Die Reduktion des Zucker-, Fett-, oder Salzgehalts verarbeiteter Lebensmittel ist eine vielversprechende Strategie, um den VerbraucherInnen gesündere Alternativen anzubieten. Herstellung, Einzelhandel sowie die regulatorische Seite sind jedoch laut Prof. Jutta Roosen (TU München) mit mehrdimensionalen Hemmnissen konfrontiert, die es noch besser zu verstehen gilt. Keynote-Sprecher Dr. Louis-Georges Soler, Institut national de la recherche agronomique, resümierte, dass informationsbasierte Maßnahmen mittelfristig nur geringe positive Effekte auf Gesundheit der Bevölkerung anzeigen. Gesundheitsbehörden zögen daher nun stärker eingreifende Maßnahmen in Betracht.

Die nachfolgenden Fachbeiträge befassten sich mit der Verbraucherwahrnehmung von Claims, Etiketten, der Analyse von Nachfrage und Politik in Bezug auf die neuen Produktzusammensetzungen. Grundtenor war, dass der Fokus auf einzelne Nährstoffe weniger effektiv zu sein scheint als die technologische, sensorische oder auch physiologische Gesamtqualität zu verbessern. Dies betrifft auch das Marketing des Produkts: Eine Zutat kann noch so komplex ersetzt werden – ohne Vertrauen in Qualität und Geschmack der neuen Rezeptur sei für alle nichts gewonnen.

Vielfältige Ergebnisse aus Fallstudien mit Fleischersatz, sensorischen Testverfahren und psychologischen Wahrnehmungsstudien flossen in die Schlussdiskussion ein. Dr. Robert Schaller (BMEL), Prof. Helen Jensen (Iowa State University), Birgit Gaigl (Danone), Emma Calvert (Europäischer Verbraucherverband BEUC) und Prof. Annette Buyken (Universität Paderborn) diskutierten die Vor- und Nachteile internationaler Reduktionsstrategien und die bisherigen Erfahrungen damit.

Helen Jensen betonte, dass die Industrie mehr Verantwortung zeigen muss. Steuern auf einzelne Nährstoffe könnten hilfreich sein. Freiwillige Industrie-Verpflichtungen müssten in obligatorische Maßnahmen überführt werden, um die Zufuhr dieser Zutaten auf Bevölkerungsebene evident zu reduzieren, so Annette Buyken.

Birgit Gaigl beschrieb, wie es auch ohne neue Gesetze in 20 Jahren verantwortungsvoller Technologie und -Rezepturumstellung gelungen ist, Produkte innovativ umzugestalten. Allerdings sei ein Unternehmen, das Reduktionen „still“ vorantreibt, auf effiziente und neutrale Informationsvermittlung in die Bevölkerung angewiesen. Hier bestehe noch Verbesserungspotenzial unter MultiplikatorInnen.

Der Tenor der Debatte: Effekte der Reformulierung seien bei den VerbraucherInnen noch zu wenig angekommen. Zwar gäbe es sehr positive Beispiele, aber die Kombination unterschiedlicher Maßnahmen könnten Effekte verstärken. VerbraucherInnen sollten dabei nicht mit zu vielen Nährstoff-Informationen überfrachtet werden.

Die Veranstaltung zeigte insgesamt, dass Reformulierung in jeglicher Hinsicht eine große Herausforderung sei. Nach der Reduktion von Fett, Zucker und Salz muss es auch noch weiter in Richtung Nachhaltigkeit gehen. Ein langer Weg, auf dem ein gelungener Wissenschaftsdialog nicht fehlen sollte.

Der 92-seitige Tagungsband (Englisch) kann im enable-Cluster-Office angefordert werden: food.reform@tum.de 

Dr. Karin Bergmann, München

⇒ Der zweiteilige Beitrag „Reformulierung in Europa“ in ERNÄHRUNGS UMSCHAU 10 und 11/2020 gibt einen umfassenden Überblick zum Thema.




Diesen Artikel finden Sie auch in ERNÄHRUNGS UMSCHAU 7/2021 auf Seite M374.


