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Peer-Review-Verfahren / Manuskript (Original) eingereicht: 17. Mai 2022 / Überarbeitung angenommen: 25. Juli 2022

Einführung


Die Gewohnheit zu essen, um unangenehme Gefühle erträglicher zu machen, wird als „emotionales Essverhalten“ bezeichnet: ein Essmuster, das durch Angst, Ärger oder depressive Verstimmungen ausgelöst wird. Dabei erhöhen diese und andere negative Emotionen die Essbereitschaft, was als Appetit oder Verlangen erlebt wird, weniger als körperlich verankerte Hungerempfindung. Es wird zumeist energiedichte Nahrung gegessen, oftmals verbunden mit einem Verlust der Kontrolle über das Essverhalten. In der Konsequenz nimmt die Intensität der belastenden Emotion ab, wodurch das emotional ausgelöste Essen verstärkt und aufrechterhalten wird. Das Essmuster wurde in Laborexperimenten validiert, wobei Personen mit hohen Scores in den einschlägigen Fragebögen unter Einwirkung induzierter Emotionen mehr aßen als Personen mit niedrigen Scores.


Emotionales Essverhalten entwickelt sich in einem noch nicht genau geklärten Zusammenspiel von Lernprozessen, biologischen und soziokulturellen Faktoren. Es trägt zur Entwicklung von Übergewicht und Essstörungen bei und erschwert Veränderungen des Ernährungsverhaltens wie sie etwa bei bariatrischen Operationen oder in der Diabetesbehandlung erforderlich sind [1–6]. ...

Abstract


Die Wirksamkeit eines achtsamkeitsbasierten verhaltenstherapeutischen Trainingsprogramms zur Reduktion emotionalen Essverhaltens wurde in einer randomisierten, kontrollierten Studie untersucht. PatientInnen einer Rehabilitationsklinik (durchschnittliches Alter 51 Jahre, 57 % Frauen) mit erhöhter Ausprägung emotionalen Essverhaltens und einem durchschnittlichen Body-Mass-Index von 36 wurden randomisiert der regulären Behandlung (n = 262) oder einem zusätzlichen Trainingsprogramm mit sechs Gruppensitzungen (n = 260) zugewiesen. Merkmale des Essverhaltens und der Emotionsregulation wurden mit standardisierten Fragebögen zu Beginn des Trainings, bei Trainingsende sowie einen, drei und fünf Monate danach erhoben. Das Training reduzierte die Ausprägung emotionalen Essverhaltens bis zu drei Monate nach Trainingsende, verbesserte die Emotionsregulation und förderte die Fertigkeit, das Essen zu genießen. Demnach lässt sich emotionales Essverhalten mit relativ geringem zeitlichen Aufwand durch ein achtsamkeitsbasiertes verhaltenstherapeutisches Training erfolgreich behandeln.

Schlüsselwörter: emotionales Essverhalten, Stress, achtsamkeitsbasierte Interventionen, Emotionsregulation, Psychologie




Peer reviewed / Manuscript (original) submitted: 17 May 2022 / Revision accepted: 25 July2022

Reducing emotional eating through mindfulness-based cognitive-behavioural training


Abstract


The efficacy of a mindfulness-based cognitive-behavioral training program to reduce emotional eating behavior was investigated in a randomized controlled trial. Patients of a rehabilitation clinic (mean age 51 years, 57 % women) showing high scores of emotional eating and a mean body mass index of 36 were randomly assigned to regular treatment (n = 262) or to an additional training program with six group sessions (n = 260). Characteristics of eating and emotion regulation were assessed with standardized questionnaires at the beginning of training, at the end of training, and one, three, and five months thereafter. The training reduced the expression of emotional eating up to three months after the end of the training, improved emotion regulation and promoted the ability to enjoy food. We conclude that emotional eating can be successfully treated with relatively little time through mindfulness-based behavioral therapy training.

Keywords: emotional eating, stress, mindfulness-based intervention, emotion regulation, psychology

Full text PDF (free version)

https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/4.0/legalcode




Den vollständigen Artikel finden Sie auch in ERNÄHRUNGS UMSCHAU 10/2022 auf den Seiten M540 bis M545.




