Einleitung und Forschungsstand Behindertensport wird derzeit immer populärer [1]. So traten bei den paralympischen Spielen in Paris 2024 rund 4400 Aktive aus 170 Nationen in 22 Sportarten an, darunter auch Rollstuhltennis [2]. [caption id="attachment_26094763" align="alignleft" width="300"]Abb. 1: Physiologische Besonderheiten bei Personen mit Rückenmarksverletzung/Amputation (eigene Darstellung nach [1, 5]) Abb. 1: Physiologische Besonderheiten bei Personen mit Rückenmarksverletzung/Amputation
(eigene Darstellung nach [1, 5])[/caption]Jedoch mangelt es bei der Sporternährung erheblich an wissenschaftlichen Daten zu Ernährungssituation, Körperzusammensetzung, Energie- und Nährstoffbedarf sowie evidenzbasierten Empfehlungen im Rollstuhltennis. Bisher werden lediglich Empfehlungen aus dem Nichtbehindertensport übernommen [1, 3]. Diese können allerdings der hohen Heterogenität der Athlet*innen mit ihren diversen physiologischen Bedürfnissen nicht gerecht werden. Spezifische Ernährungsstrategien müssen auf die Sportart, die Art der Behinderung und den individuellen physiologischen Zustand abgestimmt werden [4]. Zum Beispiel können durch Rückenmarksverletzungen eine reduzierte Muskelmasse, Störungen des Flüssigkeitshaushalts und der Gastrointestinalfunktion, Veränderungen des Grund- und Leistungsumsatzes sowie Energie- und Nährstoffdefizite  entstehen (♦ Abbildung 1) [1, 5]. Studien aus verwandten Rollstuhlsportarten beschreiben, dass oftmals unzureichende Mengen an Energie, Kohlenhydraten und diversen Mikronährstoffen aufgenommen werden [6–8]. Gleichzeitig werden aber zahlreiche Nahrungsergänzungsmittel (NEM) verwendet [9–11]. Als Folge chronisch niedriger Energiezufuhr wird zudem ein erhöhtes Risiko für RED-S (Relative Energy Deficiency in Sports) bei Para-Athlet*innen erforscht [12]. Diesbezüglich zeigt eine Studie mit Rollstuhlsportler*innen eine niedrige Energieverfügbarkeit bei Männern an 30 % und bei Frauen an 73 % der untersuchten Tage [13]. Bislang existieren keinerlei spezifische Ernährungskonzepte zur Optimierung der Leistung und Gesundheit der Para-Athlet*innen. Dieses Forschungsdesiderat aufgreifend, ist das Ziel der vorliegenden Studie die Analyse des Status quo der Sporternährung im Rollstuhltennis, um einen entscheidenden Beitrag zur Professionalisierung im Parasport zu leisten. Methodik Gemäß einem Mixed-Methods-Studiendesign wurden im quantitativen Studienpart einerseits die Ernährungs- und Sportprotokolle von zehn leistungsorientierten Rollstuhltennisspieler*innen aus der D-A-CH-Region an zwei Trainingstagen und einem Wettkampftag mithilfe der Software DGExpert analysiert. Zielgrößen waren die Zufuhr von Energie, Kohlenhydraten, Fetten, Proteinen, Wasser, Ballaststoffen, Vitamin D, Calcium sowie die Verwendung von NEM. Ebenso wurden die Mahlzeitenanzahl und der Grund- und Gesamtenergieumsatz ermittelt. Im qualitativen Part wurden mit drei Spieler*innen semi-offene Leitfadeninterviews geführt, u. a. zur selbsteingeschätzten Ernährungskompetenz, bisherigen Ernährungsstrategien und professioneller Betreuung. [caption id="attachment_26094762" align="alignright" width="261"]Abb. 2: Energie- und Nährstoffzufuhr an Trainings- und Wettkampftagen TEI: Gesamtenergieaufnahme; TT: Trainingstage; WT: Wettkampftage Datengrundlage sind die Ernährungsprotokolle von zehn Rollstuhltennisspieler* innen. Abb. 2: Energie- und Nährstoffzufuhr an Trainings- und Wettkampftagen
TEI: Gesamtenergieaufnahme; TT: Trainingstage; WT: Wettkampftage
Datengrundlage sind die Ernährungsprotokolle von zehn Rollstuhltennisspieler*innen.[/caption] Ergebnisse Die Athlet*innen nahmen an Trainings- bzw. Wettkampftagen durchschnittlich 3,8 ± 1,0 bzw. 4,3 ± 1,2 Mahlzeiten auf. Dabei stammten an Trainingstagen 22,2 ± 10,3 Energie% (En%) aus Proteinen, 30,8 ± 11,1 En% aus Fetten und 46,2 ± 12,0 En% aus Kohlenhydraten. Außerdem wurden pro Trainingstag 2814 ± 1072 g Wasser, 20,2 ± 9,4 g Ballaststoffe, 2,6 ± 4,5 μg Vitamin D und 836 ± 475 mg Calcium zugeführt (♦ Abbildung 2). Ferner wurden im Mittel täglich 4,4 ± 4,1 NEM eingenommen. Motivationen hierfür waren die Unterstützung des Muskelaufbaus, der Regeneration und des Immunsystems sowie der Ausgleich eines Nährstoffmangels. Die Gesamtenergiezufuhr betrug an Trainings- bzw. Wettkampftagen im Durchschnitt 1599 ± 524 bzw. 2055 ± 740 kcal. Insbesondere an Trainingstagen war somit die Energieaufnahme signifikant niedriger als der berechnete Bedarf (♦ Abbildung 3). In diesem Kontext berichteten manche Interviewte von energiemangelbedingter Müdigkeit, Antriebslosigkeit, Leistungsminderung und Bewusstlosigkeit. Der Begriff RED-S war aber keinem der Befragten bekannt. Insgesamt wurde eine sehr heterogene selbsteingeschätzte Ernährungskompetenz der Interviewten deutlich, aber alle erklärten eindeutiges Interesse an professioneller Ernährungsbetreuung. [caption id="attachment_26094764" align="alignleft" width="300"]Abb. 3: Energiebedarf und Energieaufnahme an Trainingstagen (TT, links) sowie an Wettkampftagen (WT, rechts) TEE: Gesamtenergiebedarf; TEI: Gesamtenergieaufnahme Abb. 3: Energiebedarf und Energieaufnahme an Trainingstagen (TT, links) sowie an Wettkampftagen (WT, rechts)
TEE: Gesamtenergiebedarf;
TEI: Gesamtenergieaufnahme[/caption] Diskussion Die Kombination quantitativer und qualitativer Ansätze im Mixed-Methods-Design ermöglicht eine besonders differenzierte Analyse der Sporternährung im Rollstuhltennis. Der Energiebedarf an Trainingstagen wurde nicht ausreichend gedeckt, was auf ein erhöhtes RED-S-Risiko hindeuten könnte. Während große Mengen an Protein aufgenommen wurden, lag die Zufuhr von Kohlenhydraten unter den Empfehlungen. Auch die Ballaststoffaufnahme und die Calciumzufuhr erreichten nicht die Empfehlungen für nichtbehinderte Personen, was bezüglich der gastrointestinalen Beschwerden und des potenziell erhöhten Risikos einer reduzierten Knochendichte bei Rollstuhlsportler*innen von besonderer Relevanz ist [1]. Die Flüssigkeitszufuhr war meist ausreichend, trotz des oftmals gestörten Flüssigkeitshaushalts [4]. Kritisch ist überdies, dass NEM in großen Mengen und ohne evidenzbasierte Grundlagen genutzt wurden. Grundsätzlich war die selbsteingeschätzte Ernährungskompetenz bei den Athlet*innen gering, was den Bedarf an professioneller Beratung und einem spezifischen Ernährungskonzept unterstreicht. Fazit Die Ergebnisse zeigen großen Verbesserungsbedarf in der Ernährung der Rollstuhltennisspieler* innen, besonders bezüglich des NEM-Einsatzes und der signifikant zu geringen Energieaufnahme im Training. In der Sporternährung im Rollstuhltennis liegt enormes Potenzial zur zukünftigen Gesundheits- und Leistungsoptimierung.
Carla Collée, M.Sc. Prof. Dr. Sigrid Röchter Hochschule Fresenius Im MediaPark 4d 50670 Köln

