Auf Basis von Krankenkassendaten aus der InGef-Datenbank [1] untersuchten Monika Rau et al. gemeinsam mit einem Team des Universitätsklinikums Würzburg, der Medizinischen Hochschule Hannover und des Instituts für angewandte Gesundheitsforschung (InGef) Berlin den Zeitraum 2017–2024. Sie analysierten, bei wie vielen hospitalisierten Patientinnen und Patienten während des Krankenhausaufenthalts erstmals Mangelernährung diagnostiziert wurde. Außerdem prüften sie, wie häufig in diesen Fällen eine Ernährungstherapie erfolgte. Ihre im Deutschen Ärzteblatt erschienene Auswertung [2] zeigt:
  • In vielen Krankenhäusern wird nach wie vor kein strukturiertes Screening auf Mangelernährung durchgeführt.
  • Selbst diagnostizierte Mangelernährung wird nur in geringem Maße therapiert (2,77–4,45 % OPS-kodierte Ernährungstherapie), im ausgewerteten Zeitraum mit sinkender Tendenz.
  • Es gibt geschlechtsspezifische Unterschiede: Jüngere und männliche Personen wurden häufiger therapiert als ältere und weibliche Personen.
Auch diese Studie zeigte ein höheres Mortalitätsrisiko und höhere Wiederaufnahmeraten mangelernährter Patientinnen und Patienten im Vergleich zu nicht mangelernährten und steht damit im Einklang mit anderen Untersuchungen zu diesem Thema. Die auf Basis einer alters- und  geschlechtsrepräsentativen Stichprobe von jährlich 5 Mio. Patient*innendaten ermittelten ICD-10-GM-dokumentierten1 Diagnoseraten für  Mangelernährung liegen deutlich unter den geschätzten tatsächlichen Prävalenzen im Krankenhaus-Setting (> 30 % lt. 15. Ernährungsbericht der Deutschen Gesellschaft für Ernährung [3], ca. 28 % in einer Schweizer Studie [4]). Und selbst diagnostizierte Personen erhielten in noch nicht einmal 5 % der Fälle eine nach OPS dokumentierte Ernährungstherapie2. Die Autor*innen bilanzieren, dass „eine erhebliche Diskrepanz zwischen der hohen Belastung durch Mangelernährung und deren unzureichender Erkennung und Behandlung in der Routineversorgung besteht. Trotz eindeutiger Belege für die Wirksamkeit ernährungsmedizinischer Maßnahmen wird Mangelernährung in deutschen Krankenhäusern nach wie vor zu selten diagnostiziert und behandelt.“ Sie fordern für Deutschland die Einführung eines systematischen Screenings auf Mangelernährung im stationären Bereich3. Anmerkung der Redaktion: (umk) Rechtzeitig erkannte und adäquat therapierte Mangelernährung senkt die Morbidität und Sterblichkeit, verringert den „Drehtüreffekt“ häufiger Wiederaufnahmen ins Krankenhaus, verbessert die Lebensqualität der Patientinnen und Patienten und senkt letztlich die Kosten für das Gesundheitssystem. Obwohl das schon länger bekannt und gut dokumentiert ist [5], zeigt die hier vorgestellte Studie für den Krankenhausalltag in Deutschland gleich mehrere Mängel zum Schaden der Patientinnen und Patienten. Gerade in Zeiten, in denen die Politik Kürzungen im Gesundheitssystem als alternativlos darstellt, verwundert, dass wirksame Lösungsansätze mit Kostenspareffekt bislang so unzureichend umgesetzt werden. Literatur
  1. Ludwig M, Enders D, Basedow F, Walker J, Jacob J: Sampling strategy, characteristics and representativeness of the InGef research database. Public Health 2022; 206: 57–62.
