsenfeld LP, Pörtner LM, Bodirsky BL et al.: Für Ernährungssicherheit und eine lebenswerte Zukunft. Pflanzenbasierte Ernährungsweisen fördern, Produktion und Verbrauch tierischer Lebensmittel reduzieren. Policy Brief. Zenodo: DOI:10.5281/zenodo.7038961.

Quelle: Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, Pressemeldung vom 01.09.2022




Diesen Artikel finden Sie auch in ERNÄHRUNGS UMSCHAU 10/2022 auf Seite M524.


Eine Gruppe von WissenschaftlerInnen unter Federführung des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) hat in einem Policy Brief zum Thema Ernährungssicherheit Politikempfehlungen für Deutschland veröffentlicht. Sie erklären, dass eine Wende hin zu mehr pflanzlichen und weniger tierischen Lebensmitteln nötig ist, um die Welternährung zu sichern. Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine hat eine Verknappung mancher Agrarprodukte sowie von mit Gas hergestelltem Mineraldünger ausgelöst. Folge ist ein Preisanstieg bei Lebensmitteln. Gleichzeitig bedrohen mit der zunehmenden Klimakrise Dürren und Sturzfluten die Ernten weltweit. Die Forschenden zeigen die Zusammenhänge auf – und machen konkrete Empfehlungen, wie eine Ernährungswende eingeleitet werden könnte.


Während weltweit rund 80 % der landwirtschaftlichen Nutzfläche für die Produktion tierischer Lebensmittel genutzt wird, tragen diese nur zu 18 % der globalen Kalorienversorgung bei. Wenn ein größerer Teil der Ackerflächen für die Erzeugung von Lebensmitteln statt Tierfutter genutzt würde, ließe sich das Angebot von Lebensmitteln rasch und nachhaltig ausweiten und Preisanstiege und Hunger vermindern. Weniger Flächenverbrauch für die Landwirtschaft könnte zugleich das Artensterben reduzieren. Zudem führt die Erzeugung tierischer Lebensmittel zu einem erheblichen Ausstoß von Treibhausgasen und damit der globalen Erwärmung mit Wetterextremen. Auch hier würde eine Wende hin zu mehr pflanzlicher Ernährung helfen.

Politische Entscheidungen sollten all diese Krisen gemeinsam angehen. Als Zielsetzung für Deutschland sollte dabei ein Ernährungssystem angestrebt werden, welches die planetaren Grenzen einhält und das Erreichen der nachhaltigen Entwicklungsziele gewährleistet. Hierfür benötigt es laut den AutorInnen:

  • Eine deutliche Verminderung des Konsums tierischer Lebensmittel, von derzeit durchschnittlich 55 kg Fleisch pro Person und Jahr auf ca. ein Viertel des aktuellen Niveaus, sowie eine deutliche Reduktion des Milchkonsums.
  • Eine deutliche Steigerung des Konsums gesunder pflanzlicher Lebensmittel (Obst, Gemüse, Vollkorngetreide, Nüsse/Samen und Hülsenfrüchte).
  • Ein Absenken der Nutztierzahlen sowie Ausbau und Diversifizierung des Anbaus pflanzlicher Lebensmittel in Deutschland.


Eine solche Umstellung könnte die Treibhausgasemissionen im Ernährungs- und Agrarsektor um ca. 75 % und weitere negative Umweltauswirkungen reduzieren sowie die vorzeitige Sterblichkeit in Deutschland um bis zu 20 % senken – dies entspricht bis zu 177 000 Todesfällen pro Jahr.

Um auf diese Zielsetzung hinzuarbeiten, schlagen die AutorInnen drei zentrale politische Maßnahmen vor:

  1. Transformationsfonds zur Umstellung der Außer-Haus-Verpflegung und zur Förderung von LandwirtInnen beim Ausbau der Produktion von Hülsenfrüchten, Obst und Gemüse.
  2. Kurzfristige (innerhalb der nächsten 4–6 Monate) Einführung bestimmter wirkungsvoller Entlastungspakete und Lenkungsabgaben für VerbraucherInnen.
  3. Eine Zukunftskommission Ernährung und Landwirtschaft sowie die Kompetenzerweiterung des Wissenschaftlichen Beirats für Agrarpolitik, Ernährung und gesundheitlichen Verbraucherschutz zum Monitoring des Transformationsprozesses.


Literatur


1. Felsenfeld LP, Pörtner LM, Bodirsky BL et al.: Für Ernährungssicherheit und eine lebenswerte Zukunft. Pflanzenbasierte Ernährungsweisen fördern, Produktion und Verbrauch tierischer Lebensmittel reduzieren. Policy Brief. Zenodo: DOI:10.5281/zenodo.7038961.