Angaben zu Interessenkonflikten und zum Einsatz von KI Die Autorinnen erklären, dass keine Interessenkonflikte bestehen und bei der Erstellung des Manuskripts keine KI-Anwendungen eingesetzt wurden.
Literatur
  1. Broad E: Sports nutrition for paralympic athletes. Boca Raton: CRC Press 2019.
  2. Deutscher Behindertensportverband – National Paralympic Committee Germany: FAQ Paris 2024: Die wichtigsten Fragen auf dem Weg zu den Paralympics. www.dbs-npc.de/paris-news/faq-paris-2024-die-wichtigsten-fragen-auf-dem-weg-zu-denparalympics-2.html (last accessed on 9 October 2024).
  3. Flueck JL, Parnell JA: Protein considerations for athletes with a spinal cord injury. Front Nutr 2021; 8: 652441. 4. Ghazzawi H, Al Aqaili R, Khataybeh B, et al.: Tailored nutrition strategies for paralympic athletes: addressing unique energy, nutrients, and hydration needs to enhance performance and health. Front Nutr 2025; 12: 1572961.
  4. Ruettimann B, Perret C, Parnell JA, Flueck JL: Carbohydrate considerations for athletes with a spinal cord injury. Nutrients 2021; 13: 2177.
  5. Islamoglu AH, Öndar E, Yildirim T, Kartal Z: Determination of anthropometric measurements and nutritional status of wheelchair basketball players. Int J Disabil Sports Health Sci 2023; 6(2): 91–9.
  6. Eskici G, Ersoy G: An evaluation of wheelchair basketball players’ nutritional status and nutritional knowledge levels. J Sports Med Phys Fitness 2016; 56(3): 259–68.
  7. Sukur A, Lubis J, Fitriant EJ, et al.: Nutritional status and adequacy of disabled athletes from Indonesia. J Phys Educ Sport 2022; 22(12): 2939–46.
  8. Flueck JL, Perret C: Supplement use in Swiss wheelchair athletes. Swiss Sports Exerc Med 2017; 65(1): 22–7.
  9. Madden RF, Shearer J, Legg D, Parnell JA: Evaluation of dietary supplement use in wheelchair rugby athletes. Nutrients 2018; 10: 1958.
  10. Madden RF, Shearer J, Parnell JA: Evaluation of dietary intakes and supplement use in paralympic athletes. Nutrients 2017; 9: 1266.
  11. Mountjoy M, Sundgot-Borgen J, Burke L, et al.: International Olympic Committee (IOC) consensus statement on relative energy deficiency in sport (REDS): 2018 update. IJSNEM 2018; 28: 316–31.
  12. Egger T, Flueck JL: Energy availability in male and female elite wheelchair athletes over seven consecutive training days. Nutrients 2020; 12: 3262.

