Interview mit Christoph Bier, Leiter Vernetzungsstelle Kita- und Schulverpflegung Saarland und Sprecher der Vernetzungsstellen Schulverpflegung

Herr Bier, als Sprecher der Vernetzungsstellen Schulverpflegung in Deutschland haben Sie den Überblick: Wie bewerten Sie aktuell die Rahmenbedingungen und den Stand der Schulverpflegung in Deutschland?


Bier: Das ist sehr unterschiedlich in den einzelnen Bundesländern zu bewerten. Dass zwei Bundesländer, Berlin und Saarland, den DGE-Qualitätsstandard für die Schulverpflegung (DGE-QSS) verbindlich eingeführt haben, ist natürlich positiv zu bewerten. An der jeweiligen Implementierung zeigen sich aber auch die strukturellen Unterschiede zwischen den Ländern. Während in Berlin der DGE-QSS über ein einheitliches Ausschreibungsverfahren, das gesetzlich geregelt ist, in den Grundschulen Einzug gehalten hat, wurde im Saarland der DGE-QSS über die Ganztagsschulverordnung und das Förderprogramm Freiwillige Ganztagsschule verbindlich für alle Ganztagssschulen eingeführt.

Langfristig muss die Qualität der Schulverpflegung in den Bildungsgesetzen und Bildungsprogrammen der Länder geregelt werden. Das alleine ist aber noch keine Garantie für eine gute Schulverpflegung, im Sinne von „ernährungsphysiologisch ausgewogen“ und hoher Akzeptanz bei den Schülerinnen und Schülern. Dazu muss bei nahezu allen Akteuren eine deutlich höhere Professionalität erreicht werden. Dies betrifft Planung, Vergabe, aber auch die Durchführung der Schulverpflegung. Es müssen außerdem Maßnahmen zur Qualitätssicherung und Qualitätskontrolle entwickelt und umgesetzt werden. Diese müssen allerdings auch einen niedrigschwelligen Zugang bspw. für die Schulleiter ermöglichen. 

Und an welcher Stellschraube müsste man Ihrer Meinung nach drehen, damit Schulverpflegung langfristig an Schulen integriert werden kann?


Bier: Schulverpflegung darf nicht bloß als Versorgungsauftrag verstanden, sondern muss als Bildungsthema verstanden, gestaltet und pädagogisch begleitet werden. Dementsprechend muss Ernährungs- und Verbraucherbildung fest in den Lehrplänen aller Schulformen verankert werden.

Das Gespräch für die Ernährungs Umschau führte Stella Glogowski




Den vollständigen Artikel finden Sie auch in Ernährungs Umschau 04/15 von Seite M226 bis M227.

>> pdf hier herunterladen



Interview mit Christoph Bier, Leiter Vernetzungsstelle Kita- und Schulverpflegung Saarland und Sprecher der Vernetzungsstellen Schulverpflegung

Herr Bier, als Sprecher der Vernetzungsstellen Schulverpflegung in Deutschland haben Sie den Überblick: Wie bewerten Sie aktuell die Rahmenbedingungen und den Stand der Schulverpflegung in Deutschland?


Bier: Das ist sehr unterschiedlich in den einzelnen Bundesländern zu bewerten. Dass zwei Bundesländer, Berlin und Saarland, den DGE-Qualitätsstandard für die Schulverpflegung (DGE-QSS) verbindlich eingeführt haben, ist natürlich positiv zu bewerten. An der jeweiligen Implementierung zeigen sich aber auch die strukturellen Unterschiede zwischen den Ländern. Während in Berlin der DGE-QSS über ein einheitliches Ausschreibungsverfahren, das gesetzlich geregelt ist, in den Grundschulen Einzug gehalten hat, wurde im Saarland der DGE-QSS über die Ganztagsschulverordnung und das Förderprogramm Freiwillige Ganztagsschule verbindlich für alle Ganztagssschulen eingeführt.