  2. Rau M, Obermüller D, Ludwig P, Einsele H, Wedemeyer H, Geier A, Hupa-Breier KL: Englische Überschrift. Dtsch Arztebl Int 2026; 123: 464–8.
  3. Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) (eds.): 15. DGE-Ernährungsbericht. Bonn 2024. www.dge.de/wissenschaft/ernaehrungsberichte/15-dge-ernaehrungsbericht/ (last accessed on 26 May 2026).
  4. Felder S, Lechtenboehmer C, Bally M, et al.: Association of nutritional risk and adverse medical outcomes across different medical inpatient populations. Nutrition 2015; 31: 1385–93.
_____________________________ 1 ICD-10-GM: International Classification of Diseases, 10th Revision, German Modification 2 Die Autor*innen der Studie weisen darauf hin, dass ggf. eine durchgeführte orale Ernährungstherapie nicht dokumentiert und daher nicht erfasst wurde. 3 Mit dem am 06.03.2026 verabschiedeten Krankenhausreformanpassungsgesetz (KHAG) wurde der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) beauftragt, verbindliche Qualitätsvorgaben für ein Ernährungsscreening bei stationären Patient*innen zu entwickeln. Somit hat der Bundestag erstmals eine verpflichtende systematische Erkennung von Mangelernährung in Krankenhäusern auf den Weg gebracht. → www.dgem.de/bundestag-beschliesst-ernaehrungsscreening Lesen Sie hierzu auch unser Sonderheft Mangelernährung https://fachshop.de/produkt/ernaehrungs-umschau-sonderheft-11-mangelernaehrung/
Diesen Artikel finden Sie auch in ERNÄHRUNGS UMSCHAU 9/2026 auf Seite M515.
Auf Basis von Krankenkassendaten aus der InGef-Datenbank [1] untersuchten Monika Rau et al. gemeinsam mit einem Team des Universitätsklinikums Würzburg, der Medizinischen Hochschule Hannover und des Instituts für angewandte Gesundheitsforschung (InGef) Berlin den Zeitraum 2017–2024. Sie analysierten, bei wie vielen hospitalisierten Patientinnen und Patienten während des Krankenhausaufenthalts erstmals Mangelernährung diagnostiziert wurde.
Auf Basis von Krankenkassendaten aus der InGef-Datenbank [1] untersuchten Monika Rau et al. gemeinsam mit einem Team des Universitätsklinikums Würzburg, der Medizinischen Hochschule Hannover und des Instituts für angewandte Gesundheitsforschung (InGef) Berlin den Zeitraum 2017–2024. Sie analysierten, bei wie vielen hospitalisierten Patientinnen und Patienten während des Krankenhausaufenthalts erstmals Mangelernährung diagnostiziert wurde. Außerdem prüften sie, wie häufig in diesen Fällen eine Ernährungstherapie erfolgte. Ihre im Deutschen Ärzteblatt erschienene Auswertung [2] zeigt:
  • In vielen Krankenhäusern wird nach wie vor kein strukturiertes Screening auf Mangelernährung durchgeführt.
  • Selbst diagnostizierte Mangelernährung wird nur in geringem Maße therapiert (2,77–4,45 % OPS-kodierte Ernährungstherapie), im ausgewerteten Zeitraum mit sinkender Tendenz.
  • Es gibt geschlechtsspezifische Unterschiede: Jüngere und männliche Personen wurden häufiger therapiert als ältere und weibliche Personen.