Diesen Beitrag finden Sie auch in ERNÄHRUNGS UMSCHAU 3/2026 auf den Seiten M140 bis M141.
Behindertensport wird derzeit immer populärer [1]. So traten bei den paralympischen Spielen in Paris 2024 rund 4400 Aktive aus 170 Nationen in 22 Sportarten an, darunter auch Rollstuhltennis [2].
Einleitung und Forschungsstand Behindertensport wird derzeit immer populärer [1]. So traten bei den paralympischen Spielen in Paris 2024 rund 4400 Aktive aus 170 Nationen in 22 Sportarten an, darunter auch Rollstuhltennis [2]. [caption id="attachment_26094763" align="alignleft" width="300"]Abb. 1: Physiologische Besonderheiten bei Personen mit Rückenmarksverletzung/Amputation (eigene Darstellung nach [1, 5]) Abb. 1: Physiologische Besonderheiten bei Personen mit Rückenmarksverletzung/Amputation
(eigene Darstellung nach [1, 5])[/caption]Jedoch mangelt es bei der Sporternährung erheblich an wissenschaftlichen Daten zu Ernährungssituation, Körperzusammensetzung, Energie- und Nährstoffbedarf sowie evidenzbasierten Empfehlungen im Rollstuhltennis. Bisher werden lediglich Empfehlungen aus dem Nichtbehindertensport übernommen [1, 3]. Diese können allerdings der hohen Heterogenität der Athlet*innen mit ihren diversen physiologischen Bedürfnissen nicht gerecht werden. Spezifische Ernährungsstrategien müssen auf die Sportart, die Art der Behinderung und den individuellen physiologischen Zustand abgestimmt werden [4]. Zum Beispiel können durch Rückenmarksverletzungen eine reduzierte Muskelmasse, Störungen des Flüssigkeitshaushalts und der Gastrointestinalfunktion, Veränderungen des Grund- und Leistungsumsatzes sowie Energie- und Nährstoffdefizite  entstehen (♦ Abbildung 1) [1, 5]. Studien aus verwandten Rollstuhlsportarten beschreiben, dass oftmals unzureichende Mengen an Energie, Kohlenhydraten und diversen Mikronährstoffen aufgenommen werden [6–8]. Gleichzeitig werden aber zahlreiche Nahrungsergänzungsmittel (NEM) verwendet [9–11]. Als Folge chronisch niedriger Energiezufuhr wird zudem ein erhöhtes Risiko für RED-S (Relative Energy Deficiency in Sports) bei Para-Athlet*innen erforscht [12]. Diesbezüglich zeigt eine Studie mit Rollstuhlsportler*innen eine niedrige Energieverfügbarkeit bei Männern an 30 % und bei Frauen an 73 % der untersuchten Tage [13]. Bislang existieren keinerlei spezifische Ernährungskonzepte zur Optimierung der Leistung und Gesundheit der Para-Athlet*innen. Dieses Forschungsdesiderat aufgreifend, ist das Ziel der vorliegenden Studie die Analyse des Status quo der Sporternährung im Rollstuhltennis, um einen entscheidenden Beitrag zur Professionalisierung im Parasport zu leisten. Methodik Gemäß einem Mixed-Methods-Studiendesign wurden im quantitativen Studienpart einerseits die Ernährungs- und Sportprotokolle von zehn leistungsorientierten Rollstuhltennisspieler*innen aus der D-A-CH-Region an zwei Trainingstagen und einem Wettkampftag mithilfe der Software DGExpert analysiert. Zielgrößen waren die Zufuhr von Energie, Kohlenhydraten, Fetten, Proteinen, Wasser, Ballaststoffen, Vitamin D, Calcium sowie die Verwendung von NEM. Ebenso wurden die Mahlzeitenanzahl und der Grund- und Gesamtenergieumsatz ermittelt. Im qualitativen Part wurden mit drei Spieler*innen semi-offene Leitfadeninterviews geführt, u. a. zur selbsteingeschätzten Ernährungskompetenz, bisherigen Ernährungsstrategien und professioneller Betreuung. [caption id="attachment_26094762" align="alignright" width="261"]Abb. 2: Energie- und Nährstoffzufuhr an Trainings- und Wettkampftagen TEI: Gesamtenergieaufnahme; TT: Trainingstage; WT: Wettkampftage Datengrundlage sind die Ernährungsprotokolle von zehn Rollstuhltennisspieler* innen. Abb. 2: Energie- und Nährstoffzufuhr an Trainings- und Wettkampftagen
