Erythrit gilt als natürliche und gut verträgliche Alternative für Zucker. Er wird aus Mais gewonnen und gerne als Zuckeraustauschstoff genutzt, da die Substanz nahezu frei von Energie ist und den Blutglucose- und Insulinspiegel nicht beeinflusst – wodurch das Süßungsmittel auch für Menschen mit Diabetes mellitus attraktiv ist. In natürlicher Form kommt Erythritol in verschiedenen Lebensmitteln wie Pilzen oder Pistazien vor.

Zugleich steht Erythrit unter Verdacht, die Gefahr für Thrombosen und Infarkte zu erhöhen. Was bedeutet das für die Verbraucher*innen? Zuckeraustauschstoffe werden z. B. in großen Mengen von der Nahrungsmittelindustrie in hochverarbeiteten Lebensmitteln verwendet, um deren Zucker- und Energiegehalt zu reduzieren. Mediziner*innen sehen besonders kritisch, dass von Herstellerseite v. a. vulnerablen Personen mit Herz-Kreislauf- und Stoffwechselerkrankungen (z. B. Diabetes mellitus, Adipositas) die Einnahme von Zuckeraustauschstoffen als zucker- und energiereduzierte Option empfohlen wird. Denn diese Personen weisen aufgrund ihrer Vorerkrankungen bereits ein erhöhtes Thromboserisiko auf.

In der Studie wurden über drei Jahre hinweg mehr als 1000 Personen mit einem hohen Risiko für Schlaganfall oder Herzinfarkt beobachtet und mit unabhängigen Patient*innenkohorten aus den USA (> 2100 Personen) und Deutschland (> 830 Personen) verglichen. Bei Teilnehmenden, bei denen es in dieser Zeit zu Schlaganfall, Herzinfarkt oder gar Tod kam, wurde im Blut ein erhöhter Erythritolspiegel festgestellt. In einem Laborversuch wurde zudem nachgewiesen, dass der Zuckeraustauschstoff die Blutgerinnung und damit die Bildung von Gerinnseln (Thromben) beschleunigte. Bis dato wurde davon ausgegangen, dass die Substanz zwar in die Blutbahn aufgenommen, aber dann wieder nahezu vollständig über die Nieren ausgeschieden wird. Zudem fehlten Studien, die einen kausalen Zusammenhang zwischen Süßstoffen und kardiovaskulären Ereignissen untersuchten.

In einer weiteren kleinen prospektiven Pilot-Interventionsstudie haben Dr. Witkowski und sein Team die Konzentration von Erythritol im Blut direkt nach dem Konsum bei acht gesunden Studienteilnehmer*innen gemessen. „Die Einnahme von Erythritol führte zu einem starken und mehrere Tage anhaltenden Anstieg der Erythritolspiegel im Blut. Dieser lag deutlich über den Schwellenwerten, die mit einem erhöhten Thrombosepotenzial in den vorherigen Untersuchungen verbunden war“, erklärt der Wissenschaftler. Wissenschaftler*innen, die nicht an der Studie beteiligt waren, bewerteten die Ergebnisse mit Zurückhaltung, da noch zu viele Fragen offen seien. Vielmehr sollten die Daten als wichtiger Hinweis genutzt werden, Erythritol, wie auch andere Zuckerersatzstoffe in umfassenden Langzeituntersuchungen weiter unter die Lupe zu nehmen. Bis dahin muss auf Zuckeraustauschstoffe nicht verzichtet werden, sie sollten allerdings generell nur in mäßigen Mengen konsumiert werden.

Literatur


1. Witkowski M, et al.: The artificial sweetener erythritol and cardiovascular event risk. Nat Med 2023; 29: 710–8.

Quelle: Deutsche Herzstiftung e. V./Deutsche Stiftung für Herzforschung, Pressemeldung vom 12.06.2024




Diesen Artikel finden Sie auch in ERNÄHRUNGS UMSCHAU 7/2024 auf den Seiten M378 bis M379.