Auf Einladung des Kompetenzclusters Ernährungsforschung enable und der Gesellschaft zur Förderung der Verbraucherforschung an der TU München berichteten am 17. und 18. Juni VertreterInnen von Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Unternehmen über den Forschungs- und Entwicklungsstand zur Reformulierung und gaben wichtige Impulse für künftige Strategien.


Die Reduktion des Zucker-, Fett-, oder Salzgehalts verarbeiteter Lebensmittel ist eine vielversprechende Strategie, um den VerbraucherInnen gesündere Alternativen anzubieten. Herstellung, Einzelhandel sowie die regulatorische Seite sind jedoch laut Prof. Jutta Roosen (TU München) mit mehrdimensionalen Hemmnissen konfrontiert, die es noch besser zu verstehen gilt. Keynote-Sprecher Dr. Louis-Georges Soler, Institut national de la recherche agronomique, resümierte, dass informationsbasierte Maßnahmen mittelfristig nur geringe positive Effekte auf Gesundheit der Bevölkerung anzeigen. Gesundheitsbehörden zögen daher nun stärker eingreifende Maßnahmen in Betracht.

Die nachfolgenden Fachbeiträge befassten sich mit der Verbraucherwahrnehmung von Claims, Etiketten, der Analyse von Nachfrage und Politik in Bezug auf die neuen Produktzusammensetzungen. Grundtenor war, dass der Fokus auf einzelne Nährstoffe weniger effektiv zu sein scheint als die technologische, sensorische oder auch physiologische Gesamtqualität zu verbessern. Dies betrifft auch das Marketing des Produkts: Eine Zutat kann noch so komplex ersetzt werden – ohne Vertrauen in Qualität und Geschmack der neuen Rezeptur sei für alle nichts gewonnen.

Vielfältige Ergebnisse aus Fallstudien mit Fleischersatz, sensorischen Testverfahren und psychologischen Wahrnehmungsstudien flossen in die Schlussdiskussion ein. Dr. Robert Schaller (BMEL), Prof. Helen Jensen (Iowa State University), Birgit Gaigl (Danone), Emma Calvert (Europäischer Verbraucherverband BEUC) und Prof. Annette Buyken (Universität Paderborn) diskutierten die Vor- und Nachteile internationaler Reduktionsstrategien und die bisherigen Erfahrungen damit.

Helen Jensen betonte, dass die Industrie mehr Verantwortung zeigen muss. Steuern auf einzelne Nährstoffe könnten hilfreich sein. Freiwillige Industrie-Verpflichtungen müssten in obligatorische Maßnahmen überführt werden, um die Zufuhr dieser Zutaten auf Bevölkerungsebene evident zu reduzieren, so Annette Buyken.

Birgit Gaigl beschrieb, wie es auch ohne neue Gesetze in 20 Jahren verantwortungsvoller Technologie und -Rezepturumstellung gelungen ist, Produkte innovativ umzugestalten. Allerdings sei ein Unternehmen, das Reduktionen „still“ vorantreibt, auf effiziente und neutrale Informationsvermittlung in die Bevölkerung angewiesen. Hier bestehe noch Verbesserungspotenzial unter MultiplikatorInnen.

Der Tenor der Debatte: Effekte der Reformulierung seien bei den VerbraucherInnen noch zu wenig angekommen. Zwar gäbe es sehr positive Beispiele, aber die Kombination unterschiedlicher Maßnahmen könnten Effekte verstärken. VerbraucherInnen sollten dabei nicht mit zu vielen Nährstoff-Informationen überfrachtet werden.

Die Veranstaltung zeigte insgesamt, dass Reformulierung in jeglicher Hinsicht eine große Herausforderung sei. Nach der Reduktion von Fett, Zucker und Salz muss es auch noch weiter in Richtung Nachhaltigkeit gehen. Ein langer Weg, auf dem ein gelungener Wissenschaftsdialog nicht fehlen sollte.

Der 92-seitige Tagungsband (Englisch) kann im enable-Cluster-Office angefordert werden: food.reform@tum.de 

Dr. Karin Bergmann, München

⇒ Der zweiteilige Beitrag „Reformulierung in Europa“ in ERNÄHRUNGS UMSCHAU 10 und 11/2020 gibt einen umfassenden Überblick zum Thema.