TEI: Gesamtenergieaufnahme; TT: Trainingstage; WT: Wettkampftage
Datengrundlage sind die Ernährungsprotokolle von zehn Rollstuhltennisspieler*innen.[/caption] Ergebnisse Die Athlet*innen nahmen an Trainings- bzw. Wettkampftagen durchschnittlich 3,8 ± 1,0 bzw. 4,3 ± 1,2 Mahlzeiten auf. Dabei stammten an Trainingstagen 22,2 ± 10,3 Energie% (En%) aus Proteinen, 30,8 ± 11,1 En% aus Fetten und 46,2 ± 12,0 En% aus Kohlenhydraten. Außerdem wurden pro Trainingstag 2814 ± 1072 g Wasser, 20,2 ± 9,4 g Ballaststoffe, 2,6 ± 4,5 μg Vitamin D und 836 ± 475 mg Calcium zugeführt (♦ Abbildung 2). Ferner wurden im Mittel täglich 4,4 ± 4,1 NEM eingenommen. Motivationen hierfür waren die Unterstützung des Muskelaufbaus, der Regeneration und des Immunsystems sowie der Ausgleich eines Nährstoffmangels. Die Gesamtenergiezufuhr betrug an Trainings- bzw. Wettkampftagen im Durchschnitt 1599 ± 524 bzw. 2055 ± 740 kcal. Insbesondere an Trainingstagen war somit die Energieaufnahme signifikant niedriger als der berechnete Bedarf (♦ Abbildung 3). In diesem Kontext berichteten manche Interviewte von energiemangelbedingter Müdigkeit, Antriebslosigkeit, Leistungsminderung und Bewusstlosigkeit. Der Begriff RED-S war aber keinem der Befragten bekannt. Insgesamt wurde eine sehr heterogene selbsteingeschätzte Ernährungskompetenz der Interviewten deutlich, aber alle erklärten eindeutiges Interesse an professioneller Ernährungsbetreuung. [caption id="attachment_26094764" align="alignleft" width="300"]Abb. 3: Energiebedarf und Energieaufnahme an Trainingstagen (TT, links) sowie an Wettkampftagen (WT, rechts) TEE: Gesamtenergiebedarf; TEI: Gesamtenergieaufnahme Abb. 3: Energiebedarf und Energieaufnahme an Trainingstagen (TT, links) sowie an Wettkampftagen (WT, rechts)
TEE: Gesamtenergiebedarf;
TEI: Gesamtenergieaufnahme[/caption] Diskussion Die Kombination quantitativer und qualitativer Ansätze im Mixed-Methods-Design ermöglicht eine besonders differenzierte Analyse der Sporternährung im Rollstuhltennis. Der Energiebedarf an Trainingstagen wurde nicht ausreichend gedeckt, was auf ein erhöhtes RED-S-Risiko hindeuten könnte. Während große Mengen an Protein aufgenommen wurden, lag die Zufuhr von Kohlenhydraten unter den Empfehlungen. Auch die Ballaststoffaufnahme und die Calciumzufuhr erreichten nicht die Empfehlungen für nichtbehinderte Personen, was bezüglich der gastrointestinalen Beschwerden und des potenziell erhöhten Risikos einer reduzierten Knochendichte bei Rollstuhlsportler*innen von besonderer Relevanz ist [1]. Die Flüssigkeitszufuhr war meist ausreichend, trotz des oftmals gestörten Flüssigkeitshaushalts [4]. Kritisch ist überdies, dass NEM in großen Mengen und ohne evidenzbasierte Grundlagen genutzt wurden. Grundsätzlich war die selbsteingeschätzte Ernährungskompetenz bei den Athlet*innen gering, was den Bedarf an professioneller Beratung und einem spezifischen Ernährungskonzept unterstreicht. Fazit Die Ergebnisse zeigen großen Verbesserungsbedarf in der Ernährung der Rollstuhltennisspieler* innen, besonders bezüglich des NEM-Einsatzes und der signifikant zu geringen Energieaufnahme im Training. In der Sporternährung im Rollstuhltennis liegt enormes Potenzial zur zukünftigen Gesundheits- und Leistungsoptimierung.
Carla Collée, M.Sc. Prof. Dr. Sigrid Röchter Hochschule Fresenius Im MediaPark 4d 50670 Köln