Auch diese Studie zeigte ein höheres Mortalitätsrisiko und höhere Wiederaufnahmeraten mangelernährter Patientinnen und Patienten im Vergleich zu nicht mangelernährten und steht damit im Einklang mit anderen Untersuchungen zu diesem Thema. Die auf Basis einer alters- und  geschlechtsrepräsentativen Stichprobe von jährlich 5 Mio. Patient*innendaten ermittelten ICD-10-GM-dokumentierten1 Diagnoseraten für  Mangelernährung liegen deutlich unter den geschätzten tatsächlichen Prävalenzen im Krankenhaus-Setting (> 30 % lt. 15. Ernährungsbericht der Deutschen Gesellschaft für Ernährung [3], ca. 28 % in einer Schweizer Studie [4]). Und selbst diagnostizierte Personen erhielten in noch nicht einmal 5 % der Fälle eine nach OPS dokumentierte Ernährungstherapie2. Die Autor*innen bilanzieren, dass „eine erhebliche Diskrepanz zwischen der hohen Belastung durch Mangelernährung und deren unzureichender Erkennung und Behandlung in der Routineversorgung besteht. Trotz eindeutiger Belege für die Wirksamkeit ernährungsmedizinischer Maßnahmen wird Mangelernährung in deutschen Krankenhäusern nach wie vor zu selten diagnostiziert und behandelt.“ Sie fordern für Deutschland die Einführung eines systematischen Screenings auf Mangelernährung im stationären Bereich3. Anmerkung der Redaktion: (umk) Rechtzeitig erkannte und adäquat therapierte Mangelernährung senkt die Morbidität und Sterblichkeit, verringert den „Drehtüreffekt“ häufiger Wiederaufnahmen ins Krankenhaus, verbessert die Lebensqualität der Patientinnen und Patienten und senkt letztlich die Kosten für das Gesundheitssystem. Obwohl das schon länger bekannt und gut dokumentiert ist [5], zeigt die hier vorgestellte Studie für den Krankenhausalltag in Deutschland gleich mehrere Mängel zum Schaden der Patientinnen und Patienten. Gerade in Zeiten, in denen die Politik Kürzungen im Gesundheitssystem als alternativlos darstellt, verwundert, dass wirksame Lösungsansätze mit Kostenspareffekt bislang so unzureichend umgesetzt werden. Literatur
  1. Ludwig M, Enders D, Basedow F, Walker J, Jacob J: Sampling strategy, characteristics and representativeness of the InGef research database. Public Health 2022; 206: 57–62.
  2. Rau M, Obermüller D, Ludwig P, Einsele H, Wedemeyer H, Geier A, Hupa-Breier KL: Englische Überschrift. Dtsch Arztebl Int 2026; 123: 464–8.
  3. Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) (eds.): 15. DGE-Ernährungsbericht. Bonn 2024. www.dge.de/wissenschaft/ernaehrungsberichte/15-dge-ernaehrungsbericht/ (last accessed on 26 May 2026).
  4. Felder S, Lechtenboehmer C, Bally M, et al.: Association of nutritional risk and adverse medical outcomes across different medical inpatient populations. Nutrition 2015; 31: 1385–93.
_____________________________ 1 ICD-10-GM: International Classification of Diseases, 10th Revision, German Modification 2 Die Autor*innen der Studie weisen darauf hin, dass ggf. eine durchgeführte orale Ernährungstherapie nicht dokumentiert und daher nicht erfasst wurde. 3 Mit dem am 06.03.2026 verabschiedeten Krankenhausreformanpassungsgesetz (KHAG) wurde der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) beauftragt, verbindliche Qualitätsvorgaben für ein Ernährungsscreening bei stationären Patient*innen zu entwickeln. Somit hat der Bundestag erstmals eine verpflichtende systematische Erkennung von Mangelernährung in Krankenhäusern auf den Weg gebracht. → www.dgem.de/bundestag-beschliesst-ernaehrungsscreening Lesen Sie hierzu auch unser Sonderheft Mangelernährung https://fachshop.de/produkt/ernaehrungs-umschau-sonderheft-11-mangelernaehrung/
Diesen Artikel finden Sie auch in ERNÄHRUNGS UMSCHAU 9/2026 auf Seite M515.