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Peer-Review-Verfahren / Manuskript (Original) eingereicht: 17. Mai 2022 / Überarbeitung angenommen: 25. Juli 2022

Einführung


Die Gewohnheit zu essen, um unangenehme Gefühle erträglicher zu machen, wird als „emotionales Essverhalten“ bezeichnet: ein Essmuster, das durch Angst, Ärger oder depressive Verstimmungen ausgelöst wird. Dabei erhöhen diese und andere negative Emotionen die Essbereitschaft, was als Appetit oder Verlangen erlebt wird, weniger als körperlich verankerte Hungerempfindung. Es wird zumeist energiedichte Nahrung gegessen, oftmals verbunden mit einem Verlust der Kontrolle über das Essverhalten. In der Konsequenz nimmt die Intensität der belastenden Emotion ab, wodurch das emotional ausgelöste Essen verstärkt und aufrechterhalten wird. Das Essmuster wurde in Laborexperimenten validiert, wobei Personen mit hohen Scores in den einschlägigen Fragebögen unter Einwirkung induzierter Emotionen mehr aßen als Personen mit niedrigen Scores.


Emotionales Essverhalten entwickelt sich in einem noch nicht genau geklärten Zusammenspiel von Lernprozessen, biologischen und soziokulturellen Faktoren. Es trägt zur Entwicklung von Übergewicht und Essstörungen bei und erschwert Veränderungen des Ernährungsverhaltens wie sie etwa bei bariatrischen Operationen oder in der Diabetesbehandlung erforderlich sind [1–6]. ...

Abstract


Die Wirksamkeit eines achtsamkeitsbasierten verhaltenstherapeutischen Trainingsprogramms zur Reduktion emotionalen Essverhaltens wurde in einer randomisierten, kontrollierten Studie untersucht. PatientInnen einer Rehabilitationsklinik (durchschnittliches Alter 51 Jahre, 57 % Frauen) mit erhöhter Ausprägung emotionalen Essverhaltens und einem durchschnittlichen Body-Mass-Index von 36 wurden randomisiert der regulären Behandlung (n = 262) oder einem zusätzlichen Trainingsprogramm mit sechs Gruppensitzungen (n = 260) zugewiesen. Merkmale des Essverhaltens und der Emotionsregulation wurden mit standardisierten Fragebögen zu Beginn des Trainings, bei Trainingsende sowie einen, drei und fünf Monate danach erhoben. Das Training reduzierte die Ausprägung emotionalen Essverhaltens bis zu drei Monate nach Trainingsende, verbesserte die Emotionsregulation und förderte die Fertigkeit, das Essen zu genießen. Demnach lässt sich emotionales Essverhalten mit relativ geringem zeitlichen Aufwand durch ein achtsamkeitsbasiertes verhaltenstherapeutisches Training erfolgreich behandeln.

Schlüsselwörter: emotionales Essverhalten, Stress, achtsamkeitsbasierte Interventionen, Emotionsregulation, Psychologie




Peer reviewed / Manuscript (original) submitted: 17 May 2022 / Revision accepted: 25 July2022

Reducing emotional eating through mindfulness-based cognitive-behavioural training


Abstract


The efficacy of a mindfulness-based cognitive-behavioral training program to reduce emotional eating behavior was investigated in a randomized controlled trial. Patients of a rehabilitation clinic (mean age 51 years, 57 % women) showing high scores of emotional eating and a mean body mass index of 36 were randomly assigned to regular treatment (n = 262) or to an additional training program with six group sessions (n = 260). Characteristics of eating and emotion regulation were assessed with standardized questionnaires at the beginning of training, at the end of training, and one, three, and five months thereafter. The training reduced the expression of emotional eating up to three months after the end of the training, improved emotion regulation and promoted the ability to enjoy food. We conclude that emotional eating can be successfully treated with relatively little time through mindfulness-based behavioral therapy training.

Keywords: emotional eating, stress, mindfulness-based intervention, emotion regulation, psychology

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Den vollständigen Artikel finden Sie auch in ERNÄHRUNGS UMSCHAU 10/2022 auf den Seiten M540 bis M545.