Angaben zu Interessenkonflikten und zum Einsatz von KI Die Autorinnen erklären, dass keine Interessenkonflikte bestehen und bei der Erstellung des Manuskripts keine KI-Anwendungen eingesetzt wurden.
Literatur
  1. Broad E: Sports nutrition for paralympic athletes. Boca Raton: CRC Press 2019.
  2. Deutscher Behindertensportverband – National Paralympic Committee Germany: FAQ Paris 2024: Die wichtigsten Fragen auf dem Weg zu den Paralympics. www.dbs-npc.de/paris-news/faq-paris-2024-die-wichtigsten-fragen-auf-dem-weg-zu-denparalympics-2.html (last accessed on 9 October 2024).
  3. Flueck JL, Parnell JA: Protein considerations for athletes with a spinal cord injury. Front Nutr 2021; 8: 652441. 4. Ghazzawi H, Al Aqaili R, Khataybeh B, et al.: Tailored nutrition strategies for paralympic athletes: addressing unique energy, nutrients, and hydration needs to enhance performance and health. Front Nutr 2025; 12: 1572961.
  4. Ruettimann B, Perret C, Parnell JA, Flueck JL: Carbohydrate considerations for athletes with a spinal cord injury. Nutrients 2021; 13: 2177.
  5. Islamoglu AH, Öndar E, Yildirim T, Kartal Z: Determination of anthropometric measurements and nutritional status of wheelchair basketball players. Int J Disabil Sports Health Sci 2023; 6(2): 91–9.
  6. Eskici G, Ersoy G: An evaluation of wheelchair basketball players’ nutritional status and nutritional knowledge levels. J Sports Med Phys Fitness 2016; 56(3): 259–68.
  7. Sukur A, Lubis J, Fitriant EJ, et al.: Nutritional status and adequacy of disabled athletes from Indonesia. J Phys Educ Sport 2022; 22(12): 2939–46.
  8. Flueck JL, Perret C: Supplement use in Swiss wheelchair athletes. Swiss Sports Exerc Med 2017; 65(1): 22–7.
  9. Madden RF, Shearer J, Legg D, Parnell JA: Evaluation of dietary supplement use in wheelchair rugby athletes. Nutrients 2018; 10: 1958.
  10. Madden RF, Shearer J, Parnell JA: Evaluation of dietary intakes and supplement use in paralympic athletes. Nutrients 2017; 9: 1266.
  11. Mountjoy M, Sundgot-Borgen J, Burke L, et al.: International Olympic Committee (IOC) consensus statement on relative energy deficiency in sport (REDS): 2018 update. IJSNEM 2018; 28: 316–31.
  12. Egger T, Flueck JL: Energy availability in male and female elite wheelchair athletes over seven consecutive training days. Nutrients 2020; 12: 3262.