Quelle: Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, Pressemeldung vom 01.09.2022




Diesen Artikel finden Sie auch in ERNÄHRUNGS UMSCHAU 10/2022 auf Seite M524.


Nachhaltige Ernährung: Policy Brief Ernährungssicherheit

Während weltweit rund 80 % der landwirtschaftlichen Nutzfläche für die Produktion tierischer Lebensmittel genutzt wird, tragen diese nur zu 18 % der globalen Kalorienversorgung bei. Wenn ein größerer Teil der Ackerflächen für die Erzeugung von Lebensmitteln statt Tierfutter genutzt würde, ließe sich das Angebot von Lebensmitteln rasch und nachhaltig ausweiten und Preisanstiege und Hunger vermindern. Weniger Flächenverbrauch für die Landwirtschaft könnte zugleich das Artensterben reduzieren. Zudem führt die Erzeugung tierischer Lebensmittel zu einem erheblichen Ausstoß von Treibhausgasen und damit der globalen Erwärmung mit Wetterextremen. Auch hier würde eine Wende hin zu mehr pflanzlicher Ernährung helfen.

Politische Entscheidungen sollten all diese Krisen gemeinsam angehen. Als Zielsetzung für Deutschland sollte dabei ein Ernährungssystem angestrebt werden, welches die planetaren Grenzen einhält und das Erreichen der nachhaltigen Entwicklungsziele gewährleistet. Hierfür benötigt es laut den AutorInnen:

  • Eine deutliche Verminderung des Konsums tierischer Lebensmittel, von derzeit durchschnittlich 55 kg Fleisch pro Person und Jahr auf ca. ein Viertel des aktuellen Niveaus, sowie eine deutliche Reduktion des Milchkonsums.
  • Eine deutliche Steigerung des Konsums gesunder pflanzlicher Lebensmittel (Obst, Gemüse, Vollkorngetreide, Nüsse/Samen und Hülsenfrüchte).
  • Ein Absenken der Nutztierzahlen sowie Ausbau und Diversifizierung des Anbaus pflanzlicher Lebensmittel in Deutschland.

Eine solche Umstellung könnte die Treibhausgasemissionen im Ernährungs- und Agrarsektor um ca. 75 % und weitere negative Umweltauswirkungen reduzieren sowie die vorzeitige Sterblichkeit in Deutschland um bis zu 20 % senken – dies entspricht bis zu 177 000 Todesfällen pro Jahr.

Um auf diese Zielsetzung hinzuarbeiten, schlagen die AutorInnen drei zentrale politische Maßnahmen vor:

  1. Transformationsfonds zur Umstellung der Außer-Haus-Verpflegung und zur Förderung von LandwirtInnen beim Ausbau der Produktion von Hülsenfrüchten, Obst und Gemüse.
  2. Kurzfristige (innerhalb der nächsten 4–6 Monate) Einführung bestimmter wirkungsvoller Entlastungspakete und Lenkungsabgaben für VerbraucherInnen.
  3. Eine Zukunftskommission Ernährung und Landwirtschaft sowie die Kompetenzerweiterung des Wissenschaftlichen Beirats für Agrarpolitik, Ernährung und gesundheitlichen Verbraucherschutz zum Monitoring des Transformationsprozesses.
Literatur

1. Felsenfeld LP, Pörtner LM, Bodirsky BL et al.: Für Ernährungssicherheit und eine lebenswerte Zukunft. Pflanzenbasierte Ernährungsweisen fördern, Produktion und Verbrauch tierischer Lebensmittel reduzieren. Policy Brief. Zenodo: DOI:10.5281/zenodo.7038961.

Quelle: Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, Pressemeldung vom 01.09.2022


Diesen Artikel finden Sie auch in ERNÄHRUNGS UMSCHAU 10/2022 auf Seite M524.

