„TikTok: Hier beginnen Trends.“1 So startet die deutsche Website des 2016 eröffneten Videoportals und sozialen Netzwerks TikTok. Anfänglich vor allem für virale Lipsync-, Tanzvideos und Internet-Challenges bekannt, umfasst die Plattform mittlerweile mehr als 1 Milliarde NutzerInnen weltweit.2 Die überwiegende Mehrheit der NutzerInnen gehört der Generation Z an3: geboren zwischen 1997 und 2012.
International stark umstritten:
ByteDance, das chinesische Unternehmen hinter Tik-Tok. Es gibt vielfach Bedenken hinsichtlich des Daten- und Jugendschutzes, Falschinformationen sowie Spionage und Zensur politischer und religiöser Themen. Auch in der Kritik: zu wenig werde getan gegen Sexismus und Cyber-Mobbing in den Kommentaren.
1, 4 (Mehr dazu unter dem Hashtag
DarkTok5)
Trotz der öffentlichen Kritik: Die Plattform wird im Alltag und Medienkonsum vieler Menschen immer relevanter. Auch wenn TikTok eher für humorvolle, kurzweilige Videos steht (Stichwort #TikTokTainment), sind mittlerweile auch große Institutionen und Formate wie die Tagesschau oder Chefkoch.de dabei. Da sich zudem unter den Videoclips mittlerweile massenhaft Food-Inhalte finden,
2 werfen Roman Obermayr, Dr. Juliane Yildiz und Prof. Dr. Jasmin Godemann von der Universität Gießen
ab S. M546 einen Blick in die Plattform.
6 Um das Phänomen TikTok zu verstehen und die Charakteristika der Medium-spezifischen (Ernährungs)Kommunikation nachzuvollziehen, analysiert das AutorInnenteam die Top-15-Hashtags mit Ernährungsbezug auf TikTok: von #food mit über 215 Milliarden (!) Aufrufen Ende 2021, über #yummy bis hin zu #vegan. Sie stellen dar, welche ernährungsbezogenen Inhalte kommuniziert werden, welchen Stellenwert die dargestellten Lebensmittel „genießen“ und welche Darstellungsweise die untersuchten Food-Videos nutzen.
Fest steht: Social-Media-Content hat immer mehr Einfluss auf Ess- und Lebensrealitäten, liefert Inhalte, Inspiration und Innovation. Und auch wenn die TikToks meist Genuss- und Spaß-orientiert sind: Entertainment umfasst oft mehr als Unterhaltung, sondern wird als mächtiger Treiber und wichtiger Hebel bei der Lösung der großen sozialen und planetaren Herausforderungen unserer Zeit gesehen.
7 Zwar müssen wir als Ernährungsfachkräfte nicht
alle und nicht
jede Plattform selbst bespielen (kurze Entwarnung als
Generation-Y-, nicht
Z, -Angehörige) – es gilt jedoch, die Kanäle und Formate, auf denen sich Menschen millionenfach zu Essen austauschen und informieren achtsam zu beobachten, um Ernährungsverhalten besser zu verstehen.
Stella Glogowski
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1 www.tiktok.com/de-DE 2 Statista: Statistiken zu TikTok. Veröffentlicht von L. Rabe, 29.07.2022.
https://de.statista.com/themen/5975/tiktok/#dossierKeyfigures 3 Rützler H, Reiter W: Food Report 2023. Zukunftsinstitut, Lebensmittel Zeitung, gv-praxis, foodservice (eds.). Zukunftsinstitut GmbH, Frankfurt: 2022; 92– 101. Kurzmeldung dazu:
www.ernaehrungs-umschau.de/news/04-08-2022-virale-tiktok-rezepte/ 4 Mehr dazu bspw. in der Süddeutschen Zeitung:
www.sueddeutsche.de/wirtschaft/tiktok-china-nutzerdaten-bytedance-zensur-1.5614661 5 Mehr zu DarkTok bspw. bei Funk:
presse.funk.net/pressemeldung/darktok-funk-beleuchtet-in-schwerpunkt-die-schattenseiten-von-tiktok/ 6 Obermayr R, Yildiz J, Godemann J:
Ernährungskommunikation auf TikTok. Ernährungs Umschau 2022; 69(10): M546–57.
7 Zukunftsinstitut: Die Zukunft des Entertainments: 4 Potenziale.
www.zukunftsinstitut.de/artikel/zukunft-des-entertainments-4-potenziale/
Dieses Editorial finden Sie auch in ERNÄHRUNGS UMSCHAU 10/2022 auf Seite M521.