Diesen Beitrag finden Sie auch in ERNÄHRUNGS UMSCHAU 3/2026 auf den Seiten M140 bis M141.

Junge Forschung: Sporternährung im Rollstuhltennis – Mixed-Methods-Status-quo-Analyse

Einleitung und Forschungsstand
Behindertensport wird derzeit immer populärer [1]. So traten bei den paralympischen Spielen in Paris 2024 rund 4400 Aktive aus 170 Nationen in 22 Sportarten an, darunter auch Rollstuhltennis [2].

Abb. 1: Physiologische Besonderheiten bei Personen mit Rückenmarksverletzung/Amputation (eigene Darstellung nach [1, 5])

Abb. 1: Physiologische Besonderheiten bei Personen mit Rückenmarksverletzung/Amputation
(eigene Darstellung nach [1, 5])

Jedoch mangelt es bei der Sporternährung erheblich an wissenschaftlichen Daten zu Ernährungssituation, Körperzusammensetzung, Energie- und Nährstoffbedarf sowie evidenzbasierten Empfehlungen im Rollstuhltennis. Bisher werden lediglich Empfehlungen aus dem Nichtbehindertensport übernommen [1, 3]. Diese können allerdings der hohen Heterogenität der Athlet*innen mit ihren diversen physiologischen Bedürfnissen nicht gerecht werden. Spezifische Ernährungsstrategien müssen auf die Sportart, die Art der Behinderung und den individuellen physiologischen Zustand abgestimmt werden [4].
Zum Beispiel können durch Rückenmarksverletzungen eine reduzierte Muskelmasse, Störungen des Flüssigkeitshaushalts und der Gastrointestinalfunktion, Veränderungen des Grund- und Leistungsumsatzes sowie Energie- und Nährstoffdefizite  entstehen (♦ Abbildung 1) [1, 5]. Studien aus verwandten Rollstuhlsportarten beschreiben, dass oftmals unzureichende Mengen an Energie, Kohlenhydraten und diversen Mikronährstoffen aufgenommen werden [6–8]. Gleichzeitig werden aber zahlreiche Nahrungsergänzungsmittel (NEM) verwendet [9–11]. Als Folge chronisch niedriger Energiezufuhr wird zudem ein erhöhtes Risiko für RED-S (Relative Energy Deficiency in Sports) bei Para-Athlet*innen erforscht [12]. Diesbezüglich zeigt eine Studie mit Rollstuhlsportler*innen eine niedrige Energieverfügbarkeit bei Männern an 30 % und bei Frauen an 73 % der untersuchten Tage [13].
Bislang existieren keinerlei spezifische Ernährungskonzepte zur Optimierung der Leistung und Gesundheit der Para-Athlet*innen. Dieses Forschungsdesiderat aufgreifend, ist das Ziel der vorliegenden Studie die Analyse des Status quo der Sporternährung im Rollstuhltennis, um einen entscheidenden Beitrag zur Professionalisierung im Parasport zu leisten.

