Appetitzügler, GLP-1-Rezeptoragonisten, u. a. Ozempic, haben die Aktienkurse der Hersteller förmlich explodieren lassen, die Adipositaschirurgie hat sich in vielen Kliniken zu einem lukrativen Therapiezweig entwickelt, unzählige Speziallebensmittel und Ratgeber zu Reduktionsdiäten sowie die Nachfrage nach Gewichtsreduktionskursen und Diätberatung boomen und versprechen auch in Zukunft weiterhin gute und sichere Geschäfte.

Die bisherigen Erfahrungen mit den gehypten Medikamenten zeigen zwar Abnehmerfolge, aber zur großen Freude der Hersteller auch, dass das Gewicht in den meisten Fällen schnell wieder ansteigt, wenn die Patient*innen die Spritzen absetzen. Wenn abnehmen schon schwer ist, so ist es noch schwieriger, ein reduziertes Gewicht dauerhaft zu halten. Leider neigt der Körper nach einer Gewichtsabnahme nicht nur dazu, jedes mühsam verlorene Kilo zurückzugewinnen, er kämpft regelrecht darum und legt oft sogar noch ein paar Kilo drauf.

Das Geheimnis dieses Jo-Jo-Effekts konnte nun in einer in Nature publizierten Studie [1] weiter gelüftet und teilweise durch epigenetische Veränderungen in den Fettzellen bzw. dem Fettgewebe erklärt werden. Demnach führt die Erfahrung von Übergewicht bzw. Adipositas zu dauerhaften Veränderungen im Epigenom, sodass in der Folge die Aktivität bestimmter Gene signifikant erhöht oder erniedrigt ist. In der Summe führt dies dazu, dass die Zellen nun darauf gepolt sind, wieder zuzunehmen.

Selbst nach einer massiven Gewichtsabnahme durch Magenverkleinerung oder andere drastische bariatrische Maßnahmen zeigt die genetische Aktivität der Fettzellen weiterhin das mit Adipositas assoziierte Muster. Ein ehemals adipöser Mensch, der stark abgenommen hat, mag zwar seine äußere Figur verändert haben, die zuvor erfolgten epigenetischen Veränderungen bleiben aber erhalten. Bislang ist unklar, wie lange diese Veränderungen nach einer Gewichtsabnahme bestehen bleiben und ob sie möglicherweise sogar an die nächste Generation weitergegeben werden.

Dank des epigenetischen Gedächtnisses der Fettzellen werden die rosigen Zeiten der Abnehmbranche wohl oder übel weiterbestehen bleiben, solange es nicht gelingt, unser Genom wieder in den präadipösen Zustand zurückzusetzen. Übergewicht und Adipositas von Anfang an vorzubeugen ist und bleibt das einzige wirksame und noch dazu kostengünstigste Mittel.

Ihr Helmut Heseker

Literatur


1. Hinte LC, et al: Adipose tissue retains an epigenetic memory of obesity after weight loss. Nature (2024). DOI: 10.1038/s41586-024-08165-7.




Den Nachschlag wie auch die Vorschau auf die nächste Ausgabe finden Sie in ERNÄHRUNGS UMSCHAU 1/2025 auf Seite M64.


Eine seit Jahrzehnten stetig wachsende Zielgruppe, noch dazu mit Leidensdruck und entsprechender Zahlungsbereitschaft, ist der Traum von Marketingexpert*innen. Die weite Verbreitung von Übergewicht und Adipositas bzw. die verschiedenen Therapieangebote versprechen schon heute gute Renditen und ein erhebliches Wachstumspotenzial.


Appetitzügler, GLP-1-Rezeptoragonisten, u. a. Ozempic, haben die Aktienkurse der Hersteller förmlich explodieren lassen, die Adipositaschirurgie hat sich in vielen Kliniken zu einem lukrativen Therapiezweig entwickelt, unzählige Speziallebensmittel und Ratgeber zu Reduktionsdiäten sowie die Nachfrage nach Gewichtsreduktionskursen und Diätberatung boomen und versprechen auch in Zukunft weiterhin gute und sichere Geschäfte.

Die bisherigen Erfahrungen mit den gehypten Medikamenten zeigen zwar Abnehmerfolge, aber zur großen Freude der Hersteller auch, dass das Gewicht in den meisten Fällen schnell wieder ansteigt, wenn die Patient*innen die Spritzen absetzen. Wenn abnehmen schon schwer ist, so ist es noch schwieriger, ein reduziertes Gewicht dauerhaft zu halten. Leider neigt der Körper nach einer Gewichtsabnahme nicht nur dazu, jedes mühsam verlorene Kilo zurückzugewinnen, er kämpft regelrecht darum und legt oft sogar noch ein paar Kilo drauf.