Bereits 2023 hatte Dr. med. Marco Witkowski in einer von der Cleveland Clinic geleiteten Studie in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Herzzentrum der Charité (DHZC) gezeigt, dass der Zuckeraustauschstoff Erythrit (Synonym: Erythritol) mit einem erhöhten Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall verbunden ist [1]. Für seine Forschung im Rahmen der Studie wurde Dr. Witkowski von der Deutschen Herzstiftung mit dem Wissenschaftspreis der Josef Freitag-Stiftung ausgezeichnet.








Erythrit gilt als natürliche und gut verträgliche Alternative für Zucker. Er wird aus Mais gewonnen und gerne als Zuckeraustauschstoff genutzt, da die Substanz nahezu frei von Energie ist und den Blutglucose- und Insulinspiegel nicht beeinflusst – wodurch das Süßungsmittel auch für Menschen mit Diabetes mellitus attraktiv ist. In natürlicher Form kommt Erythritol in verschiedenen Lebensmitteln wie Pilzen oder Pistazien vor.

Zugleich steht Erythrit unter Verdacht, die Gefahr für Thrombosen und Infarkte zu erhöhen. Was bedeutet das für die Verbraucher*innen? Zuckeraustauschstoffe werden z. B. in großen Mengen von der Nahrungsmittelindustrie in hochverarbeiteten Lebensmitteln verwendet, um deren Zucker- und Energiegehalt zu reduzieren. Mediziner*innen sehen besonders kritisch, dass von Herstellerseite v. a. vulnerablen Personen mit Herz-Kreislauf- und Stoffwechselerkrankungen (z. B. Diabetes mellitus, Adipositas) die Einnahme von Zuckeraustauschstoffen als zucker- und energiereduzierte Option empfohlen wird. Denn diese Personen weisen aufgrund ihrer Vorerkrankungen bereits ein erhöhtes Thromboserisiko auf.

In der Studie wurden über drei Jahre hinweg mehr als 1000 Personen mit einem hohen Risiko für Schlaganfall oder Herzinfarkt beobachtet und mit unabhängigen Patient*innenkohorten aus den USA (> 2100 Personen) und Deutschland (> 830 Personen) verglichen. Bei Teilnehmenden, bei denen es in dieser Zeit zu Schlaganfall, Herzinfarkt oder gar Tod kam, wurde im Blut ein erhöhter Erythritolspiegel festgestellt. In einem Laborversuch wurde zudem nachgewiesen, dass der Zuckeraustauschstoff die Blutgerinnung und damit die Bildung von Gerinnseln (Thromben) beschleunigte. Bis dato wurde davon ausgegangen, dass die Substanz zwar in die Blutbahn aufgenommen, aber dann wieder nahezu vollständig über die Nieren ausgeschieden wird. Zudem fehlten Studien, die einen kausalen Zusammenhang zwischen Süßstoffen und kardiovaskulären Ereignissen untersuchten.

In einer weiteren kleinen prospektiven Pilot-Interventionsstudie haben Dr. Witkowski und sein Team die Konzentration von Erythritol im Blut direkt nach dem Konsum bei acht gesunden Studienteilnehmer*innen gemessen. „Die Einnahme von Erythritol führte zu einem starken und mehrere Tage anhaltenden Anstieg der Erythritolspiegel im Blut. Dieser lag deutlich über den Schwellenwerten, die mit einem erhöhten Thrombosepotenzial in den vorherigen Untersuchungen verbunden war“, erklärt der Wissenschaftler. Wissenschaftler*innen, die nicht an der Studie beteiligt waren, bewerteten die Ergebnisse mit Zurückhaltung, da noch zu viele Fragen offen seien. Vielmehr sollten die Daten als wichtiger Hinweis genutzt werden, Erythritol, wie auch andere Zuckerersatzstoffe in umfassenden Langzeituntersuchungen weiter unter die Lupe zu nehmen. Bis dahin muss auf Zuckeraustauschstoffe nicht verzichtet werden, sie sollten allerdings generell nur in mäßigen Mengen konsumiert werden.

Literatur


1. Witkowski M, et al.: The artificial sweetener erythritol and cardiovascular event risk. Nat Med 2023; 29: 710–8.

Quelle: Deutsche Herzstiftung e. V./Deutsche Stiftung für Herzforschung, Pressemeldung vom 12.06.2024




Diesen Artikel finden Sie auch in ERNÄHRUNGS UMSCHAU 7/2024 auf den Seiten M378 bis M379.