Methodik
Gemäß einem Mixed-Methods-Studiendesign wurden im quantitativen Studienpart einerseits die Ernährungs- und Sportprotokolle von zehn leistungsorientierten Rollstuhltennisspieler*innen aus der D-A-CH-Region an zwei Trainingstagen und einem Wettkampftag mithilfe der Software DGExpert analysiert. Zielgrößen waren die Zufuhr von Energie, Kohlenhydraten, Fetten, Proteinen, Wasser, Ballaststoffen, Vitamin D, Calcium sowie die Verwendung von NEM. Ebenso wurden die Mahlzeitenanzahl und der Grund- und Gesamtenergieumsatz ermittelt.
Im qualitativen Part wurden mit drei Spieler*innen semi-offene Leitfadeninterviews geführt, u. a. zur selbsteingeschätzten Ernährungskompetenz, bisherigen Ernährungsstrategien und professioneller Betreuung.

Abb. 2: Energie- und Nährstoffzufuhr an Trainings- und Wettkampftagen TEI: Gesamtenergieaufnahme; TT: Trainingstage; WT: Wettkampftage Datengrundlage sind die Ernährungsprotokolle von zehn Rollstuhltennisspieler* innen.

Abb. 2: Energie- und Nährstoffzufuhr an Trainings- und Wettkampftagen
TEI: Gesamtenergieaufnahme; TT: Trainingstage; WT: Wettkampftage
Datengrundlage sind die Ernährungsprotokolle von zehn Rollstuhltennisspieler*innen.

Ergebnisse
Die Athlet*innen nahmen an Trainings- bzw. Wettkampftagen durchschnittlich 3,8 ± 1,0 bzw. 4,3 ± 1,2 Mahlzeiten auf. Dabei stammten an Trainingstagen 22,2 ± 10,3 Energie% (En%) aus Proteinen, 30,8 ± 11,1 En% aus Fetten und 46,2 ± 12,0 En% aus Kohlenhydraten. Außerdem wurden pro Trainingstag 2814 ± 1072 g Wasser, 20,2 ± 9,4 g Ballaststoffe, 2,6 ± 4,5 μg Vitamin D und 836 ± 475 mg Calcium zugeführt (♦ Abbildung 2).

Ferner wurden im Mittel täglich 4,4 ± 4,1 NEM eingenommen. Motivationen hierfür waren die Unterstützung des Muskelaufbaus, der Regeneration und des Immunsystems sowie der Ausgleich eines Nährstoffmangels.
Die Gesamtenergiezufuhr betrug an Trainings- bzw. Wettkampftagen im Durchschnitt 1599 ± 524 bzw. 2055 ± 740 kcal. Insbesondere an Trainingstagen war somit die Energieaufnahme signifikant niedriger als der berechnete Bedarf (♦ Abbildung 3). In diesem Kontext berichteten manche Interviewte von energiemangelbedingter Müdigkeit, Antriebslosigkeit, Leistungsminderung und Bewusstlosigkeit. Der Begriff RED-S war aber keinem der Befragten bekannt. Insgesamt wurde eine sehr heterogene selbsteingeschätzte Ernährungskompetenz der Interviewten deutlich, aber alle erklärten eindeutiges Interesse an professioneller Ernährungsbetreuung.

Abb. 3: Energiebedarf und Energieaufnahme an Trainingstagen (TT, links) sowie an Wettkampftagen (WT, rechts) TEE: Gesamtenergiebedarf; TEI: Gesamtenergieaufnahme

Abb. 3: Energiebedarf und Energieaufnahme an Trainingstagen (TT, links) sowie an Wettkampftagen (WT, rechts)
TEE: Gesamtenergiebedarf;
TEI: Gesamtenergieaufnahme

Diskussion
Die Kombination quantitativer und qualitativer Ansätze im Mixed-Methods-Design ermöglicht eine besonders differenzierte Analyse der Sporternährung im Rollstuhltennis. Der Energiebedarf an Trainingstagen wurde nicht ausreichend gedeckt, was auf ein erhöhtes RED-S-Risiko hindeuten könnte. Während große Mengen an Protein aufgenommen wurden, lag die Zufuhr von Kohlenhydraten unter den Empfehlungen. Auch die Ballaststoffaufnahme und die Calciumzufuhr erreichten nicht die Empfehlungen für nichtbehinderte Personen, was bezüglich der gastrointestinalen Beschwerden und des potenziell erhöhten Risikos einer reduzierten Knochendichte bei Rollstuhlsportler*innen von besonderer Relevanz ist [1]. Die Flüssigkeitszufuhr war meist ausreichend, trotz des oftmals gestörten Flüssigkeitshaushalts [4]. Kritisch ist überdies, dass NEM in großen Mengen und ohne evidenzbasierte Grundlagen genutzt wurden. Grundsätzlich war die selbsteingeschätzte Ernährungskompetenz bei den Athlet*innen gering, was den Bedarf an professioneller Beratung und einem spezifischen Ernährungskonzept unterstreicht.

