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Abb. 1: Physiologische Besonderheiten bei Personen mit Rückenmarksverletzung/Amputation
Abb. 2: Energie- und Nährstoffzufuhr an Trainings- und Wettkampftagen
Abb. 3: Energiebedarf und Energieaufnahme an Trainingstagen (TT, links) sowie an Wettkampftagen (WT, rechts)

Abb. 1: Physiologische Besonderheiten bei Personen mit Rückenmarksverletzung/Amputation
Abb. 2: Energie- und Nährstoffzufuhr an Trainings- und Wettkampftagen
Abb. 3: Energiebedarf und Energieaufnahme an Trainingstagen (TT, links) sowie an Wettkampftagen (WT, rechts)Einleitung und Forschungsstand
Behindertensport wird derzeit immer populärer [1]. So traten bei den paralympischen Spielen in Paris 2024 rund 4400 Aktive aus 170 Nationen in 22 Sportarten an, darunter auch Rollstuhltennis [2].
![Abb. 1: Physiologische Besonderheiten bei Personen mit Rückenmarksverletzung/Amputation (eigene Darstellung nach [1, 5])](http://ernaehrungs-umschau.de/wp-content/uploads/2026/03/EU03_2026-Kb-M140-Abb1-300x229.webp)
Abb. 1: Physiologische Besonderheiten bei Personen mit Rückenmarksverletzung/Amputation
(eigene Darstellung nach [1, 5])
Methodik
Gemäß einem Mixed-Methods-Studiendesign wurden im quantitativen Studienpart einerseits die Ernährungs- und Sportprotokolle von zehn leistungsorientierten Rollstuhltennisspieler*innen aus der D-A-CH-Region an zwei Trainingstagen und einem Wettkampftag mithilfe der Software DGExpert analysiert. Zielgrößen waren die Zufuhr von Energie, Kohlenhydraten, Fetten, Proteinen, Wasser, Ballaststoffen, Vitamin D, Calcium sowie die Verwendung von NEM. Ebenso wurden die Mahlzeitenanzahl und der Grund- und Gesamtenergieumsatz ermittelt.
Im qualitativen Part wurden mit drei Spieler*innen semi-offene Leitfadeninterviews geführt, u. a. zur selbsteingeschätzten Ernährungskompetenz, bisherigen Ernährungsstrategien und professioneller Betreuung.

Abb. 2: Energie- und Nährstoffzufuhr an Trainings- und Wettkampftagen
TEI: Gesamtenergieaufnahme; TT: Trainingstage; WT: Wettkampftage
Datengrundlage sind die Ernährungsprotokolle von zehn Rollstuhltennisspieler*innen.
Ergebnisse
Die Athlet*innen nahmen an Trainings- bzw. Wettkampftagen durchschnittlich 3,8 ± 1,0 bzw. 4,3 ± 1,2 Mahlzeiten auf. Dabei stammten an Trainingstagen 22,2 ± 10,3 Energie% (En%) aus Proteinen, 30,8 ± 11,1 En% aus Fetten und 46,2 ± 12,0 En% aus Kohlenhydraten. Außerdem wurden pro Trainingstag 2814 ± 1072 g Wasser, 20,2 ± 9,4 g Ballaststoffe, 2,6 ± 4,5 μg Vitamin D und 836 ± 475 mg Calcium zugeführt (♦ Abbildung 2).
Ferner wurden im Mittel täglich 4,4 ± 4,1 NEM eingenommen. Motivationen hierfür waren die Unterstützung des Muskelaufbaus, der Regeneration und des Immunsystems sowie der Ausgleich eines Nährstoffmangels.
Die Gesamtenergiezufuhr betrug an Trainings- bzw. Wettkampftagen im Durchschnitt 1599 ± 524 bzw. 2055 ± 740 kcal. Insbesondere an Trainingstagen war somit die Energieaufnahme signifikant niedriger als der berechnete Bedarf (♦ Abbildung 3). In diesem Kontext berichteten manche Interviewte von energiemangelbedingter Müdigkeit, Antriebslosigkeit, Leistungsminderung und Bewusstlosigkeit. Der Begriff RED-S war aber keinem der Befragten bekannt. Insgesamt wurde eine sehr heterogene selbsteingeschätzte Ernährungskompetenz der Interviewten deutlich, aber alle erklärten eindeutiges Interesse an professioneller Ernährungsbetreuung.

Abb. 3: Energiebedarf und Energieaufnahme an Trainingstagen (TT, links) sowie an Wettkampftagen (WT, rechts)
TEE: Gesamtenergiebedarf;
TEI: Gesamtenergieaufnahme
Diskussion
Die Kombination quantitativer und qualitativer Ansätze im Mixed-Methods-Design ermöglicht eine besonders differenzierte Analyse der Sporternährung im Rollstuhltennis. Der Energiebedarf an Trainingstagen wurde nicht ausreichend gedeckt, was auf ein erhöhtes RED-S-Risiko hindeuten könnte. Während große Mengen an Protein aufgenommen wurden, lag die Zufuhr von Kohlenhydraten unter den Empfehlungen. Auch die Ballaststoffaufnahme und die Calciumzufuhr erreichten nicht die Empfehlungen für nichtbehinderte Personen, was bezüglich der gastrointestinalen Beschwerden und des potenziell erhöhten Risikos einer reduzierten Knochendichte bei Rollstuhlsportler*innen von besonderer Relevanz ist [1]. Die Flüssigkeitszufuhr war meist ausreichend, trotz des oftmals gestörten Flüssigkeitshaushalts [4]. Kritisch ist überdies, dass NEM in großen Mengen und ohne evidenzbasierte Grundlagen genutzt wurden. Grundsätzlich war die selbsteingeschätzte Ernährungskompetenz bei den Athlet*innen gering, was den Bedarf an professioneller Beratung und einem spezifischen Ernährungskonzept unterstreicht.
Fazit
Die Ergebnisse zeigen großen Verbesserungsbedarf in der Ernährung der Rollstuhltennisspieler* innen, besonders bezüglich des NEM-Einsatzes und der signifikant zu geringen Energieaufnahme im Training. In der Sporternährung im Rollstuhltennis liegt enormes Potenzial zur zukünftigen Gesundheits- und Leistungsoptimierung.
Carla Collée, M.Sc.
Prof. Dr. Sigrid Röchter
Hochschule Fresenius
Im MediaPark 4d
50670 Köln
Angaben zu Interessenkonflikten und zum Einsatz von KI
Die Autorinnen erklären, dass keine Interessenkonflikte bestehen und bei der Erstellung des Manuskripts keine KI-Anwendungen eingesetzt wurden.
Literatur
Diesen Beitrag finden Sie auch in ERNÄHRUNGS UMSCHAU 3/2026 auf den Seiten M140 bis M141.