News zum Thema des Artikels

Becken in dem Algen produziert werden

Lesetipp Heft 5/2026: Mikroalgen als Rohstoffquelle für die Lebensmittelindustrie

Ein deutsches Forschungsteam zeigt, wie Spirulina nachhaltig produziert, schonend verarbeitet und direkt für innovative Lebensmittel genutzt werden kann. Der neue Bioraffinerie-Ansatz eröffnet neue Möglichkeiten für pflanzliche Produkte der Zukunft …
weiterlesen

Gelbe Paprika wird auf einem Holzbrett geschnitten, rundherum weiteres Gemüse und Salat

Lesetipp Heft 5/2026: Projekt „KidZ“ zeigt Wege zu gesunder und nachhaltiger Seniorenverpflegung

Das Projekt „KidZ – Köstlich in die Zukunft“ verfolgt einen Setting-Ansatz mit dem Ziel, nachhaltige und alltagstaugliche Verpflegungskonzepte in Senioreneinrichtungen zu etablieren …
weiterlesen

vegetarische Würstchen auf einem Teller

Lesetipp Heft 4/2026: Neue essbare Proteinfilme verbessern Textur pflanzlicher Wurstalternativen

Forschende zeigen, wie innovative Proteinhüllen für mehr Stabilität, bessere Textur und die gewünschte „Knackigkeit“ sorgen – und damit die Akzeptanz bei Verbraucher*innen steigern …
weiterlesen

Artikelfakten

Veröffentlicht: 12.10.2022

Themen des Artikels

Dieser Artikel erscheint in

Artikel teilen

Weitere Artikel zum Thema

12.08.2026

Ketogene Ernährungstherapien im Wandel

Traditionell basiert die praktische Umsetzung ketogener Ernährungstherapien auf einem hohen Anteil tierischer Fett- und Proteinquellen. Zunehmend wächst jedoch das Interesse an pflanzenorientierten Formen der ketogenen Ernährung. weiterlesen

12.08.2026

Soziale Unterschiede in der nachhaltigen Ernährung junger Menschen in Deutschland

Die vorliegende Studie untersucht nachhaltige Ernährungspraktiken junger Menschen in Deutschland unter der Fragestellung, welche Unterschiede es innerhalb der sogenannten jungen Generation insbesondere mit Blick auf den Fleischverzehr und -verzicht gibt. weiterlesen

15.07.2026

Nachhaltigkeit in der Schweizer Kochlehre: Lücken, Potenziale und Perspektiven

Die Gastronomie prägt unsere Esskultur und hat aufgrund des wachsenden Außer-Haus-Konsums in der Schweiz großes Potenzial, nachhaltige Ernährung zu fördern. Kochlernende nehmen dabei eine Schlüsselrolle ein, da ihr Wissen, ihre Fähigkeiten und ihre Einstellungen zentral … weiterlesen

20.05.2026
Ahead of Print

Chancen und Herausforderungen nachhaltiger Ernährungsverpflegung in Kindertagesstätten

Das Ernährungssystem ist erheblich an der Überschreitung planetarer Belastungsgrenzen beteiligt. Eine nachhaltige Ernährung kann negative Auswirkungen globaler Klima- und Umweltveränderungen reduzieren und gleichzeitig positive Effekte auf Ernährungsweise und Gesundheit … weiterlesen

06.05.2026
Ahead of Print

Soziale Unterschiede in der nachhaltigen Ernährung junger Menschen in Deutschland

In der Diskussion um eine nachhaltigere Ernährung wird der jungen Generation häufig ein hohes Transformationspotenzial zugeschrieben. Denn junge Menschen hinterfragen ihren Fleischkonsum, sind einer vegetarischen und veganen Ernährung gegenüber aufgeschlossen und verzic … weiterlesen

15.09.2025

WBAE-Gutachten Alternativprodukte zu tierischen Lebensmitteln: Mehr Auswahl am gemeinsamen Tisch

Der Wissenschaftliche Beirat für Agrarpolitik, Ernährung und gesundheitlichen Verbraucherschutz (WBAE) hat am 22.07.2025 sein Gutachten zum Thema „Mehr Auswahl am gemeinsamen Tisch: Alternativprodukte zu tierischen Lebensmitteln als Beitrag zu einer nachhaltigen Ernähru … weiterlesen

13.08.2025

Neue Studiengänge rund um Lebensmittel

Hochschule Osnabrück erweitert ihr Studienangebot Die Hochschule Osnabrück hat ihr Studienangebot im Bereich Ernährung und Lebensmittel grundlegend weiterentwickelt. Zum Wintersemester 2025/2026 starten insgesamt fünf neue oder überarbeitete Studiengänge, die sich an de … weiterlesen

11.06.2025

Nachhaltigkeit: Wird Nachhaltigkeit zur Nebensache?

Laut einer Analyse des Marktforschungsunternehmens NIQ [1] ist den Menschen in Deutschland Nachhaltigkeit nicht mehr so wichtig wie noch vor einigen Jahren. Die Konsument*innen haben demnach immer seltener Schuldgefühle, wenn sie sich nicht umweltfreundlich verhalten. 2 … weiterlesen