Diesen Artikel finden Sie auch in ERNÄHRUNGS UMSCHAU 7/2021 auf Seite M374.


Konferenz zur Reformulierung: Reduktionsstrategien für Zucker, Fett und Salz: Wo steht Deutschland heute?

Die Reduktion des Zucker-, Fett-, oder Salzgehalts verarbeiteter Lebensmittel ist eine vielversprechende Strategie, um den VerbraucherInnen gesündere Alternativen anzubieten. Herstellung, Einzelhandel sowie die regulatorische Seite sind jedoch laut Prof. Jutta Roosen (TU München) mit mehrdimensionalen Hemmnissen konfrontiert, die es noch besser zu verstehen gilt. Keynote-Sprecher Dr. Louis-Georges Soler, Institut national de la recherche agronomique, resümierte, dass informationsbasierte Maßnahmen mittelfristig nur geringe positive Effekte auf Gesundheit der Bevölkerung anzeigen. Gesundheitsbehörden zögen daher nun stärker eingreifende Maßnahmen in Betracht.

Die nachfolgenden Fachbeiträge befassten sich mit der Verbraucherwahrnehmung von Claims, Etiketten, der Analyse von Nachfrage und Politik in Bezug auf die neuen Produktzusammensetzungen. Grundtenor war, dass der Fokus auf einzelne Nährstoffe weniger effektiv zu sein scheint als die technologische, sensorische oder auch physiologische Gesamtqualität zu verbessern. Dies betrifft auch das Marketing des Produkts: Eine Zutat kann noch so komplex ersetzt werden – ohne Vertrauen in Qualität und Geschmack der neuen Rezeptur sei für alle nichts gewonnen.

Vielfältige Ergebnisse aus Fallstudien mit Fleischersatz, sensorischen Testverfahren und psychologischen Wahrnehmungsstudien flossen in die Schlussdiskussion ein. Dr. Robert Schaller (BMEL), Prof. Helen Jensen (Iowa State University), Birgit Gaigl (Danone), Emma Calvert (Europäischer Verbraucherverband BEUC) und Prof. Annette Buyken (Universität Paderborn) diskutierten die Vor- und Nachteile internationaler Reduktionsstrategien und die bisherigen Erfahrungen damit.

Helen Jensen betonte, dass die Industrie mehr Verantwortung zeigen muss. Steuern auf einzelne Nährstoffe könnten hilfreich sein. Freiwillige Industrie-Verpflichtungen müssten in obligatorische Maßnahmen überführt werden, um die Zufuhr dieser Zutaten auf Bevölkerungsebene evident zu reduzieren, so Annette Buyken.

Birgit Gaigl beschrieb, wie es auch ohne neue Gesetze in 20 Jahren verantwortungsvoller Technologie und -Rezepturumstellung gelungen ist, Produkte innovativ umzugestalten. Allerdings sei ein Unternehmen, das Reduktionen „still“ vorantreibt, auf effiziente und neutrale Informationsvermittlung in die Bevölkerung angewiesen. Hier bestehe noch Verbesserungspotenzial unter MultiplikatorInnen.

Der Tenor der Debatte: Effekte der Reformulierung seien bei den VerbraucherInnen noch zu wenig angekommen. Zwar gäbe es sehr positive Beispiele, aber die Kombination unterschiedlicher Maßnahmen könnten Effekte verstärken. VerbraucherInnen sollten dabei nicht mit zu vielen Nährstoff-Informationen überfrachtet werden.

Die Veranstaltung zeigte insgesamt, dass Reformulierung in jeglicher Hinsicht eine große Herausforderung sei. Nach der Reduktion von Fett, Zucker und Salz muss es auch noch weiter in Richtung Nachhaltigkeit gehen. Ein langer Weg, auf dem ein gelungener Wissenschaftsdialog nicht fehlen sollte.

Der 92-seitige Tagungsband (Englisch) kann im enable-Cluster-Office angefordert werden: food.reform@tum.de 

Dr. Karin Bergmann, München

⇒ Der zweiteilige Beitrag „Reformulierung in Europa“ in ERNÄHRUNGS UMSCHAU 10 und 11/2020 gibt einen umfassenden Überblick zum Thema.


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Artikelfakten

Veröffentlicht: 14.07.2021

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