Reduktion emotionalen Essverhaltens durch ein achtsamkeitsbasiertes verhaltenstherapeutisches Training

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Peer-Review-Verfahren / Manuskript (Original) eingereicht: 17. Mai 2022 / Überarbeitung angenommen: 25. Juli 2022

Einführung
Die Gewohnheit zu essen, um unangenehme Gefühle erträglicher zu machen, wird als „emotionales Essverhalten“ bezeichnet: ein Essmuster, das durch Angst, Ärger oder depressive Verstimmungen ausgelöst wird. Dabei erhöhen diese und andere negative Emotionen die Essbereitschaft, was als Appetit oder Verlangen erlebt wird, weniger als körperlich verankerte Hungerempfindung. Es wird zumeist energiedichte Nahrung gegessen, oftmals verbunden mit einem Verlust der Kontrolle über das Essverhalten. In der Konsequenz nimmt die Intensität der belastenden Emotion ab, wodurch das emotional ausgelöste Essen verstärkt und aufrechterhalten wird. Das Essmuster wurde in Laborexperimenten validiert, wobei Personen mit hohen Scores in den einschlägigen Fragebögen unter Einwirkung induzierter Emotionen mehr aßen als Personen mit niedrigen Scores.

Emotionales Essverhalten entwickelt sich in einem noch nicht genau geklärten Zusammenspiel von Lernprozessen, biologischen und soziokulturellen Faktoren. Es trägt zur Entwicklung von Übergewicht und Essstörungen bei und erschwert Veränderungen des Ernährungsverhaltens wie sie etwa bei bariatrischen Operationen oder in der Diabetesbehandlung erforderlich sind [1–6]. …

Abstract

Die Wirksamkeit eines achtsamkeitsbasierten verhaltenstherapeutischen Trainingsprogramms zur Reduktion emotionalen Essverhaltens wurde in einer randomisierten, kontrollierten Studie untersucht. PatientInnen einer Rehabilitationsklinik (durchschnittliches Alter 51 Jahre, 57 % Frauen) mit erhöhter Ausprägung emotionalen Essverhaltens und einem durchschnittlichen Body-Mass-Index von 36 wurden randomisiert der regulären Behandlung (n = 262) oder einem zusätzlichen Trainingsprogramm mit sechs Gruppensitzungen (n = 260) zugewiesen. Merkmale des Essverhaltens und der Emotionsregulation wurden mit standardisierten Fragebögen zu Beginn des Trainings, bei Trainingsende sowie einen, drei und fünf Monate danach erhoben. Das Training reduzierte die Ausprägung emotionalen Essverhaltens bis zu drei Monate nach Trainingsende, verbesserte die Emotionsregulation und förderte die Fertigkeit, das Essen zu genießen. Demnach lässt sich emotionales Essverhalten mit relativ geringem zeitlichen Aufwand durch ein achtsamkeitsbasiertes verhaltenstherapeutisches Training erfolgreich behandeln.

Schlüsselwörter: emotionales Essverhalten, Stress, achtsamkeitsbasierte Interventionen, Emotionsregulation, Psychologie


Peer reviewed / Manuscript (original) submitted: 17 May 2022 / Revision accepted: 25 July2022

Reducing emotional eating through mindfulness-based cognitive-behavioural training
Abstract

The efficacy of a mindfulness-based cognitive-behavioral training program to reduce emotional eating behavior was investigated in a randomized controlled trial. Patients of a rehabilitation clinic (mean age 51 years, 57 % women) showing high scores of emotional eating and a mean body mass index of 36 were randomly assigned to regular treatment (n = 262) or to an additional training program with six group sessions (n = 260). Characteristics of eating and emotion regulation were assessed with standardized questionnaires at the beginning of training, at the end of training, and one, three, and five months thereafter. The training reduced the expression of emotional eating up to three months after the end of the training, improved emotion regulation and promoted the ability to enjoy food. We conclude that emotional eating can be successfully treated with relatively little time through mindfulness-based behavioral therapy training.

Keywords: emotional eating, stress, mindfulness-based intervention, emotion regulation, psychology

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Verschlagwortet mit: Stress, Psychologie, Emotionsregulation

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Artikelfakten

Rubrik: Peer Review
Veröffentlicht: 12.10.2022

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