Mangelernährung: Unterdiagnostiziert und untertherapiert

Auf Basis von Krankenkassendaten aus der InGef-Datenbank [1] untersuchten Monika Rau et al. gemeinsam mit einem Team des Universitätsklinikums Würzburg, der Medizinischen Hochschule Hannover und des Instituts für angewandte Gesundheitsforschung (InGef) Berlin den Zeitraum 2017–2024. Sie analysierten, bei wie vielen hospitalisierten Patientinnen und Patienten während des Krankenhausaufenthalts erstmals Mangelernährung diagnostiziert wurde.

Außerdem prüften sie, wie häufig in diesen Fällen eine Ernährungstherapie erfolgte. Ihre im Deutschen Ärzteblatt erschienene Auswertung [2] zeigt:

  • In vielen Krankenhäusern wird nach wie vor kein strukturiertes Screening auf Mangelernährung durchgeführt.
  • Selbst diagnostizierte Mangelernährung wird nur in geringem Maße therapiert (2,77–4,45 % OPS-kodierte Ernährungstherapie), im ausgewerteten Zeitraum mit sinkender Tendenz.
  • Es gibt geschlechtsspezifische Unterschiede: Jüngere und männliche Personen wurden häufiger therapiert als ältere und weibliche Personen.

Auch diese Studie zeigte ein höheres Mortalitätsrisiko und höhere Wiederaufnahmeraten mangelernährter Patientinnen und Patienten im Vergleich zu nicht mangelernährten und steht damit im Einklang mit anderen Untersuchungen zu diesem Thema. Die auf Basis einer alters- und  geschlechtsrepräsentativen Stichprobe von jährlich 5 Mio. Patient*innendaten ermittelten ICD-10-GM-dokumentierten1 Diagnoseraten für  Mangelernährung liegen deutlich unter den geschätzten tatsächlichen Prävalenzen im Krankenhaus-Setting (> 30 % lt. 15. Ernährungsbericht der Deutschen Gesellschaft für Ernährung [3], ca. 28 % in einer Schweizer Studie [4]). Und selbst diagnostizierte Personen erhielten in noch nicht einmal 5 % der Fälle eine nach OPS dokumentierte Ernährungstherapie2. Die Autor*innen bilanzieren, dass „eine erhebliche Diskrepanz zwischen der hohen Belastung durch Mangelernährung und deren unzureichender Erkennung und Behandlung in der Routineversorgung besteht. Trotz eindeutiger Belege für die Wirksamkeit ernährungsmedizinischer Maßnahmen wird Mangelernährung in deutschen Krankenhäusern nach wie vor zu selten diagnostiziert und behandelt.“ Sie fordern für Deutschland die Einführung eines systematischen Screenings auf Mangelernährung im stationären Bereich3.

Anmerkung der Redaktion: (umk) Rechtzeitig erkannte und adäquat therapierte Mangelernährung senkt die Morbidität und Sterblichkeit, verringert den „Drehtüreffekt“ häufiger Wiederaufnahmen ins Krankenhaus, verbessert die Lebensqualität der Patientinnen und Patienten und senkt letztlich die Kosten für das Gesundheitssystem.
Obwohl das schon länger bekannt und gut dokumentiert ist [5], zeigt die hier vorgestellte Studie für den Krankenhausalltag in Deutschland gleich mehrere Mängel zum Schaden der Patientinnen und Patienten. Gerade in Zeiten, in denen die Politik Kürzungen im Gesundheitssystem als alternativlos darstellt, verwundert, dass wirksame Lösungsansätze mit Kostenspareffekt bislang so unzureichend umgesetzt werden.

Literatur

  1. Ludwig M, Enders D, Basedow F, Walker J, Jacob J: Sampling strategy, characteristics and representativeness of the InGef research database. Public Health 2022; 206: 57–62.
  2. Rau M, Obermüller D, Ludwig P, Einsele H, Wedemeyer H, Geier A, Hupa-Breier KL: Englische Überschrift. Dtsch Arztebl Int 2026; 123: 464–8.
  3. Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) (eds.): 15. DGE-Ernährungsbericht. Bonn 2024. www.dge.de/wissenschaft/ernaehrungsberichte/15-dge-ernaehrungsbericht/ (last accessed on 26 May 2026).
  4. Felder S, Lechtenboehmer C, Bally M, et al.: Association of nutritional risk and adverse medical outcomes across different medical inpatient populations. Nutrition 2015; 31: 1385–93.

_____________________________
1 ICD-10-GM: International Classification of Diseases, 10th Revision, German Modification
2 Die Autor*innen der Studie weisen darauf hin, dass ggf. eine durchgeführte orale Ernährungstherapie nicht dokumentiert und daher nicht erfasst wurde.
3 Mit dem am 06.03.2026 verabschiedeten Krankenhausreformanpassungsgesetz (KHAG) wurde der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) beauftragt, verbindliche Qualitätsvorgaben für ein Ernährungsscreening bei stationären Patient*innen zu entwickeln. Somit hat der Bundestag erstmals eine verpflichtende systematische Erkennung von Mangelernährung in Krankenhäusern auf den Weg gebracht. → www.dgem.de/bundestag-beschliesst-ernaehrungsscreening

Lesen Sie hierzu auch unser Sonderheft Mangelernährung https://fachshop.de/produkt/ernaehrungs-umschau-sonderheft-11-mangelernaehrung/



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Veröffentlicht: 15.09.2026

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