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Peer-Review-Verfahren | Eingereicht: 16.06.2016 | Angenommen: 24.10.2016

Einleitung


In den letzten Jahren hat vegane Ernährung in Deutschland zunehmend an Bedeutung gewonnen. Bislang gibt es allerdings keine verlässlichen Daten über die genaue Anzahl an Veganern in Deutschland. Schätzungen zufolge lag ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung Deutschlands im Jahr 2015 bei ca. 1 % [1, 2]. Auch wenn die Zahl der in Deutschland lebenden Veganer nicht eindeutig beziffert werden kann, ist der allgemeine Trend hin zu vegetarischen und veganen Ernährungsformen auch in anderen gesellschaftlichen Bereichen wie dem Kochbuchmarkt, in der Gastronomie und der deutschen Messelandschaft zu beobachten.


Während im Jahr 2010 41 Verlage insgesamt 67 vegane/vegetarische Kochbücher herausbrachten, waren es bereits im ersten Quartal 2014 71 Verlage und 135 vegane/vegetarische Kochbücher [3]. Angaben des Vegetarierbunds Deutschland e. V. (VEBU) zufolge wurden im Jahr 2013 75 vegane Gastronomiebetriebe in mittelgroßen und großen Städten in Deutschland gezählt, im Januar 2015 waren 122 vegane Gastronomiebetriebe gelistet [4]. Außerdem gab es 2015 deutschlandweit sieben verschiedene gut besuchte Messen, die sich ausschließlich mit veganer Ernährung befassten [5]. Auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE) hat mittlerweile ein Positionspapier zur veganen Ernährung publiziert [6].

Abstract


Die vegane Ernährung gewinnt in der deutschen Bevölkerung immer mehr an Bedeutung. Lange Zeit existierten keine einheitlichen Definitionen oder staatlichen Regelungen zur Verwendung des Begriffs ‚vegan‘. Erst im April 2016 beschlossen die Verbraucherschutzminister der Länder eine einheitliche Begriffsdefinition, die vorübergehend als Grundlage von der Lebensmittelüberwachung bei der Beurteilung von Produkten dienen soll, bis die Europäische Kommission einheitliche Regelungen erlässt. Zudem gibt es kaum Daten zur aktuellen Kennzeichnungspraxis bei veganen Lebensmitteln.

In der vorliegenden Studie wurde daher eine Bestandsaufnahme der am Markt üblichen Kennzeichnungen und Siegel für vegane Lebensmittel durchgeführt, die Transparenz der dahinterstehenden Standards ermittelt und die aktuelle Kennzeichnungspraxis bewertet. Dazu wurden in 24 Einkaufsstätten anhand von elf Produktkategorien Daten zur Kennzeichnungspraxis bei veganen Lebensmitteln erhoben. Bei der Kennzeichnung veganer Lebensmittel ist grundsätzlich zwischen herstellereigenen Kennzeichnungen und herstellerunabhängigen Siegeln zu unterscheiden, die durch unabhängige Drittorganisationen vergeben werden.

Von den 108 Produkten, die in die Analyse einbezogen wurden, trugen 79 % eine herstellereigene Kennzeichnung, 44 % ein herstellerunabhängiges Siegel und 23 % waren sowohl mit einer herstellereigenen Kennzeichnung als auch mit einem herstellerunabhängigen Siegel versehen. Während die hinter den Kennzeichnungen stehenden Standards der unabhängigen Drittorganisationen online leicht eingesehen werden konnten, blieben die hinter den herstellereigenen Kennzeichnungen stehenden Standards weitestgehend intransparent. Die derzeitige Kennzeichnungspraxis bei veganen Produkten durch herstellereigene Kennzeichnungen muss somit als teilweise verbraucherunfreundlich und verbesserungswürdig bewertet werden.