Das Geheimnis dieses Jo-Jo-Effekts konnte nun in einer in Nature publizierten Studie [1] weiter gelüftet und teilweise durch epigenetische Veränderungen in den Fettzellen bzw. dem Fettgewebe erklärt werden. Demnach führt die Erfahrung von Übergewicht bzw. Adipositas zu dauerhaften Veränderungen im Epigenom, sodass in der Folge die Aktivität bestimmter Gene signifikant erhöht oder erniedrigt ist. In der Summe führt dies dazu, dass die Zellen nun darauf gepolt sind, wieder zuzunehmen.

Selbst nach einer massiven Gewichtsabnahme durch Magenverkleinerung oder andere drastische bariatrische Maßnahmen zeigt die genetische Aktivität der Fettzellen weiterhin das mit Adipositas assoziierte Muster. Ein ehemals adipöser Mensch, der stark abgenommen hat, mag zwar seine äußere Figur verändert haben, die zuvor erfolgten epigenetischen Veränderungen bleiben aber erhalten. Bislang ist unklar, wie lange diese Veränderungen nach einer Gewichtsabnahme bestehen bleiben und ob sie möglicherweise sogar an die nächste Generation weitergegeben werden.

Dank des epigenetischen Gedächtnisses der Fettzellen werden die rosigen Zeiten der Abnehmbranche wohl oder übel weiterbestehen bleiben, solange es nicht gelingt, unser Genom wieder in den präadipösen Zustand zurückzusetzen. Übergewicht und Adipositas von Anfang an vorzubeugen ist und bleibt das einzige wirksame und noch dazu kostengünstigste Mittel.

Ihr Helmut Heseker

Literatur


1. Hinte LC, et al: Adipose tissue retains an epigenetic memory of obesity after weight loss. Nature (2024). DOI: 10.1038/s41586-024-08165-7.




Den Nachschlag wie auch die Vorschau auf die nächste Ausgabe finden Sie in ERNÄHRUNGS UMSCHAU 1/2025 auf Seite M64.


Nachschlag: Rosige Zeiten

Appetitzügler, GLP-1-Rezeptoragonisten, u. a. Ozempic, haben die Aktienkurse der Hersteller förmlich explodieren lassen, die Adipositaschirurgie hat sich in vielen Kliniken zu einem lukrativen Therapiezweig entwickelt, unzählige Speziallebensmittel und Ratgeber zu Reduktionsdiäten sowie die Nachfrage nach Gewichtsreduktionskursen und Diätberatung boomen und versprechen auch in Zukunft weiterhin gute und sichere Geschäfte.

Die bisherigen Erfahrungen mit den gehypten Medikamenten zeigen zwar Abnehmerfolge, aber zur großen Freude der Hersteller auch, dass das Gewicht in den meisten Fällen schnell wieder ansteigt, wenn die Patient*innen die Spritzen absetzen. Wenn abnehmen schon schwer ist, so ist es noch schwieriger, ein reduziertes Gewicht dauerhaft zu halten. Leider neigt der Körper nach einer Gewichtsabnahme nicht nur dazu, jedes mühsam verlorene Kilo zurückzugewinnen, er kämpft regelrecht darum und legt oft sogar noch ein paar Kilo drauf.

Das Geheimnis dieses Jo-Jo-Effekts konnte nun in einer in Nature publizierten Studie [1] weiter gelüftet und teilweise durch epigenetische Veränderungen in den Fettzellen bzw. dem Fettgewebe erklärt werden. Demnach führt die Erfahrung von Übergewicht bzw. Adipositas zu dauerhaften Veränderungen im Epigenom, sodass in der Folge die Aktivität bestimmter Gene signifikant erhöht oder erniedrigt ist. In der Summe führt dies dazu, dass die Zellen nun darauf gepolt sind, wieder zuzunehmen.

Selbst nach einer massiven Gewichtsabnahme durch Magenverkleinerung oder andere drastische bariatrische Maßnahmen zeigt die genetische Aktivität der Fettzellen weiterhin das mit Adipositas assoziierte Muster. Ein ehemals adipöser Mensch, der stark abgenommen hat, mag zwar seine äußere Figur verändert haben, die zuvor erfolgten epigenetischen Veränderungen bleiben aber erhalten. Bislang ist unklar, wie lange diese Veränderungen nach einer Gewichtsabnahme bestehen bleiben und ob sie möglicherweise sogar an die nächste Generation weitergegeben werden.

Dank des epigenetischen Gedächtnisses der Fettzellen werden die rosigen Zeiten der Abnehmbranche wohl oder übel weiterbestehen bleiben, solange es nicht gelingt, unser Genom wieder in den präadipösen Zustand zurückzusetzen. Übergewicht und Adipositas von Anfang an vorzubeugen ist und bleibt das einzige wirksame und noch dazu kostengünstigste Mittel.

Ihr Helmut Heseker

Literatur

1. Hinte LC, et al: Adipose tissue retains an epigenetic memory of obesity after weight loss. Nature (2024). DOI: 10.1038/s41586-024-08165-7.


Den Nachschlag wie auch die Vorschau auf die nächste Ausgabe finden Sie in ERNÄHRUNGS UMSCHAU 1/2025 auf Seite M64.
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Rubrik: Sonstiges
Veröffentlicht: 14.01.2025

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