Fazit
Die Ergebnisse zeigen großen Verbesserungsbedarf in der Ernährung der Rollstuhltennisspieler* innen, besonders bezüglich des NEM-Einsatzes und der signifikant zu geringen Energieaufnahme im Training. In der Sporternährung im Rollstuhltennis liegt enormes Potenzial zur zukünftigen Gesundheits- und Leistungsoptimierung.



Carla Collée, M.Sc.

Prof. Dr. Sigrid Röchter
Hochschule Fresenius
Im MediaPark 4d
50670 Köln




Angaben zu Interessenkonflikten und zum Einsatz von KI

Die Autorinnen erklären, dass keine Interessenkonflikte bestehen und bei der Erstellung des Manuskripts keine KI-Anwendungen eingesetzt wurden.



Literatur

  1. Broad E: Sports nutrition for paralympic athletes. Boca Raton: CRC Press 2019.
  2. Deutscher Behindertensportverband – National Paralympic Committee Germany: FAQ Paris 2024: Die wichtigsten Fragen auf dem Weg zu den Paralympics. www.dbs-npc.de/paris-news/faq-paris-2024-die-wichtigsten-fragen-auf-dem-weg-zu-denparalympics-2.html (last accessed on 9 October 2024).
  3. Flueck JL, Parnell JA: Protein considerations for athletes with a spinal cord injury. Front Nutr 2021; 8: 652441. 4. Ghazzawi H, Al Aqaili R, Khataybeh B, et al.: Tailored nutrition strategies for paralympic athletes: addressing unique energy, nutrients, and hydration needs to enhance performance and health. Front Nutr 2025; 12: 1572961.
  4. Ruettimann B, Perret C, Parnell JA, Flueck JL: Carbohydrate considerations for athletes with a spinal cord injury. Nutrients 2021; 13: 2177.
  5. Islamoglu AH, Öndar E, Yildirim T, Kartal Z: Determination of anthropometric measurements and nutritional status of wheelchair basketball players. Int J Disabil Sports Health Sci 2023; 6(2): 91–9.
  6. Eskici G, Ersoy G: An evaluation of wheelchair basketball players’ nutritional status and nutritional knowledge levels. J Sports Med Phys Fitness 2016; 56(3): 259–68.
  7. Sukur A, Lubis J, Fitriant EJ, et al.: Nutritional status and adequacy of disabled athletes from Indonesia. J Phys Educ Sport 2022; 22(12): 2939–46.
  8. Flueck JL, Perret C: Supplement use in Swiss wheelchair athletes. Swiss Sports Exerc Med 2017; 65(1): 22–7.
  9. Madden RF, Shearer J, Legg D, Parnell JA: Evaluation of dietary supplement use in wheelchair rugby athletes. Nutrients 2018; 10: 1958.
  10. Madden RF, Shearer J, Parnell JA: Evaluation of dietary intakes and supplement use in paralympic athletes. Nutrients 2017; 9: 1266.
  11. Mountjoy M, Sundgot-Borgen J, Burke L, et al.: International Olympic Committee (IOC) consensus statement on relative energy deficiency in sport (REDS): 2018 update. IJSNEM 2018; 28: 316–31.
  12. Egger T, Flueck JL: Energy availability in male and female elite wheelchair athletes over seven consecutive training days. Nutrients 2020; 12: 3262.


Diesen Beitrag finden Sie auch in ERNÄHRUNGS UMSCHAU 3/2026 auf den Seiten M140 bis M141.

Artikelfakten

Veröffentlicht: 16.03.2026

Dieser Artikel erscheint in

Artikel teilen

Weitere Artikel zum Thema

Keine Ergebnisse gefunden

Die angefragte Seite konnte nicht gefunden werden. Verfeinern Sie Ihre Suche oder verwenden Sie die Navigation oben, um den Beitrag zu finden.