Schlüsselwörter: vegan, vegetarisch, vegane Lebensmittel, Lebensmittelkennzeichnung, Siegel, Verbraucherschutz, Lebensmittelindustrie






Peer-reviewed | Manuscript received: June 16, 2016 | Revision accepted: October 24, 2016


Vegan foods: Labelling practice


Abstract


Recently, vegan food has gained importance in the German population. For a long time, there was neither a uniform definition nor governmental regulation on the use of the term ‘vegan’. It wasn't until April 2016 that the consumerism ministers of the German federal states agreed on a uniform definition of the term. This definition is supposed to function as a temporarily base for evaluation for the official food control, until the European Commission issues standardized regulations. In addition, little is known about the labelling practice of vegan foods.

The aim of the present study was therefore to conduct an inventory of vegan food labels, to analyze the transparency of the standards behind the labels and to evaluate the current practice of vegan food labelling. Data was collected in 24 grocery stores for eleven product categories. The results of the study show there are two main types of vegan food labels: producer labels and third-party labels from independent organizations.

From 108 products analyzed, 79% were labelled with a producer label and only 44% carried a third-party label. In total, 23% of the products were labelled with both types of labels. Whereas the certification and production standards of the third-party labels could easily be found and accessed on the internet, the standards behind most of the producer labels were not transparent. The study concludes that the current practice of labelling vegan food merely with producer labels is partly not con- sumer-friendly and should be improved to increase transparency.

Keywords: vegan, vegetarian, vegan foods, food labelling, label, consumer protection, food industry

Full text PDF (free access)




Den vollständigen Artikel finden Sie auch in Ernährungs Umschau 3/17 von Seite M139 bis M145.




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Peer-Review-Verfahren | Eingereicht: 16.06.2016 | Angenommen: 24.10.2016

Einleitung


In den letzten Jahren hat vegane Ernährung in Deutschland zunehmend an Bedeutung gewonnen. Bislang gibt es allerdings keine verlässlichen Daten über die genaue Anzahl an Veganern in Deutschland. Schätzungen zufolge lag ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung Deutschlands im Jahr 2015 bei ca. 1 % [1, 2]. Auch wenn die Zahl der in Deutschland lebenden Veganer nicht eindeutig beziffert werden kann, ist der allgemeine Trend hin zu vegetarischen und veganen Ernährungsformen auch in anderen gesellschaftlichen Bereichen wie dem Kochbuchmarkt, in der Gastronomie und der deutschen Messelandschaft zu beobachten.


Während im Jahr 2010 41 Verlage insgesamt 67 vegane/vegetarische Kochbücher herausbrachten, waren es bereits im ersten Quartal 2014 71 Verlage und 135 vegane/vegetarische Kochbücher [3]. Angaben des Vegetarierbunds Deutschland e. V. (VEBU) zufolge wurden im Jahr 2013 75 vegane Gastronomiebetriebe in mittelgroßen und großen Städten in Deutschland gezählt, im Januar 2015 waren 122 vegane Gastronomiebetriebe gelistet [4]. Außerdem gab es 2015 deutschlandweit sieben verschiedene gut besuchte Messen, die sich ausschließlich mit veganer Ernährung befassten [5]. Auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE) hat mittlerweile ein Positionspapier zur veganen Ernährung publiziert [6].

Abstract


Die vegane Ernährung gewinnt in der deutschen Bevölkerung immer mehr an Bedeutung. Lange Zeit existierten keine einheitlichen Definitionen oder staatlichen Regelungen zur Verwendung des Begriffs ‚vegan‘. Erst im April 2016 beschlossen die Verbraucherschutzminister der Länder eine einheitliche Begriffsdefinition, die vorübergehend als Grundlage von der Lebensmittelüberwachung bei der Beurteilung von Produkten dienen soll, bis die Europäische Kommission einheitliche Regelungen erlässt. Zudem gibt es kaum Daten zur aktuellen Kennzeichnungspraxis bei veganen Lebensmitteln.

In der vorliegenden Studie wurde daher eine Bestandsaufnahme der am Markt üblichen Kennzeichnungen und Siegel für vegane Lebensmittel durchgeführt, die Transparenz der dahinterstehenden Standards ermittelt und die aktuelle Kennzeichnungspraxis bewertet. Dazu wurden in 24 Einkaufsstätten anhand von elf Produktkategorien Daten zur Kennzeichnungspraxis bei veganen Lebensmitteln erhoben. Bei der Kennzeichnung veganer Lebensmittel ist grundsätzlich zwischen herstellereigenen Kennzeichnungen und herstellerunabhängigen Siegeln zu unterscheiden, die durch unabhängige Drittorganisationen vergeben werden.