Langfristig muss die Qualität der Schulverpflegung in den Bildungsgesetzen und Bildungsprogrammen der Länder geregelt werden. Das alleine ist aber noch keine Garantie für eine gute Schulverpflegung, im Sinne von „ernährungsphysiologisch ausgewogen“ und hoher Akzeptanz bei den Schülerinnen und Schülern. Dazu muss bei nahezu allen Akteuren eine deutlich höhere Professionalität erreicht werden. Dies betrifft Planung, Vergabe, aber auch die Durchführung der Schulverpflegung. Es müssen außerdem Maßnahmen zur Qualitätssicherung und Qualitätskontrolle entwickelt und umgesetzt werden. Diese müssen allerdings auch einen niedrigschwelligen Zugang bspw. für die Schulleiter ermöglichen. 

Und an welcher Stellschraube müsste man Ihrer Meinung nach drehen, damit Schulverpflegung langfristig an Schulen integriert werden kann?


Bier: Schulverpflegung darf nicht bloß als Versorgungsauftrag verstanden, sondern muss als Bildungsthema verstanden, gestaltet und pädagogisch begleitet werden. Dementsprechend muss Ernährungs- und Verbraucherbildung fest in den Lehrplänen aller Schulformen verankert werden.

Das Gespräch für die Ernährungs Umschau führte Stella Glogowski




Den vollständigen Artikel finden Sie auch in Ernährungs Umschau 04/15 von Seite M226 bis M227.

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Schulverpflegung in Deutschland – Rahmenbedingungen, Problemfelder und mögliches Berufsfeld für Ernährungsfachkräfte?

Interview mit Christoph Bier, Leiter Vernetzungsstelle Kita- und Schulverpflegung Saarland und Sprecher der Vernetzungsstellen Schulverpflegung

Herr Bier, als Sprecher der Vernetzungsstellen Schulverpflegung in Deutschland haben Sie den Überblick: Wie bewerten Sie aktuell die Rahmenbedingungen und den Stand der Schulverpflegung in Deutschland?

Bier: Das ist sehr unterschiedlich in den einzelnen Bundesländern zu bewerten. Dass zwei Bundesländer, Berlin und Saarland, den DGE-Qualitätsstandard für die Schulverpflegung (DGE-QSS) verbindlich eingeführt haben, ist natürlich positiv zu bewerten. An der jeweiligen Implementierung zeigen sich aber auch die strukturellen Unterschiede zwischen den Ländern. Während in Berlin der DGE-QSS über ein einheitliches Ausschreibungsverfahren, das gesetzlich geregelt ist, in den Grundschulen Einzug gehalten hat, wurde im Saarland der DGE-QSS über die Ganztagsschulverordnung und das Förderprogramm Freiwillige Ganztagsschule verbindlich für alle Ganztagssschulen eingeführt.

Langfristig muss die Qualität der Schulverpflegung in den Bildungsgesetzen und Bildungsprogrammen der Länder geregelt werden. Das alleine ist aber noch keine Garantie für eine gute Schulverpflegung, im Sinne von „ernährungsphysiologisch ausgewogen“ und hoher Akzeptanz bei den Schülerinnen und Schülern. Dazu muss bei nahezu allen Akteuren eine deutlich höhere Professionalität erreicht werden. Dies betrifft Planung, Vergabe, aber auch die Durchführung der Schulverpflegung. Es müssen außerdem Maßnahmen zur Qualitätssicherung und Qualitätskontrolle entwickelt und umgesetzt werden. Diese müssen allerdings auch einen niedrigschwelligen Zugang bspw. für die Schulleiter ermöglichen. 

Und an welcher Stellschraube müsste man Ihrer Meinung nach drehen, damit Schulverpflegung langfristig an Schulen integriert werden kann?

Bier: Schulverpflegung darf nicht bloß als Versorgungsauftrag verstanden, sondern muss als Bildungsthema verstanden, gestaltet und pädagogisch begleitet werden. Dementsprechend muss Ernährungs- und Verbraucherbildung fest in den Lehrplänen aller Schulformen verankert werden.

Das Gespräch für die Ernährungs Umschau führte Stella Glogowski


Den vollständigen Artikel finden Sie auch in Ernährungs Umschau 04/15 von Seite M226 bis M227.

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Rubrik: Special
Veröffentlicht: 15.04.2015

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