Zuckeraustauschstoffe: Thromboserisiko durch Erythrit?

Erythrit gilt als natürliche und gut verträgliche Alternative für Zucker. Er wird aus Mais gewonnen und gerne als Zuckeraustauschstoff genutzt, da die Substanz nahezu frei von Energie ist und den Blutglucose- und Insulinspiegel nicht beeinflusst – wodurch das Süßungsmittel auch für Menschen mit Diabetes mellitus attraktiv ist. In natürlicher Form kommt Erythritol in verschiedenen Lebensmitteln wie Pilzen oder Pistazien vor.

Zugleich steht Erythrit unter Verdacht, die Gefahr für Thrombosen und Infarkte zu erhöhen. Was bedeutet das für die Verbraucher*innen? Zuckeraustauschstoffe werden z. B. in großen Mengen von der Nahrungsmittelindustrie in hochverarbeiteten Lebensmitteln verwendet, um deren Zucker- und Energiegehalt zu reduzieren. Mediziner*innen sehen besonders kritisch, dass von Herstellerseite v. a. vulnerablen Personen mit Herz-Kreislauf- und Stoffwechselerkrankungen (z. B. Diabetes mellitus, Adipositas) die Einnahme von Zuckeraustauschstoffen als zucker- und energiereduzierte Option empfohlen wird. Denn diese Personen weisen aufgrund ihrer Vorerkrankungen bereits ein erhöhtes Thromboserisiko auf.

In der Studie wurden über drei Jahre hinweg mehr als 1000 Personen mit einem hohen Risiko für Schlaganfall oder Herzinfarkt beobachtet und mit unabhängigen Patient*innenkohorten aus den USA (> 2100 Personen) und Deutschland (> 830 Personen) verglichen. Bei Teilnehmenden, bei denen es in dieser Zeit zu Schlaganfall, Herzinfarkt oder gar Tod kam, wurde im Blut ein erhöhter Erythritolspiegel festgestellt. In einem Laborversuch wurde zudem nachgewiesen, dass der Zuckeraustauschstoff die Blutgerinnung und damit die Bildung von Gerinnseln (Thromben) beschleunigte. Bis dato wurde davon ausgegangen, dass die Substanz zwar in die Blutbahn aufgenommen, aber dann wieder nahezu vollständig über die Nieren ausgeschieden wird. Zudem fehlten Studien, die einen kausalen Zusammenhang zwischen Süßstoffen und kardiovaskulären Ereignissen untersuchten.

In einer weiteren kleinen prospektiven Pilot-Interventionsstudie haben Dr. Witkowski und sein Team die Konzentration von Erythritol im Blut direkt nach dem Konsum bei acht gesunden Studienteilnehmer*innen gemessen. „Die Einnahme von Erythritol führte zu einem starken und mehrere Tage anhaltenden Anstieg der Erythritolspiegel im Blut. Dieser lag deutlich über den Schwellenwerten, die mit einem erhöhten Thrombosepotenzial in den vorherigen Untersuchungen verbunden war“, erklärt der Wissenschaftler. Wissenschaftler*innen, die nicht an der Studie beteiligt waren, bewerteten die Ergebnisse mit Zurückhaltung, da noch zu viele Fragen offen seien. Vielmehr sollten die Daten als wichtiger Hinweis genutzt werden, Erythritol, wie auch andere Zuckerersatzstoffe in umfassenden Langzeituntersuchungen weiter unter die Lupe zu nehmen. Bis dahin muss auf Zuckeraustauschstoffe nicht verzichtet werden, sie sollten allerdings generell nur in mäßigen Mengen konsumiert werden.

Literatur

1. Witkowski M, et al.: The artificial sweetener erythritol and cardiovascular event risk. Nat Med 2023; 29: 710–8.

Quelle: Deutsche Herzstiftung e. V./Deutsche Stiftung für Herzforschung, Pressemeldung vom 12.06.2024


Diesen Artikel finden Sie auch in ERNÄHRUNGS UMSCHAU 7/2024 auf den Seiten M378 bis M379.

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Artikelfakten

Veröffentlicht: 15.07.2024

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