Von den 108 Produkten, die in die Analyse einbezogen wurden, trugen 79 % eine herstellereigene Kennzeichnung, 44 % ein herstellerunabhängiges Siegel und 23 % waren sowohl mit einer herstellereigenen Kennzeichnung als auch mit einem herstellerunabhängigen Siegel versehen. Während die hinter den Kennzeichnungen stehenden Standards der unabhängigen Drittorganisationen online leicht eingesehen werden konnten, blieben die hinter den herstellereigenen Kennzeichnungen stehenden Standards weitestgehend intransparent. Die derzeitige Kennzeichnungspraxis bei veganen Produkten durch herstellereigene Kennzeichnungen muss somit als teilweise verbraucherunfreundlich und verbesserungswürdig bewertet werden.

Schlüsselwörter: vegan, vegetarisch, vegane Lebensmittel, Lebensmittelkennzeichnung, Siegel, Verbraucherschutz, Lebensmittelindustrie






Peer-reviewed | Manuscript received: June 16, 2016 | Revision accepted: October 24, 2016


Vegan foods: Labelling practice


Abstract


Recently, vegan food has gained importance in the German population. For a long time, there was neither a uniform definition nor governmental regulation on the use of the term ‘vegan’. It wasn't until April 2016 that the consumerism ministers of the German federal states agreed on a uniform definition of the term. This definition is supposed to function as a temporarily base for evaluation for the official food control, until the European Commission issues standardized regulations. In addition, little is known about the labelling practice of vegan foods.

The aim of the present study was therefore to conduct an inventory of vegan food labels, to analyze the transparency of the standards behind the labels and to evaluate the current practice of vegan food labelling. Data was collected in 24 grocery stores for eleven product categories. The results of the study show there are two main types of vegan food labels: producer labels and third-party labels from independent organizations.

From 108 products analyzed, 79% were labelled with a producer label and only 44% carried a third-party label. In total, 23% of the products were labelled with both types of labels. Whereas the certification and production standards of the third-party labels could easily be found and accessed on the internet, the standards behind most of the producer labels were not transparent. The study concludes that the current practice of labelling vegan food merely with producer labels is partly not con- sumer-friendly and should be improved to increase transparency.

Keywords: vegan, vegetarian, vegan foods, food labelling, label, consumer protection, food industry

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Den vollständigen Artikel finden Sie auch in Ernährungs Umschau 3/17 von Seite M139 bis M145.


Vegane Lebensmittel: Kennzeichnungspraxis

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Peer-Review-Verfahren | Eingereicht: 16.06.2016 | Angenommen: 24.10.2016

Einleitung
In den letzten Jahren hat vegane Ernährung in Deutschland zunehmend an Bedeutung gewonnen. Bislang gibt es allerdings keine verlässlichen Daten über die genaue Anzahl an Veganern in Deutschland. Schätzungen zufolge lag ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung Deutschlands im Jahr 2015 bei ca. 1 % [1, 2]. Auch wenn die Zahl der in Deutschland lebenden Veganer nicht eindeutig beziffert werden kann, ist der allgemeine Trend hin zu vegetarischen und veganen Ernährungsformen auch in anderen gesellschaftlichen Bereichen wie dem Kochbuchmarkt, in der Gastronomie und der deutschen Messelandschaft zu beobachten.

Während im Jahr 2010 41 Verlage insgesamt 67 vegane/vegetarische Kochbücher herausbrachten, waren es bereits im ersten Quartal 2014 71 Verlage und 135 vegane/vegetarische Kochbücher [3]. Angaben des Vegetarierbunds Deutschland e. V. (VEBU) zufolge wurden im Jahr 2013 75 vegane Gastronomiebetriebe in mittelgroßen und großen Städten in Deutschland gezählt, im Januar 2015 waren 122 vegane Gastronomiebetriebe gelistet [4]. Außerdem gab es 2015 deutschlandweit sieben verschiedene gut besuchte Messen, die sich ausschließlich mit veganer Ernährung befassten [5]. Auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE) hat mittlerweile ein Positionspapier zur veganen Ernährung publiziert [6].

Abstract

Die vegane Ernährung gewinnt in der deutschen Bevölkerung immer mehr an Bedeutung. Lange Zeit existierten keine einheitlichen Definitionen oder staatlichen Regelungen zur Verwendung des Begriffs ‚vegan‘. Erst im April 2016 beschlossen die Verbraucherschutzminister der Länder eine einheitliche Begriffsdefinition, die vorübergehend als Grundlage von der Lebensmittelüberwachung bei der Beurteilung von Produkten dienen soll, bis die Europäische Kommission einheitliche Regelungen erlässt. Zudem gibt es kaum Daten zur aktuellen Kennzeichnungspraxis bei veganen Lebensmitteln.

In der vorliegenden Studie wurde daher eine Bestandsaufnahme der am Markt üblichen Kennzeichnungen und Siegel für vegane Lebensmittel durchgeführt, die Transparenz der dahinterstehenden Standards ermittelt und die aktuelle Kennzeichnungspraxis bewertet. Dazu wurden in 24 Einkaufsstätten anhand von elf Produktkategorien Daten zur Kennzeichnungspraxis bei veganen Lebensmitteln erhoben. Bei der Kennzeichnung veganer Lebensmittel ist grundsätzlich zwischen herstellereigenen Kennzeichnungen und herstellerunabhängigen Siegeln zu unterscheiden, die durch unabhängige Drittorganisationen vergeben werden.

Von den 108 Produkten, die in die Analyse einbezogen wurden, trugen 79 % eine herstellereigene Kennzeichnung, 44 % ein herstellerunabhängiges Siegel und 23 % waren sowohl mit einer herstellereigenen Kennzeichnung als auch mit einem herstellerunabhängigen Siegel versehen. Während die hinter den Kennzeichnungen stehenden Standards der unabhängigen Drittorganisationen online leicht eingesehen werden konnten, blieben die hinter den herstellereigenen Kennzeichnungen stehenden Standards weitestgehend intransparent. Die derzeitige Kennzeichnungspraxis bei veganen Produkten durch herstellereigene Kennzeichnungen muss somit als teilweise verbraucherunfreundlich und verbesserungswürdig bewertet werden.

Schlüsselwörter: vegan, vegetarisch, vegane Lebensmittel, Lebensmittelkennzeichnung, Siegel, Verbraucherschutz, Lebensmittelindustrie


Peer-reviewed | Manuscript received: June 16, 2016 | Revision accepted: October 24, 2016

Vegan foods: Labelling practice
Abstract

Recently, vegan food has gained importance in the German population. For a long time, there was neither a uniform definition nor governmental regulation on the use of the term ‘vegan’. It wasn’t until April 2016 that the consumerism ministers of the German federal states agreed on a uniform definition of the term. This definition is supposed to function as a temporarily base for evaluation for the official food control, until the European Commission issues standardized regulations. In addition, little is known about the labelling practice of vegan foods.

The aim of the present study was therefore to conduct an inventory of vegan food labels, to analyze the transparency of the standards behind the labels and to evaluate the current practice of vegan food labelling. Data was collected in 24 grocery stores for eleven product categories. The results of the study show there are two main types of vegan food labels: producer labels and third-party labels from independent organizations.

From 108 products analyzed, 79% were labelled with a producer label and only 44% carried a third-party label. In total, 23% of the products were labelled with both types of labels. Whereas the certification and production standards of the third-party labels could easily be found and accessed on the internet, the standards behind most of the producer labels were not transparent. The study concludes that the current practice of labelling vegan food merely with producer labels is partly not con- sumer-friendly and should be improved to increase transparency.

Keywords: vegan, vegetarian, vegan foods, food labelling, label, consumer protection, food industry

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Veröffentlicht: 15.03.2017

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